Kindesunterhalt: Das sollten Sie über die Höhe der Unterhaltszahlungen wissen

Kindesunterhalt-Ratgeber
  • Wer den Kindesunterhalt berechnen möchte, sollte sich -wie wir in unserem Ratgeber- an den Werten der Düsseldorfer Tabelle orientieren.
  • Die Unterhaltskosten für ein Kind steigen im Laufe des Lebens an. Insgesamt erfolgt eine Einteilung in vier Zeitabschnitte.
  • Je nachdem, welche Ausbildung ein Kind absolviert, endet die Unterhaltsverpflichtung nicht bereits mit der Volljährigkeit, sondern erst deutlich später

Eine Trennung vom Partner ist nicht immer leicht zu verkraften. Neben der Trennung an sich, bringt eine solche unter Umständen massive finanzielle Folgen mit sich. Dies betrifft nicht nur den Expartner, sondern vor allem auch die Kinder.
Selbstverständlich bestehen nicht nur in diesem Fall Unterhaltsansprüche, sondern auch dann, wenn Sie nie mit dem Kindesvater oder der Kindesmutter zusammen gewesen sind.

Das Thema Kindesunterhalt ist äußerst komplex. Daher widmen wir uns in unserem Ratgeber vielen verschiedenen Fragen, die den Unterhalt betreffen. Wann müssen Sie Unterhalt zahlen? Wieviel Unterhalt muss ich zahlen und wie berechne ich den Unterhalt für ein Kind?

Wir informieren Sie umfassend darüber, wie lange Sie Unterhalt zahlen müssen und wie die Berechnung der Alimente zu erfolgen hat. Sie erfahren, wie die Berechnung abläuft, wenn es um mehrere unterhaltspflichtige Kinder geht. Natürlich erklären wir auch die Begriffe Selbstbehalt und Mindestunterhalt.

1. Kindesunterhalt – was der Gesetzgeber darunter versteht

Kindesunterhalt 2017

Deutlich mehr Mütter als Väter sind alleinerziehend.

Jedes Kind in Deutschland soll versorgt werden. Dies begründet sich darauf, dass Minderjährige noch nicht in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen. Im Regelfall sollen Vater und Mutter Ihr eigenes Kind zu Hause versorgen. Doch nicht in jedem Fall gibt es die Bilderbuchfamilie, in der Vater und Mutter gemeinsam ein oder mehrere Kinder zu Hause betreuen und versorgen.

Kommt es zu einer Trennung, aus welchen Gründen auch immer, ist dies für das Kind nicht immer ein Problem. Solange das Kind finanziell abgesichert ist, besteht keine Notwendigkeit, den Unterhalt festsetzen zu lassen. Nicht immer ist es allerdings so, dass der Vater oder die Mutter für Ihr Kind aufkommen möchten.

Zahlen zu Alleinerziehenden:

In Deutschland sind fast 20 % aller Eltern alleinerziehend. 1,5 Millionen Mütter stehen etwa 180.000 Vätern gegenüber.

Da es schnell um hohe Summen geht, entsteht oftmals Streit. Das Ziel des Unterhalts liegt nicht darin, dem Kind besondere Wünsche zu erfüllen, sondern für den Naturalunterhalt zu sorgen. Unter diesem Begriff werden die Punkte Wohnung, Nahrung und Bildung zusammengefasst.

Fehlt das Einkommen eines der beiden Elternteile, so ist eine Finanzierbarkeit des eigenen Lebens sowie des Kindes meist schwierig. Um diesem entgegenzuwirken, haben sich feste Sätze für den Kindesunterhalt gebildet. Aktuelle Werte finden Sie in der Düsseldorfer Tabelle für Unterhalt 2018.

2. Die wichtigsten Eckpunkte zum Unterhaltsanspruch

Der Kindesunterhalt ist von existenzieller Bedeutung für die meisten Alleinerziehenden. Nicht umsonst gibt es zahlreiche Urteile, die sich mit dem Thema Unterhalt auseinandersetzen. Um einheitliche Regelungen zu ermöglichen, orientieren sich die Gerichte sowie die Jugendämter oder Sozialbehörden an den Sätzen, die das Oberlandesgericht Düsseldorf aufstellt.

