Legasthenie: Woran Sie die Legasthenie-Krankheit erkennen & worin es sich zur Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) unterscheidet

Legasthenie-Ratgeber
  • Legasthenie ist nicht gleichbedeutend mit einer Lese-Rechtschreibschwäche. Die Unterschiede liegen vor allem in den Ursachen.
  • Einen Test zur Diagnose von Legasthenie können Sie in pädagogischen Einrichtungen oder bei einem Kinderpsychologen durchführen lassen.
  • Bei Legasthenie wird in der Schule ein Nachteilsausgleich herangezogen. Dieser ist in Art. 3 Abs. 3 Satz 2 des GG sowie im Sozialgesetzbuch IX – in § 126 geregelt.

Die meisten Kinder freuen sich, wenn sie endlich in die Schule dürfen. Am Anfang fällt allen Kindern das Lesen und Schreiben schwer. Wenn Kinder jedoch an Legasthenie leiden, wird der Schulalltag schnell zur Qual. Auch Eltern wissen häufig nicht, wie sie mit diesem Krankheitsbild umgehen sollen. Aber was bedeutet eigentlich Legasthenie? Und gibt es einen Unterschied zwischen Legasthenie und einer Lese-Rechtschreibschwäche? Was sind die Ursachen und wie sieht die Behandlung aus?

Auf all diese Fragen gibt Ihnen unser Ratgeber eine Antwort. Sie erfahren, wie Sie Legasthenie bei Ihrem Kind erkennen und was Sie dagegen tun können. Um die Krankheit besser zu verstehen, erklären wir Ihnen, was die Ursachen sind und welche Folgen Legasthenie haben kann. Wir gehen außerdem darauf ein, was es mit dem Nachteilsausgleich in der Schule auf sich hat.

1. Legasthenie vs. Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS)

Legasthenie Definition

Der Unterschied von Legasthenie und LRS liegt hauptsächlich in der Ursache.

Bei Legasthenie handelt es sich um eine Störung im Erlernen der Schriftsprache. Personen, die an dieser Krankheit leiden, haben Schwierigkeiten die gesprochene in geschriebene Sprache umzusetzen und umgekehrt.

Die Definition für Legasthenie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lautet wie folgt:
“Eine Lese- und Rechtschreibstörung ist vorhanden, wenn anhaltende und eindeutige Schwächen im Bereich der Lese- und Rechtschreibung nicht auf das Entwicklungsalter, eine unterdurchschnittliche Intelligenz, fehlende Beschulung, psychische Erkrankungen oder Hirnschädigungen zurückzuführen sind.” (Weltgesundheitsorganisation, 2005)

Im normalen Sprachgebrauch werden die Begriffe Legasthenie und Lese-Rechtschreibschwäche häufig synonym verwendet. Es gibt jedoch einige entscheidende Unterschiede. Während Legasthenie eine anerkannte Krankheit ist, handelt es sich bei der Lese-Rechtschreibschwäche um eine pädagogische Bezeichnung. Folgende Tabelle soll Ihnen den Unterschied näher bringen:

Bezeichnung Ursachen Symptome Förderung
Legasthenie Genetische Vererbung, Veranlagung Unaufmerksamkeit beim Lesen, Schreiben und eventuell Rechnen; Störungen in der Sinneswahrnehmung; Teilleistungsstörung des Gehirns Aufmerksamkeitstraining; Förderung der Sinneswahrnehmungen; symptomatische Förderung
Lese-Rechtschreibschwäche psychische Ursachen; familiäre Ursachen; Minderbegabung; physische Ursachen; falsche Lernmethoden es liegt weder eine Aufmerksamkeitsstörung noch eine Sinnesstörung vor, dennoch machen diese Kinder ungewöhnlich viele Fehler Behandlung der Symptomatik steht im Vordergrund; Erlernen von Rechtschreibregeln; eventuell Hilfe durch Psychologen oder Arzt

Die Ursachen für Legasthenie sind also nicht erworben, sondern genetisch bedingt. Dadurch, dass Legasthenie vererbbar ist, sind in vielen Fällen mehrere Familienmitglieder von dieser Störung betroffen. Allerdings kann die Vererbung nicht als alleinige Ursache angesehen werden. Weitere Faktoren und Ursachen für Legasthenie liegen im neurobiologischen Bereich. Betroffene Personen zeigen Beeinträchtigungen in der akustischen und visuellen Wahrnehmung. Auch die phonologische Bewusstheit ist schwächer ausgeprägt.

2. Eine Rechtschreibschwäche erkennen

Legasthenie erkennen

Es gibt einige Hinweise, die auf eine Legasthenie bei Kindern hindeuten können.

