Positive Verstärkung bei Kindern: Verbessertes Lernen durch Belohnung

positive Verstärkung
  • Positive Verstärkung bei Kindern kann dazu beitragen, dass sie in der Schule besser lernen.
  • Ein großes Problem bei der Arbeit mit positiven Verstärkern besteht darin, dass Kinder sich daran gewöhnen, für eine bestimmte Handlung automatisch etwas zu erhalten.
  • Positive Verstärkung funktioniert auf vielen verschiedenen Ebenen.

Positive Verstärkung beschreibt ein Konzept der Pädagogik, bei welchem anstelle von Strafen Lob im Vordergrund steht. Die eher klassische Erziehung setzt bei Fehlverhalten eines Kindes immer wieder auf Hausarrest, Spielverbote oder Ähnliches.

Im Gegensatz dazu soll ein aktives Belohnungssystem dabei helfen, den Reiz des angemessenen Verhaltens bei Kindern zu erhöhen.

Wie dies in der Praxis aussehen könnte und welche Probleme sich möglicherweise aus dem Konzept ergeben, sehen Sie in unserem Ratgeber.

1. Positive Verstärkung – mit lobenden Worten mehr erreichen

Vater und Sohn spielen mit einem Flugzeug

Nicht immer sind Worte nötig.

Auch wenn sich der Begriff der Konditionierung bei Kindern etwas seltsam anhören mag, so ist es letztlich genau das, was durch positive Verstärkung erreicht wird.

Ein Kind lernt, dass ein bestimmtes Verhalten eine Belohnung zur Folge hat. Die Konditionierung funktioniert also immer dann, wenn der Anreiz groß genug ist, so und nicht anders zu handeln.

Laut Definition muss sich durch einen positiven Verstärker die Wahrscheinlichkeit des zukünftigen Auftretens des Verhaltens erhöhen.

Das Ziel der Pädagogik durch positive Verstärker liegt allerdings nicht daran, dass Kinder in einer bestimmten Situation nur so handeln, weil sie sich etwas davon versprechen. Vielmehr sollen Kinder dazu angehalten werden, selbst ein Gespür für das richtige Verhalten zu entwickeln.

Die angenehme Konsequenz ist dabei von elementarer Bedeutung für die positive Verstärkung. Die Art der jeweils gesetzten Anreize kann sich allerdings sehr deutlich voneinander unterscheiden.

Es ist daher schwer, positive Verstärker pauschal als sinnvoll oder sinnlos einzustufen. Entscheidend sind der Einsatz sowie die Art der Anwendung.

Achtung: Nach Skinner dürfen negative Verstärker nicht mit einer Bestrafung verwechselt werden. Vielmehr erfolgt hier ein Wegnehmen des als belastend empfundenen Ereignisses. Die Angst vor einem Monster sinkt beispielsweise, wenn ein Kind zu den Eltern ins Bett kriechen kann.

2. Beispiele für die positive Verstärkung bei Kindern

Kind räumt auf

Positive Verstärkung sollte dosiert eingesetzt werden.

Es gibt sehr viele unterschiedliche Situationen, in denen Eltern ihre Kinder mit Lob überschütten. Damit der Effekt der positiven Verstärkung allerdings einen Sinn hat, sollten Kinder nicht bei jeder Kleinigkeit eine Belohnung erwarten.

Es sollte langfristig selbstverständlich sein, den Tisch abzuräumen oder den Müll runterzubringen. Nicht zwangsläufig bedeutet dies jedoch, dass an dieser Stelle niemals ein Lob erfolgen kann.

In den folgenden Zeilen finden Sie einige Beispiele, wie positive Verstärkung bei Kindern funktioniert und auf welch unterschiedlichen Wegen diese ablaufen kann:

  • Ein Kind räumt abends unaufgefordert den Tisch ab. Als unmittelbare Folge darf es 10 Minuten länger aufbleiben.
  • Ihr Kind räumt sein Zimmer auf. Daraufhin loben Sie den aufgeräumten Zustand und zeigen Ihre Freude.
  • Fällt das Zeugnis in der Grundschule positiv aus, so belohnen viele Eltern ihr Kind mit Geld oder einem Spielzeug.

Tipp: Wenn Sie mit positiver Verstärkung arbeiten möchten, achten Sie darauf, dass die jeweilige Belohnung möglichst sofort erfolgt. Vergeht zu viel Zeit zwischen der Handlung und der Belohnung, fehlt der Bezug und der gewünschte Effekt (die Wiederholung des Verhaltens) bleibt aus.

2.1. Primäre Verstärker – Grundbedürfnisse erfüllen

Vater streichelt seinem Sohn über den Kopf

Anerkennung wirkt unmittelbar.

Im Rahmen der Psychologie gelten als primäre Verstärker all jene, die sich direkt an den Bedürfnissen eines Menschen orientieren.

