Kindern Grenzen setzen: Elternratgeber für die Kindererziehung in der Trotzphase

Datum: 10. Juli 2018 • Autor: Kita.de Redaktion

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  • Rituale innerhalb der Familie folgen bestimmten Regeln.
  • Sie können Kindern Grenzen setzen, ohne damit das Verhältnis zu Ihrem Kind zu belasten.
  • Kinder benötigen im Rahmen der Erziehung Sicherheit und Beständigkeit, sodass Regeln für das Zusammenleben unabdingbar sind.

Kindern Grenzen setzen – das klingt so einfach, gehört jedoch tatsächlich zu einer der schwersten Aufgaben im Rahmen der Erziehung. Wie kann man Kindern Grenzen setzen? Und warum besteht eine Notwendigkeit genau dies zu tun?

In unserem Elternratgeber erfahren Sie, in welchen Situationen Grenzen notwendig sind und warum Kinder in der Trotzphase ihre Grenzen austesten.

1. Liebe, Wärme und Nähe stehen nicht im Widerspruch zu klaren Grenzen

Grenzen setzen

Grenzen spielen für das Zusammenleben in einer Gesellschaft eine wichtige Rolle.

In den ersten Monaten der Entwicklung benötigt ein Kind bedingungslose Zuneigung. Es geht darum, dass die eigenen Bedürfnisse befriedigt werden. In dieser Zeit müssen Sie als Eltern oftmals zurückstecken, um Ihrem Kind gerecht zu werden. Nur so ist es möglich, Urvertrauen aufzubauen, sodass Ihr Kind erkennt, dass es sich jederzeit auf Sie verlassen kann.

Sobald Kinder jedoch in die Trotzphase kommen, gestaltet sich die Kindererziehung etwas komplizierter. In dieser Zeit entdecken Kinder erstmals, dass es Regeln gibt, an die sie sich halten müssen, sollten oder eben nicht.
Für Kinder ist es ganz selbstverständlich, dass Regeln hinterfragt werden. Warum soll ich nicht mit dem Bobby-Car durch das Wohnzimmer fahren? Wieso darf ich nicht alle Töpfe auf den Boden werfen? Und warum sollte ich im Winter eine Mütze aufziehen?

Mit der Zeit lernen Kinder, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Einige Regeln werden daher schon nach kurzer Zeit akzeptiert, da sie sich für das Kind erschließen. Bei anderen, insbesondere abstrakten Verboten ist es weniger leicht, Kinder von der Notwendigkeit zu überzeugen.

Auch wenn es Ihnen als Eltern nicht leichtfällt, Grenzen zu setzen, so tun Sie Ihrem Kind keinen Gefallen damit, antiautoritär auf Regeln zu verzichten.
Regeln und Gesetze stellen die Basis des gesamten Zusammenlebens in einer Gesellschaft dar und müssen daher bereits in frühester Kindheit eingeübt werden.

Auch wenn Ihr Kind schreit, weint oder sich auf den Boden wirft und strampelt, so bedeutet dies keineswegs, dass Sie in der Kindererziehung etwas falsch machen. Vielmehr sind es genau diese Momente, in denen es heißt, stark zu sein.
Haben Sie ein Urvertrauen zu Ihrem Kind aufgebaut, so wird es die Liebe zu ihnen niemals in Zweifel ziehen, nur, weil Sie Ihrem Kind nicht alles erlauben.

Tipp: Versuchen Sie zu verinnerlichen, dass Kinder Grenzen brauchen. Nur so wird es möglich nein zu sagen, ohne Schuldgefühle aufkommen zu lassen.

2. Kinder brauchen Kontinuität

Grenzen austesten

Je nach Erziehungsstil sind die Grenzen sehr unterschiedlich gesetzt.

Damit das Familienleben funktioniert, ist gegenseitiger Respekt erforderlich. Dies bedeutet ganz automatisch, dass Sie lernen müssen, Grenzen zu setzen. Spätestens zu dem Zeitpunkt, zu welchem Ihr Kind Ihren oder den Lebensbereich eines anderen Menschen einschränkt, wird es Zeit für klare Regeln.

Es existieren sehr viele verschiedene Erziehungsmethoden, die teils auf sehr wenige oder aber viele Verbote oder Grenzen setzen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich nicht jeder Erziehungstipp für jedes Kind eignet. Während einige Kinder Grenzen sehr schnell akzeptieren, benötigen Sie bei anderen Kindern deutlich mehr Geduld.

