Propriozeption: Definition und Übungen für Kinder

propriozeption
Was bedeutet Propriozeption?

Propriozeption wird auch als Tiefensensibilität bezeichnet. Sie beschreibt die Fähigkeit, die Lage des Körpers im Raum zu bestimmen und zu steuern. Die Bewegung wird dabei über Reize aus dem Inneren gesteuert.

Warum ist das Training der Propriozeption besonders für Kinder wichtig?

Kinder, bei denen eine Störung der Propriozeption vorliegt, haben eine verminderte Körperwahrnehmung, sodass sie häufiger stolpern oder anecken. Um einem Vermeidungsverhalten und damit einer Verstärkung vorzubeugen, ist es wichtig, diesen Sinn entsprechend zu trainieren.

Wie kann man die Tiefensensibilität von Kindern fördern?

Die Propriozeption kann durch kleine lustige Spiele gefördert werden. Für viele Übungen werden nur wenig Hilfsmittel benötigt. Die Spiele eignen sich für Zuhause, aber auch für den Einsatz in der Kita.

Kinder lieben es, sich zu bewegen und die Umgebung mithilfe der verschiedenen Sinne zu erkunden. Diese Eigenschaft ist sehr wichtig, damit sich die Sinne und die Wahrnehmung weiterentwickeln können. Daher ist das Training der Propriozeption für Kinder von großer Bedeutung.

Propriozeption ist der sogenannte sechste Sinn des Menschen. In diesem Artikel erfahren Sie, worum es sich dabei handelt und warum dieser Sinn besonders für Kinder von großer Bedeutung ist. Daraufhin geben wir Ihnen viele verschiedene Ideen mit auf den Weg, wie Sie diesen Sinn bei Kindern auf spielerische Weise schulen können.

1. Propriozeption ist der „sechste Sinn“

propriozeption definition

Propriozeption bezeichnet die Wahrnehmung des eigenen Körpers und dessen Bewegungen.

Kinder bewegen sich nur selten langsam – sie laufen, hüpfen und springen zumeist, um sich fortzubewegen. Damit all dies funktioniert, müssen sie jedoch über ein gutes Gleichgewicht verfügen. Diese sogenannte Tiefensensibilität läuft unterbewusst ab und wird auch als Propriozeption bezeichnet.

Das Wort Propriozeption, oder auch Propriorezeption, kommt aus dem Lateinischen und setzt sich aus den Begriffen proprius für eigen und recipere für aufnehmen zusammen. Laut Definition handelt es sich dabei um die Fähigkeit, die eigene Körperlage wahrzunehmen und sich im Raum bewegen zu können.

Die Lage des Körpers im Raum steuern zu können, ist für eine störungsfreie Bewegung unerlässlich. Propriozeptive Reize werden dem Körper aus dem eigenen Inneren mitgeteilt. Die Rezeptoren sind überall im Körper verteilt. Das bedeutet, dass Muskeln, Sehnen, Gelenkkapseln und Bänder die aufgenommenen Reize an das Gehirn weiterleiten, um die Lage der einzelnen Gliedmaßen mitzuteilen.

Diese tiefensensible Wahrnehmung findet nicht nur bei körperlichen Aktivitäten statt, sondern auch, wenn wir uns nicht bewegen, sondern beispielsweise stehen oder liegen. Durch diese Kontrolle über unseren Körper sind wir in der Lage, die Muskeln je nach Belieben anzuspannen oder zu entspannen.

Die Propriozeption setzt sich aus folgenden drei Bereichen zusammen:

  • Stellungssinn: Wir nehmen unterbewusst wahr, in welcher Lage sich der Körper befindet und welche Stellung die einzelnen Gliedmaßen haben. Auch ohne die visuelle Überprüfung, also im Dunkeln, ist diese Wahrnehmung möglich.
  • Bewegungssinn: Bei jeder noch so kleinen Bewegung sind wir durch die Propriozeption in der Lage, die Richtung der Bewegung und deren Geschwindigkeit zu kontrollieren. Jede noch so kleine Stellungsänderung wird sofort erfasst.
  • Kraftsinn: Jede Bewegung und jede Aktion benötigt eine bestimmte Kraftaufwendung. Mithilfe der Rezeptoren können wir die Kraftentfaltung je nach Erfordernis anpassen und regulieren.

2. Störungen können zu einem verminderten Körpergefühl führen

Propriozeptive Einlagen

Da die Fußsohlen die wichtigste Kontaktstelle zum Boden sind, gibt es spezielle Einlagen, die eine zielgerichtete Muskelaktivität bewirken sollen. Diese positive Wirkung konnte bereits in einer Studie der Universität des Saarlandes nachgewiesen werden.

Um verstehen zu können, welche Bedeutung die Propriozeption hat, werden wir uns nun anschauen, was passiert, wenn eine Störung dieses Sinnes vorliegt. Ohne diese Wahrnehmung wäre es unglaublich anstrengend, Bewegung auszuführen.

Denken Sie nur daran, wie kompliziert es wäre, wenn Sie eine Treppe hinaufsteigen und dabei aktiv Ihre Beine steuern müssten. Jede einzelne Bewegung aktiv anzusteuern, würde nicht nur sehr viel Zeit, sondern auch Anstrengung mit sich bringen.

