Immunsystem von Kindern stärken: So bauen Sie natürlich Abwehrkräfte auf

Kleinkind mit dicker Kleidung im Herbstlaub
Kann man das Immunsystem stärken und Kindern bessere Abwehrkräfte verschaffen?

Bis zu einem gewissen Grad ist das möglich, aber es gibt kein Wundermittel.

Ist Hygiene eine Grundvoraussetzung für gesunde Kinder?

Das ist ein Balanceakt: Zu viel Hygiene kann sogar verhindern, dass das Kleinkind natürliche Abwehrkräfte aufbaut.

Können Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente das Immunsystem stärken oder Kinder gegenteilig sogar schädigen?

Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass zu viele unnötige Nahrungsergänzungsmittel bei Kindern zu Unverträglichkeiten führen können.

Sie würden gern das Immunsystem Ihrer Kinder stärken und sie so vor Krankheiten bewahren? Das ist verständlich, allerdings handelt es sich um einen längeren Prozess, den jedes Kleinkind durchlaufen muss. Wie Sie es dabei unterstützen, worauf Sie im Alltag achten und was Sie vermeiden sollten, erfahren Sie hier.

1. Das Immunsystem lässt sich nicht kurzfristig beeinflussen

Es kursieren Gerüchte über das Immunsystem, die teilweise aus der Luft gegriffen sind. Die Zusammenhänge sind deutlich komplexer, als es sich im Alltag für viele Menschen darstellt. So bringt es beispielsweise nichts, das Immunsystem durch eine Extragabe an Vitamin C unterstützen zu wollen, wenn eine Erkältung sich ankündigt. Genaueres erfahren Sie in diesem Beitrag:

2. Erfahrung kann das Immunsystem stärken – Kinder müssen krank werden

So hart es für junge Eltern klingt, die ihr Baby am liebsten vor jeder Krankheit bewahren möchten: Jedes Kind hat zunächst ein schwaches Immunsystem. Dies kennt viele Krankheitserreger noch nicht und muss gegen jeden einzelnen erst Antikörper bilden. Daher ist es nicht ungewöhnlich, wenn Kleinkinder bis zur Einschulung etwa zehn bis zwölf Mal im Jahr krank werden.

viele Kinder im Kindergarten

In Gruppen wie im Kindergarten stecken Kinder sich schnell einmal an.

Die ersten drei Monate etwa sind Kinder noch durch die Abwehrkörper geschützt, die sie von der Mutter über die Nabelschnur erhalten haben. Dann allerdings kann es losgehen mit Koliken oder dem Drei-Tage-Fieber. Das ist für Eltern zwar beängstigend, und Sie sollten auf jeden Fall auch den Arzt aufsuchen. Unnatürlich ist das aber nicht. Ist das Kind ein Jahr alt, hat es zumeist die ersten Krankheiten schon hinter sich gebracht.

Mit zwei Jahren gehen viele Kinder bereits seit einiger Zeit in die Kita, mit drei Jahren in den Kindergarten. Und spätestens hier wird sich Ihr Kind immer neue Infektionen einfangen: Ansteckende Kinderkrankheiten wie Windpocken, Röteln, Mumps und weitere werden im gemeinsamen Spiel weitergegeben. Es ist allerdings keine gute Option, das Kind allein zu Hause zu behalten und es vor allen Krankheitserregern zu schützen: Hat das Immunsystem möglichst viele Infektionen kennengelernt, entwickelt das Kind meist eine stabile Gesundheit.

Tipp: Auch wenn Sie in dieser frühen Phase zu verzweifeln drohen: Es wird von allein wieder besser!

3. Sie können, um ihr Immunsystem zu stärken, Kindern etwas Dreck zugestehen

zwei Mädchen spielen im Matsch

Spaß kann das Immunsystem stärken: Kinder spielen nicht umsonst gern im Dreck.

Viele Kinder fühlen sich von Dreck, Schlamm und Schmutz magisch angezogen. Sie lieben es, in Sandkisten zu buddeln (und ein bisschen Sand zu probieren), planschen in Pfützen und graben im Matsch. Manche vorsorglichen Eltern verbieten derlei dreckige Vergnügungen, aber das kann sich als Fehler erweisen: Das Immunsystem reagiert auf alle äußeren Einflüsse und lernt, Attacken von weniger schlimmen Unannehmlichkeiten zu unterscheiden.

Gleiches gilt für das Spielen mit anderen Kindern oder mit Haustieren. Ihr Kind kommt hier mit Bakterien und Krankheitserregern in Berührung. Nur so lernt sein Immunsystem, was es zu tun hat. Das heißt natürlich nicht, dass Sie den Dreckspatz nicht nach dem Schlammbad in die Badewanne stecken und gründlich abschrubben sollten!

4. Putzen Sie nach Möglichkeit mit Hausmitteln

Kinder liegen in chaotischem Kinderzimmer auf dem Boden

Auch wenn es schwerfällt: Putzen Sie das Kinderzimmer nicht keimfrei!

Auch wenn Sie die Umgebung Ihres Kindes am liebsten komplett keimfrei halten würden: Nehmen Sie beim Putzen des Kinderzimmers Abstand von Desinfektionsmitteln. Wir sind unser ganzes Leben lang überall Bakterien und Krankheitserregern ausgesetzt, und das Immunsystem Ihres Kindes muss sich entsprechend aufbauen.

