Langzeitstillen: Hintergründe sowie Vor- und Nachteile

   
von Dana S. - letzte Aktualisierung:
langzeitstillen
Ab wann spricht man von Langzeitstillen?

Eine eindeutige Definition des Langzeitstillens gibt es nicht. In Deutschland spricht man von Langzeitstillen, wenn eine Mutter ihr Kind länger als ein Jahr stillt.

In welchen Fällen sollte man unbedingt abstillen?

Grundsätzlich können Sie Ihr Kind so lange Stillen, wie Sie möchten. Achten Sie jedoch unbedingt auf die Bedürfnisse Ihres Kindes. Haben Sie das Gefühl, dass es nicht mehr an die Brust möchte, sollten Sie dringend abstillen. Ansonsten kann das Weiterstillen psychische Folgen für das Kind mit sich bringen.

Was sind die Vor- und Nachteile des Langzeitstillens?

In gesundheitlicher Hinsicht ist das Langzeitstillen ausschließlich mit Vorteilen, sowohl für die Mutter als auch für das Kind, verbunden. Nachteile sind hingegen, dass das Stillen zu Einschränkungen führt und es laut Kritikern zu einem gestörten Bindungsverhältnis zwischen Mutter und Kind kommen kann.

Dass Stillen die gesündeste Art und Weise ist, ein Baby zu ernähren, darüber sind sich die meisten Menschen einig. Werden Kinder jedoch länger als üblich gestillt, geraten die entsprechenden Mütter schnell in die Kritik. Die Mehrheit ist der Meinung, dass Langzeitstillen schädlich ist und psychische Folgen mit sich bringt.

Aber ab wann spricht man eigentlich von Langzeitstillen? Diese Frage werden wir in dem Folgenden Artikel genauer beleuchten. Wir klären Sie darüber auf, welche Vor- und Nachteile das Langzeitstillen hat und in welchen Fällen Sie dringend abstillen sollten.


1. “Normales” Stillen begrenzt sich auf das Babyalter

Stilldauer in anderen Ländern
Während deutsche Frauen eine Stillzeit von sechs bis zwölf Monaten als ideal empfinden, sprechen sich Frauen in anderen Ländern für eine längere Stilldauer aus. In der Türkei stillen mehr als ein Drittel der Frauen länger als zwölf Monate. In Japan ist es sogar üblich, dass Mütter ihre Kinder bis zum Kindergartenalter stillen.

Dass Muttermilch besonders gesund ist und ein Baby mit den wichtigsten Nährstoffen versorgt, ist mittlerweile unumstritten. Vor allem das Kolostrum, welches sich bereits in den letzten Tagen der Schwangerschaft bildet, beinhaltet besonders viele Proteine und Nährstoffe. Es ist fettarm, leicht zu verdauen und hilft dem Baby dabei, Infektionen selbst zu bekämpfen.

In unserer Gesellschaft gibt es leider sehr genaue Vorstellungen darüber, wie das Stillen eines Kindes auszusehen hat. So werden Mütter, die ihre Kinder von Anfang an nicht stillen möchten, genauso angefeindet wie Mütter, die ihre Kinder länger als ein Jahr stillen.

Besonders befremdlich wirkt es für die meisten Menschen, wenn eine Mutter ihre Tochter oder ihren Sohn stillt, wenn diese bzw. dieser bereits laufen und sprechen kann. Welche Zeitspanne des Stillens „normal“ ist, hängt vor allem mit dem kulturellen Umfeld zusammen.

Laut Empfehlungen der WHO sollten Mütter ihre Kinder in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich mit Muttermilch versorgen. Ab diesem Zeitpunkt können sie mit Beikost beginnen, wobei jedoch immer noch weitergestillt werden sollte. Empfohlen wird eine Gesamtstilldauer von zwei Jahren.

Auch wenn es keine einheitliche Definition gibt, handelt es sich landläufig um Langzeitstillen, wenn eine Mutter ihr Kind über ein Jahr stillt. Spätestens mit dem Überschreiten der Schwelle vom Baby zum Kleinkind wird Stillen als anstößig betrachtet. Die landläufige Meinung ist, dass Langzeitstillen schädlich ist und vor allem psychische Folgen nach sich zieht.

Weitere Informationen zum Tabuthema Langzeitstillen bekommen Sie in diesem Video:

2. Das Abstillen geschieht zumeist aus sozialen Gründen

mutter stillt ihr kind in einem cafe

Manchen Frauen ist das Stillen in der Öffentlichkeit eher unangenehm.

Stillen ist sowohl für das Baby als auch für die Mutter sehr gesund. Aber viele Frauen stillen ihre Kinder nicht nur aufgrund der gesundheitlichen Vorteile. Sie möchten ihrem Baby zusätzlich Nähe und Geborgenheit schenken und eine besonders enge Bindung aufbauen. Aus diesem Grund empfinden die meisten Mütter die Zeit des Stillens als besonders intensiv.

Zusätzlich wird das Saugbedürfnis eines Kindes gestillt, welches etwa bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres anhält. Das Saugbedürfnis ist ein natürlicher Instinkt, der zu Beruhigung und Entspannung führt.