Unterhaltsrechner

Um den Unterhalt für sein Kind zu berechnen, sollten sich Eltern an der Düsseldorfer Tabelle orientieren.

Alle ein bis zwei Jahre gleicht das Gericht die Unterhaltssätze an gestiegene Lebenshaltungskosten an, sodass Sie selbst berechnen können, wie viel Unterhalt Sie zahlen müssen. Da die Unterhaltstabelle nicht ganz leicht zu verstehen ist, finden Sie in den weiteren Abschnitten noch zahlreiche Beispiele, die Ihnen die Berechnung näher bringt.

Der Unterhaltsanspruch ist im Bürgerlichen Gesetzbuch, dem BGB, geregelt. In den §§ 1601 ff. BGB finden sich zahlreiche Paragraphen, die den Unterhaltsanspruch begründen. Da der Kindesunterhalt zu den wichtigsten Verpflichtungen eines jeden Elternteils gehört, geht dieser allen übrigen Verpflichtungen vor.

Müssen Sie beispielsweise nicht nur Unterhalt für Ihr Kind zahlen, sondern zusätzlichen Unterhalt an Ihren Expartner, so ist dieser Anspruch nachrangig. Erst dann, wenn Sie den Kindesunterhalt zahlen können, wird überprüft, ob Sie weitere Unterhaltsansprüche leisten können.

Im deutschen Recht besteht eine Unterhaltspflicht. Kein Elternteil kann von dieser entbunden werden. Es hängt jedoch maßgeblich von der Art der Ausbildung Ihres Kindes ab, bis zu welchem Alter Sie tatsächlich unterhaltspflichtig sind.

Bei der Aufnahme eines Studiums Ihres Kindes bedeutet dies für Sie als Elternteil eine deutliche zeitliche Verlängerung Ihrer Unterhaltspflichten.

2.1. Den Mindestunterhalt 2018 kennen

Alimente berechnen

Der Mindestunterhalt stellt die Grundversorgung des Kindes sicher.

Generell richtet sich die Höhe der Unterhaltszahlungen nach dem Einkommen. Einen Überblick bietet die Unterhaltstabelle des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Im Gegensatz zu den an den jeweiligen Lebensstandard angepassten Sätzen, dient der Mindestunterhalt der Existenzsicherung.

Verfügen Sie selbst oder derjenige, der Ihnen und Ihrem Kind zum Unterhalt verpflichtet ist, nur über ein sehr geringes Einkommen, ändert dies nichts am bestehenden Mindestunterhalt.

Der Mindestunterhalt ist an das Alter Ihres Kindes gekoppelt. In jeder Altersstufe erhöht sich der Satz, da die Bedürfnisse des Kindes anspruchsvoller werden. Wenn Sie die Alimente berechnen möchten, ist es wichtig, zwischen verschiedenen Tabellen zu unterscheiden. Zum einen gibt es eine Tabelle, die das Kindergeld bereits berücksichtigt, in anderen Tabellen ist dies nicht der Fall.

Erziehen Sie ein Kind alleine, steht Ihnen, bzw. Ihrem Kind ein Unterhaltsanspruch zu. Das Kindergeld hingegen wird grundsätzlich zwischen den Elternteilen aufgeteilt. Wenn Sie alleinerziehend sind und das gesamte Kindergeld erhalten, wird der Betrag bei den Unterhaltszahlungen berücksichtigt. Daher spricht man vom Abzug des hälftigen Kindergelds.

Nehmen wir an, Sie erhalten bereits das volle Kindergeld, steht Ihrem Kind gemäß dem Unterhaltsrecht folgender Mindestunterhalt monatlich zu:

Alter Ihres Kindes monatlicher Betrag bei Abzug des hälftigen Kindergelds
Zwischen der Geburt bis zum sechsten Geburtstag 251 Euro
Vom sechsten Geburtstag an bis zum zwölften Geburtstag 302 Euro
Vom 13. Lebensjahr an bis zum Erreichen der Volljährigkeit 370 Euro
Ab dem Erreichen der Volljährigkeit 333 Euro (Erklärung folgt)

Der Mindestunterhalt für Volljährige verringert sich ab dem 18. Geburtstag, da nicht mehr länger nur der hälftige Kindergeldanteil abgezogen wird. Wenn das Kind bei Ihnen wohnt, werden Sie bei Erreichen der Volljährigkeit Ihres Kindes ebenfalls barunterhaltspflichtig. Somit muss das gesamte Kindergeld, welches Sie erhalten, wenn Sie den Kindesunterhalt berechnen, berücksichtigt werden.