Zusätzlich spielt Ihre eigene Einstellung eine große Rolle. Stört es mich, wenn mein Kind auf der Couch hüpft? Ist es in Ordnung, wenn das eigene Kind barfuß im Garten herumläuft? Wie viel Lärm verkrafte ich, ohne mich gestört zu fühlen?
Auf diese Fragen gibt es keine richtigen oder falschen Antworten. Es liegt in Ihrem Ermessen, ab wann eine Grenze erforderlich wird.
Bedenken Sie jedoch, dass Kinder auch Freiraum benötigen und Sie daher nicht zu strenge Regeln aufstellen sollten.

Wenn Sie Kindern Grenzen setzen, achten Sie darauf konsequent zu sein. Der Alltag bestimmt sich durch Rituale, an die sich jedes Kind mit der Zeit gewöhnen kann. Halten Sie sich hingegen selbst nicht an Ihre eigenen Regeln, wird es Ihrem Kind kaum möglich sein, die von Ihnen gesetzten Grenzen zu akzeptieren.
Auch wenn Ihr Kind Sie provoziert, gilt es, standhaft zu bleiben. Knicken Sie an dieser Stelle ein, so verliert die aufgestellte Regel an Bedeutung.
In der nächsten Situation haben Sie es also noch schwerer, ihren eigentlichen Erziehungsstil durchzusetzen.

Es wird immer Situationen geben, in denen sie müde oder gestresst sind und sich auf keinen Konflikt einlassen möchten. Dies ist sehr gut nachvollziehbar, hilft Ihnen jedoch nur kurzfristig.

Nehmen wir einmal an, es besteht die Regel, dass nach dem Zähneputzen nichts mehr gegessen wird. Nun erwischen Sie Ihr Kind abends im Bett mit einem Schokoriegel. Ein „du darfst das nicht, das weißt du doch“ wird Ihnen nicht weiterhelfen, solange keine weitere Reaktion erfolgt.
Muss Ihr Kind hingegen, vielleicht auch unter Geschrei und Gezeter, nochmals die Zähne putzen, wird es sich zweimal überlegen, ob diese Art des Vorgehens sinnvoll ist.

Tipp: Kurzfristige, teils harte Entscheidungen gegen den Willen Ihres Kindes zahlen sich langfristig aus. Bleiben Sie daher stets konsequent, auch wenn es Ihnen schwer fällt.

3. Kindern Grenzen setzen bedeutet, ihnen Sicherheit zu geben

Bindung Mutter Kind

Kinder brauchen Sicherheit, um sich entwickeln zu können.

Jede Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern bedarf gewisser Regeln. Als Erwachsener gilt es, sich an gesellschaftlichen Normen und Konventionen zu orientieren, um in Kontakt mit anderen Menschen zu treten. Kinder beginnen zwar zunehmend eigene Regeln und Werte zu verinnerlichen, jedoch sind sie zunächst auf Ihre Hilfe angewiesen, um den Sinn und Zweck von Regeln zu verstehen.

Wenn Sie Ihrem Kind eine klare Vorgabe machen, wie beispielsweise, dass es zwischen 15:00 Uhr und 18:00 Uhr auf dem Spielplatz spielen darf, setzt dies zwar eine klare Grenze, gibt Ihrem Kind jedoch auch Orientierung.
Die Sicherheit besteht darin, dass es in dieser Phase genau das tun darf, was es möchte.

Jedes Kind testet gern die eigenen Grenzen aus, im Umkehrschluss bedeutet dies, dass das Ganze ohne Grenzen nicht möglich ist. Wenn Sie komplett darauf verzichten, Grenzen zu ziehen, sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind nach anderen Möglichkeiten sucht, Sie herauszufordern.
Dies geschieht jedoch nicht aus Bösartigkeit, sondern vielmehr aufgrund einer fehlenden Struktur, die Sicherheit verspricht.

Generell mag es für fast alle Kinder kurzfristig interessant sein, eine “Nein-Grenze” zu überschreiten, auf Dauer möchten sich die Kinder hingegen in einem klar abgesteckten Rahmen frei bewegen können.

Achtung: Besonders in schwierigen Zeiten, in denen eine gravierende Veränderung im Leben der Kinder abläuft, finden sie in den Bereichen der Struktur und Ordnung Sicherheit.

