Selbstvertrauen zeigt sich, wenn ein Kind sich selbst eine Aufgabe zutraut. Selbstwertgefühl beschreibt, ob ein Kind sich als Person wertvoll und angenommen fühlt. Beide hängen zusammen, lassen sich aber unterschiedlich stärken.
Von Anfang an. Schon Babys entwickeln über eine sichere Bindung Urvertrauen. Deutlich sichtbar wird Selbstvertrauen in der Autonomiephase ab etwa zwei Jahren, wenn Kinder vieles allein schaffen wollen.
Setzen Sie auf kleine, erreichbare Schritte statt auf große Mutproben. Loben Sie den Versuch, nicht nur das Ergebnis. Ein Bereich, in dem sich das Kind sicher fühlt, gibt ihm Rückhalt für Neues.
Manche Kinder klettern furchtlos auf das höchste Gerüst. Andere bleiben unten stehen, obwohl sie es längst könnten. Selbstvertrauen bei Kindern zu stärken heißt, ihnen genau dieses Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten mitzugeben. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, was Selbstvertrauen von Selbstwertgefühl unterscheidet, wie es im Alltag entsteht und mit welchen kleinen Änderungen Sie Ihr Kind wirksam ermutigen.
Wichtige Fakten im Überblick
Selbstvertrauen beschreibt, wie sehr ein Kind sich selbst etwas zutraut. Ein Kind mit viel Selbstvertrauen glaubt daran, eine Aufgabe oder eine schwierige Situation aus eigener Kraft zu meistern. Es traut sich an Neues heran und gibt bei einem Rückschlag nicht sofort auf.

Im Alltag werden mehrere Begriffe gern vermischt. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung lohnt sich eine feine Unterscheidung zwischen Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeit. Sie helfen einem Kind an unterschiedlichen Stellen. Selbstwertgefühl beschreibt, ob ein Kind sich als Person wertvoll fühlt. Beim Selbstvertrauen geht es dagegen um die Frage, ob ein Kind sich selbst etwas zutraut. Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, mit dem eigenen Handeln tatsächlich etwas zu bewegen.
Selbstvertrauen und verwandte Begriffe im Überblick (nach BZgA/kindergesundheit-info).
Warum diese Unterscheidung nützt? Wer weiß, woran es gerade fehlt, kann gezielter unterstützen. Ein Kind kann sich geliebt fühlen und trotzdem an einer neuen Aufgabe zweifeln. Dann braucht es keine zusätzliche Zuneigung, sondern Erfolgserlebnisse.
Selbstvertrauen fällt nicht vom Himmel. Es entwickelt sich Schritt für Schritt aus den Erfahrungen, die ein Kind im Alltag macht. Am Anfang steht eine sichere Bindung. Ein Kind, das sich verlässlich aufgehoben fühlt, wagt sich eher hinaus und erkundet seine Umgebung.
Darauf folgt die Lust, selbst zu handeln. In der Autonomiephase ab etwa zwei Jahren will ein Kind vieles allein schaffen. Zwischen drei und sechs Jahren rückt dann die Selbstwirksamkeit in den Vordergrund, so die Leitbegriffe der BZgA. Ein Kind lernt in dieser Zeit, sein eigenes Handeln zu steuern und dessen Wirkung zu spüren. Genau hier entsteht Selbstvertrauen. Ein Kind zieht zum ersten Mal allein die Schuhe an und spürt: Das habe ich geschafft.
Selbstvertrauen ist eng mit seelischer Widerstandskraft verwandt, aber nicht dasselbe. Resilienz beschreibt die Fähigkeit, nach Krisen wieder aufzustehen. Sie stützt sich auf mehrere Schutzfaktoren, von denen Selbstvertrauen einer ist. Wer diesen größeren Rahmen vertiefen möchte, findet ihn in unserem Beitrag zur Resilienzförderung im Kindergarten.
Sie müssen kein besonderes Förderprogramm starten. Selbstvertrauen wächst im ganz normalen Miteinander. Die folgenden sechs Ansätze lassen sich zu Hause und in der Kita umsetzen.

1. Etwas zutrauen und selbst machen lassen. Kinder brauchen Aufgaben, an denen sie sich beweisen können. Jeder kleine Erfolg beim selbstständigen Tun stärkt das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Welche Aufgaben in welchem Alter passen, lesen Sie in unserem Ratgeber, Selbstständigkeit bei Kindern fördern.
2. Ermutigen statt bewerten. Ein pauschales „Toll gemacht“ verpufft schnell. Wirksamer ist es, konkret zu benennen, was gelungen ist. „Du hast so lange geübt, bis der Knoten hielt“ beschreibt die Anstrengung. So lernt ein Kind, dass sein eigenes Bemühen zum Ziel führt.