2.2. Der Selbstbehalt des Unterhalts im Detail

Unterhaltsrechner

Im Rahmen der Zahlung von Alimenten muss der Selbstbehalt gewahrt werden.

Wer den Kindesunterhalt berechnen möchte, muss seinen eigenen Selbstbehalt, bzw. den des Expartners kennen. Im Rahmen des Mindestunterhalts liegt der Selbstbehalt für Unterhalt 2018 bei 1.080 Euro. Neben der Höhe des Unterhaltsgelds wird dieser Betrag ebenfalls alle paar Jahre angepasst. Die entsprechende Anpassung erfolgt durch das Oberlandesgericht Düsseldorf. Es kann allerdings vorkommen, dass die Rechtsprechung in Einzelfällen von diesem standardisierten Betrag abweicht.

Je höher das Einkommen des Unterhaltspflichtigen ausfällt, desto mehr Unterhaltsleistungen sind zu erbringen. Gleichzeitig erhöht sich allerdings auch der Betrag, der dem Unterhaltspflichtigen zum Leben bleibt.
Müssen Sie Unterhalt zahlen, so soll ein Anreiz geschaffen werden, mehr zu verdienen. Wenn Sie also mehr Gehalt bekommen, kommt ein Teil davon Ihren Kindern zugute. Auf der anderen Seite verbleibt Ihnen jedoch auch ein höherer Selbstbehalt, den Sie nach Ihren Vorstellungen einsetzen können.

2.3. Die Einkommensgruppen gemäß der Alimente-Tabelle

Zur Vereinfachung werden die Nettogehälter aller Unterhaltspflichtigen in Einkommensgruppen zusammengefasst. Immer dann, wenn der Selbstbehalt einer Einkommensgruppe durch die zu zahlenden Alimente unterschritten wird, erfolgt eine Herabstufung in eine niedrigere Einkommensgruppe.

Achtung: Eine Herabstufung in eine niedrigere Einkommensgruppe kommt häufig vor, wenn Unterhalt für 2 Kinder oder 3 Kinder zu zahlen ist.

Unterhaltsberechnung Kind

Je höher der Verdienst, desto höher ist der Selbstbehalt.

Die Einkommen sind in 10 Gruppen eingeteilt. Verdienen Sie oder aber der Unterhaltspflichtige mehr als den Höchstbetrag von 5.500 Euro monatlich, erfolgt eine detaillierte Berechnung anhand des individuellen Einkommens.
Da das Nettoeinkommen abzüglich einiger abzugsfähiger Posten, die später noch detailliert erläutert werden, zugrunde gelegt wird, sind die meisten Einkommensverhältnisse von der Unterhaltstabelle erfasst.

Bei einem Einkommen bis zu 1.900 Euro gilt ein Selbstbehalt von 1.080 Euro. Darüber hinaus erfolgt eine Abstufung in 400-Euro-Schritten. Je 400 Euro mehr Einkommen, erhöht sich der Betrag des Selbstbehalts um 100 Euro.
Wer also mehr verdient, kann trotz bestehender Unterhaltsverpflichtungen über 25% seines zusätzlichen Einkommens frei verfügen.

Die Selbstbehaltsbeträge, auch Bedarfskontrollbeträge genannt, gliedern sich in den Einkommensgruppen wie folgt:

Nettoeinkommen (unter Berücksichtiging aller abzugsfähiger Positionen) Selbstbehalt, der nicht unterschritten werden darf
Unter 1.900 Euro 1.080 Euro
Zwischen 1.901 und 2.300 Euro 1.300 Euro
Zwischen 2.301 und 2.700 Euro 1.400 Euro
Zwischen 2.701 und 3.100 Euro 1.500 Euro
Zwischen 3.101 und 3.500 Euro 1.600 Euro
Zwischen 3.501 und 3.900 Euro 1.700 Euro
Zwischen 3.901 und 4.300 Euro 1.800 Euro
Zwischen 4.301 und 4.700 Euro 1.900 Euro
Zwischen 4.701 und 5.100 Eur 2.000 Euro
Zwischen 5.101 und 5.500 Euro 2.100 Euro
Ab 5.501 Euro Nach den Umständen des Falles

