Ko-Konstruktion: Lernen durch Zusammenarbeit zwischen ErzieherInnen und Kindern

Ko-Konstruktion
  • Die Ko-Konstruktion zeichnet sich durch die Zusammenarbeit von Erziehern und Kindern aus.
  • Die reine Wissensvermittlung steht nicht im Fokus. Vielmehr zielt die Methode der Ko-Konstruktion darauf ab, die Bedeutung hinter einem Phänomen zu erforschen.
  • Die Rolle der Erzieherin ist aktiv geprägt. Durch ein wechselseitiges Zusammenspiel sollen sich Kinder besser der Erforschung von Hintergründen widmen können und in die Lage versetzt werden, Ihre Kenntnisse durch den Ideenaustausch vertiefen.

Im Rahmen der Ko-Konstruktion sollen Kinder und Erzieher gemeinsam zusammenarbeiten, um zu lernen. Aber wie genau funktioniert diese Methode in der Praxis?

In unserem Artikel zeigen wir Ihnen, wie die Ko-Konstruktion in der Kita angewendet werden kann und inwieweit dies Vor- sowie Nachteile mit sich bringt.

1. Probleme mithilfe der Ko-Konstruktion gemeinsam lösen

Kind mal ein Tafelbild mit der Aufschrift "Für unsere Zukunft"

Kinder sollen früh lernen, Zusammenhänge herzustellen.

Der Konstruktivismus beschäftigt sich mit der Frage des Erlangens von Wissen. Dabei unterscheidet dieser laut Definition zwischen Wissen und Wirklichkeit. Während es in vielen anderen Erziehungsansätzen primär um die Wissensvermittlung geht, steht im Rahmen der Ko-Konstruktion das Lernen durch Zusammenarbeit im Mittelpunkt.

Mittels Partizipation soll es so möglich sein, hinter die Fassade zu blicken und einen tieferen Blick für die Hintergründe zu erhalten.

In einem Praxisbeispiel bedeutet dies, dass Kinder in der Krippe keine verschiedenen Fischarten auswendig lernen, sondern sich mit den dahinterstehenden Fragen beschäftigen. Dies könnten folgende sein:

  • Warum leben Fische unter Wasser?
  • Wie können Fische atmen?
  • Worin besteht der Unterschied zwischen Menschen, Fischen und anderen Tieren?

Wie Sie anhand dieser kurzen Beispiele erkennen können, geht die Fragestellung sehr viel tiefer. Ob es sich um einen Goldfisch, eine Forelle oder einen Hecht handelt, ist hingegen zweitrangig und spielt bei Anwendung dieser Art der Pädagogik lediglich eine untergeordnete Rolle.

2. Die verschiedenen Ebenen der Ko-Konstruktion leicht erklärt

Damit die Ko-Konstruktion in der Kita gelingt, bedarf es verschiedener Ebenen im Rahmen des Lernprozesses.
Vereinfacht ausgedrückt lassen sich diese in die folgenden drei Bereiche aufschlüsseln:

Kinder sitzen mit ihrer Erzieherin im Kreis

Lösungen werden gemeinsam erarbeitet.

  • Gestaltung: In dieser Phase überlegen Erzieher, wie sich bestimmte Ziele erreichen lassen. Es erfolgt eine Zusammenarbeit mit Kindern, sodass gemeinsam darüber entschieden werden kann, welche Aktionen durchgeführt werden. Beispielsweise könnte an dieser Stelle ein Waldbesuch geplant werden.
  • Dokumentation: Im Anschluss an die Planung folgt die Dokumentation. Kinder müssen also die Gelegenheit bekommen, ihre gewonnenen Erkenntnisse festzuhalten. Erzieherische Fachkräfte haben jetzt die Aufgabe, sich Notizen zu machen, um diese im nächsten Schritt nutzen zu können.
  • Austausch (kritischer Diskurs): Der wichtigste Teil der Methode der Ko-Konstruktion besteht im gegenseitigen Austausch. Jedes Kind erhält die Gelegenheit, seine Sicht der Dinge darzustellen und zu erläutern. Gemeinsam mit den Erziehern soll nun versucht werden, eine einheitliche Bedeutung zu erlangen.

