Mädcheninternat: Sinnvoll und noch zeitgemäß?

   
von Dana S. - letzte Aktualisierung:
maedcheninternat
Welches Konzept verfolgt ein Mädcheninternat?

Mädcheninternate sollen Mädchen die Möglichkeit bieten, in den individuellen Interessen und Fähigkeiten bestmöglich gefördert zu werden. Ziel ist es, die Kinder in ihrer Persönlichkeit und ihrem Selbstbewusstsein zu stärken.

Was sind die Vor- und Nachteile der Geschlechtertrennung?

Ein großer Vorteil eines Mädcheninternats ist es, dass die Mädchen keinem Druck ausgesetzt sind, sich traditionellen Rollenbildern anpassen zu müssen.
Die Mädchen erbringen zudem bessere Leistungen und haben weniger Probleme in der Zeit der Pubertät.
Nachteilig ist, dass das Leben unter Mädchen/Frauen nicht der gesellschaftlichen Realität entspricht. Zudem sind die pädagogischen Konzepte oft veraltet.

Ist ein Mädcheninternat noch zeitgemäß?

In unserer heutigen Zeit ist ein Mädcheninternat nicht besonders zeitgemäß. Durch die Emanzipation ist es Frauen mittlerweile auch so in vielen Bereichen gelungen, sich gegen das männliche Geschlecht durchzusetzen.

Wer den Begriff Mädcheninternat hört, denkt häufig an ein veraltetes Schulsystem, in dem Jungen und Mädchen getrennt voneinander unterrichtet werden. Allerdings gibt es auch heute noch immer Mädcheninternate, in denen die Mädchen zusammen leben und lernen.

In diesem Artikel erklären wir Ihnen das Konzept von Mädcheninternaten. Wir zeigen Ihnen die wichtigsten Vor- und Nachteile auf, die ein Mädcheninternat im Vergleich zu einem normalen Internat oder einer Regelschule hat.

Zuletzt klären wir, ob ein Mädcheninternat noch zeitgemäß oder bereits veraltet ist.


1. Der Unterricht in einem Mädcheninternat ist auf die spezifischen Fähigkeiten von Mädchen ausgerichtet

Ein passendes Internat finden

Sind Sie auf der Suche nach einem Internat in Ihrer Nähe oder in Ihrem Bundesland, können Sie diese Suchmaschine benutzen. Vorteilhaft ist, dass Sie einen direkten Überblick über die ungefähren Kosten bekommen.

Nachdem Kinder die Grundschule absolviert haben, gehen sie auf eine weiterführende Schule, wie z.B. auf ein Gymnasium, eine Realschule oder eine Hauptschule. Die Entscheidung, welche Schulform besucht werden soll, hängt vor allem von den Noten und schulischen Leistungen ab.

Es gibt jedoch auch einige Eltern, die eine Regelschule ablehnen und ihr Kind lieber auf ein Internat schicken möchten. Dies kann verschiedene Gründe haben. Während sich einige Eltern durch den Besuch des Internats eine Entlastung versprechen, stehen in anderen Familien vor allem die individuelle Förderung und die zahlreichen Freizeitaktivitäten im Vordergrund.

maedchen in schuluniformen

Traditionell tragen Mädchen Schuluniformen.

Ein Mädcheninternat ist eine besondere Form des Internats, da dort eine Geschlechtertrennung herrscht, sodass ausschließlich Mädchen zusammenleben und zusammen unterrichtet werden. In Deutschland gibt es heutzutage noch rund 250 Internate. Davon sind jedoch nur etwa eine Handvoll reine Mädcheninternate.

Die Mädcheninternate in Deutschland sind alle in kirchlicher Trägerschaft, darunter sowohl katholische als auch evangelische. In vielen Fällen bestehen die Lehrer und pädagogischen Fachkräfte auf einem Mädcheninternat aus Ordensschwestern. Die Mädchen leben unter der Woche im Internat, können am Wochenende jedoch, je nach Wunsch, ihre Familie besuchen.

Der Unterricht auf einem Mädcheninternat ist speziell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des weiblichen Geschlechts ausgerichtet. So sollen die Mädchen in ihrer Persönlichkeit und ihrer Entwicklung gestärkt werden, um sich in der Gesellschaft behaupten zu können.

Einen kurzen Einblick in das Leben auf einer Mädchen- oder Jungenschule bekommen Sie in diesem Video:

2. Eine geschlechtergetrennte Schulausbildung kann sich positiv auf die Lernerfolge auswirken

Die meisten Menschen haben ein sehr negatives Bild von Internaten. Vor allem reine Mädchen- oder Jungeninternate gelten als veraltet. Auf Internate werden entgegen landläufiger Meinung aber nicht nur Kinder geschickt, die als Problemfälle gelten. Besonders im Hinblick auf Mädcheninternate sind Eltern davon überzeugt, dass die Mädchen ohne die Anwesenheit von Jungen besser lernen können.

schulklasse mit maedchen

Reine Mädchenklassen sind inzwischen eine Seltenheit.

