Integrativer Kindergarten: Ein Modell zur Förderung von Toleranz

Integrativer-Kindergarten-Ratgeber
  • Bei einem Integrationskindergarten handelt es sich um eine Einrichtung, in der sowohl Kinder mit als auch ohne Behinderung zusammen betreut werden.
  • Ein integrativer Kindergarten ähnelt dem Konzept von Montessori-Kindergärten. In beiden Einrichtung stehen die individuelle Förderung und die Anregung zur Eigenaktivität im Vordergrund.
  • Die Anmeldung in einer integrativen Einrichtung ist mit vielen Vorteilen verbunden. Die Kinder lernen bereits sehr früh, Andersartigkeiten zu akzeptieren und zu schätzen.

Toleranz, Akzeptanz und Hilfsbereitschaft sind Werte, die in der heutigen Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert haben. Ein integrativer Kindergarten folgt dem Prinzip der Inklusion. Das bedeutet, dass jedes Kind so angenommen wird wie es ist.

Aber wie funktioniert dieses Modell? Welche Vorteile bietet es sowohl behinderten als auch nicht-behinderten Kindern? Und welche Unterschiede gibt es im Hinblick auf die Betreuung?

Wir erklären Ihnen in unserem Ratgeber, was ein integrativer Kindergarten ist und welchem pädagogischen Konzept dieser entspricht. Wir zeigen Ihnen die Vorteile auf und erläutern Ihnen, welche besonderen Fördermaßnahmen Anwendung finden.

1. Ein integrativer Kindergarten fördert die Akzeptanz von Andersartigkeit

Kindergarten mit behinderten Kindern

In einer integrativen Kindertagesstätte lernen Kinder mit- und voneinander.

Bei einem integrativen Kindergarten, auch I-Kindergarten genannt, handelt es sich um eines der vielen möglichen Kindergartenmodelle. In dieser Art der Einrichtung werden sowohl Kinder mit als auch ohne Behinderung betreut. Dabei spielen auch die Art und das Ausmaß der Behinderung keine Rolle. Jedes Kind wird individuell betreut und lernt zusätzlich, anderen Kindern ohne Vorurteile zu begegnen.

Oftmals werden Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft ausgegrenzt. Sie werden in separaten Einrichtungen betreut und bekommen so wenig Kontakt zu anderen Mitmenschen. Aus diesem Grund wurde der integrative Kindergarten gegründet. Dort können alle Kinder voneinander lernen, ohne dass sie aufgrund ihrer Behinderung ausgegrenzt werden.

Entstehung integrativer Kindergärten

Erst in den 1980er Jahren gab es erste Einrichtungen, in denen sowohl behinderte als auch nicht-behinderte Kinder zusammen betreut wurden. Seit 2009 existieren einheitliche Standards im Bereich der Inklusion.

Auch die Rücksicht und Toleranz wird hier stark gefördert. In der Einrichtung lernen die Kinder, dass Menschen mit einer Behinderung nicht besser oder schlechter sind. Sie gehören genau wie Menschen ohne Behinderung zur Gesellschaft dazu. Jedes Kind kann sich frei entfalten und im eigenen Tempo lernen.

Zusammenfassend werden folgende Werte in einem integrativen Kindergarten groß geschrieben:

  • Toleranz
  • Respekt und Achtung
  • Rücksicht
  • Wertschätzung

2. Integrativer Kindergarten = Montessori Kindergarten?

Integrativer Kindergarten Konzept

Bei beiden Konzepten steht die Orientierung an den individuellen Fähigkeiten im Vordergrund.

Die Montessori-Pädagogik wurde nach der italienischen Ärztin und Reformpädagogin Maria Montessori benannt. Durch die Arbeit mit behinderten und verhaltensauffälligen Kindern erkannte sie, dass diese Kinder nicht ausreichend gefördert wurden. Daraus entwickelte sie das Konzept des eigenständigen, individuellen Lernens.

In vielen integrativen Einrichtungen findet das Montessori-Konzept Anwendung. Und das aus gutem Grund. Bei beiden Modellen spielt die individuelle Entwicklung des Kindes eine besondere Rolle. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Montessori-Kindergärten auch integrative Einrichtungen sind.

Die Konzepte ähneln sich so stark, dass sie oftmals zusammen Anwendung finden. Sowohl die Eigenständigkeit als auch das Selbstbewusstsein des Kindes sollen gefördert werden. Dieser Leitsatz ist vor allem in einem Kindergarten mit behinderten Kindern sehr wichtig. Jedes Kind wird mit seinen Stärken und Schwächen genauso angenommen, wie es ist.

Die Kinder sollen ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln und dabei lernen, dass jeder Mensch anders ist. Diese Andersartigkeit darf dementsprechend nicht zu einer Ausgrenzung oder Isolierung führen.