In Deutschland sind nach Forschungen etwa 4% der Schüler von Legasthenie betroffen. Viele Eltern fragen sich, wie sie bei ihrem Kind Legasthenie erkennen. Bereits im Kleinkindalter zeigen die betroffene Kinder Symptome, die auf diese Krankheit hindeuten. Vor allem, wenn Ihre Familie bereits mit diesem Krankheitsbild vorbelastet ist, sollten Sie frühzeitig auf Symptome achten. Auch Erwachsene können Legasthenie aufweisen. In einem Ratgeber vom Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. finden Eltern und Betroffene viele weitere wichtige Informationen rund um das Thema.

Neben einer Lese- und Rechtschreibschwäche können auch eine reine Schreibschwäche oder Leseschwäche bei Kindern auftreten. Zudem treten Legasthenie und Dyskalkulie häufig zusammen auf. Die Dyskalkulie ist durch Verständnisprobleme im arithmetischen Bereich gekennzeichnet.

Im Vorschulalter können Kinder bereits folgende Legasthenie-Symptome zeigen, die auf diese Störung hindeuten können:

  • spätes Erlernen des klaren Sprechens
  • verwaschene Aussprache oder Lispeln
  • häufiges Stolpern und Fallen über kleine Gegenstände
  • Wörter und Bezeichnungen werden durcheinandergebracht
  • Probleme beim Erlernen und Merken von Kinderliedern
  • Unaufmerksamkeit und Probleme bei der Zeitplanung
  • Orientierungsprobleme

Im Grundschulalter setzen sich diese Symptome fort. Hinzu kommen nun die Probleme mit der Rechtschreibung und dem korrekten Lesen von Wörtern und Texten. Die Anzeichen einer Legasthenie im Grundschulalter sind dabei folgende:

  • leicht ablenkbar
  • schnelle Ermüdungserscheinungen
  • große Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben
  • Vertauschen von Buchstaben
  • Ungewöhnliche Aussprache
  • Langsames Lese- und Schreibtempo
  • Sinn von Gelesenem wird nicht verstanden

Neben all diesen negativen Ausprägungen der Krankheit, zeichnen diese Kinder auch viele positive Eigenschaften aus. Denn vor allem Kinder mit Legasthenie sind häufig überdurchschnittlich intelligent. Sie haben vielmals spannende Hobbys und Interessen und sind besonders kreativ. Außerdem denken sie häufig in größeren Zusammenhängen und können sich mündlich gut artikulieren. Aufgrund ihrer besonders stark ausgeprägten Empathie sind sie ideal für soziale Berufe geeignet.

3. Legasthenie- und LRS-Diagnostik

Rechtschreibschwäche ohne Leseschwäche

Wenn Symptome auftreten, sollten Sie Ihr Kind auf Legasthenie testen lassen.

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind an einer Lese-Rechtschreibschwäche leidet, sollten Sie schnellstmöglich professionelle Hilfe suchen. Kontakte finden Sie ganz einfach über das Internet. Die Diagnose wird oftmals durch einen Kinderpsychologen oder Therapeuten gestellt. Erst mit Hilfe eines Legasthenie-Tests kann der Arzt herausfinden, um welche Art der Lese- oder Rechtschreibschwäche es sich handelt.

Ein häufig verwendetes Verfahren ist das BISC (Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten). Bei diesem Testverfahren werden die phonologische Bewusstheit, das phonetische Rekodieren, der Gedächtnisabruf und die visuelle Aufmerksamkeitssteuerung untersucht. Diese Tests sollten bereits vor Schulbeginn durchgeführt werden. Denn je früher Sie die Legasthenie-Symptome erkennen, desto besser kann man der Störung entgegenwirken.

Der Beginn der Legasthenie-Forschung

Bereits im 19. Jahrhundert haben sich Neurologen und Psychiater mit diesem Krankheitsbild beschäftigt. Zu dieser Zeit glaubte man jedoch noch, dass die betroffenen Personen unterdurchschnittlich intelligent waren.

Die Testverfahren werden beispielsweise in pädagogischen Einrichtungen angeboten. Vereinbaren Sie dafür einfach vorab einen Termin. Dieser nimmt in der Regel etwa drei Stunden in Anspruch. Wird bei diesem LRS-Test eine Störung diagnostiziert, werden umgehend Unterstützungsmaßnahmen eingeleitet.

Für den Nachteilsausgleich ist es von großer Bedeutung, ob es sich um Legasthenie oder eine Lese-Rechtschreibschwäche handelt!

4. Therapie und Fördermaßnahmen bei Legasthenie

LRS Grundschule

Beratung und Therapie erhalten Sie bei ausgebildeten Therapeuten.