Der gesamte Prozess benötigt Zeit. Wichtig ist, dass Kinder im Kindergarten oder der Kita sehr viel miteinander kommunizieren. Sprache ist das Mittel, um andere Ansichten zu verstehen und sich miteinander auf eine einheitliche Bedeutung verständigen zu können.

Tipp: Soziale Interaktion bildet die Basis einer funktionierenden Ko-Konstruktion in der Kita. Dies gilt sowohl im Hinblick auf die Beziehung zwischen Kindern untereinander sowie zwischen Erziehern und Kindern.

3. Das etwas andere Verständnis von Bildung

Kinder sitzen zusammen im Wald

Kinder lernen, dass sie durch gemeinsames Handeln mehr erreichen können.

Die Vermittlung von Wissen funktioniert auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Die Ko-Konstruktion geht jedoch von der Annahme aus, dass der Erwerb von Wissen nur dann sinnvoll und von Dauer ist, wenn das dahinterliegende Verständnis besteht. Im Rahmen des Diskurs erhalten Kinder die Gelegenheit, nicht nur ihre eigene Sicht der Dinge darzustellen, sondern auch andere Meinungen kennenzulernen.

Häufig kommt es dabei zu Widersprüchen, die aufgelöst werden müssen, um zu einem Ergebnis zu gelangen. Erzieher können an dieser Stelle unterstützen, indem Sie die Diskussion in eine gewisse Richtung führen oder aber immer wieder neue Ansatzpunkte einbringen.

Die Ko-Konstruktion kann dabei in andere pädagogische Konzepte integriert werden, da der Ansatz vieler Methoden ähnlich ist. Kinder sind danach in der Lage, sich selbst zu entwickeln. Sie treten automatisch mit ihrer Umwelt in Beziehung und verstehen diese schrittweise immer mehr.
Durch die gemeinsame Zusammenarbeit soll erreicht werden, dass der Prozess beschleunigt wird und Kinder in die Lage versetzt werden, nicht nur von sich selbst, sondern auch von anderen zu lernen.
Der Fokus ist dabei auf die gemeinschaftliche Problemlösung gerichtet.

4. Die Ziele der Ko-Konstruktion im Überblick

Kleiner Junge steht vor Tafel mit aufgemalten Muskeln

Nicht jedes Kind ist selbstsicher.

Mittels des Konzepts der Ko-Konstruktion versuchen Pädagogen, Kindern nicht nur stures Wissen zu vermitteln, sondern vielmehr die Fähigkeiten mitzugeben, um sich in Zukunft ein eigenes Bild machen zu können.

Konkret werden folgende Ziele angestrebt:

  • Kinder sind in der Lage, zu erkennen, dass mehrere Lösungsansätze erfolgversprechend sein können.
  • Durch den Ideenaustausch vergrößert sich ihr Wissensspektrum. So sollen Kinder die Bedeutung von Kommunikation schätzen lernen.
  • Die gemeinsame Problemlösung soll ein tieferes Verständnis ermöglichen.
  • Gespräche innerhalb der Gruppe sollen das Selbstbewusstsein stärken.

5. Ein kritischer Blick auf die Ko-Konstruktion

Kinder musizieren in der Kita

Manche Kinder neigen dazu, sich in Gruppen zurückzuziehen.

Im Wesentlichen bietet der Ansatz zwar viele Vorteile, ist jedoch nicht für alle Gruppen gleichermaßen empfehlenswert. Problematisch wird es, wenn sich einige Kinder sehr dominant verhalten und die gemeinschaftliche Problemlösung in den Hintergrund rückt.

Sind Kinder weniger selbstbewusst, fällt es ihnen oftmals schwer, sich in der Gruppe auszudrücken und für ihre Ideen einzutreten.

Dieses Verhalten zeigt sich vielfach bei Kindern mit Migrationshintergrund, da die Sprachbarriere eine zusätzliche Hürde darstellt. Jedoch ist ein eher zurückhaltendes Verhalten auch einigen Mädchen zu beobachten. Zahlreiche Studien zeigen, dass das Verhalten von Mädchen und Jungen bereits früh durch Stereotype beeinflusst wird.

Wichtig ist an dieser Stelle, dass die jeweiligen Erzieher aktiv einschreiten, damit sich die Phase des Diskurses positiv auswirken kann und kein Kind Angst davor hat, seine Meinung zu teilen.

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