Dadurch, dass die Mädchen ihre Freizeit ausschließlich mit anderen Mädchen verbringen, ist auch die Zeit der Pubertät leichter zu bewältigen. Es gibt innerhalb der Schule oder der Klasse keine Ablenkung, sodass sich alle Schülerinnen voll und ganz auf den Lehrstoff konzentrieren können.

Befürworter von Mädcheninternaten merken zudem an, dass die Mädchen, die ein Mädcheninternat besucht haben, wesentlich risikobereiter und selbstbewusster sind und wesentlich häufiger einen „typisch männlichen“ Beruf wählen. Der Druck, sich vor Jungs behaupten zu müssen, entfällt, sodass die Schülerinnen wesentlich selbstsicherer sind.

Die Schülerinnen leben dort in einer Gemeinschaft, in der es jedoch nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten gibt. Bis zum Nachmittag müssen die Mädchen zunächst am Schulunterricht teilnehmen und anschließend Hausaufgaben erledigen und für bevorstehende Arbeiten und Tests lernen. Viele nutzen die übrige Zeit für Sport und andere Freizeitaktivitäten.

Der nicht-existierende Kontakt zu Kindern des anderen Geschlechts kann jedoch auch zu einem Problem werden. Dass Mädchen nur unter sich sind, entspricht nicht der gesellschaftlichen Realität. Dadurch, dass die Mädchen nie gelernt haben, sich gegenüber dem männlichen Geschlecht zu behaupten, kann es im späteren Leben zu Komplikationen kommen.

Ein weiterer Nachteil ist, dass die pädagogischen Konzepte in einem Mädcheninternat oftmals veraltet sind und größtenteils Frontalunterricht stattfindet. Da Disziplin an erster Stelle steht, gibt es nur wenig Raum für Kreativität.

Hier finden Sie noch einmal alle Vor- und Nachteile im Überblick:

  • Ausrichtung auf die spezifischen Stärken von Mädchen
  • bessere Leistungen, vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern
  • unkompliziertere Bewältigung der Pubertät
  • Mädchen sind oft selbstbewusster und risikobereiter
  • kein Druck, sich traditionellen Rollenbildern anpassen zu müssen
  • kaum Kontakt zum männlichen Geschlecht
  • ein Leben unter Mädchen/Frauen entspricht nicht der gesellschaftlichen Realität
  • veraltete pädagogische Konzepte
  • wenig Raum für Kreativität

3. Leben und lernen in einem Mädcheninternat – ist dies noch zeitgemäß?

zwei maedchen sitzen zusammen am see

Auch ihre Freizeit verbringen Mädchen untereinander.

Während reine Mädchenschulen bis vor einigen Jahrzehnten noch üblich waren, gibt es heutzutage nur noch sehr wenige Internate in Deutschland, die ausschließlich für Mädchen ausgerichtet sind. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sich die klassischen Rollenbilder immer mehr auflösen und vermischen.

Kinder auf eine gleichgeschlechtliche Schule zu schicken, macht nur dann Sinn, wenn die Lehrer oder Eltern das Gefühl haben, dass das jeweils andere Geschlecht eine zu starke Ablenkung darstellt. Mädchen können auf einem Mädcheninternat in einem geschützten Raum leben und lernen.

Der Wechsel von einer gemischtgeschlechtlichen Schule kann für Mädchen mitunter sehr schwierig sein. Ziehen Sie in Erwägung, Ihr Kind auf ein Mädcheninternat zu schicken, sollten Sie es unbedingt in die Entscheidung mit einbeziehen. Besteht von Anfang an eine innere Abwehr, kann es zu zahlreichen Problemen kommen.

Achtung: Die Kosten für ein Mädcheninternat können immens hoch sein. Auch wenn kirchliche Internate, egal ob katholisch oder evangelisch, vergleichsweise günstig sind, sollten Sie sich auf einen Betrag von 500 bis 1000 Euro pro Monat einstellen.

4. Spannende Kinderbücher über das Leben im Internat

Club der Heldinnen 4: Weihnachten im Internat
  • Weger, Nina (Autor)
  • 224 Seiten - 23.09.2019 (Veröffentlichungsdatum) - Verlag Friedrich Oetinger GmbH (Herausgeber)

Carlotta: Carlotta - Vom Internat in die Welt
  • Hoßfeld, Dagmar (Autor)
  • 336 Seiten - 05.10.2019 (Veröffentlichungsdatum) - Carlsen (Herausgeber)

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