Legasthenie und LRS werden sehr unterschiedlich behandelt. Während bei der LRS-Therapie das Aufarbeiten von traumatischen Ereignissen und das Lernen von Rechtschreibregeln im Vordergrund stehen, wird bei Legasthenie eine ganzheitliche Therapie angewendet.

Eine Schreibschwäche bei Kindern kann mit Hilfe von verschiedenen Maßnahmen behandelt werden. Da die Formen und Ausprägungen von Kind zu Kind unterschiedlich sind, wird die Therapie individuell auf die Stärken und Schwächen zugeschnitten. Je früher das Training begonnen wird, desto größere Lernfortschritte sind möglich.

Das Angebot für Legasthenietherapien ist sehr groß:

Eine weit verbreitete Therapie ist die AFS-Methode:

  • Verbesserung der Aufmerksamkeit beim Lesen und Schreiben (Aufmerksamkeit)
  • Schärfung der Sinneswahrnehmungen (Funktionen)
  • Spezielles Symptomtraining zur Vermeidung von Fehlern (Symptom)

Neben verschiedenen Legasthenie-Übungen ist auch eine psychologische Betreuung elementar. Kinder, die Lernschwierigkeiten oder Ähnliches aufweisen, sind häufig unmotiviert und großen Belastungen ausgesetzt. Daher ist es wichtig, das Selbstbewusstsein des Kindes zu stärken und diesem die Ängste zu nehmen. Die Kinder müssen verstehen, dass sie nicht dumm oder faul sind, sondern dass genetische und neurologische Ursachen dafür verantwortlich sind, dass sie schlecht lesen oder schreiben können.

Auch die Familie kann das Kind bei der Leseschwäche unterstützen. So können Sie mit Ihrem Kind auch zusammen zu Hause üben. Der größte Erfolg kann erzielt werden, wenn Sie mit Lehrern und Therapeuten eng zusammenarbeiten. Neben LRS-Trainern können Hilfsmittel wie Legasthenie-Bücher oder eine Lernsoftware helfen. Ausgebildete Legasthenietrainer können Sie ganz einfach über das Internet finden. Obwohl Legasthenie nicht heilbar ist, kann eine Förderung erhebliche Verbesserungen bewirken.

Wenn die Legasthenie nicht behandelt wird, können einige Folgeerkrankungen auftreten. Dazu gehören emotionale Probleme, schulische Probleme und Schwierigkeiten im sozialen Bereich.

Leider wird die Legasthenie-Hilfe in der Regel nicht von den Krankenkassen bezahlt. Daher müssen Sie die anfallenden Kosten selbst bezahlen, wenn Sie bei Ihrem Kind die Legasthenie behandeln lassen. Auch spezielles Legasthenie-Fördermaterial müssen Sie aus Ihrer eigenen Tasche zahlen. Anders sieht es aus, wenn eine drohende oder bestehende seelische Behinderung durch die Legasthenie festgestellt wurde. In diesem Fall können Sie einen entsprechenden Antrag beim Jugendamt einreichen.

5. Der Nachteilsausgleich bei Legasthenie

Legasthenie Intelligenz

Der Nachteilsausgleich hat Vor- und Nachteile

Schüler, die eine solche Schwäche aufweisen, sollen in der Schule nicht benachteiligt werden. Daher gibt es den sogenannten Nachteilsausgleich. Durch diesen ist es möglich, dass die Kinder die normale Schullaufbahn durchlaufen können. Die Leistungen der Schüler werden demnach anders bewertet. Dies heißt konkret, dass beispielsweise die Fehler in einem Text anders bewertet werden.

Wenn Legasthenie durch einen entsprechenden Test diagnostiziert wurde, greift zusätzlich der Notenschutz. Dabei werden die Rechtschreibleistungen bei Tests und Arbeiten kaum oder gar nicht bewertet. So können die Schüler trotz Lese- und Rechtschreibschwäche gute Noten erzielen.

Der Notenschutz und der Nachteilsausgleich bei LRS oder Legasthenie wird in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich geregelt. Brandenburg, Niedersachen und Mecklenburg-Vorpommern schließen beispielsweise zusätzlich eine Rechenschwäche ein. Die Sonderbehandlungen sollten jedoch nicht zu früh starten oder zu stark ausgeprägt sein. Das Kind soll motiviert bleiben, an der Schwäche zu arbeiten.

So gibt es Vor- und Nachteile eines Nachteilsausgleichs:

  • Entlastung für betroffene Schüler
  • keine Angst mehr vor schlechten Noten
  • Stärkung des Selbstbewusstseins
  • Leistungsgemäße Benotung trotz Lernstörung möglich
  • Spannungen in der Klassengemeinschaft durch ungleiche Bewertungen
  • die Lernmotivation kann erheblich nachlassen
  • negative Auswirkungen bei späteren Bewerbungen
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