Kinder anschreien: Das passiert mit der Psyche des Kindes wenn gebrüllt wird

Kinder anschreien
  • Indem Sie Kinder anschreien, setzen Sie einen Teufelskreis in Gang, aus dem es nur wenige Auswege gibt.
  • Schreien ist stets ein Ausdruck von Hilflosigkeit. Wer die Kontrolle hat, wird nicht laut.
  • An stressigen Tagen macht es den Tag unerträglich, wenn Sie Ihre Kinder anschreien. Problemlösungen erreichen Sie so nicht.

Fast alle Eltern geraten im Laufe der Erziehung hin und wieder an ihre Grenzen. Sind die Emotionen besonders stark, kommt es schon einmal dazu, dass Erwachsene Kinder anschreien. Aber welche psychischen Auswirkungen hat dies auf Ihr Kind?

Lässt sich Schreien im Rahmen der Kindererziehung vermeiden? Und inwieweit ist es möglich, den eigenen Partner davon abzuhalten?

In unserem Ratgeber gehen wir auf die Folgen des Schreiens ein und zeigen Ihnen, welche Alternativen tatsächlich helfen.

1. Überwältigende Emotionen in der Kindererziehung

Vater und Sohn verzweifeln

Weder Kinder noch Eltern haben es immer leicht miteinander.

Kinder zu erziehen ist eine anstrengende und mühsame Aufgabe. Auch wenn es sehr viele schöne Momente gibt, so kann einen kaum etwas darauf vorbereiten, wie anstrengend es manchmal werden kann.
Kein Wunder also, dass es in der Erziehung auch mal zu Gefühlen wie Wut und Aggression kommt. Ist der Tag ohnehin schon mies gelaufen, verlieren Mutter und Vater die Selbstbeherrschung und es kommt, wie es kommen muss: Die Kinder werden angeschrien.

Die meisten Menschen fühlen sich jedoch nach einem Wutausbruch nicht besser, sondern schlechter und werden von Schuldgefühlen überwältigt.

Ist im Anschluss Ruhe und die Kinder sind endlich still, kann sich dies zwar für einen kurzen Augenblick wie ein gutes Signal anfühlen, weil Sie Ihren Kindern eine klare Grenze gesetzt haben.
Der Verlust der Kontrolle ist jedoch nichts, was erstrebenswert ist. Vielmehr sind Kinder in der Regel nur deshalb ruhig, weil sie Angst haben.

In den meisten Fällen haben Kinder dabei nicht einmal richtig mitbekommen, wie wütend Sie geworden sind, bis Sie explodiert sind.

Tipp: Das eigene Verhalten färbt auf Ihre Kinder ab. Je öfter Sie Ihre Kinder anschreien, desto schwieriger wird die Beziehung.
Es kommt zu Gegenreaktionen, geknallten Türen und heftigen Wutausbrüchen.

2. Kinder anschreien – so erschweren Sie sich Ihr eigenes Leben

Mutter tadelt Kind

Setzen Sie Ihre Energie sinnvoller ein.

Kinder machen fast nie etwas aus böser Absicht. Indem sie einfach nicht zuhören, das Zimmer nicht aufräumen oder ein anderes Paar Schuhe im Kindergarten anziehen möchten, obwohl sie schon wieder zu spät dran sind, versuchen sie lediglich, sich selbst zu entdecken und die schönen Seiten des Lebens zu sehen.

Pflichten und Regeln interessieren kleine Kinder herzlich wenig, wenn es Dinge gibt, die sie begeistern. Unangenehme Aufgaben dringen meist gar nicht zu ihnen durch und kommen häufig erst dann an, wenn Sie bereits auf 180 sind.

Kinder anschreien ist keine Lösung. Diesen Satz sollten Sie sich immer wieder durch den Kopf gehen lassen, denn nichts wird besser, wenn Sie ausrasten.

Unangenehme Pflichten müssen zur Selbstverständlichkeit werden, bis sie nicht mehr als negativ empfunden werden. Dieser Schritt gelingt am besten, indem Sie die Aufgabe mit Ihren Kindern gemeinsam bewältigen.
Räumen Sie zusammen auf, freuen Sie sich, wie toll alles nachher aussieht und wie leicht es nun ist, das passende Spielzeug wiederzufinden.

Mit Begeisterung stecken Sie Ihre Kinder an. Mit Wut und harschen Worten verschrecken Sie Ihre Kinder.

3. Die kindliche Psyche ist zerbrechlich

Mutter schreit Kind an

Kinder sind sehr empfindlich.

Vermeiden Sie Schreien in der Kindererziehung, sofern es Ihnen irgendwie möglich ist. Die Auswirkungen können extrem sein, auch wenn Sie diese „Kleinigkeit“ bereits nach wenigen Stunden wieder hinter sich gelassen haben.

Forscher der University of Pittsburgh untersuchten 2013 in einer Studie, welche Auswirkungen es für Kinder hat, wenn Sie angeschrien werden. Erschreckenderweise leidet die Psyche sowohl bei körperlichen als auch bei verbalen Angriffen in ähnlichem Maß.

Der Satz „Schreien ist wie Schlagen“ hört sich zwar drastisch an, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Selbstverständlich gibt es viele Abstufungen des Schreiens sowie der körperlichen Gewalt, die die Entwicklung von Kindern mehr oder weniger stark beeinträchtigen.

