Medienkonsum bei Kindern: Empfehlungen nach Alter und mögliche Folgen

Medienkonsum Kinder
  • In den ersten drei Lebensjahren sollten Kleinkinder keinen Kontakt zu digitalen Medien haben. Das Gehirn ist noch nicht in der Lage, eine so schnelle Abfolge von Bildern zu verarbeiten.
  • Bei vielen Kindergartenkindern ist der Medienkonsum zu hoch. Folgen sind oftmals zu wenig Bewegung sowie die Tendenz zu Übergewicht.
  • Eltern müssen sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein, um Kindern ein angemessenes Verhältnis für die sinnvolle Mediennutzung zu vermitteln.

Medien gehören zum Leben von Kindern dazu. Im Gegensatz zu früheren Zeiten nehmen Smartphone, Tablet und Computer eine wichtige Rolle ein. Aber ist diese Entwicklung noch gesund? Welcher Medienkonsum für Kinder ist angemessen?

In unserem Artikel gehen wir auf die sinnvolle Mediennutzung von Kindern ein, geben Empfehlungen für die Nutzungsdauer und zeigen, welche Auswirkungen ein zu hoher Medienkonsum bei Kindern haben kann.

1. Der Medienkonsum von Kindern in den ersten Lebensjahren

Baby spielt mit einem Smartphone

Geben Sie Babys kein Smartphone.

Kleinkinder können anfangs nichts mit digitalen Medien anfangen. Der Medienkonsum sollte dementsprechend komplett ausfallen. Läuft der Fernseher jedoch bereits im Babyalter, hat dies deutliche Auswirkungen auf die spätere Entwicklung.

Sowohl das Gehirn als auch die Augen haben Schwierigkeiten damit, der schnellen Abfolge von Bildern zu folgen. Konzentrationsprobleme und Einschlafschwierigkeiten sind eine häufige Folge, wenn Babys zu viel fernsehen.

Deutlich langfristige Auswirkungen hat der überhöhte Medienkonsum auf die Sehfähigkeit. Bei Kindern ist der Augapfel noch nicht so stark geformt, sodass  es schnell zu Veränderungen kommt. Sitzen Kinder nun relativ häufig vor einem Bildschirm, egal ob dies ein Fernseher, ein Lerntablet oder ein Smartphone ist, zieht sich der Augapfel in die Länge und führt so zu einer Kurzsichtigkeit.

Die Folgen in der Entwicklung sind irreversibel, können also nicht rückgängig gemacht werden. Damit Kinder gesund aufwachsen, sollten die Kinder also in den ersten beiden, besser noch in den ersten drei Jahren des Lebens keinen oder kaum Kontakt zu digitalen Medien erhalten.
Die entsprechenden aktuellen Empfehlungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) finden Sie hier.

Tipp: Die intensive Beschäftigung mit dem eigenen Kind sowie ausreichend Bewegung bilden den Grundstein einer gesunden Entwicklung.

2. Den richtigen Umgang mit Medien frühzeitig lernen

Mutter und Kind schauen auf ein Tablet

Führen Sie Ihr Kind schrittweise an Medien heran.

Sobald Kinder ein Alter von 3 bis 4 Jahren erreicht haben, spricht nur noch wenig gegen die schrittweise Gewöhnung an digitale Medien.
Meist fällt es Kindergartenkindern relativ leicht, sich mit iPad und Co. auseinanderzusetzen, da die Bedienung intuitiv erfolgt.

Begleiten Sie Ihre Kinder jedoch auf diesem Weg, um von Anfang an dafür zu sorgen, dass sie einen angemessenen Umgang im Hinblick auf den Medienkonsum erlernen.

Anfänglich sollten Kinder nicht mehr als 10 bis 15 Minuten am Tag mit Bildschirmmedien verbringen. Diese Zeitspanne können Sie Jahr für Jahr um etwa 10 Minuten steigern.