Hunger und Durst sowie Liebe und Nähe sind die wichtigsten Faktoren für Babys und Kleinkinder. Diese sollten jedoch niemals unter eine Bedingung gestellt werden, damit Kinder ihr notwendiges Urvertrauen aufbauen können.

Positive Verstärker können allenfalls als zusätzliche, über das normale Maß der Bedürfnisbefriedigung hinausgehende, Aspekte Anwendung finden.

Gegen einen besonderen Nachtisch, Süßigkeiten oder aber die herzliche Umarmung ist nichts einzuwenden.

2.2. Sekundäre Verstärker – die Belohnung erfolgt nicht sofort

Mutter und Kind stehen vor einem Belohnungssystem

Mit einem Belohnungssystem sammeln Kinder schrittweise Punkte.

Im Gegensatz zur direkten Bedürfnisbefriedigung orientieren sich sekundäre Verstärker daran, dass sie lediglich indirekt zur individuellen Befriedigung eines Bedürfnisses eingesetzt werden können.

Das einfachste Mittel ist an dieser Stelle Geld. Erhält ein Kind für bestimmte Tätigkeiten einen definierten Geldbetrag, so kann es sich davon in der Folge selbst etwas kaufen. Dies können wiederum primäre Bedürfnisse, wie beispielsweise Süßigkeiten, sein.

Bei vielen Eltern kommt auch eine Art Tokensystem zum Einsatz. Positives Verhalten wird mit einem Sternchen markiert. Ist eine gewisse Anzahl an Sternchen erreicht, darf sich das Kind aus einem Portfolio an Ideen etwas aussuchen oder aber weitere Sternchen ansammeln.
Dies können beispielsweise einfache Dinge, wie Eis essen nach fünf Sternchen, oder ein Zoobesuch nach 25 Sternchen sein.

2.3. Die Vermischung unterschiedlicher Verstärker

Um operantes Lernen zu ermöglichen, kommen viele verschiedene Arten positiver Verstärkung zur Anwendung. Nicht immer lassen sich diese einer klaren Kategorie zuordnen.

Generell existieren jedoch im Wesentlichen drei unterschiedliche Verstärkerarten:

  • materielle Verstärker: Die Belohnung umfasst Geld oder Spielsachen.
  • soziale Verstärker: Dieser Aspekt zeichnet sich durch lobende Worte und Anerkennung aus. Ein aufmunterndes Lächeln oder ein freundliches Nicken können jedoch bereits ausreichen.
  • Aktivitätsverstärker: Als Folge wird ein Zoobesuch, der gemeinsame Kinoabend oder aber ein Konzertbesuch ausgewählt.

Tipp: Verzichten Sie weitestgehend auf materielle Anreize. Achten Sie zudem darauf, dass der Effekt der positiven Verstärkung immer dann höher ist, wenn diese nicht jedes Mal erfolgt.

3. Die Tricks der Kinder – ungewollte positive Verstärker

Glückspiel:

Viele Glückspielbetreiber machen sich das Konzept der positiven Verstärkung zunutze, um Menschen zum weiteren Spielen zu animieren.
Mehr zu diesem Phänomen können Sie hier nachlesen.

Auch in Situationen, in denen Eltern gar nicht bewusst ist, dass sie ein bestimmtes Verhalten ihres Kindes fördern, kommt es häufig zum Auftreten positiver Verstärkung.

Wirft sich ein Kind beispielsweise im Supermarkt auf den Boden und fängt an zu schreien, so reagieren viele Eltern damit, die unangenehme Situation vermeiden zu wollen. In der Folge erhält ein Kind häufig eine Süßigkeit an der Kasse.

Dieser verständliche Wunsch, die peinliche Situation möglichst schnell zu beenden, wirkt jedoch als positiver Verstärker.

Das für das Kind entscheidende Momentum an dieser Situation besteht schließlich darin, dass das auf den Boden werfen und Schreien direkt dazu geführt hat, eine Süßigkeit zu bekommen. Welchen Grund sollte es also zukünftig geben, dieses Verhalten nicht erneut an den Tag zu legen?

Ist ein Kind müde und weinerlich und wird in der Folge auf den Arm der Eltern genommen, hat dies einen ähnlichen Effekt. Die Suche nach Nähe und Geborgenheit hatte Erfolg. Ihr Kind lernt also, dass Weinen positiv wirkt.

Hinweis: Dies bedeutet nicht, dass Kinder nicht getröstet werden sollten. Alle Eltern müssen sich allerdings bewusst machen, dass ein allzu weicher Umgang schnell zu unerwünschten Ergebnissen führen kann, die ein Kind auf Dauer prägen.

Weitere Informationen zu positiver Verstärkung finden Sie im folgenden Video:

4. Arbeitsmaterialien für positive Verstärker im Schulalltag

Positive Verstärker für den Schulalltag - Kl. 1-4: Praktische Materialien zur Verbesserung des Arbeits- und Sozialverhaltens (1. bis 4. Klasse)
  • Elke Mauritius
  • Herausgeber: Persen Verlag in der AAP Lehrerfachverlage GmbH
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