4. Weniger ist mehr – zu viele Verbote schaden

Verbote

Zu viele Verbote können die Entwicklung zur Selbstständigkeit hemmen.

Setzen Sie im Rahmen ihrer Erziehung weniger auf Verbote als vielmehr auf Erklärungen und Verständnis. Je mehr Verbote Sie aussprechen, desto eher verlieren diese ihre eigentlich so wichtige Wirkung.
Folgen Sie Ihrer eigenen klaren Grundlinie, um möglichst wenig Verbote aussprechen zu müssen.

Zahlreiche Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Kinder mit zu vielen Verboten überfordert sind und den Überblick verlieren, an welcher Stelle ihr Verhalten in Ordnung ist und wo sie die Grenze überschreiten.

Eine relativ simple Methode, die bei vielen Kindern allerdings deutliche Erfolge erzielt, ist die Oder-Frage. Nehmen wir an, Sie möchten Ihrem Kind eine Mütze aufsetzen, weil es draußen kalt ist. Ihr Kind sieht dies allerdings etwas anders und pfeift auf eine eventuell folgende Erkältung.
Die erste Möglichkeit der Entschärfung setzt direkt zu Beginn des Gesprächs an, indem Sie Ihre Frage umformulieren. Die Frage „Möchtest du heute lieber die blaue Mütze oder lieber die rote Mütze anziehen?“ bietet Ihrem Kind eine Entscheidungsmöglichkeit an.

Ist dieser Zeitpunkt bereits überschritten, hilft Ihnen vielleicht die folgende Frage weiter: “Möchtest du heute drinnen ohne Mütze spielen oder draußen mit den anderen Kindern mit Mütze?”.
Erneut besteht die Wahlmöglichkeit, sodass Sie die Verantwortung auf Ihr Kind übertragen. Ein Verbot erfolgt in diesem Fall nur indirekt.

Selbstverständlich kommt es immer wieder mal vor, dass diese Ideen nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Jetzt heißt es, standhaft zu bleiben. Erziehen bedeutet, Kindern liebevoll Grenzen zu setzen, um ihnen Halt zu geben.

5. Konsequenzen ankündigen und einhalten

Jugendämter geben Hilfestellungen:

Wenn Sie gravierende Probleme mit der Erziehung haben, können Sie auch auf die Erziehungshilfe der Jugendämter zurückgreifen.
Eine Liste aller Jugendämter innerhalb Deutschlands finden Sie hier.

Im Rahmen der Pädagogik gibt es kaum etwas Schlimmeres, als angedrohte Konsequenzen nicht umzusetzen. Je öfter Sie eine Reaktion zwar ankündigen, diese jedoch nicht erfolgt, desto unglaubwürdiger werden Sie in den Augen ihres Kindes.
Lassen Sie es nicht dazu kommen und überlegen Sie sich daher genau, welche Konsequenz jetzt in diesem Moment folgen soll und auch folgt, wenn das Verhalten nicht eintritt.

Nehmen wir an, ein Kind spielt draußen mit dem Ball und schießt diesen in die Blumen. An dieser Stelle bietet sich zunächst die höfliche Aufforderung an, vorsichtiger zu sein oder an einem anderen Platz zu spielen, da Ihnen die Blumen wichtig sind. Erklären Sie Ihrem Kind also zunächst Ihr Anliegen.

Klappt dies nicht und der Ball landet erneut in den Blumen, sprechen Sie eine mögliche Konsequenz aus. Seien Sie dabei klar und deutlich, um Sicherheit zu vermitteln.
„Spiel bitte an einem anderen Platz, da der Ball den Blumen schadet. Landet der Ball erneut in den Blumen, muss ich dir diesen leider wegnehmen, sodass du nicht mehr weiterspielen kannst.“
Kommt es dazu, dass der Ball erneut in den Blumen landet, nehmen sie diesen weg. Es nützt nichts, wenn Sie Ihrem Kind den Ball nach fünf oder zehn Minuten wiedergeben. Sie haben die Konsequenz angedroht, also muss sie jetzt umgesetzt werden.

Achtung: Strafen, die nicht direkt folgen, haben keinen Wert, da der zeitliche Zusammenhang bei Kindern extrem wichtig ist.

Sind Konsequenzen nötig, so sollten diese:

  • angekündigt werden
  • direkt folgen
  • angemessen sein
  • eine Konsequenz auf das Verhalten darstellen.
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