Bei Kreidezähnen handelt es sich um eine Schmelzbildungsstörung. Dadurch, dass der Zahnschmelz nur ein Zehntel so dick ist wie bei normalen Zähnen, entstehen Flecken auf der Zahnoberfläche, die den Zahn im Laufe der Zeit porös machen. Aus diesem Grund sind diese Zähne besonders anfällig für Karies.
Die Gründe für die Entstehung von Kreidezähnen sind noch nicht vollständig erforscht. Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass der in Plastik enthaltene Weichmacher Bisphenol A eine große Rolle spielt. Es ist jedoch auch wahrscheinlich, dass mehrere Faktoren zusammenkommen.
Kreidezähne lassen sich nicht behandeln oder heilen. Allerdings gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten. Haben Kinder Kreidezähne, sollten sie ihre Zähne stets mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen sowie Fluoridlacke verwenden. Um die Zähne zu stärken, können Eltern zusätzlich fluoridhaltiges Salz ins Essen geben.
Während bis vor einigen Jahren vor allem Karies bei Kindern noch sehr verbreitet war, sprechen Mediziner heutzutage bei Kreidezähnen von der neuen Volkskrankheit. Etwa 30% aller Kinder im Alter von 12 Jahren sind von der Mineralisationsstörung der Zähne betroffen.
Wir erklären Ihnen, was Kreidezähne sind, wie Sie sie bei ihrem Kind erkennen können und welche Ursachen hinter dieser Krankheit stecken. Zudem zeigen wir Ihnen Möglichkeiten auf, inwiefern Sie Kreidezähne behandeln lassen und der Entstehung vorbeugen können.
Inhaltsverzeichnis
Etwa ein Drittel aller 12-jährigen Kinder in Deutschland sind von der Schmelzbildungsstörung Kreidezähne betroffen. Dies geht aus den Ergebnissen der fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMSV) aus dem Jahr 2016 hervor. Zahnärzte sprechen bei Kreidezähne bereits von einer Volkskrankheit, die sogar häufiger als Karies auftritt.
Kreidezähne, medizinisch als Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) bezeichnet, sind eine Zahnkrankheit, die ausschließlich Kinder betrifft. In den meisten Fällen sind die bleibenden Zähne betroffen. Es gibt jedoch auch Babys und Kleinkinder, die bereits bei ihren Milchzähnen mit dieser Erkrankung der Zähne zu kämpfen haben.
Kreidezähne lassen sich daran erkennen, dass sie starke Verfärbungen aufweisen. Vor allem die hinteren Backenzähne und die Schneidezähne weisen an der Oberfläche weiß-gelbliche bis bräunliche Flecken auf. Der Zahnschmelz ist nur ein Zehntel so dick wie bei gesunden Zähnen.
Dadurch, dass die Zähne mit der Zeit porös werden, reagieren Kinder mit Kreidezähnen hypersensibel auf heiße und kalte Speisen und Getränke. Zudem verspüren einige Kinder beim Zähneputzen oder bei Berührungen mehr oder minder starke Schmerzen.
Kreidezähne wurden erstmals im Jahr 1987 von schwedischen Wissenschaftlern beschrieben. Die Ursachenforschung steckt jedoch noch in den Kinderschuhen, sodass die genauen Ursachen bislang noch nicht erforscht sind.
Auch wenn die Verfärbungen auf eine schlechte Mundhygiene hindeuten, ist diese keinesfalls der Auslöser für die Entstehung von Kreidezähnen. Der Grundstein dafür, dass die Zähne brüchig werden, wird schon zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr gelegt.
Mittlerweile gibt es viele Studien und Forschungen, die darauf hindeuten, dass Bisphenol A (kurz: BPA) für die Entstehung von Kreidezähnen bei Kindern verantwortlich sein kann. Dabei handelt es sich um einen Weichmacher, der in Plastik und Kunststoffprodukten enthalten ist.
Heutzutage wird ein Großteil der Lebensmittel in Plastikverpackungen aufbewahrt. Dabei gehen die Weichmacher auf die Nahrung über und gelangen so in unseren Körper. Aus diesem Grund ist der Einsatz von Bisphenol A in Babyflaschen seit 2011 verboten.
Folgende weitere Ursachen stehen bei der Entstehung von Kreidezähnen im Verdacht:
Die schlechte Nachricht ist: Kreidezähne sind nicht heilbar. Kinder, die unter der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation leiden, werden also ihr Leben lang mit dieser Erkrankung zu tun haben. Weder Medikamente noch Mittel aus dem Bereich der Homöopathie können Abhilfe schaffen. Allerdings gibt es Maßnahmen, mit denen der Prozess etwas aufgehalten werden kann.
Das größte Problem ist, dass der Zahnschmelz durch die Schmelzbildungsstörung so stark beschädigt wird, dass die Zähne insgesamt anfälliger für Karies werden. Um die Zähne besonders lange erhalten zu können, sind eine intensive Pflege und Stärkung des Zahnschmelzes notwendig.
Wenn Kinder Kreidezähne haben, sollten sie ihre Zähne engmaschig von einem Zahnarzt kontrollieren lassen. Auch wenn es bislang noch keine effektive Therapie gibt, ist es wichtig, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten, indem die Zähne entsprechend geschützt werden.
Ist der Zahn lediglich verfärbt und noch nicht porös, kann ein Zahnarzt diesen mit einer Fissurenversiegelung versehen. Zudem können Zahnärzte die Zähne mit Kunststoff- oder Keramikfüllungen behandeln, um einen optischen Effekt zu erzielen.
Zuhause sollten Kinder ihre Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen. Außerdem sollte in regelmäßigen Abständen ein spezieller Fluoridlack auftragen werden. Um die Zähne ihrer Kinder zu stärken, können Eltern das Essen zusätzlich mit fluoridhaltigem Speisesalz versehen.
Schreitet die Erkrankung voran, kann es notwendig sein, die Zähne mit entsprechenden Kronen zu versorgen.
Da die Ursachen noch nicht vollständig erforscht werden konnten, ist es bislang auch noch nicht möglich, der Entstehung von Kreidezähnen vorzubeugen. Dennoch können Eltern einige Maßnahmen ergreifen, um ihre Kinder bestmöglich vor der Krankheit zu schützen.
Zum einen sollten Sie so weit wie möglich darauf verzichten, Lebensmittel aus Plastikverpackungen zu verzehren. Geben Sie Ihren Kindern Milch und andere Getränke am besten aus Glasflaschen. Achten Sie beim Kauf von Schnullern oder Nuckelflaschen darauf, dass diese aus schadstofffreien Materialien bestehen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, die Zähne von Anfang an bestmöglich zu stärken. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Kinder ihre Zähne regelmäßig und gründlich putzen. Dazu sollte fluoridhaltiger Zahnpasta zum Einsatz kommen. Tragen Sie außerdem einmal pro Woche ein Fluoridgel auf die Zähne Ihrer Kinder auf.
Sobald das Milchzahngebiss vollständig ist, sollten Sie regelmäßig Zahnarztbesuche wahrnehmen, um eventuelle Störungen so früh wie möglich zu erkennen. Je früher Zahnkrankheiten erkannt werden, desto größer ist die Chance, diese behandeln bzw. aufhalten zu können.
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