Kampfsport für Kinder: Ab welchem Alter sind beliebte Sportarten sinnvoll?

   
von Ralf-Ingo S. - letzte Aktualisierung:
Kampfsport für Kinder
Welche Fähigkeiten werden durch Kampfsport für Kinder trainiert?

Kampfsport für Kinder ist eine exzellente Möglichkeit, um die allgemeine Fitness, die Reaktionsgeschwindigkeit sowie die motorischen Fähigkeiten zu verbessern.

Welche Kampfsportarten gibt es?

Eine Liste der gängigsten Kampfsportarten für Kinder haben wir hier für Sie erstellt.

Worauf ist bei der Auswahl des richtigen Vereins zu achten?

Achten Sie bei der Auswahl eines Vereins darauf, dass der Spaß im Vordergrund steht. Die Kosten variieren je nach Alter.

Kampfsport an sich ist bereits ein oftmals kontrovers diskutiertes Thema. Noch etwas höher kochen die Emotionen bei vielen Eltern jedoch, wenn die Frage aufkommt, ob Kampfsport für Kinder geeignet ist.

Wir gehen auf die verschiedenen Facetten unterschiedlicher Kampfsportarten ein und zeigen Ihnen, was es mit der Gefährlichkeit auf sich hat.
Zudem erfahren Sie, wie sinnvoll einzelne Übungen sind und mit welchen Kosten Sie bei einer Anmeldung im Verein rechnen müssen.

1. Kampsport für Kinder – eine kurze Einführung

Kinder betreiben Kampfsport

Oftmals bestehen die Gruppen aus Kindern unterschiedlichen Alters.

Betrachten wir Kampfsport für Kinder zunächst einmal schlicht als Sportart und weniger als Möglichkeit, andere Menschen zu verletzen, so gibt es eine Menge Positives, welches die verschiedenen Varianten zu bieten haben.

Kleine Kinder lernen, ihren Körper zu beherrschen und zu nutzen. Um Kampfsport ausüben zu können, benötigen Kinder eine gute Auffassungsgabe und das motorische Rüstzeug für die einzelnen Übungen.

Grundsätzlich sind alle Kampfsportarten so aufgebaut, dass Anfänger es leicht haben und die verschiedenen Techniken aufeinander aufbauen. So ist gewährleistet, dass Kinder und auch Erwachsene bei den ersten Trainingsstunden nicht überfordert werden, sondern Spaß an der Bewegung bekommen.

Kampfsport bedeutet nicht, aufeinander einzuschlagen, sondern mit gezielten Regeln gegeneinander zu kämpfen. Beim Kampfsport für Kinder kommt es jedoch kaum zum direkten Kontakt miteinander.
Vielmehr steht hier zunächst das Erlernen der verschiedenen Techniken im Fokus.

Einen kurzen Einblick in die Welt des Kampfsports sehen Sie in diesem YouTube-Video:

2. Die Gefährlichkeit des Kampfsports – ein überschaubares Risiko

Kind mit Boxhandschuhen ist verletzt

Verletzungen bilden beim Kampfsport für Kinder die Ausnahme.

Jede Sportart birgt ein Verletzungsrisiko. Dies gilt für Fußball, Handball, Hockey und viele weitere Sportarten – und natürlich auch für den Bereich des Kampfsports.

Generell sind typische Verletzungen, um die sich viele Eltern Sorgen machen, jedoch sehr selten. Insbesondere beim Kampfsport für Kinder kommt es nur teilweise zum direkten Kontakt miteinander.

Beim Ringen oder Judo kommt es vergleichsweise früh zum direkten Kampf. Allerdings spielen bei diesen Sportarten Tritte und Schläge keine Rolle. Vielmehr liegt das Ziel darin, den Gegner durch spezifische Techniken zu Fall zu bringen, ohne ihn jedoch zu verletzen.

Beim Karate oder Taekwondo stehen hingegen Schlag- und Trittkombinationen im Fokus. Diese erfolgen jedoch zunächst in der Luft bzw. gegen Pratzen.

Auch wenn es sich etwas seltsam anhört, müssen Kinder bei den meisten Kampfsportarten zunächst lernen, richtig zu fallen. Erst dieses Training macht es möglich, in unterschiedlichsten Positionen auf dem Boden zu landen, ohne sich dabei zu verletzen.

