Inklusionskind: Kinder mit Förderbedarf in Kita und Schule

spielende kinder und ein inklusionskind
Was ist ein Inklusionskind?

Bei einem Inklusionskind handelt es sich um ein behindertes Kind, welches mit nicht-behinderten Kindern in einen Kindergarten oder in eine Schule geht. Dabei kann die Behinderung auf verschiedenen Ebenen auftreten.

Wie wird die Inklusion in Kindergarten und Schule umgesetzt?

Ziel der Inklusion ist es, dass alle Kinder mit und ohne Handicap individuell gefördert werden. Das bedeutet, dass behinderte Kinder statt einer Förderschule eine Regelschule besuchen können. Um dies gewährleisten zu können, werden Inklusionshelfer eingesetzt.

Was sind die Vor- und Nachteile von Inklusion?

Das Prinzip der inklusiven Bildung wird sehr kontrovers diskutiert. Während Verfechter des Prinzips damit argumentieren, dass Kinder mit Behinderung in einer Regelschule mehr lernen als auf speziellen Förderschulen, sind Kritiker der Meinung, dass die Förderung in der Praxis kaum möglich ist.

Das Thema Inklusion wird derzeit vor allem im Bereich der Politik und Gesellschaft heiß diskutiert. Aber nicht alle Menschen wissen, um was es sich bei der Inklusion bzw. bei einem Inklusionskind handelt. Wichtig ist vor allem, dass zwischen Integration und Inklusion unterschieden wird.

Denn bei der Inklusion geht es darum, dass nicht mehr zwischen behinderten und nicht-behinderte Menschen unterschieden wird. Um dies in der Gesellschaft fest zu verankern, soll das Prinzip der Inklusion bereits im Kindergarten und in der Schule umgesetzt werden.

1. Inklusionskind – was sich hinter diesem Begriff verbirgt

inklusion von behinderten menschen

In einer inklusiven Gesellschaft wird niemand ausgegrenzt.

In der UN-Behindertenrechtskonvention wird Inklusion als Menschenrecht erklärt, welches für alle Menschen gelten sollte, die an einer Behinderung leiden. Aber was ist das eigentlich? Was bedeutet Inklusion?

Obwohl die meisten Menschen den Begriff Inklusion schon gehört haben, gibt es dennoch immer wieder Unklarheiten bezüglich der Bedeutung dieses Wortes. Der Begriff Inklusion kommt von dem lateinischen Wort includere und bedeutet so viel wie einschließen oder einlassen.

Laut Definition des Dudens bedeutet Inklusion die gleichberechtigte Teilhabe an etwas bzw. die gemeinsame Erziehung behinderter und nicht-behinderter Kinder in Kitas und Schulen. Obwohl die Begriffe Integration und Inklusion häufig synonym benutzt werden, ist die Definition sehr unterschiedlich. Denn bei der Integration geht es eher darum, einen Menschen mit besonderen Bedürfnissen in dem vorherrschenden System aufzunehmen. Ziel der Inklusion ist es jedoch, ein Konzept zu schaffen, in dem sich jeder Mensch zugehörig fühlen kann.

Ein Inklusionskind ist dementsprechend ein Kind, welches sowohl mit behinderten als auch nicht-behinderten Kinder in eine Einrichtung geht. Das bedeutet nicht nur, dass sie im Unterricht gemeinsam lernen, sondern auch, dass sie im gesamten Leben keine Ausgrenzung erfahren.

Wer den Begriff Inklusion hört, denkt dabei sofort an Kinder mit einer geistigen und/oder körperlichen Behinderung. Dabei kann ein Kind auch ein Inklusionskind sein, wenn seelische Behinderungen, also sozial-emotionale Auffälligkeiten, im Vordergrund stehen. Auch Kinder, die Probleme mit der Sprache oder dem Lernen haben, werden als Inklusionskinder bezeichnet.

2. Inklusion in Schule und Kindergarten

kinder in einer inklusionsklasse

In einer Inklusionsklasse findet gemeinsamer Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern statt.

Da Bildung Ländersache ist, hapert es immer noch an der Umsetzung der Inklusion. Laut einer Studie der Friedrich Ebert Stiftung besuchten im Schuljahr 2015/16 lediglich 37% der Kinder mit Förderbedarf einen inklusiven Unterricht. Dabei schwankt die Quote von Bundesland zu Bundesland sehr stark.

