Nestschutz beim Baby: Alles über den Infektionsschutz durch die Mutter

   
von Dana S. - letzte Aktualisierung:
nestschutz baby
Was versteht man unter Nestschutz?

Der Nestschutz ist eine Immunabwehr, die ein Neugeborenes in den letzten Wochen der Schwangerschaft von der Mutter übertragen bekommt. Durch diese Antikörper ist ein Baby in den ersten Lebensmonaten vor Krankheitskeimen geschützt.

Wann bildet sich bei Kindern ein eigenes Immunsystem?

Der Nestschutz ist für eine Dauer von etwa neun Monaten aktiv. Er lässt jedoch schon nach knapp drei Monaten kontinuierlich nach. In dieser Zeit entwickelt ein Säugling ein eigenes Immunsystem, um mit Bakterien, Keimen und Viren fertigzuwerden.

Wovor sind Neugeborene geschützt?

Durch die Abwehrstoffe der Mutter ist ein Kind vor den klassischen Kinderkrankheiten geschützt, die die Mutter durchgemacht hat bzw. gegen die sie geimpft ist. Der Nestschutz wirkt jedoch nicht uneingeschränkt, sodass Babys beispielsweise nicht vor Keuchhusten, einer Grippe oder den Meningitis-Erreger HIB geschützt sind.

Wenn Babys zur Welt kommen, werden sie von einem auf den anderen Tag mit vielen verschiedenen Krankheitserregern konfrontiert. In den ersten Lebenswochen und -monaten sind Neugeborene jedoch durch die Antikörper der Mutter vor Infektionen geschützt. Dies wird als Nestschutz bezeichnet.

Aber wie lange hält der Nestschutz beim Baby an und gegen welche Krankheiten sind die Kleinen geschützt?

Was unter dem Nestschutz zu verstehen ist, wie lange er anhält und vor welchen Infektionen er schützt, erfahren Sie hier.


1. Der Nestschutz beim Baby als natürliche Immunabwehr

Sonderfall: Frühchen
Bei Frühchen ist der Nestschutz kaum ausgebildet, da die Antikörper erst in den letzten Wochen der Schwangerschaft an das Kind weitergegeben werden. Das bedeutet, dass sie anfälliger sind und schneller eine Infektion bekommen können.

Im Bauch der Mutter ist ein Baby bis zur Geburt sicher und geschützt. Für die Dauer der Schwangerschaft sorgt die Plazentaschranke im Mutterkuchen dafür, dass keine Krankheitserreger eindringen können.

Kommt das Baby zur Welt, ist es jedoch schlagartig vielen verschiedenen Viren, Bakterien und Keimen ausgesetzt. Da ein Neugeborenes noch über kein eigenes Immunsystem verfügt, könnten diese Erreger zu gefährlichen Krankheiten führen.

Um dem vorzubeugen, erhält ein Kind in den letzten Wochen vor der Geburt Antikörper aus dem mütterlichen Blut. Durch diesen sogenannten Nestschutz verfügt ein Säugling über den gleichen Immunschutz wie die Mutter. Wie stark dieser Schutz ist, hängt maßgeblich damit zusammen, über wie viele Antikörper die Mutter ab der 34. SSW verfügt.

Sobald die Nabelschnur durchtrennt wird, stoppt auch die Zufuhr der Antikörper. Allerdings schützen sie das Kind auch in den folgenden Monaten noch davor, sich mit Krankheitserregern zu infizieren. Einen optimalen Schutz gibt es etwa bis zum dritten Lebensmonat. Danach lässt der Schutz immer weiter nach. Grundsätzlich besteht der Nestschutz bis zu neun Monate nach der Geburt.

2. Im Laufe der Zeit entsteht eine körpereigenes Immunsystem

Wie bereits erwähnt, ist der Nestschutz beim Baby in den ersten zwei bis drei Lebensmonaten am stärksten ausgeprägt. In den folgenden Monaten nimmt der Schutz immer weiter ab. Um den Nestschutz im Anschluss fortzuführen, sind entsprechende Impfungen sehr wichtig.