3. Fehler als normal behandeln. Wer nie scheitern darf, traut sich irgendwann gar nichts mehr zu. Ein umgefallener Turm ist kein Drama, sondern ein neuer Versuch. Wie Kinder lernen, Rückschläge auszuhalten, zeigt unser Beitrag zur Frustrationstoleranz.
4. Kritik am Sachverhalt, nicht an der Person. Kritik darf sein, sie sollte aber das Verhalten meinen und nicht das Kind abwerten. Sätze mit „immer“ und „nie“ verallgemeinern und treffen den Selbstwert. Besser ist eine ruhige, sachliche Rückmeldung zur konkreten Situation. Das Familienportal.NRW rät ausdrücklich dazu, ein Kind an der Sache und nie als Person zu kritisieren.
5. Stärken sehen und fördern. Viele Erwachsene schauen zuerst auf das, was ein Kind noch nicht kann. Drehen Sie den Blick um. Findet Ihr Kind Freude an Bewegung, an Musik oder am Bauen, geben Sie diesem Talent Raum. Ein Bereich, in dem sich ein Kind stark fühlt, trägt auch durch schwierige Tage.
6. Mitentscheiden lassen. Kinder, die kleine Entscheidungen treffen dürfen, erleben sich als wirksam. Welches T-Shirt heute, welches Buch am Abend, welche Aufgabe zuerst. Solche Wahlmöglichkeiten sind klein, ihre Wirkung auf das Selbstvertrauen ist groß.
Mein Tipp:Ich warte nach einer Frage oder Aufgabe einige Sekunden länger, bevor ich eingreife. Diese kurze Pause gibt dem Kind die Chance, die Lösung selbst zu finden. Genau dieses Erfolgserlebnis nährt das Selbstvertrauen.
Zu viel des Guten kann kippen. Wird ein Kind für jede Kleinigkeit überschwänglich gelobt, verliert das Lob seinen Wert. Es kann sich sogar abhängig von Bestätigung machen. Ähnlich wirkt ständiges Abnehmen von Aufgaben. Wer dem Kind jede Hürde aus dem Weg räumt, nimmt ihm die Erfahrung, selbst zu bestehen.
Mir fällt immer wieder auf, wie schwer das Aushalten ist. Ein Kind müht sich mit der Jacke ab und man möchte sofort helfen. Ein ehrliches, dosiertes „Probier es ruhig noch einmal“ bringt es oft weiter als schnelle Hilfe.
Selbstvertrauen bei Kindern entsteht nicht durch Programme, sondern durch gelebte Erfahrung. Ein Kind braucht eine verlässliche Beziehung, echte Aufgaben und das Gefühl, mit eigenem Tun etwas zu bewirken. Ermutigung wirkt dabei stärker als Dauerlob. Beginnen Sie mit einer einzigen Sache diese Woche: Trauen Sie Ihrem Kind eine Aufgabe zu, die es bisher für Sie erledigt hat. Begleiten Sie es dabei nur mit Worten.
Beschreiben Sie konkret, was Sie sehen. „Du hast nicht aufgegeben“ wirkt stärker als ein allgemeines „Super“. So verknüpft das Kind Erfolg mit dem eigenen Einsatz und nicht mit einem Etikett.
Ständiges, übertriebenes Lob kann abhängig von Bestätigung machen und an Bedeutung verlieren. Ehrliche, gezielte Rückmeldung ist wirksamer als Dauerlob für jede Kleinigkeit.
Durch Aufgaben, die Kinder selbst bewältigen dürfen, durch Beteiligung an Entscheidungen und durch einen ruhigen Umgang mit Fehlern. Der Alltag mit seinen vielen kleinen Herausforderungen ist die beste Übung.
Selbstwirksamkeit ist die Erfahrung, durch eigenes Handeln etwas zu bewirken. Sammelt ein Kind viele solcher Erfahrungen, wächst daraus das allgemeine Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, also Selbstvertrauen.
Es meidet oft neue Aufgaben, gibt schnell auf oder fragt bei jedem Schritt nach Bestätigung. Auch starkes Klammern oder Rückzug können Hinweise sein. Solche Phasen sind normal und meist vorübergehend.
Wenn ein Kind über längere Zeit stark leidet, sich zurückzieht oder den Alltag kaum noch bewältigt, ist ein Gespräch sinnvoll. Erste Ansprechpartner sind die Kinderärztin oder der Kinderarzt sowie eine Erziehungsberatungsstelle.