Mediensucht: Warum die Abhängigkeit bei Kindern so gefährlich ist

Junge spielt Videospiele
  • Die Mediensucht betrifft Mädchen und Jungen in gleichem Maße. Die Art der Mediennutzung unterscheidet sich allerdings deutlich voneinander.
  • Eine intensive Beschäftigung mit Medien findet immer früher statt, sodass das Suchtpotenzial deutlich ansteigt.
  • Betroffene einer Mediensucht vernachlässigen ihr sonstiges Leben immer mehr. Computerspiele oder Facebook-Freunde werden allmählich zum alleinigen Lebensinhalt.

Digitale Medien üben eine starke Anziehungskraft auf Kinder und Jugendliche aus. Im Gegensatz zu früheren Zeiten hat sich Konsumverhalten stark verändert und auch für Schularbeiten können Kinder nicht auf den PC verzichten. Aber bedeutet dies gleich, dass ein Kind mediensüchtig ist? Keineswegs ist es nötig, Kindern gleich das Smartphone abzunehmen. Ein genauer Blick ist allerdings wichtig. In unserem Text zeigen wir Ihnen, ab wann Experten von einer Mediensucht sprechen und inwieweit Sie die Anzeichen bei Kindern und Jugendlichen erkennen, um frühzeitig gegensteuern zu können.


1. Mediensucht bei Kindern – ein schwer zu fassender Begriff

Mädchen vor einem Laptop

Mädchen und Jungen sind gleichermaßen gefährdet.

Für viele Menschen ist das Handy aus der Hosentasche nicht mehr wegzudenken. Zu Hause stehen PC oder Laptop zur Verfügung, sofern es denn einmal nicht die Konsole vor dem Fernseher sein soll.

Wir sind also zu fast jeder Tages- und Nachtzeit von verschiedenen Medien umgeben. Ganz logisch also, dass der tägliche Konsum immer weiter steigt und meist nur schwer messbar ist.

Während sich die Zeit der Nutzung zu Hause noch relativ gut kontrollieren lässt, wird es ansonsten deutlich schwieriger.
Wenn Kinder und Jugendliche unterwegs auf Ihr Smartphone schauen, bekommen Eltern dies meist nicht mit.

Um von einer Mediensucht bei Kindern sprechen zu können, bedarf es jedoch mehr als lediglich der übermäßigen Nutzung des Computers oder des Smartphones. Die Grenze verläuft allerdings fließend, sodass aus einem grenzwertigen Verhalten schnell eine Sucht werden kann.

Der Begriff der Mediensucht umfasst dabei ein großes Spektrum. So bezieht das Phänomen auf die Teilbereiche der Computersucht, der Spielsucht sowie der Internetsucht, jedoch auch auf übermäßigen Fernsehkonsum oder permanentes Chatten.

Wie gravierend die Auswirkungen der Mediensucht auf Kinder sein können, sehen Sie anschaulich in diesem kurzen Film für Kinder:

Achtung: Eine eindeutige Statistik zur Mediensucht ist aufgrund der fließenden Grenze schwer zu ermitteln. Schätzungen zufolge sind jedoch bis zu 300.000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren betroffen.

2. Anzeichen um eine Mediensucht zu erkennen

Computerspielsucht:

Die Weltgesundheitsorganisation hat sich im Jahr 2018 dazu entschlossen, die Computerspielsucht als Krankheit einzustufen.
Nähere Details zur Definition können hier direkt auf der Seite der WHO nachlesen.

Es existiert zwar kein klarer einheitlicher Test, an welchem Sie die Symptome einer Mediensucht ablesen können. Dennoch gibt es Alarmsignale, die Sie beobachten sollten.

Stellen Sie bei dem folgenden Test fest, dass mehrere Punkte auf Ihr Kind zutreffen, sprechen Sie das Thema offen an und suchen Sie sich Hilfe:

  • exzessive Nutzung digitaler Medien (mehrere Stunden am Tag; meist nimmt die Zeit immer weiter zu)
  • zunehmender Verlust der Kontrolle (viele Kinder merken nicht, wie viel Zeit sie tatsächlich vor dem PC, der Konsole oder dem Smartphone verbringen)
  • fehlender Ausgleich im realen Leben (zunehmendes Desinteresse an sozialen Kontakten sowie nicht digitalen Hobbys)
Vater führt mit seinem Sohn ein ernstes Gespräch über den Medienkonsum

Sprechen Sie Probleme frühzeitig an.

  • häufige Streitigkeiten innerhalb der Familie über die Nutzungsdauer
  • Stimmungsschwankungen in Abhängigkeit zu Erfolgen oder Misserfolgen in der digitalen Welt (insbesondere bei Computerspielen)
  • geringes Interesse an der Kommunikation mit der Familie
  • der Verzicht auf digitale Medien führt zu Nervosität und Aggressivität
  • weitere Nutzung digitaler Medien trotz Müdigkeit, Hunger, Durst oder Verspannungen

Insbesondere dann, wenn mehrere Symptome dieses kurzen Tests auftreten, sollten Sie nicht zögern, sich professionelle Hilfe im Umgang mit der Mediensucht zu holen.