3. Fördermaßnahmen und Betreuungsschlüssel in integrativen Kindergärten

integrativer Kindergarten

Jedes Kind erhält eine ganzheitliche individuelle Betreuung.

Damit das Konzept des integrativen Kindergartens umgesetzt werden kann, sind speziell ausgebildete Erzieher vonnöten. Dies ist besonders wichtig, damit behinderte Kinder individuell zwar gefördert, aber die nicht-behinderte Kinder gleichzeitig nicht ausgebremst werden.

Die Erzieher haben die Aufgabe, die Beziehungen der Kinder untereinander zu stärken. Auf der anderen Seite müssen sie jedoch auch die einzelnen Kinder gezielt unterstützen. Um diese Anforderungen erfüllen zu können, arbeiten sie oftmals mit dem heilpädagogischen Fachdienst zusammen. Auch medizinisches Fachpersonal wie Logopäden, Physiotherapeuten oder Ergotherapeuten werden regelmäßig hinzugezogen.

Um eine integrative Förderung im Kindergarten gewährleisten zu können, sind die Gruppen in der Regel wesentlich kleiner als in vielen anderen Einrichtungen. Das Betreuungsverhältnis sollte im Normalfall bei 1:5 liegen. Das würde bedeuten, dass sich ein Betreuer um fünf Kinder kümmert. Leider sieht die Realität jedoch zumeist anders aus.

Wie in normalen Kindertagesstätten auch, stehen in einem integrativen Kindergarten die Sprachförderung, die Schulung der Feinmotorik und die Vorschularbeit auf dem Tagesplan. Von zentraler Bedeutung ist außerdem die Elternarbeit. So können sich Eltern und Erzieher/innen über das Verhalten des Kindes austauschen.

Ein normaler Tagesablauf sieht in etwa wie folgt aus:

  1. “Bring-Phase”
  2. Morgenkreis
  3. Freispiel und gezielte Förderung
  4. Erste “Abhol-Phase”
  5. Mittagsbetreuung (Mittagessen/Ruhephase)
  6. Freispiel und gelenkte Projekte

Für die Kinder ist es sehr wichtig, dass diese feste Struktur mit all den Ritualen fest eingehalten wird, denn dies vermittelt Sicherheit und Geborgenheit.

Es gibt zusätzlich weitere Einrichtungen, die in der Regel integrativ tätig sind. Dazu zählen:

4. Vor- und Nachteile dieser besonderen Einrichtungen

integrativer Kindergarten Konzept

Der Besuch einer integrativen Kita ist sowohl mit Vor- als auch mit Nachteilen verbunden.

Ein integrativer Kindergarten nimmt alle Behinderungsformen auf, sodass hier keine Grenzen zwischen leichten und schweren Behinderungen gezogen werden. Natürlich werden die Gruppen so aufgeteilt, dass sie sich in etwa im Gleichgewicht befinden.

Um einen Platz für ein Kind mit Behinderung zu erhalten, müssen Eltern ihr Kind zunächst untersuchen lassen, um festzustellen, inwiefern eine Behinderung vorliegt. Daraufhin können sie einen Antrag auf Eingliederungshilfe stellen. Um eine geeignete Einrichtung zu finden, können Eltern zudem Hilfe vom Jugendamt in Anspruch nehmen.

Rund ein Drittel der Kinder, die einen Integrationskindergarten besuchen, haben eine Behinderung. Eltern nicht-behinderter Kinder sind oftmals skeptisch, ob dieses Modell für ihr Kind geeignet ist. Sie befürchten mitunter, dass ihr Kind nicht genug gefördert und gefordert wird. Diese Sorge ist jedoch in den meisten Fällen unbegründet.

Damit Sie sich ein besseres Bild über die Vorzüge eines integrativen Kindergartens machen können, haben wir im Folgenden eine Liste für Sie zusammengestellt, in der Sie die wichtigsten Vor- und Nachteile dieses Kindergartenmodells finden.

  • Kinder lernen Werte wie Toleranz, Akzeptanz und Rücksichtnahme
  • Kinder mit Behinderung werden in die Gruppe integriert und gezielt gefördert
  • der Personalschlüssel ist wesentlich großzügiger berechnet
  • alle Kinder werden individuell gefördert
  • Berührungsängste werden abgebaut
  • intensive Zusammenarbeit mit den Eltern und medizinischem Fachpersonal
  • die Kindergartengruppen sind kleiner
  • Partizipation im Kindergarten
  • die Betreuungskosten fallen wesentlich höher aus
  • es gibt verhältnismäßig wenig echte Integrationsplätze und dementsprechend lange Wartezeiten
  • die räumlichen Rahmenbedingungen sind in vielen Einrichtungen unzureichend
  • trotz gutem Betreuungsverhältnis herrscht oftmals Personalmangel
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