3. Die Unterhaltsberechnung selbst verstehen

Wenn Sie den Unterhalt für Ihr Kind gerne selbst berechnen möchten, benötigen Sie einige Zahlen und Unterlagen. Die folgenden Dinge sind für die Berechnung des Kindesunterhalts unentbehrlich:

  • die Einkommensnachweise des Unterhaltspflichtigen, also desjenigen, der den Unterhalt zahlen muss, über die letzten zwölf Monate (Weihnachts- und Urlaubsgeld zählen bei der Berechnung mit)
  • die Wegstrecke zur Arbeit in km bei Nutzung eines PKWs oder aber die Nachweise der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel
  • abzugsfähige Kreditkosten (an dieser Stelle wird es schwierig, da nur wenige Kredite zu einer Verringerung der Unterhaltszahlung führen)
  • sonstige Unterhaltsverpflichtungen (wenn Sie oder aber der Ihnen und Ihrem Kind zum Unterhalt Verpflichtete weitere Kinder hat; diese werden in gleicher Höhe berücksichtigt; achten Sie daher darauf, die Geburtsdaten der anderen Kinder zu notieren)
Unterhalt berechnen Kind

Den Kindesunterhalt berechnen

Haben Sie die wichtigsten Unterlagen vorliegen, geht es im nächsten Schritt darum, das Durchschnittsgehalt zu ermitteln. Dieses errechnen Sie, indem Sie die zwölf Monatsgehälter zusammenrechnen und durch zwölf teilen.
Auch wenn dies simpel erscheint, passieren an dieser Stelle häufig Fehler. Zuschläge für Nachtschichten oder Wochenenddienste fließen ebenfalls in die Berechnung ein und müssen nicht herausgerechnet werden.

Probleme treten allerdings auf, wenn ein Firmenwagen zur Verfügung steht oder aber Zusatzkosten für Reisen erstattet werden.

Steht dem Unterhaltspflichtigen ein Firmenwagen auch privat zur Verfügung, zählt dies als sog. geldwerter Vorteil. Dieser wirkt einkommenserhöhend. Im Rahmen der Lohnabrechnung wird der geldwerte Vorteil des Wagens meist mit einem Prozent des Neuwagenwerts (brutto) angesetzt. Kurz gesagt, wird ein teureres Fahrzeug auch entsprechend höher berücksichtigt. Dies kann für den Unterhaltspflichtigen problematisch werden.

Falls eine hohe Unterhaltsverpflichtung vorliegt, das Gehalt allerdings nicht besonders hoch ist und gleichzeitig ein Firmenwagen genutzt wird, wird das Einkommen fiktiv erhöht. Unter Umständen bleibt dann nur noch sehr wenig Geld zum Leben übrig. Je nachdem, wie hoch der Unterschied des fiktiven zum realen Einkommen ausfällt, wird dies im Rahmen der Unterhaltsberechnung berücksichtigt.

Werden Reisekosten durch den Arbeitgeber erstattet, erfolgt durch die Rechtsprechung eine pauschale Erhöhung des für die Berechnung des Kindesunterhalts relevanten Einkommens um 30% der Aufwendungen.
Wer beispielsweise 80 Euro für eine Übernachtung erhält, muss sich 30%, also 24 Euro, als zusätzliches Einkommen anrechnen lassen.