Der Nestschutz wird jedoch auch durch eine eigene Immunabwehr abgelöst, die sich langsam immer weiter aufbaut. Dadurch, dass der Nestschutz immer weiter nachlässt, sind Babys allerdings immer anfälliger für Infektionen. Sie haben immer häufiger mit Erkältungen zu kämpfen. Laut Kinderärzten sind fünf bis sechs Infekte pro Winter noch völlig normal.

Jeder Kontakt mit Keimen, Viren und Bakterien sorgt dafür, dass im kindlichen Körper Antikörper gebildet werden. Diese schützen das Baby und bauen das Immunsystem immer weiter auf. Die spezifische Immunabwehr entwickelt sich etwa bis zum zehnten Lebensjahr.

Die individuelle Anfälligkeit für Infekte kann jedoch sehr verschieden sein. Während einige Kinder ständig krank sind, entwickeln wiederum andere Kinder hauptsächlich im Stillen Antikörper ohne Symptome zu haben.

3. Nestschutz beim Baby – gegen diese Krankheiten sind Neugeborene geschützt

baby wird geimpft

Impfungen sind wichtig, um Kinder vor gefährlichen Krankheiten zu schützen.

Da ein Baby die Abwehrstoffe der Mutter erhält, ist es vor allem gegen die Krankheiten geschützt, gegen die die Mutter Antikörper aufgebaut hat. Antikörper können auf zwei verschiedenen Wegen gebildet werden: erstens durch eine Impfung und zweitens durch das Überstehen der jeweiligen Krankheit.

In verschiedenen Untersuchungen haben Forscher herausgefunden, dass die Zahl der Antikörper deutlich höher ist, wenn die Mutter die Infektion überstanden hat, als wenn sie lediglich gegen diese geimpft wurde. Die Ergebnisse sind jedoch nicht 100%ig verlässlich. Bei Diphterie oder Tetanus ist hingegen beispielsweise eine Impfung der Mutter notwendig, um dem Baby einen Schutz zu bieten.

Gegen folgende Krankheiten kann ein Kind durch den Nestschutz zunächst immun sein:

  • Windpocken
  • Masern
  • Röteln
  • Mumps
  • Diphterie und Tetanus (hier greift der Nestschutz jedoch nur für eine kurze Dauer)

Der Nestschutz ist zwar sehr stark und zuverlässig, schützt jedoch nicht vor allen Krankheiten. Bei einer Grippe oder bei Keuchhusten greift der Nestschutz jedoch nicht, da es bei diesen Krankheiten sehr viele verschiedene Stämme gibt, die sich ständig verändern können. Diese Erkrankungen können jedoch für Säuglinge sehr gefährlich werden, sodass eine rechtzeitige Impfung anzuraten ist.

Wissenschaftler haben jedoch in einer aktuellen Studie herausgefunden, dass eine Impfung gegen Keuchhusten in der Schwangerschaft sinnvoll sein kann, um Antikörper auf das Kind zu übertragen. Der beste Zeitpunkt ist dabei etwa die 30. SSW.

4. Nestschutz und Stillen – diese Vorteile ergeben sich

kolostrum in einer babyflasche

In der Vormilch sind besonders viele wichtige Antikörper enthalten.

Nach der Geburt bekommen alle Babys zunächst den gleichen Nestschutz mit. Mütter, die ihre Kinder stillen, können jedoch dafür sorgen, dass weiterhin Antikörper und andere Abwehrstoffe über die Milch auf das Kind übertragen werden.

Auf diese Weise kann das Stillen den Nestschutz zusätzlich unterstützen. Da diese Antikörper jedoch sehr unspezifisch sind, werden Babys durch die Muttermilch vor allem vor Schnupfen, Erkältungen und vor Magen-Darm-Infekten geschützt.

Besonders viele wertvolle Abwehrstoffe enthält das Kolostrum. Bei diesem handelt es sich um die erste Milch, die sich nach der Geburt in der Brust der Mutter bildet. Diese Vormilch zeichnet sich vor allem durch eine gelbe Farbe und eine dickflüssige Konsistenz aus. Sie enthält besonders viel von dem Antikörper Immunglobulin A, der vor Viren, Bakterien und anderen Krankheitserregern schützt.

5. Weiterführende Literatur rund um das Thema Kinderkrankheiten

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