Achtung: Kommt es zum Vollkontakt im Amateur- sowie Profibereich, steigt das Verletzungsrisiko für Gehirnerschütterungen sowie Kieferprobleme deutlich an, wie diese Studie zeigt.

3. Kampfsport für Kinder als effektives Ganzkörpertraining

Im Vergleich zu vielen anderen Sportarten benötigen Kinder zur Ausübung von Kampfsport relativ umfassende Fähigkeiten. Dies betrifft die folgenden Teilbereiche:

Kinder beim Techniktraining

Die perfekte Technik zu erlernen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe.

  • Koordination:
    Damit eine Technik funktioniert, müssen Kinder lernen, ihren Körper unter Kontrolle zu bringen und zahlreiche Bewegungen in einer Abfolge zu meistern.
    Dies erfordert einen guten Gleichgewichtssinn sowie grob- und feinmotorische Fähigkeiten.
  • Kraft:
    Dieser Bereich umfasst die Maximalkraft, die Kraftausdauer sowie die Schnellkraft. Um einen Schlag, Tritt oder Wurf ausführen zu können, bedarf es vor allem einer starken Körpermitte. Das Training für Kinder richtet sich jedoch in erster Linie auf eine gute Körperspannung sowie Übungen zur Förderung der Schnellkraft und Kraftausdauer.
    Die Maximalkraft spielt erst im Jugendalter ein bedeutendere Rolle.
  • Kondition:
    Da der gesamte Körper stets unter Spannung steht und das Tänzeln mit gehobenen Armen eine wichtige Rolle spielt, kommt auch die Ausdauerfähigkeit nicht zu kurz.
    Insbesondere das Boxen ohne Sparringspartner hat sich daher zunehmend zum Fitnesstrend entwickelt.
  • Reaktionsfähigkeit:
    Im Kampf mit dem Gegner geht es um blitzschnelle Reaktionen. Jede Bewegung des Gegners erfordert eine Reaktion. Kinder lernen somit, ihre Geschwindigkeit zu verbessern und trainieren ihre Reflexe.

Besonders positiv wirkt sich die Vielseitigkeit des Trainings aus. Sowohl die Beine, die Arme als auch der Rumpf werden gleichermaßen gefordert. Haltungsprobleme und einseitige Belastungen treten daher beim Kampfsport so gut wie gar nicht auf.

4. Kampfsport für Kinder zum Aggressionsabbau – ein umstrittenes Thema

Kind mit Boxhandschuhen

Um Aggressionen abzubauen, gibt es geeignetere Sportarten.

Nicht nur Energiebündel, die unter ADHS leiden, sind beim Kampfsport gut aufgehoben. Auch schüchterne Kinder können Ihr Selbstbewusstsein durch eine zunehmend bessere Körperbeherrschung steigern und dies im Alltag nutzen.

Ob Kampfsport für Kinder allerdings tatsächlich sinnvoll ist, um zu lernen, mit Aggressionen umzugehen, mag durchaus bezweifelt werden. Es existieren zwar verschiedene Studien, die darauf hindeuten, dass Kinder und insbesondere Jugendliche aufgrund des Kampfsports weniger aggressiv sind, allerdings ließen sich diese Effekte wohl auch durch jegliche andere Sportart erzielen.
Zudem bestünde nun die Gefahr, dass ein eher aggressives Kind anschließend weiß, wie es einen anderen Menschen ernsthaft verletzen kann.

Generell achten gute Kampfsporttrainer jedoch darauf, dass der Sport nur als solcher ausgeübt wird und im Notfall lediglich der Verteidigung dient.

Für aggressive Kinder gibt es jedoch andere Sportarten, die ihnen ebenfalls eine Menge abverlangen und zum Abbau von Aggressionen beitragen.

Hinweis: Auf der anderen Seite gilt jedoch, dass kein Kind durch die Ausübung von Kampfsport aggressiv wird.

5. Kampfsport und Kampfkunst – teils bestehen große Unterschiede zueinander

 Kampfkunst oder Kampfsport:

Kampfsport beinhaltet ein klares Regelwerk und zielt auf den Wettbewerb untereinander ab. Demgegenüber kommen Kampfkünste meist ohne Regeln aus. Im Fokus stehen teils Showaspekte oder aber Techniken, die den Gegner schnell und effektiv außer Gefecht setzen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden beide Formen jedoch vielfach synonym verwendet.

