Skoliose beim Kind: Ursachen, Symptome und Therapie

Kind mit krummer Wirbelsäule
  • Bei einer Skoliose krümmt sich die Wirbelsäule zur Seite, sodass eine schiefe Haltung entsteht. Zusätzlich sind die einzelnen Wirbelkörper verdreht.
  • Etwa 80 bis 90% der Skoliosen treten ohne erkennbare Ursache auf. Symptome entwickeln sich zumeist erst im späteren Verlauf der Krankheit.
  • Die Behandlungsform richtet sich in der Regel nach dem Krümmungsgrad und dem Alter des Patienten. Rehas bieten Programme an, sodass spätere Folgen, wie ein Bandscheibenvorfall, vermieden werden können.

Eine Skoliose ist ein orthopädisches Leiden, bei welchem die Wirbelsäule verkrümmt ist. Einige Menschen haben aufgrund dessen mit einer schiefen Haltung oder einem Buckel am Rücken zu kämpfen. Viele Eltern fragen sich jedoch, wie sie Skoliose bei ihrem Kind erkennen können.

In unserem Ratgeber möchten wir Sie gerne über das Thema Skoliose beim Kind aufklären. Wir geben Ihnen Auskunft darüber, welche Ursachen für diese Erkrankung verantwortlich sind und ob bestimmte Symptome auftreten. Anschließend stellen wir Ihnen die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten einer Skoliose vor.

1. Eine Skoliose stellt eine Krümmung der Wirbelsäule dar

Rückenoperationen in Deutschland

Laut Erhebungen der Bertelsmann-Stiftung wurde im Jahr 2014/2015 jeder tausendste Deutsche an der Wirbelsäule operiert, indem einzelne Wirbel versteift wurden. Im Vergleich zum Jahr 2007/2008 ist die Zahl der Operierten um 44% gestiegen.

Bei der Skoliose handelt es sich um eine Erkrankung, die den Bereich der Wirbelsäule betrifft. Sie kann die Brustwirbelsäule, die Lendenwirbelsäule oder beide Bereiche betreffen. Dabei sind die Wirbelsäule verkrümmt und einige Wirbelkörper sogar verdreht. Die Wirbel versteifen sich daraufhin, sodass die Bewegungen eingeschränkt sind.

Experten gehen davon aus, dass etwa 4% der Bevölkerung von einer Skoliose betroffen sind. Dabei tritt die Fehlstellung wesentlich häufiger bei Mädchen bzw. Frauen auf.

Eine Skoliose kann zu verschiedenen Zeitpunkten auftreten. Es kursiert immer wieder das Gerücht, dass bereits Babys von einer Skoliose betroffen sein können. Tatsächlich handelt es sich jedoch um kleine Fehlstellungen, die durch die Lage im Mutterleib entstehen. In der Regel ist keine Therapie notwendig, da sie von selbst wieder verschwinden.

Tritt eine Skoliose im Kleinkindalter auf, wird diese als infantile Skoliose bezeichnet. Im Alter von vier bis zehn Jahren handelt es sich um eine juvenile Skoliose. Am häufigsten ist jedoch die sogenannte Adoleszenten-Skoliose. Von dieser sind Kinder ab einem Alter von etwa elf Jahren, also ab Beginn der Pubertät, betroffen.

2. Die meisten Skoliosen sind idiopathisch

Schiefstellung durch verkrümmte Wirbelsäule

Die krumme Wirbelsäule lässt sich in schwereren Fällen mit bloßem Auge erkennen.

Skoliosen lassen sich in verschiedene Formen einteilen. Bei dieser Einteilung steht die Ursache der krummen Wirbelsäule im Fokus.

  • Eine idiopathische Skoliose tritt ohne erkennbare Ursache auf.
  • Die sekundäre Skoliose bildet sich aufgrund einer anderen Erkrankung.

In 80 bis 90 % der Fälle handelt es sich um eine idiopathische Skoliose. Experten vermuten, dass der Rücken und damit die Wirbelsäule in der Pubertät besonders schnell wachsen. Wächst die eine Seite nun schneller als die andere, verdrehen sich die Wirbelkörper, sodass es zu einer Krümmung kommt.

Bei vielen Patienten tritt eine Skoliose zunächst ohne Symptome auf. Das bedeutet, dass sie nur daran zu erkennen ist, dass das Becken schief steht oder die Schultern unterschiedlich hoch sind. Damit ist die Erkrankung zunächst ein rein kosmetisches Problem.

Im Laufe der Zeit, bei den meisten Patienten ab einem Alter von etwa 30 bis 40 Jahren, können jedoch unangenehme Symptome auftreten.

Dazu zählen:

  • Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Nackenschmerzen
  • Schmerzen im Bereich des Ischias
  • Muskelverspannungen
  • Atemnot und ein Druckgefühl auf der Brust durch eine verminderte Lungenkapazität

Tipp: Um eine Verschlimmerung der Skoliose zu verhindern, ist es wichtig, dass sie so früh wie möglich festgestellt und behandelt wird. Die J1 Untersuchung, die zwischen 12 und 14 Jahren stattfindet, bietet dazu eine gute Gelegenheit.

3. Die Behandlung hängt von der Ausprägung der Verkrümmung ab

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, eine Skoliose beim Kind zu behandeln. Ziel ist es vor allem, eine weitere Verkrümmung zu verhindern und damit Folgeerkrankungen, wie beispielsweise einem Bandscheibenvorfall, vorzubeugen. Für eine optimale Behandlung ist es entscheidend, den Krümmungsgrad zu beachten. Folgende Einteilung ist gängig:

  • Leichte Skoliose: ein Winkel bis zu 40 Grad
  • Mittelschwere Skoliose: ein Winkel zwischen 40 und 60 Grad
  • Schwere Skoliose: ein Winkel von über 60 bis 80 Grad
  • Sehr schwere Skoliose: der Winkel beträgt über 80 Grad

3.1. Physiotherapie bei leichten Skoliosen

Therapie bei Skoliose

Leidet ein Kind unter einer leichten Skoliose, können bereits physiotherapeutische Übungen helfen.