Fest steht in jedem Fall, dass die Folgen bis ins Erwachsenenleben anhalten können. Kinder, die in der Familie körperliche oder aber seelische Gewalt in Form von häufigem Schreien erfahren haben, neigen eher zu Depressionen und weisen meist ein schwach ausgeprägtes Selbstbewusstsein auf.

Die Folgen für die Gesundheit sind also nicht nur auf einen kurzen Zeitraum begrenzt, sondern können dauerhaft Schaden anrichten.

Achtung: Es hat bereits Auswirkungen, wenn Kinder nur gelegentlich angeschrien werden. Das Selbstbewusstsein bekommt jedes Mal einen kleinen Knacks. Dies gilt auch, sofern ansonsten alles rund läuft und Sie eine sehr ausgeprägte Beziehung zu Ihrem Kind haben.

4. Nicht mehr schreien – so gelingt es

Eltern, die es gewohnt sind, ihre Kinder anzuschreien, haben große Probleme damit, sich umzustellen. Gehören verbale Aussetzer bereits zum Alltag, wird es besonders schwierig, zu lernen, mit dem Schreien aufzuhören.

Egal ob unregelmäßig oder regelmäßig, es lohnt sich, komplett aufs Schreien zu verzichten. Dies gelingt, indem Sie Ihre eigenen Gefühle kontrollieren.
Impulskontrolle ist jedoch etwas, dass sich nicht von heute auf morgen erlernen lässt. Mit den richtigen Ansätzen ersparen Sie sich jedoch eine Menge Stress und Sie sind in der Lage, Ihre Energie positiv zu nutzen.

4.1. Tipps, um nicht durchzudrehen

Im Folgenden finden Sie einige Ideen, die Ihnen dabei helfen sollen, sich zu sammeln und in einer schwierigen Situation zu beruhigen:

Gespräch zwischen Sohn und Mutter auf dem Sofa

Gehen Sie auf Ihr Kind zu, um etwas zu erreichen.

  • Stellen Sie sicher, dass Ihr Kind mitbekommt, was Sie von ihm wollen. Sprechen Sie es also direkt an und rufen Sie nicht im Vorbeigehen etwas ins Zimmer.
  • Achten Sie auf eine konkrete Anweisung. „Bitte räum jetzt dein Zimmer auf, damit du es gleich der Oma zeigen kannst“ ist sinnvoller als „Ich fände es schön, wenn dein Zimmer gleich aufgeräumt wäre, Oma kommt ja bald“.
    Manchmal sind es Kleinigkeiten, die einen entscheidenden Unterschied bewirken.
  • Vermeiden Sie Verneinungen. „Wirf das Spielzeug nicht auf den Boden“ ist für Kinder in etwa so sinnvoll wie für Sie der Satz „Denken Sie jetzt nicht an einen Baum“. Formulieren Sie also stets aktiv.
  • Merken Sie, dass Sie kurz vorm Explodieren sind, verlassen Sie kurz den Raum und atmen Sie tief durch, am besten an der frischen Luft. Denken Sie an die Liebe zu Ihren Kindern.

Folgende Atem- und Entspannungsübungen lassen sich schnell und einfach umsetzen und senken Ihr Stresslevel innerhalb weniger Minuten:

  • 7 Sekunden ausatmen, 4 Sekunden die Luft anhalten, 4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden die Luft anhalten – wiederholen Sie diesen Rhythmus für etwa zwei Minuten.
  • Bevor Sie Ihre Kinder anschreien, zählen Sie im Kopf langsam bis 100. Bevor Sie die Zahl erreicht haben, verpufft Ihre dafür aufgewendete Energie bereits.
  • Komplett ausatmen, bis sich Ihre Lungen leer anfühlen, erst dann wieder tief einatmen (2 bis 3 Durchgänge reichen meist aus, um wieder etwas klarer zu sehen)

Tipp: Reflektieren Sie sich selbst, um langsam aber sicher mit dem Schreien aufzuhören.

Wie Sie in einer konkreten Situation vorgehen können, sehen Sie noch einmal anschaulich in diesem YouTube-Video:

4.2. Den Partner am Schreien hindern

Frau schreit in ein Megaphon

Erziehungsgespräche sind nicht einfach, aber wichtig.

Reden Sie über das Problem. Sprechen Sie offen an, warum es zu einer Eskalation kommt und inwieweit sich dies vermeiden lässt.
Selbstverständlich gelingt dies nur, sofern ein generelles Interesse daran besteht, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen.

Wer von sich und seiner Art der Erziehung vollends überzeugt ist, wird sich nur schwer belehren lassen, da dies seinem Weltbild widerspricht.

Versuchen Sie es am besten mit konkreten Vorschlägen, um nicht gleich zu kritisch zu wirken. Achten Sie bei einem Gespräch vor allem darauf, auch selbst Schwäche zuzugeben und nicht so zu tun, als würden Sie alles richtig machen.
Selbst wenn dies der Fall sein mag, wird Ihr Gegenüber sich so vermutlich stur stellen und Sie versuchen vergeblich, Ihr Ziel zu erreichen.

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