Spielformen in der Pädagogik: Bedeutung für die Kindesentwicklung

Kinderhand mit Spielformen
  • Die verschiedenen Spielformen der Pädagogik haben unterschiedliche Ziele, sodass sie nebeneinander stehen können.
  • Kinder kreieren im Kindergarten, der Schule oder zu Hause vielfach eigene Spiele, die Erzieher, Lehrer und Eltern nicht vorgesehen haben.
  • Spiele sind ein Teil des Bildungsprozesses. Auf diese Weise können Kinder ihre Fähigkeiten verbessern, neue Dinge herausfinden oder Leidenschaften entwickeln.

Kindliche Spiele werden von Außenstehenden teils belächelt, von anderen jedoch auch genau bewertet.
Tatsächlich sind sie von elementarer Bedeutung für die Entwicklung von Kindern. Bei der Anzahl an unterschiedlichen Spielformen ist es allerdings nicht leicht, den Überblick zu behalten.

Um es Ihnen etwas leichter zu machen, haben wir in unserem Text zahlreiche unterschiedliche Spielformen aufgelistet. Zudem informieren wir Sie über die Relevanz der Spielentwicklung.

1. Die Spielentwicklung von Kindern – Spiele sind Ausdruck der Persönlichkeit

drei Kinder spielen zusammen

Kinder gestalten auch ganz eigene Spiele.

Für Kinder ist es völlig normal, zu spielen. Auch wenn Erwachsene stetig daran arbeiten, den Kindern perfekte Möglichkeiten für verschiedene Spielformen zu schaffen, so zeigt sich in der Praxis, dass Kinder oftmals mit sehr wenigen Dingen auskommen, um ihre ganz eigenen Spielideen umzusetzen.

Nicht immer findet das freie Spiel im Rahmen der Pädagogik ausreichende Berücksichtigung. Auch wenn Regeln für Kinder eine wichtige Aufgabe erfüllen, so zeigt die Spielentwicklung, dass Kinder selbst in der Lage sind, ganz eigene Regeln aufzustellen, nach denen gespielt wird.

Dies soll keineswegs bedeuten, dass auf Vorgaben verzichtet wird. Kinder sind jedoch in der Lage, sich viele Dinge auch selbst anzueignen, sodass die erzieherische Aufgabe vielmehr darin besteht, Kindern die Möglichkeit verschiedener Spielformen zu offenbaren.

Tipp: Wichtig ist, dass Kinder die Möglichkeit haben, verschiedene Spielformen auszuprobieren und so auf unterschiedlichen Ebenen Erfahrungen sammeln können.

Das Spielen die effizienteste Form des Lernens ist, sehen Sie noch einmal in diesem YouTube-Video:

2. Durch unterschiedliche Spielformen lernen

Es existieren sehr viele verschiedene Möglichkeiten des Spiels. Die wichtigsten und typischen Formen des Kinderspiels stellen wir Ihnen in den folgenden Absätzen kurz vor.

2.1. Funktionsspiele – Spielen durch Ausprobieren

Kind nimmt Babyspielzeug in den Mund

Babys untersuchen fast alle Spielzeuge mit dem Mund.

Funktionsspiele zeichnen sich dadurch aus, dass Kinder mit verschiedenen Materialien experimentieren. Bereits in den ersten Lebensmonaten beginnen Kinder damit, Dinge in den Mund zu nehmen, um sie kennenzulernen und zu bewerten.

Die Befriedigung der Kinder besteht in der Sinneserfahrung selbst. Das Spiel hat kein direktes Ziel, soll also nirgendwohin führen.

Im Fokus stehen dabei sehr unterschiedliche Sinne. Während es manchmal darum geht, das kitzelnde Gras unter den Füßen zu spüren, versuchen Kinder in anderen Momenten, Formen und Farben zu erkennen oder den Klang von auf den Boden geworfenen Gegenständen einzuordnen.

Funktionsspiele zählen daher zu den ersten spielerischen Erfahrungen von Kindern.

Achtung: Piaget bezeichnet den Bereich der Funktionsspiele als Übungsspiele.

2.2. Konstruktionsspiele – eine der Spielformen mit klarem Ziel

Wenn Kinder Konstruktionsspiele spielen, geht es ihnen darum, etwas Bestimmtes zu erschaffen. Dies muss nicht der formvollendete Lego-Technik-Truck sein; das Ziel kann auch eine einfache Knetfigur sein.

Ein für Mama oder Papa gemaltes Bild in der Kita, gemeinsam hergestelltes Papier oder auch ein Papierflieger sind Möglichkeiten, um die Konzentration sowie die Kreativität zu fördern.