Handelt es sich bei Ihrem Kind um eine leichte Skoliose, verordnet der Arzt in der Regel zunächst Krankengymnastik. Bei dieser Therapie kommen verschiedene Übungen zum Einsatz. Bei kleineren Kindern finden die Übungen nach Bobath oder Vojta Anwendung. Sind die Kinder etwas älter, greifen Physiotherapeuten auf die Schroth-Methode zurück.

Die Gymnastik und die Übungen zielen darauf ab, den Rücken zu stärken, der Wirbelsäule Halt zu geben und die Schmerzen zu lindern. Zusätzlich sollten die Kinder Sport treiben. Am besten geeignet sind Sportarten wie Schwimmen oder Klettern. Wichtig ist, dass die Patienten die Übungen regelmäßig über einen längeren Zeitraum. Nur so ist diese Therapie erfolgreich.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, alternative Heilmethode auszuprobieren. In diesem Bereich ist vor allem die Dorn-Therapie sehr beliebt. Sprechen Sie eine Behandlung jedoch vorher unbedingt mit ihrem behandelnden Arzt ab.

Tipp: Kinder, die unter Skoliose leiden, sollten sich eine spezielle Matratze zulegen, die die Wirbelsäule besonders stark unterstützt. Lassen Sie sich dazu am besten ausführlich in einem Fachgeschäft beraten.

3.2. Bei einer mittelschweren Skoliose wird ein Korsett eingesetzt

Arzt und Kind mit Korsett

Ein Stützkorsett hilft dabei, die Wirbelsäule in die richtige Richtung zu lenken.

Bei mittelschweren Skoliosen reicht es leider nicht mehr aus, lediglich Übungen durchzuführen. In diesem Fall kommt zusätzlich ein sogenanntes Korsett zum Einsatz. Dieses besteht in der Regel aus Kunststoff sowie Druckpolstern.

Um die individuelle Form der Wirbelsäule zu unterstützen, wird jedes Korsett maßgefertigt. Gurte und Klettverschlüsse helfen dabei, dass Skoliose-Korsett an- und abzulegen. Für ein zufriedenstellendes Ergebnis muss das Korsett pro Tag mindestens 20 Stunden getragen werden.

Die Behandlung mit einem Korsett ist jedoch nur für Kinder und Jugendliche geeignet, die sich noch im Wachstum befinden. In dieser Phase ist die Chance sehr groß, dass sich die Wirbelsäule noch verbiegen lässt.

Beachten Sie: Ein Korsett muss für viele Jahre getragen werden. Überlegen Sie daher zusammen mit Ihrem Kind, wie der Alltag am angenehmsten gestaltet werden kann. Sportarten sollten je nach Möglichkeit ohne Korsett stattfinden.

3.3. In besonders schweren Fällen ist eine Operation notwendig

Operationssaal

Bei einer OP wird der betreffende Abschnitt der Wirbelsäule versteift.

Von einer schweren oder besonders schweren Skoliose sind zum Glück nur wenige Kinder betroffen. Verschlechtert sich die Skoliose jedoch immer weiter oder ist sie sehr stark ausgeprägt, ist ein chirurgischer Eingriff notwendig. Suchen Sie sich in diesem Fall eine gute Klinik mit erfahrenen Ärzten.

Bei der OP, die sehr komplex ist, wird der betroffene Wirbelsäulenabschnitt freigelegt. Daraufhin bringt der Chirurg ein Gestänge an, welches mithilfe von Schrauben oder Haken befestigt wird. Einige Wirbel werden dadurch versteift.

Nach der Operation kann Ihr Kind eine Therapie in der Reha in Anspruch nehmen. Dort lernt es, mit der Versteifung umzugehen. Zusätzlich werden neue Bewegungsmuster erlernt.

4. FAQ – Häufige Fragen und Antworten

Schwangere Frau mit Skoliose

Frauen mit Skoliose haben in der Schwangerschaft nichts Außergewöhnliches zu befürchten.

Kann eine Skoliose geheilt werden?

Nein. Leider ist es nicht möglich, eine Skoliose zu heilen. Ziel der Therapien ist es, das Fortschreiten der Verkrümmung aufzuhalten und Symptome, wie Rückenschmerzen, abzumildern. Um die Lebensqualität zu erhalten, ist es außerdem wichtig, Sport zu treiben und die notwendigen Übungen in den Alltag zu integrieren.

Muss ich bei einer Skoliose mit Schwangerschaftsproblemen rechnen?

Frauen mit Kinderwunsch müssen aufgrund einer Skoliose nicht auf den Nachwuchs verzichten. Laut neuesten Untersuchungen macht es in der Schwangerschaft keinen Unterschied, ob sie an Skoliose leiden oder nicht. Entgegen weitläufiger Meinung stellt es außerdem kein Problem dar, das Kind auf natürliche Weise zu gebären.

Können sich die Kinder nach einer Operation wieder normal bewegen?

Obwohl es sich bei dem Eingriff um eine Versteifung handelt, bedeutet dies keineswegs, dass die Bewegungsfreiheit enorm eingeschränkt wird. Vielmehr können sich Operierte nach einer Korrektur besser bewegen, da sie unter deutlich weniger Schmerzen leiden.

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