Ist die tiefensensible Wahrnehmung bei Kindern gestört, sind sowohl fein- als auch grobmotorische Aufgaben nur sehr schwer oder kaum zu bewältigen. Kinder, die in diesem Bereich Probleme haben, fallen häufig dadurch auf, dass sie sehr ungeschickt sind, des Öfteren Stolpern oder beim Laufen an Ecken oder Kanten stoßen.

Die Situation wird vor allem dann kritisch, wenn der visuelle Aspekt wegfällt. Ohne die Überprüfung durch die Augen sind einige Kinder nicht in der Lage, ihren eigenen Körper zu kontrollieren.

Im schlimmsten Fall meiden die betroffenen Kinder jegliche Situationen, die ihnen schwerfallen. Sie klettern nicht mehr auf Turngeräte oder nehmen ungern an sportlichen Aktivitäten teil. Dies führt wiederum dazu, dass das Körpergefühl noch schlechter wird. Ein Teufelskreis entsteht.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind Schwierigkeiten bei der Ausführung bestimmter Bewegungen hat, sollten Sie die Propriozeption bei einem Kinderarzt testen lassen.

3. Propriozeptives Training – die Tiefensensibilität auf spielerische Weise fördern

Diese Eigenwahrnehmung des Körpers lässt sich jedoch auch sehr gut durch verschiedene Übungen trainieren. Dies ist vor allem im Kindesalter wichtig, da die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist und viel entgegengesteuert werden kann.

Im Folgenden möchten wir Ihnen verschiedene Übungen vorstellen, mit denen Sie die Koordination und die unterschiedlichen Bereiche der Propriozeption trainieren können. Diese Übungen sind sowohl für Zuhause als auch für die Kita geeignet. Während die Kinder manche Übungen ohne Hilfsmittel ausführen können, sind für wiederum andere ein paar Geräte notwendig.

3.1. Den Kraftsinn schulen

kinder mit luftballons in den haenden

Luftballons können bei vielen verschiedenen Spielen zum Einsatz kommen.

Wie bereits erwähnt, ist der Kraftsinn wichtig, um die richtige Dosis an Kraft aufzuwenden, um beispielsweise Bewegungen auszuführen. Das Training konzentriert sich daher darauf, mit Gewichten und Kraftanwendungen zu experimentieren.

Diese beiden Übungen können dabei hilfreich sein:

  • Gewichte unterscheiden: Für dieses kleine Spiel können Sie Flaschen oder andere verschließbare Gegenstände mit Wasser oder Sand füllen. Die Kinder nehmen daraufhin alle Gewichte einzeln in die Hand, um diese nach ihrer Schwere zu sortieren.
  • Ballontanz: Für dieses Spiel teilen sich die Kinder in Zweiergruppe auf. Jedes Team bekommt einen Ballon, der zwischen den Körpern (zum Beispiel zwischen den Knien) bis zur Ziellinie befördert werden muss. Die Hände dürfen dabei nicht zum Einsatz kommen. Die Kinder entwickeln ein Gefühl dafür, wie viel Druck nötig ist, um den Ballon halten zu können.

3.2. Den Bewegungssinn trainieren

familie macht auf der wiese hampelmaenner

Bei der Ausübung eines Hampelmanns werden viele verschiedene Fähigkeiten geschult.

Wenn wir uns bewegen, können wir steuern, in welche Richtung und in welcher Geschwindigkeit wir uns bewegen.
Um diesen Sinn zu schulen, können verschiedene Spiele zum Einsatz kommen.

  • Tiere nachahmen: Jedes Tier hat seine eigene Gangart. Während ein Elefant lautstark mit den Füßen auf den Boden stampft, läuft eine Gazelle beispielsweise beinahe lautlos. Durch die Nachahmung der Tiere bekommen Kinder ein Gefühl für unterschiedliche Bewegungsarten.
  • Hampelmann: Beim klassischen Hampelmann spielt die Koordination eine wichtige Rolle. Arme und Beine müssen gleichzeitig und je nach Schwierigkeitsgrad in verschiedene Richtungen bewegt werden. Zusätzlich wird die Beweglichkeit und die Ausdauer trainiert.

3.3. Spiele, um den Stellungssinn zu stärken

mutter spielt mit ihren kindern twister

Beim Twister wird der Gleichgewichtssinn und das Körpergefühl gefördert.

Dank des Stellungssinns wissen wir auch mit verbundenen Augen, in welcher Position sich unser Körper befindet.
Um das Körperempfinden zu verbessern, können Sie mit Ihren Kindern folgende Übungen durchführen:

  • Twister: Das allseits beliebte Kinderspiel macht nicht nur Spaß, sondern fördert auch die Propriozeption. Kinder müssen dabei vorgegebene Stellungen einnehmen und eine bestimmte Zeit in ihnen verharren.
  • Versteinern: Lassen Sie dazu Musik laufen. Nun dürfen sich alle Kinder nach Lust und Laune zur Musik bewegen. Sobald die Musik stoppt, müssen sie jedoch in der Position bleiben, die sie zuletzt eingenommen haben. Erst wenn die Musik wieder beginnt, dürfen sich die Kinder aus der Versteinerung lösen.
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (56 Bewertungen, Durchschnitt: 4,30 von 5)
Loading...

Wir freuen uns auf Ihren Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Verwandte Beiträge