3.1. Weitere Faktoren, die bei der Unterhaltsberechnung einkommenserhöhend wirken

Jugendamt Unterhalt

Einkommenserhöhende Faktoren

Neben dem klassischen Arbeitseinkommen gibt es verschiedene Punkte, die den zu zahlenden Unterhaltsbetrag erhöhen. Dies ist bei folgenden Positionen der Fall:

  • Kapitaleinkünfte (dies können beispielsweise Zinsen eines Sparbuchs, Aktiengewinne oder Dividenden sein)
  • Mieteinnahmen
  • Nutzungsvorteile einer selbst genutzten Immobilie (die monatlichen Mietkosten, die im Rahmen des Selbstbehalts berücksichtigt werden, reduzieren sich entsprechend)

Wer als Unterhaltspflichtiger arbeitslos ist, hat einen geringeren Selbstbehalt. Dieser reduziert sich auf monatlich 880 Euro. Zusätzlich muss nachgewiesen werden, dass Bemühungen stattfinden, wieder Arbeit zu finden. Wer dies nicht nachweisen kann, bekommt ernste Schwierigkeiten. Geht ein Gericht davon aus, dass Sie arbeiten gehen könnten und dies lediglich aus Bequemlichkeit nicht tun, so wird ein fiktives Einkommen angesetzt.

Als fiktives Einkommen wird das Einkommen bezeichnet, welches Sie entsprechend Ihrer Qualifikationen verdienen könnten. Es kann also durchaus vorkommen, dass der Betrag des Arbeitslosengelds für Sie oder denjenigen, der Ihnen zum Unterhalt verpflichtet ist, letztlich sehr niedrig ausfällt.

3.2. Abzugsfähige Positionen

Neben diversen Posten, die das unterhaltsrelevante Einkommen erhöhen, existieren auch zahlreiche Faktoren, die den zu zahlenden Betrag schmälern. Generell ist zu beachten, dass die Rechtsprechung bei der Anerkennung abzugsfähiger Positionen etwas großzügiger ist, sobald der Mindestunterhalt für die Kinder gedeckt ist.

Einkommensreduzierend wirken beispielsweise die folgenden Posten:

  • Fahrtkosten zur Arbeit
  • notwendige Arbeitskleidung
  • Beiträge für Kammern, Gewerkschaften und Berufsverbände
  • erhöhte Mietkosten, wenn Sie eine gemeinsame Wohnung bewohnt haben und nun zunächst alleine weiterzahlen müssen (dies gilt nur für einen begrenzten Zeitraum; meist für etwa 6 bis 12 Monate)
  • wichtige Versicherungsbeiträge (private Haftpflichtversicherung, Zusatzkrankenversicherung (sofern diese während der Zeit des Zusammenlebens bereits bestand); die KFZ-Versicherung zählt nicht gesondert, sondern wird bereits durch die Fahrtkosten mit abgegolten)
  • Darlehensverträge für Wohneigentum
Kindesunterhalt reduzieren

Faktoren, die das Einkommen schmälern

Diese Auflistung kann nicht abschließend sein, da es keine einheitlichen Regeln gibt, welche Posten generell abgezogen werden müssen und welche nicht. In vielen Fällen gibt es Streitigkeiten. Versuchen Sie, sofern es möglich ist, sich bezüglich des Kindesunterhalts friedlich zu einigen.

Ist dies allerdings nicht möglich, können Sie sich als Unterhaltsberechtigte oder auch als Unterhaltspflichtige bezüglich des Unterhalts an das Jugendamt wenden. Dort können Sie in einer Urkunde eine Unterhaltsregelung festsetzen lassen, ohne den Unterhalt einklagen zu müssen.

4. Die Berechnung des Kindesunterhalts an einem Beispiel

Da die Regelungen zum Kindesunterhalt recht komplex sind, soll Ihnen folgendes Beispiel dabei helfen, die Berechnung auf Ihren eigenen Fall zu übertragen.

Nehmen wir an, Sie sind alleinerziehend und haben zwei Kinder im Alter von vier und neun Jahren. Gemäß der Düsseldorfer Tabelle befinden sich Ihre Kinder in der ersten und in der zweiten Altersstufe.

Es besteht daher, wenn Sie das Kindergeld für beide Kinder erhalten, ein Mindestunterhaltsanspruch von 251 Euro für das jüngere und 302 Euro für das ältere Kind. Nun kommt es auf die Gehaltsgruppe des Unterhaltspflichtigen, also im Regelfall auf die des Vaters, an.