In diesem Abschnitt werfen wir einen kurzen Blick auf die unterschiedlichen Kampfsportarten. Aufgrund der zahlreichen verschiedenen Formen fokussieren wir uns dabei auf die bekanntesten Kampfsportarten bzw. Kampfkünste.

  • Judo:
    Beim Judo spielen Wurf- und Bodentechniken die Hauptrolle. Dabei wird die Kraft des Gegners gegen ihn verwendet. Schläge und Tritte sind verboten. Im Vergleich mit anderen Kampfsportarten ist Judo eher wettkampforientiert und dient weniger der Selbstverteidigung.
  • Karate:
    Die alte japanische Kampfkunst setzt vorwiegend auf Schlag- sowie Tritttechniken. Karate eignet sich aufgrund der Geschwindigkeit und des Nahkampftrainings sehr gut zur Selbstverteidigung. Im Fokus steht allerdings eher der sportliche Aspekt.
Kind übt einen Sprungtritt

Teils steht der akrobatische Aspekt im Vordergrund des Trainings.

  • Taekwondo:
    Ähnlich wie beim Karate geht es im Taekwondo vorwiegend um Schlag- sowie Tritttechniken. Im Gegensatz zum Karate wird kunstvollen Tritten jedoch mehr Bedeutung beigemessen, sodass eine enorme Beweglichkeit gefragt ist. Gleichzeitig sinkt die praktische Bedeutung zu Zwecken der Selbstverteidigung.
  • Wing Tsun:
    In vielen Schulen wird diese Unterart des Kung Fu gelehrt. Im Vordergrund stehen dabei extrem schnelle Fausttechniken sowie Tritte zu den Beinen. Aufgrund der guten Eignung zu Verteidigungszwecken setzt die Polizei unter anderem auf diesen Kampfstil.
  • Boxen:
    Beim Boxen steht vor allem der Fitnessaspekt im Vordergrund. Seilspringen, Pratzentraining sowie Ausweichen sind wichtige Säulen des Boxtrainings.
  • Aikido:
    Neben aus dem Judo bekannten Wurftechniken kommen bei dieser Sportart vorwiegend Hebeltechniken zum Einsatz. Die Kraft des Gegners wird somit unmittelbar gegen ihn verwendet.
    Die technisch sehr anspruchsvolle Kampfkunst eignet sich insbesondere für körperlich weniger kräftige Kinder, sodass auch Mädchen hier viel Freude haben werden.
  • Ju-Jutsu:
    Diese Mixsportart setzt sich aus Elementen des Aikido, des Judo sowie des Karate zusammen und stellt dabei eine exzellente Form der Selbstverteidigung dar.

6. Das richtige Alter, um mit dem Kampfsport zu beginnen

Kinder beim Kampfsporttraining

Das Einstiegsalter variiert.

Ab wann Kampfsport für Kinder infrage kommt, lässt sich nicht einheitlich beantworten. Viele Vereine bieten spezielle Kurse für Kinder an. Diese beginnen meist ab einem Alter von 6 Jahren, teils jedoch auch erst ab einem Alter von 8 oder 9 Jahren.

Je nach Stadt bieten einige Kampfsportschulen Vorkurse für kleinere Kinder an. So können sich Kinder ab 3 Jahren bereits mit Bewegungen des Kampfsports vertraut machen. An dieser Stelle fehlt allerdings eine klare Richtung.

Ebenfalls sinnvoll für kleinere Kinder sind daher Turnvereine, bei denen Kinder viele verschiedene Bewegungen kennenlernen. Diese stehen zudem in fast jedem Ort zur Verfügung. Der Wechsel zur Kampfsportschule kann also auch noch später stattfinden.

7. Die Kosten des Kampfsportunterrichts für Kinder

In aller Regel werden Kampfsportvereine nicht öffentlich gefördert. Daher liegen die Kosten etwas höher als bei einem Fußball- oder Turnverein.

Im Schnitt können Sie mit etwa 30 Euro pro Monat kalkulieren. Dies variiert jedoch von Ort zu Ort sowie je nach Kampfsport teils deutlich.

Zusätzlich benötigen Kinder meist einen Trainingsanzug sowie eine kleine Schutzausrüstung. Diese Utensilien können Sie oftmals direkt über den örtlichen Verein zu günstigen Preisen bestellen.

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