Achten Sie besonders in der Anfangsphase darauf, dass Kinder nicht unbeaufsichtigt zum Smartphone greifen und damit herumspielen. Es existieren genügend nicht digitale Inhalte, die die Aufmerksamkeit Ihrer Kinder fesseln.

Tipp: Nutzen Sie Lernspiele oder Websites, die kindgerecht gestaltet sind, um die Neugier Ihrer Kinder im Hinblick auf die Wissensvermittlung zu fördern.

3. Der Medienkonsum von Kindern in der Grundschule

Lehrerin zeigt kleinen Kindern etwas am Tablet

Digitale Medien sind aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken.

Für Kinder im Alter von sechs Jahren gilt eine grobe Empfehlung für den Medienkonsum von etwa 30 bis 45 Minuten am Tag. Es spricht jedoch nichts dagegen, an einem Tag eine Stunde fernzusehen und dafür am nächsten Tag lediglich eine halbe Stunde das Smartphone für Spiele zu nutzen.

Klassische Brettspiele sowie die Bewegung im Freien sollten allerdings den höchsten Stellenwert einnehmen. Auch wenn sich die Medienlandschaft von früher und heute deutlich unterscheidet, haben klassische Medien, wie die Zeitung, immer noch einen wichtigen Einfluss auf Bildung und fundierte Informationen.
Achten Sie also darauf, nicht nur auf digitale Inhalte zu setzen.

Pro Jahr können Sie den Medienkonsum Ihrer Kinder schrittweise um etwa 10 Minuten erhöhen, sodass die Zeit zum Ende der Grundschule in etwa bei 70 bis 85 Minuten liegt.

4. Die schrittweise Ausweitung des Medienkonsums in der Jugend

Junge beim Computerspielen

E-Sports nehmen einen großen Stellenwert bei vielen Jugendlichen ein.

Sofern Kinder ein gesundes Mediennutzungsverhalten an den Tag legen, können Sie die Möglichkeit des Medienkonsums Ihrer Kinder weiter erhöhen. Machen Sie dies jedoch auch von Ihrem Gefühl abhängig.

Da viele Kinder beim Übergang in die weiterführende Schule bereits ein Smartphone besitzen, fällt die Kontrolle zunehmend schwerer. Achten Sie also möglichst darauf, dass Sie das Smartphone so einrichten, dass Ihr Kind nach wie vor nur auf kindgerechte Themen zugreifen kann.

Besonders in der Jugend Ihrer Kinder gilt es zu beachten, dass die Kommunikation mit anderen Schülern zwar wichtig ist, jedoch nicht exzessiv ausfallen darf. Machen Sie sich an dieser Stelle Ihre Vorbildfunktion bewusst und legen Sie das Smartphone beispielsweise beim Essen sowie Gesprächen stets zur Seite.

Achtung: Laut Statistik leiden mehr als 100.000 Jugendliche in Deutschland an einer Computerspielsucht. Bei sehr viel mehr Teenagern ist das Nutzungsverhalten kritisch, bewegt sich also im Bereich von vier Stunden und mehr pro Tag.

5. Klare Regeln sorgen für eine bessere Abstimmung

Tafel mit Regeln

Vereinbaren Sie klare Regeln für den Medienkonsum von Kindern.

Sind die Grundsteine für einen vernünftigen Umgang mit Medien gelegt, können Sie Ihren Kindern schrittweise mehr Verantwortung übertragen. Video- sowie Computerspiele sind nicht nur schädlich, sondern haben laut diversen Studien auch einen positiven Einfluss im Hinblick auf die kognitiven Fähigkeiten.
Dies gilt vor allem im Hinblick auf Spiele, bei denen strategisches Handeln und Teamfähigkeit gefragt sind.

Leider beanspruchen viele Online-Spiele sehr viel Zeit, sodass es kaum möglich ist, lediglich 45 oder 60 Minuten am Tag vor der Spielkonsole oder dem Computer zu verbringen.

