Konfrontative Pädagogik: Methoden und Zielsetzung des Ansatzes

jugendliche geben sich die faust
Wie läuft die konfrontative Pädagogik ab?

Der Ansatz beruht auf verschiedenen Säulen. Dabei geht es sowohl darum, dem Täter Vertrauen entgegen zu bringen als auch darum, ihn mit seinem Verhalten zu konfrontieren.

Stimmt es, dass Kinder und Jugendliche immer aggressiver werden?

Nein, seit den 1990er Jahren sind kaum Veränderungen im Hinblick auf die Kriminalitätsstatistik von Jugendlichen zu erkennen

Gibt es Kritik an der Methode?

Teils wird der besonders harte Umgang mit Jugendlichen kritisiert. Dabei muss jedoch stets berücksichtigt werden, dass es sich bei der jeweiligen Gruppe um Intensivstraftäter handelt.

Leider ist Gewalt in Deutschland für viele Jugendliche kein Fremdwort. Die konfrontative Pädagogik widmet sich der Gewaltprävention und versucht, Täter durch gezielte Methoden davon zu überzeugen, ihr eigenes Handeln zu überdenken.

In unserem Artikel möchten wir den Methoden der konfrontativen Pädagogik auf den Grund gehen. Zudem erklären wir, inwieweit Kritik angebracht ist.

1. Die konfrontative Pädagogik richtet sich an aggressive und stark auffällige Jugendliche

zwei jugendliche in einer koerperlichen auseinandersetzung

Zum Glück gibt es nur einen geringen Anteil an Intensivstraftätern.

Immer wieder tauchen Schlagzeilen von aggressiven Jugendlichen auf, die auf die Verrohung der Gesellschaft hinweisen. In einigen Gegenden ist Gewalt in der Schule durchaus ein Alltagsphänomen, sodass für den Bereich der Ausbildung nur wenig Zeit verbleibt.

Tatsächlich bestehen jedoch große Unterschiede zwischen dem teilweise in der Presse vermittelten Bild und der Realität. In Wahrheit treten Gewalttaten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht häufiger auf als in früheren Zeiten. Zudem sind diese trotz entsprechender Schlagzeilen nicht brutaler geworden.

Einen ausführlichen Bericht zu diesem Thema finden Sie an dieser Stelle auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung.

Dennoch ist es selbstverständlich wichtig, weiterhin daran zu arbeiten, dass die Anzahl der auffälligen jugendlichen Straftäter sinkt. Genau diesem Ziel widmet sich die konfrontative Pädagogik.

Im Gegensatz zu vielen anderen erzieherischen Maßnahmen kommt die konfrontative Pädagogik im Rahmen der sozialen Arbeit allerdings erst dann zum Einsatz, wenn die Erziehung im Wesentlichen als gescheitert gilt.

Die Zielgruppe konfrontativer Pädagogik ist dabei relativ klein. Lediglich Intensivstraftäter sowie Kinder und Jugendliche, deren Gewaltanwendung normale Maßstäbe deutlich überschreitet, sollen zu einem Umdenken gebracht werden.

In aller Regel ist die Teilnahme an einem Anti-Gewalt-Training nicht freiwillig, sondern entsprechend des Jugendgerichtsgesetzes angeordnet.

2. Ziel der konfrontativen Pädagogik ist die Entwicklung einer Handlungskompetenz

junger mann in einer therapiesitzung

Ziel der konfrontativen Pädagogik ist, dass die Täter lernen, sich mit ihren Taten auseinanderzusetzen.

Jede konfrontative Therapie verfolgt das Ziel, jugendliche Intensivtäter mit den Folgen ihrer Tat direkt zu konfrontieren. Die konfrontative Gesprächsführung stößt anfangs häufig auf eine geringe Resonanz. Dies ändert sich jedoch in aller Regel, sobald die Täter in einer Gruppensitzung auf die Unterschiede zwischen ihrer geschönten Fassung sowie der Realität angesprochen werden.

Im Gegensatz zu vielen anderen erzieherischen Maßnahmen ist die konfrontative Pädagogik von einem sehr harten Umgang geprägt. Taten und Handlungen werden nicht beschönigt und Worte können durchaus unterhalb der Gürtellinie angesiedelt sein. Typische Grenzen, wie sie nach allgemeinen erzieherischen Standards üblich sind, spielen kurzzeitig keine Rolle, um das Verhalten von aggressiven Jugendlichen zu verändern.

Im Rahmen der unterschiedlichen Therapiemaßnahmen geht es jedoch stets darum, eine Beziehung zu den Straftätern herzustellen. Auf der einen Seite erfolgt also eine auf Vertrauen basierende zu Gewandtheit zum Täter, während auf der anderen Seite die harte Konfrontation mit den bisherigen Taten steht.

Die Methoden der konfrontativen Pädagogik sind also mehrstufig aufgebaut. Bei der Zielgruppe soll damit ein innerer Konflikt zwischen der Aggressivität sowie dem Leid der Opfer hergestellt werden.