Ob ein Kind einen besonderen Förderbedarf hat, kann durch verschiedene Verfahren festgestellt werden. In der Regel wird diese Diagnose bei der Schuleingangsprüfung gestellt. Eltern, deren Kind im Kindergarten ist, müssen hingegen oftmals selbst eine Eingliederungshilfe beantragen, wenn es sich nicht um eine offensichtliche körperliche oder geistige Behinderung wie beispielsweise dem Down-Syndrom handelt.

Im besten Fall beginnt Inklusion nicht erst in der Schule, sondern bereits im Kindergarten. Es geht darum, dass Kinder bereits ab dem Kindergartenalter den gleichen Zugang zur Bildung erhalten – egal ob mit oder ohne Behinderung.

Inklusion in der Gesellschaft

Inklusion sollte nicht nur im Kindergarten und in der Schule stattfinden. Ziel ist es, dass alle Menschen gleichberechtigt und selbstbestimmt an der Gesellschaft teilhaben können. Dazu müssen Strukturen geschaffen werden, in denen sich jeder frei bewegen kann.

Die Inklusion wird daraufhin in der Schule fortgeführt. So sollen Kinder mit Behinderungen auf eine Regelschule statt auf eine spezielle Förderschule gehen. Das bedeutet aber nicht, dass sie keine speziellen und individuellen Fördermaßnahmen erhalten. Vielmehr geht es darum, sowohl das gemeinsame als auch das individuelle Lernen zu fördern.

Da die Lehrer in einer Regelschule keine Zeit haben, um sich um Kinder mit besonderen Bedürfnissen zu kümmern, werden in den Inklusionsklassen sogenannte Schulbegleiter bzw. Inklusionshelfer eingesetzt. Bei diesen handelt es sich um zusätzliche Kräfte, die mit im Klassenzimmer sitzen, sich um ein einzelnes Kind kümmern und in allen Situationen helfend zur Seite stehen.

Wie Inklusion gelingen kann, sehen Sie auch in diesem Video:

3. Ein Inklusionskind kann Erzieher und Lehrer an ihre Grenzen bringen

inklusionshelfer hilft einem schueler im klassenzimmer

Inklusion kann nur funktionieren, wenn ausreichend viele Fachkräfte im Einsatz sind.

Dass es wichtig ist, Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu bieten, ist unumstritten. Im gemeinsamen Unterricht können Kinder mit und ohne Behinderung miteinander und voneinander lernen. Kinder mit Behinderung werden auf diese Weise selbstständiger und können am „normalen Leben“ teilhaben.

Verfechter der Inklusion kritisieren jedoch, dass das deutsche Schulsystem derzeit noch viel zu starr ist und keinen Raum zur persönlichen Entfaltung bietet. Statt diese Kinder auf Förderschulen abzuschieben, sei es wichtig, Berührungsängste und Vorurteile abzubauen.

In Bezug auf die schulische Inklusion gibt es jedoch nicht nur Befürworter, sondern auch Kritiker. Viele Eltern befürchten, dass Kinder mit Behinderungen das Lerntempo bremsen und somit dafür sorgen, dass Kinder ohne Handicap weniger lernen.

Ein wichtiger Kritikpunkt ist außerdem, dass Kinder mit Behinderungen nicht ausreichend gefördert werden können. Dies liegt jedoch vor allem daran, dass es in Kindergärten und Schulen zu wenige Zusatzkräfte gibt. Mehr Sonderpädagogen bedeuten jedoch mehr Geld, welches vielfach nicht zur Verfügung steht. Ist die Gesellschaft jedoch bereit, etwas zu verändern, finden sich auch Wege für die Finanzierung.

Ein weiteres Problem ist, dass die meisten Regelschulen nicht für ein Inklusionskind ausgestattet sind. So fehlt es oftmals an technischen Hilfsmitteln oder entsprechenden Materialien.

4. Weiterführende Literatur zur Inklusion

Handbuch Inklusion und Sonderpädagogik
  • Herausgeber: UTB GmbH
  • Auflage Nr. 1 (28.10.2015)
  • Gebundene Ausgabe: 704 Seiten
Inklusion in Krippe und Kita: Ein Leitfaden für die Praxis
  • Anne Groschwald, Henning Rosenkötter
  • Herausgeber: Verlag Herder
  • Auflage Nr. 1 (09.06.2015)
  • Taschenbuch: 144 Seiten
Inklusion in der Schule - Das Praxisbuch: Profi-Tipps und Materialien aus der Lehrerfortbildung (Alle Klassenstufen)
  • Humbach
  • Herausgeber: Auer Verlag in der AAP Lehrerfachverlage GmbH
  • Auflage Nr. 3 (18.03.2019)
  • Taschenbuch: 88 Seiten
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