Kindesunterhalt berechnen

Genügend Kindesunterhalt bekommen

Nehmen wir an, das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen beträgt 2.500 Euro. Jeden Tag muss er 15 km (einfache Strecke) zur Arbeit fahren.
Er verfügt über einen eigenen PKW sowie über eine Rechtsschutzversicherung, die 20 Euro im Monat kostet.

Zusätzlich hat er eine Krankenzusatzversicherung, die 25 Euro monatlich verschlingt. Diese hat er in Ihrer gemeinsamen Zeit abgeschlossen. Für seine Autoversicherung zahlt er 450 Euro im Jahr.

2.500 Euro (Ausgangswert)
abzüglich 25 Euro Krankenzusatzversicherung (abzugsfähig)
abzüglich Fahrtkosten von 82,50 Euro
ergibt ein unterhaltsrelevantes Einkommen von 2.392,50 Euro.

Die Fahrtkosten berechnen sich wie folgt:
220 (Arbeitstage) / 12 (Monate) x 0,30 Euro (Pauschale für einen gefahrenen Kilometer, Hin- und Rückweg) x 15 (zurückgelegte Fahrtstrecke in km) = 82,50 Euro

Der Abzug der Autoversicherung kommt nicht in Betracht, da die Fahrtkostenpauschale dies bereits mit abdeckt. Eine Rechtsschutzversicherung zählt nicht als relevante Versicherung, die das für den zu zahlenden Kindesunterhalt relevante Einkommen mindern würde.

Im Ergebnis befindet sich der Unterhaltspflichtige damit in der dritten Einkommensgruppe der Düsseldorfer Tabelle. Damit steht Ihnen, bzw. Ihren Kindern ein Anspruch in Höhe von 286 für das jüngere sowie 342 Euro für das ältere Kind zu.

2.392,50 Euro (unterhaltsrelevantes Einkommen)
abzüglich 356 Euro
abzüglich 298 Euro
ergibt einen verbleibenden Betrag von 1.738,50 Euro. Damit wird der Selbstbehalt der dritten Einkommensgruppe von 1.400 Euro gewahrt.

Wenn Sie lediglich ein Kind haben, erfolgt eine Heraufstufung in die nächsthöhere Einkommensgruppe. Ab dem dritten Kind gelten hingegen ermäßigte Sätze.

Tipp: Neben dem Anspruch auf Kindesunterhalt steht Ihnen unter Umständen auch ein Anspruch auf nachehelichen Unterhalt, Trennungsunterhalt oder Betreuungsunterhalt zu!

5. Die Zahlung von Kindesunterhalt bei der Einschaltung von Sozialbehörden

Kindesunterhalt Sozialamt

Es liegt in Ihrem Interesse, den Kindesunterhalt durchzusetzen.

Wer Sozialleistungen bezieht, ist in der Regel nur wenig daran interessiert, den Kindesunterhalt geltend zu machen. Dies ist aus dem einfachen Grund der Fall, dass der Kindesunterhalt die Sozialleistungen in identischem Maße mindert. Wenn Sie Sozialleistungen erhalten, kann Ihnen letztlich egal sein, wer für Sie und und Ihre Kinder zahlt.

Allerdings gilt dies nur solange, wie der Bezug von Sozialleistungen andauert. Sobald Sie Ihr eigenes Geld verdienen und der Kindesunterhalt nicht geklärt ist, haben Sie horrende Kosten, die niemand übernimmt.

Es liegt daher in Ihrem Interesse, auch dann den Unterhaltsanspruch durchzusetzen, wenn Sie vorübergehend auf Sozialleistungen angewiesen sind.

Wenn Sie Sozialleistungen beantragen, haben Sie den zusätzlichen Vorteil, dass die Behörde den Anspruch oftmals für Sie durchsetzt. Ist dies nicht der Fall, fragen Sie explizit nach. Während der Phase, in welcher Sie Sozialleistungen beziehen, geht der Anspruch in voller Höhe auf die Sozialbehörde über. Sobald Sie nicht mehr auf die Leistungen der Behörde angewiesen sind, können Sie einen Titel, wenn die Behörde den Anspruch eingeklagt hat, auf sich umschreiben lassen.
So haben Sie die Sicherheit, dass Sie weiterhin Unterhaltszahlungen erhalten werden, die Sie notfalls pfänden lassen können.

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