Durch das Erreichen des teils vorgegebenen oder aber selbst gesteckten Ziels gewinnen Kinder an Selbstvertrauen und sehen, was sie erschaffen haben.

2.3. Bewegungsspiele – so fördern Sie die Grob- und Feinmotorik

ein kleines Mädchen lässt einen Drachen steigen

Kinder brauchen Bewegung.

Neben den geistigen Fähigkeiten müssen Kinder auch ihre körperlichen Fähigkeiten entdecken und dem natürlichen Drang nach Bewegung nachgeben. Insbesondere dann, wenn Kinder längere Zeit konzentriert an etwas gearbeitet haben, wirkt ein in die Runde geworfener Ball Wunder.

Durch Bewegungsspiele sind Kinder in der Lage, ihre motorischen Fähigkeiten zu verbessern. Beim Training kommt es sowohl auf fein- als auch auf grobmotorische Fähigkeiten an.
Fußballspielen, Zielwerfen oder Schaukeln sind nur einige Möglichkeiten, um Kindern Bewegung näherzubringen.

Tipp: Die meisten Bewegungsspiele eignen sich auch gut als Gruppenspiele. So können Kinder im Team zusammenarbeiten und lernen, auf andere Kinder Rücksicht zu nehmen.

2.4. Rollenspiele eröffnen die Chance, sich in andere hineinzuversetzen

zwei Kinder spielen Doktor

Rollenspiele helfen Kindern dabei, die Gefühlswelt anderer Menschen kennenzulernen.

Entwicklung bedeutet in gewisser Weise auch Identitätsfindung. Um jedoch zu wissen, wer sie selbst sind, ist es wichtig, von Zeit zu Zeit einmal die Perspektive zu wechseln. Durch Rollenspiele haben Kinder die Möglichkeit, tief in eine andere Rolle abzutauchen und sich intensiv damit auseinanderzusetzen.

Teils schlüpfen Kinder bei Rollenspielen in die Rolle realer Personen, wie die eines Polizisten, einer Krankenschwester oder eines Handwerkers oder aber sie nutzen fiktive Gestalten, wie Hexen und Zauberer, um sich mit ihnen zu identifizieren.

Der Ablauf des Spiels ergibt sich meist aus der Situation heraus. Im Fokus stehen der direkte Kontakt und Austausch mit anderen Kindern.

2.5. Regelspiele – feste Strukturen schulen den Umgang mit Grenzen

Jeder Spieler muss sich bei dieser Art von Spielen an strikte Vorgaben halten. Unter Regelspiele fallen dabei sowohl solche, die sich Kinder selbst ausdenken als auch fixe Regeln bestimmter Spiele.

Wichtig ist nur, dass das jeweils geltende Regelwerk vorab feststeht und während des Spielverlaufs nicht mehr angepasst wird. Kinder sollen in diesem Zusammenhang lernen, sich mit Grenzen auseinanderzusetzen.

Kinder können zwar gewinnen, müssen jedoch auch in der Lage sein, ein Spiel zu verlieren. Regelspiele sollen dabei weniger auf Glück ausgerichtet sein, sondern vielmehr eine gewisse Strategie erfordern.

3. Die Anzahl der Spielformen ist nicht festgelegt

Spiele in der digitalen Welt:

Wie die Kinder-Medien-Studie 2018 zeigt, verlagern sich Spielformen mit zunehmendem Alter auch in den Bereich virtueller Spiele. Für kleinere Kinder sind digitale Inhalte jedoch von geringerer Bedeutung.

Die Vielfalt unterschiedlicher Spielformen macht es schwer, eine klare Abgrenzung zu schaffen. Neben den o.g. Spielen existieren zahlreiche weitere, die sich jedoch inhaltlich oftmals überschneiden oder lediglich Untergruppen darstellen.

So können Kinder ihr Wissen beispielsweise bei Rätsel- oder Quizspielen trainieren, ihre sprachlichen oder musikalischen Fähigkeiten beim gemeinsamen Singen und Musizieren herausfordern sowie ihre Reaktionsgeschwindigkeit bei vielen Bewegungs- und Sportspielen verbessern.

Sprachspiele und Gedächtnisspiele sind auf der einen Seite sehr wichtig, während jedoch auch Mathespiele nicht zu vernachlässigen sind.

Tipp: Versuchen Sie, eine Mischung zwischen geistig und körperlich herausfordernden, kreativen sowie entspannenden Spielen zu schaffen. Nutzen Sie also die gesamte Bandbreite an Spielformen aus, um Kindern möglichst viele Chancen der Entwicklung und Entfaltung zu bieten.

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