Tipp: Je früher die Prävention erfolgt, desto leichter lässt sich die Mediensucht in den Griff bekommen.

3. Ursachen und Folgen der Mediensucht

Zu den Ursachen der Mediensucht gibt es trotz zahlreicher Studien noch keine eindeutigen Hinweise. Vielmehr gibt es viele verschiedene Faktoren, die die Mediensucht begünstigen können.

Kind sitzt im Dunkeln vor einem PC

Kinder und Jugendliche ziehen sich immer weiter zurück.

So leiden einige Kinder unter einem mangelnden Selbstbewusstsein und bekommen bei Online-Rollenspielen oder aber auch in Chats ein Gefühl von Macht. Sie werden anerkannt und gelobt, während dies im realen Leben ausbleibt. Einige Kinder suchen Kontakt oder versuchen, familiären Konflikten aus dem Weg zu gehen.

Meist kommen jedoch zahlreiche verschiedene Punkte zusammen, die erst in der Summe dafür sorgen, dass ein Kind oder Jugendlicher mediensüchtig wird.

Die Folgen der Mediensucht machen sich nicht nur sozial bemerkbar, sondern verändern die Strukturen des Gehirns.
In der Medizin, insbesondere in den Bereichen der Neurologie sowie der Psychiatrie, ließ sich nachweisen, dass das Belohnungszentrum Dopamin ausschüttet, wenn virtuelle Erfolge erlebt werden. Bleiben diese indes aus oder der PC ist nicht greifbar, kommt es zu einem Mangel und die Stimmung sinkt. Kinder und Jugendliche werden also zunehmend abhängig von dieser Art des Glücksgefühls.

Achtung: Bei einer starken Mediensucht ist genauso eine Therapie notwendig wie bei einer anderen Erkrankung, z.B. der Drogenabhängigkeit.

Erkennen Eltern das gestörte Nutzungsverhaltens ihres Kindes jedoch früh genug, kommen Kinder meist auch ohne Therapie aus. Falls Sie hingegen Schwierigkeiten haben, Regeln durchzusetzen oder Sie nicht an Ihr Kind herankommen, greifen Sie auf Hilfsangebote zurück.
Beratung in Ihrer Nähe finden Sie hier.

4. Wichtige Fragen und Antworten

Therapiesitzung mit einer Mutter und Ihrem computersüchtigen Kind

Manche Kinder kommen nicht mehr ohne digitale Medien aus.

Sind Jungen häufiger von Mediensucht betroffen als Mädchen?

Untersuchungen zeigen, dass es im Hinblick auf Wahrscheinlichkeit für ein gestörtes Mediennutzungsverhalten kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt.

Mädchen sind jedoch wesentlich häufiger in den sozialen Medien unterwegs, während Jungen Ihre Zeit überwiegend mit Computerspielen verbringen.

Kann ich den Medienkonsum nachträglich einschränken?

Verbote durchzusetzen ist meist relativ schwierig. Insbesondere bei Jugendlichen erreichen Sie so relativ wenig.

Versuchen Sie daher eine Ablenkungstaktik, indem Sie Aktivitäten machen, bei denen Kinder kein Smartphone nutzen können und dennoch Erfolge erleben. Hier bietet sich beispielsweise der Besuch eines Klettergartens an.

Wie läuft die Therapie bei der Mediensucht ab?

Zunächst lernen Betroffene, welche Auswirkungen ihre Abhängigkeit hat. In einem nächsten Schritt geht es dann darum, die problematischen Verhaltensweisen zu erkennen und zu überwinden.

Wichtig ist vor allem, Kindern und Jugendlichen eine Perspektive in der realen Welt zu eröffnen, sodass Medien zunehmend an Reiz verlieren.

5. Weiterführende Lektüre zur Mediensucht bei Kindern

Abschalten statt Abdriften: Wege aus dem krankhaften Gebrauch von Computer und Internet. Mit Online-Materialien
  • Petra Schuhler, Monika Vogelgesang
  • Herausgeber: Beltz
  • Auflage Nr. 0 (04.10.2011)
  • Gebundene Ausgabe: 173 Seiten

Digitale Störungen bei Kindern und Jugendlichen (Komplexe Krisen und Störungen)
  • Jan van Loh
  • Herausgeber: Klett-Cotta
  • Auflage Nr. 1 (10.03.2018)
  • Gebundene Ausgabe: 220 Seiten

Internet- und Computersucht: Ein Praxishandbuch für Therapeuten, Pädagogen und Eltern
  • Herausgeber: Kohlhammer W., GmbH
  • Auflage Nr. 2 (10.06.2015)
  • Taschenbuch: 320 Seiten

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