Damit die Gesundheit Ihrer Kinder jedoch nicht leidet und sie dennoch die Möglichkeit bekommen, auch Spiele zu spielen, bieten sich zunehmend wöchentliche Limits im Hinblick auf den Medienkonsum an.
So haben Kinder die Möglichkeit, an einem verregneten Tag auch 2 oder 3 Stunden am Stück zu zocken, dafür jedoch ein oder zwei Tage in der Woche aufs Computerspielen zu verzichten.

6. Der Medienkonsum von Kindern bietet Vor- und Nachteile

Medien sind per se weder gut noch schlecht. Es kommt entscheidend auf die Art der Verwendung an, inwieweit Kinder davon profitieren. Eine Pro-Contra-Liste ist deshalb schwierig. Um Ihnen jedoch einen groben Überblick über die Chancen und Risiken zu geben, finden Sie im Folgenden eine kurze Gegenüberstellung.

  • Informationen stehen schnell zur Verfügung
  • macht den Austausch untereinander einfacher
  • erleichtert Absprachen und kurzfristige Änderungen
  • hilft bei Lernschwierigkeiten
  • zielgerichtete Unterhaltung möglich (nicht ein Programm für alle)
  • dient der Kompetenzerweiterung
  • der frühzeitige Umgang fördert das Verständnis für die digitale Welt
  • kann zur Sucht werden
  • schadet der Gesundheit (langes Sitzes, Kurzsichtigkeit)
  • beansprucht viel Aufmerksamkeit
  • kann Lernschwierigkeiten auslösen
  • viele Kinder sind reizüberflutet
  • steht der Kreativität entgegen
  • kann zur Einsamkeit führen

7. Medienkonsum für Kinder – für jedes Alter gelten andere Zeiten

In der folgenden Tabelle erhalten Sie einen kurzen Überblick darüber, in welchem Umfang der Medienkonsum für Kinder ausfallen könnte. Beachten Sie bei der nach dem Alter ausgerichteten Tabelle bitte, dass diese lediglich einen Richtwert darstellt und sich auf sämtliche Medien bezieht. Ausgenommen sind dabei lediglich für die Schule notwendige Recherchezeiten.

Alter Nutzungsdauer pro Tag
0 bis 3 Jahre kein Medienkonsum
4 Jahre 10 bis 15 Minuten
5 Jahre 20 bis 30 Minuten
6 Jahre etwa 30 Minuten
7 Jahre 30 bis 40 Minuten
8 Jahre ca. 45 Minuten
9 Jahre 45 bis 60 Minuten
10 Jahre etwa 60 bis 70 Minuten

Ab einem Alter von 11 Jahren können Sie auch auf ein wöchentliches Kontingent setzen, um Ihren Kindern etwas mehr Freiheiten zu ermöglichen. Hier gelten folgende Richtwerte:

Alter Medienkonsum pro Woche
11 bis 12 Jahre 7 bis 10 Stunden
13 bis 14 Jahre 10 bis 12 Stunden
14 bis 16 Jahre 12 bis 16 Stunden

Bitte beachten Sie, dass Sie den Medienkonsum einschränken sollten, sobald bei Ihnen das Gefühl entsteht, dass es nicht mehr ohne Smartphone oder PC funktioniert.

8. Weiterführende Literatur zum Thema Medienkonsum bei Kindern

Bestseller Nr. 1
Jetzt pack doch mal das Handy weg!
  • Feibel
  • Herausgeber: Ullstein Taschenbuch
  • Auflage Nr. 3 (13.10.2017)
  • Taschenbuch: 272 Seiten
Bestseller Nr. 2
Heute mal bildschirmfrei: Das Alternativprogramm für ein entspanntes Familienleben
  • Prof. Dr. Paula Bleckmann, Ingo Leipner
  • Herausgeber: Knaur TB
  • Auflage Nr. 2 (01.03.2018)
  • Broschiert: 320 Seiten
Bestseller Nr. 3
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