Immer mehr Väter gehen in Elternzeit

04.06.2019, 15:57 von Amelie S.

Stolzer Vater trägt sein Baby nach dem Baden im Handtuch herum

Das traditionelle Familienbild vom arbeitenden Mann und der Frau, die den Haushalt besorgt und sich um die Kinder kümmert, gerät zunehmend ins Wanken. Das zeigt auch der Väterreport 2018: Immer mehr Väter verzichten für einige Monate auf ihren Job, um sich selbst um den Nachwuchs zu kümmern.

Mehr Väter gehen in Elternzeit – das merkt man aber kaum

Die Anzahl der Männer, die in Elternzeit gehen, ist bundesweit gestiegen. Allein zwischen 2017 und 2018 sei die Zahl der Väter in Elternzeit um 7% angestiegen. Eine Gleichberechtigung zwischen den beiden Geschlechtern ist damit jedoch nicht erreicht. Im Schnitt gehen nämlich dreimal so viel Frauen in Elternzeit wie Männer. Insgesamt verzichten 1,4, Millionen Frauen deutschlandweit zeitweise auf ihren Job – dem gegenüber stehen nur 433 000 Männer.

Außerdem gehen Frauen wesentlich länger in Elternzeit und beziehen damit länger Elterngeld. Wie viele Monate Frauen und Männer im Vergleich Elterngeld oder Eltergeld Plus beziehen, zeigt folgende Tabelle:

Frauen Männer Differenz
Elterngeld 11,7 Monate 3 Monate 8,7 Monate
Elterngeld Plus 20 Monate 8,9 Monate 11,1 Monate

Besonders verwunderlich bei dieser Gegenüberstellung ist, dass laut dem Väterreport 58% der Väter angeben, vorzugsweise die Elternzeit komplett zu teilen, sodass jedes Elternteil gleich lange das Kind betreut.

Dies bringe auch viele Vorteile mit sich. Durch eine gerechte Aufteilung würden Frauen früher wieder in den Beruf einsteigen könnten, was gerade in Hinsicht auf die Altersvorsorge von Bedeutung ist. Zudem könnte der Vater eine stärkere Bindung zum Nachwuchs entwickeln.

Dass dies jedoch in der Praxis nicht umgesetzt wird, liegt nach der Soziologin Heike Trappe der Universität Rostock an den Verdienstunterschieden zwischen Mann und Frau. Da Männer oftmals das höhere Einkommen haben, entscheiden diese sich gegen die Elternzeit. Trappe meint, dass gerade deshalb trotz der ansteigenden Zahl der Väter in Elternzeit noch nicht von einem Gesellschaftswandel zu sprechen sei.

Motivation seitens der Politik

Um die engagierten Papas zu unterstützen, wird der Vorschlag laut gemacht, die Vätermonate in Zukunft schrittweise zu erhöhen. Dies bietet für beide Eltern den Vorteil auf insgesamt mehr Elternzeit, gleichzeitig würden mehr Väter länger für die Betreuung ihres Kindes zu Hause bleiben.

Trappe betont an dieser Stelle, dass diese Entwicklung vor allem bei jungen Familien oder Personen aus einem höheren Bildungsumfeld ohnehin zu beobachten sei, als handle es ich um eine ungeschriebene Norm. Gleichzeitig macht sie darauf aufmerksam, dass besonders im städtischen im Vergleich zum ländlichen Raum nach wie vor große Unterschiede vorherrschen. Während in mittelgroßen Städten zunehmend mehr Väter in Elternzeit gehen, wird dies in ländlichen Regionen kaum unternommen.

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