Gleichermaßen werden die Hintergründe der Person beleuchtet, in dem auf die Vergangenheit und die familiäre Situation eingegangen wird. Der Umgang mit den Straftätern ist also gleichermaßen hart und liebevoll.

Tipp: Die Alternative zur konfrontativen Pädagogik besteht meist in einem längeren Gefängnisaufenthalt, der, wie die Vergangenheit zeigt, nur wenig positiven Einfluss auf die Gesamtentwicklung hat.

3. Die Methoden der konfrontativen Pädagogik im Überblick

therapieleiter provoziert den taeter

Einige Methoden zielen darauf ab, die Täter bewusst zu provozieren.

Grundsätzlich gilt im Bereich der sozialen Arbeit ein positives Menschenbild. Dieses ändert sich auch bei der Arbeit mit schwerstkriminellen Jugendlichen nicht. Dennoch sind die Methoden darauf ausgerichtet, dass Täter auch einmal zu Opfern werden und beispielsweise auf dem Heißen Stuhl sitzen müssen.

Im Wesentlichen kommen im Rahmen der konfrontativen Pädagogik drei Methoden zum Einsatz, die sich teilweise inhaltlich überschneiden bzw. wechselseitig ergänzen:

  • Anti-Aggressions-Training: Im Fokus stehen vor allem die detaillierte Analyse der Auslöser der Aggressivität. In bestimmten Situationen wird daher bewusst versucht, die Täter zu aggressiven Verhaltensweisen zu provozieren. Gleichzeitig soll ihnen jedoch auch dabei geholfen werden, ihre eigene Aggressivität zu überwinden und zu neutralisieren.
  • Die Heißer-Stuhl-Methode: Im Prinzip kommt der heiße Stuhl meist im Rahmen eines Anti-Aggressions-Trainings zum Einsatz. Dabei müssen Jugendliche lernen, mit massiver Kritik umzugehen. Zum Einsatz kommt dabei eine besondere körperliche Nähe, die sich bewusst über Grenzen hinwegsetzt.
  • Coolness-Training: Im Rahmen eines solchen Trainings kommt es zu körperbetonten Spielen, die Aggressionen bis zu einem gewissen Grad dulden. Gleichzeitig lernen kriminelle Jugendliche, inwieweit sich Situationen entschärfen lassen und warum es wichtig ist, sich in die Perspektive des Opfers hineinzuversetzen.

Nähere Infos zur Definition sowie zur Fortbildung im Bereich der konfrontativen Pädagogik finden Sie auf der Website des Deutschen Jugendinstituts für konfrontative Pädagogik, welches von Jens Weidner und Reiner Gall geleitet wird. Einen entsprechenden Vortrag über das Thema sehen Sie in diesem YouTube-Video:

Tipp: Wer selbst auf der Suche nach Hilfe ist, kann sich an die örtliche Jugendhilfe wenden.

4. Kritik an der Methode der konfrontativen Pädagogik

schild mit kritik

Einige Kritiker sind der Meinung, dass die Methoden teilweise zu hart und körperbetont sind.

Wie so gut wie jedes pädagogische Konzept ist auch dieses nicht frei von Kritik. Trotz überwiegend positiver Veränderungen eignet sich die Methode längst nicht für jeden Straftäter.

Kritiker weisen zudem darauf hin, dass Jugendliche in einem solchen Programm erneut mit aggressiven Verhaltensweisen konfrontiert werden und daher nicht lernen, angemessen mit entsprechenden Situationen umzugehen. Im Rahmen von Pro und Contra muss dabei jedoch berücksichtigt werden, dass sich die konfrontative Pädagogik gerade nicht an jeden richtet, sondern lediglich an Personen, bei denen bereits zahlreiche andere Versuche der Rehabilitation gescheitert sind.

Nicht zum Einsatz kommen dürfen die Methoden der konfrontativen Pädagogik beispielsweise bei Jugendlichen, die traumatische Erfahrung gemacht haben oder aber sich zusätzlich in psychiatrischer Behandlung befinden.

Schwierigkeiten bereiten indes Grenzfälle, bei denen nicht ganz klar ist, aus welchen Gründen heraus Jugendliche gewalttätig werden.

5. Weiterführende Literatur zur konfrontativen Pädagogik

Einführung in die Konfrontative Pädagogik
  • Rainer Kilb, Jens Weidner
  • Herausgeber: UTB GmbH
  • Auflage Nr. 1 (13.03.2013)
  • Taschenbuch: 158 Seiten
Konfrontative Pädagogik: Konfliktbearbeitung in Sozialer Arbeit und Erziehung (German Edition)
  • Herausgeber: VS Verlag für Sozialwissenschaften
  • Auflage Nr. 42010 (11.06.2010)
  • Taschenbuch: 260 Seiten
Konfrontative Pädagogik in der Schule: Anti-Aggressivitäts- und Coolnesstraining (Pädagogisches Training)
  • Rainer Kilb, Jens Weidner, Reiner Gall
  • Herausgeber: Beltz Juventa
  • Auflage Nr. 3 (15.04.2013)
  • Taschenbuch: 256 Seiten

 

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