Dass die meisten Mütter ihre Kinder nach etwa sechs Monaten abstillen, hat in vielen Fällen eher soziale Gründe. Berufliche Verpflichtungen machen es kaum möglich, ein Baby so lange zu stillen, wie es Mutter und King guttun würde.

Auch die Wahrnehmung des öffentlichen Stillens spielt beim Stillverhalten eine große Rolle. Viele Mütter fühlen sich nicht wohl dabei, ihr Kind in der Öffentlichkeit, wie beispielsweise im Supermarkt, im Café oder in öffentlichen Verkehrsmitteln zu stillen. Um dem zu entgehen, stillen sie lieber frühzeitig ab.

Einige Mütter stillen ab, weil ihr Kind die ersten Zähne bekommt, ihre Periode wiedereinsetzt oder sie erneut schwanger sind. Dies sind jedoch allesamt keine Gründe, die ein Abstillen notwendig machen. Sprechen Sie bei Unsicherheiten stets mit Ihrer Hebamme.

3. Stillen ist so lange in Ordnung, wie es Mutter und Kind gefällt

mutter stillt ihr kleinkind

Solange Sie und Ihr Kind sich wohlfühlen, ist nichts gegen das Langzeitstillen einzuwenden.

Das natürliche Abstillalter liegt bei etwa zwei bis vier Jahren. Kinder haben zu diesem Zeitpunkt nicht mehr das Bedürfnis, an der Brust zu saugen oder durch das Stillen getröstet zu werden. Die Kleinen zeigen nicht mehr so viel Interesse, sodass Sie guten Gewissens damit aufhören können, die Brust anzubieten.

Eine optimale Stilldauer gibt es demnach nicht, da sie individuellen Bedürfnissen unterliegt. Grundsätzlich sollte jede Mutter selbst entscheiden können, wie lange sie ihr Kind stillen möchte, ohne von anderen Menschen der Gesellschaft angefeindet zu werden. Das Stillen kann so lange fortgeführt werden, wie es der Mutter und dem Kind gefällt.

Da sich die Muttermilch immer weiter bildet, bis keine Nachfrage besteht, müssen Mütter keine Angst haben, dass sie keine Milch mehr produzieren. Erst durch das Abstillen wird die Produktion von Muttermilch eingestellt.

Sie sollten hingegen unbedingt abstillen, wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind nicht mehr an der Brust trinken möchte. Auch wenn Sie noch gerne weiter stillen wollten, sollten Sie unbedingt die Bedürfnisse Ihres Kindes in den Fokus stellen.

4. Langzeitstillen – diese Vor- und Nachteile sind mit langem Stillen verbunden

Auch wenn das Langzeitstillen in unserer Gesellschaft nur wenig Anklang findet, gibt es zahlreiche Gründe, die für das lange Stillen sprechen. Auf der anderen Seite kann das Langzeitstillen jedoch auch negative Folgen haben, die sich weniger auf die gesundheitlichen Aspekte, sondern auf die psychische Komponente beziehen.

Damit Sie sich ein besseres Bild von den Vor- und Nachteilen des Langzeitstillens machen können, haben wir im Folgenden die wichtigsten Vorzüge und Kritikpunkte für Sie zusammengestellt.

  • optimale Versorgung mit Nährstoffen, Spurenelementen und Vitaminen
  • geringeres Risiko für Allergien und Infektionen
  • Stillen hat einen positiven Einfluss auf das ganze Leben der Kinder (gesunder Appetit, bessere schulische Leistungen, höherer IQ usw.)
  • geringeres Risiko der Mutter an Diabetes, Brustkrebs und Eierstockkrebs zu erkranken oder Herzkrankheiten zu erleiden
  • schwer in das Berufsleben einzubinden
  • Einschränkungen, wie Alkoholverzicht, geringerer Koffeinkonsum sowie eingeschränkte Medikamenteneinnahme
  • eingeschränkte Fruchtbarkeit, da das Stillen eine empfängnisverhütende Wirkung hat
  • keine Möglichkeit zur längeren Trennung zwischen Mutter und Baby
  • Gefahr eines gestörten Bindungsverhältnisses

Die meisten Vertreter der Entwicklungspsychologie sind sich sicher, dass das Langzeitstillen die seelische Entwicklung von Kindern nicht negativ beeinflusst. Dennoch gibt es auch innerhalb der Psychologie einzelne Stimmen, die der Meinung sind, dass das lange Stillen die Selbstständigkeit der Kinder beeinträchtigen könnte.

Das hartnäckige Vorurteil, dass Langzeitstillen zu Haarausfall führt, konnte bislang durch keine Studie oder Untersuchung belegt werden.

5. Informative Bücher zum Thema Langzeitstillen

Bestseller Nr. 1
Stillen 1+: Eine Orientierungshilfe für das Langzeitstillen
  • Kunert-Peter, Katharina (Autor)
  • 136 Seiten - 01.09.2016 (Veröffentlichungsdatum) - fidibus Verlag (Herausgeber)
Bestseller Nr. 3
Wir stillen noch: Über das Leben mit gestillten Kleinkindern
  • Bumgarner, Norma Jane (Autor)
  • 224 Seiten - 10.03.2003 (Veröffentlichungsdatum) - La Leche Liga (Herausgeber)
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