Hinzu kommt, dass scharfe Reiniger, die alles mikrobiotische Leben auslöschen, oft gesundheitsgefährdend sind. Die Gefahrenhinweise auf den Flaschen sind ein guter Hinweis, dass Sie besser mildere Hausmittel verwenden sollten. Gerade Kinder in der oralen Phase entdecken die Welt mit dem Mund.

Die Kinder müssen die Mittel gar nicht herunterschlucken: Es tut ihnen schon nicht gut, wenn sie die gerade damit geschrubbten Badewanne ablecken. Zwar sollten sie auch Ihren selbstgemachten Essigreiniger nicht trinken, aber er schadet ihnen weniger als etwa ein industriell gefertigter Chlorreiniger.

Tipp: Ein positiver Nebeneffekt: Hausmittel sind oft deutlich günstiger.

5. Sie können durch Ruhe das Immunsystem stärken, wenn Sie Kindern Stress erleichtern

Stress, Sorge und zu wenig Schlaf greifen uns in jedem Alter an. Das gilt auch für Kinder. Entsprechend wichtig ist es, dass sie ausreichend Schlaf für ihr Alter bekommen und Zeit zum Entspannen haben. Achten Sie darauf, dass Ihre Kinder nicht an jedem Tag Termine haben, die sie wahrnehmen müssen. Sie sollten außerdem wissen, dass sie mit Ihnen über alle Sorgen sprechen können und ernst genommen werden.

lachendes Mädchen mit rosa Mütze über den Augen im Schnee

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung: Draußen zu toben, ist immer gesund.

Die nötige Bettschwere kommt vor allem durch genügend Bewegung zustande. Kann ihr Kind viel an der frischen Luft toben, hat das viele positive Nebeneffekte:

  • Seine Muskeln entwickeln sich.
  • Die Schleimhäute werden gut durchblutet und feucht gehalten.
  • Es trainiert den Gleichgewichtssinn.

Nach einem körperlich anstrengenden Tag schläft das Kind leichter ein und wacht seltener auf. In dieser Ruhephase kann der kleine Körper sein Immunsystem weiter aufbauen.

6. Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die Abwehrkräfte

kleines Kind isst Rohkost

Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig für ein starkes Immunsystem.

Unser Immunsystem ist eng mit dem Darm verknüpft. Ist dieser gesund und bekommt die richtigen Nährstoffe geliefert, ist auch die körpereigene Abwehr schlagkräftig und fit. Eine gesunde Ernährung ist immer ausgewogen: Sie liefert alle Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die der Körper braucht. Gleichzeitig enthält sie so viele Ballaststoffe, dass die Darmtätigkeit angeregt wird.

Geben Sie Ihrem Kind viel Gemüse und Obst, aber auch Vollkorn und Milchprodukte zu essen. Es braucht Fette, Proteine und Kohlenhydrate. Bei Fleisch reicht es aus, wenn es ab und zu auf dem Teller landet, und Zucker ist in größeren Mengen eher schädlich. Sie tun der Darmgesundheit etwas Gutes, wenn Sie dem Kind, das Zuckerhunger hat, einen Löffel Honig anstatt Schokolade geben.

Tipp: Achten Sie immer darauf, dass das Kind genug trinkt – besser Wasser und Tee als süßen Saft!

7. Das beachten Sie bei Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln

Kind guckt zu, wie der Arzt es impft

Eine Impfung erlaubt dem Immunsystem, Antikörper ohne tatsächliche Krankheit zu bilden.

Medikamentengaben wirken ganz unterschiedlich auf das Immunsystem ein. Impfungen etwa stärken die körpereigene Abwehr, weil das Immunsystem anhand der schwachen Erreger funktionierende Antikörper bilden kann. Antibiotika sind zwar wirksam gegen Bakterien, doch das betrifft auch unsere Darmflora. Hat Ihr Kind ein Antibiotikum bekommen, können Sie ihm mit Naturjoghurt, Buttermilch und fermentierten Produkten wieder zu einer gesunden Darmflora verhelfen.

Multivitaminpräparate eignen sich nicht dazu, das Immunsystem zu stärken – Kinder nehmen alle wichtigen Nährstoffe besser über Lebensmittel auf. Das gilt vor allem, wenn in Ihrer Familie bereits Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien vorhanden sind: Sorgen Sie dafür, dass sich das Immunsystem Ihres Kindes so natürlich wie möglich entwickeln kann. Liegt tatsächlich ein gravierender Mangel an einem Stoff vor, kann der Arzt ein spezielles Mittel verschreiben. Von Selbstmedikation sollten Sie auf jeden Fall absehen!

Tipp: Homöopathie kann in manchen Fällen hilfreich sein – sprechen Sie aber auch darüber mit Ihrem Arzt.

8. Weiterführende Literatur zur Kindergesundheit

Das Kinder-Gesundheitsbuch: Kinderkrankheiten ganzheitlich vorbeugen und heilen
  • 416 Seiten - 10.08.2013 (Veröffentlichungsdatum) - GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH (Herausgeber)
Kindergesundheit: Wie Sie Krankheiten erkennen. Was Sie selbst tun können
  • 520 Seiten - 14.06.2017 (Veröffentlichungsdatum) - TRIAS (Herausgeber)

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