Ist Hausarrest sinnvoll und noch zeitgemäß?

   
von Ralf-Ingo S. - letzte Aktualisierung:
hausarrest
Dürfen Kinder Hausarrest bekommen?

Grundsätzlich sind die Rechte von Eltern im Rahmen der Kindeserziehung relativ breit ausgestaltet. So verstößt Hausarrest in normalem Rahmen nicht gegen das Gesetz.

Macht es Sinn, Kindern Hausarrest zu geben?

In aller Regel scheidet Hausarrest als sinnvolles Erziehungsmittel aus. Leider wird es in der folgenden Zeit weniger um die Auseinandersetzung mit dem eigenen Fehlverhalten gehen, sondern vielmehr um die Strafe an sich.

Welche Alternativen zu Hausarrest gibt es?

Der Schlüssel, um als Familie zusammen unter einem Dach zu leben, besteht darin, gemeinsam Regeln für das Zusammenleben zu erarbeiten.
Hält sich ein Kind nicht daran, können natürlich Konsequenzen folgen, die am besten an die jeweilige Situation angepasst sind.

Wenn Kinder gefragt würden, ob Hausarrest sinnvoll ist, so würde wohl kaum ein Kind dafür plädieren.
Allerdings war dies schon immer so und sagt nur wenig darüber aus, was tatsächlich angemessen ist oder ob eine Strafe überzogen ist.

In unserem Artikel möchten die Meinung von Kindern zwar nicht ganz außer Acht lassen, uns jedoch sachlich damit auseinandersetzen, ob das klassische Erziehungsmittel Stubenarrest heute noch einen echten Wert hat.


1. Die Rechtslage in Deutschland – diese Erziehungsmaßnahmen sind per Gesetz erlaubt

ein kind sitzt mit einem ball in der hand vor der tuer weil es hausarrest hat

Hausarrest ist rechtlich zulässig.

Die Erziehung eines Kindes obliegt den Eltern. Sie tragen die Verantwortung für ihr Kind und sind dementsprechend auch dafür verantwortlich, ob und inwieweit Strafen verhängt werden.

Auch wenn so mancher Teenager mit 16 Jahren gerne hören möchte, dass Hausarrest eine Art der Freiheitsberaubung darstelle und damit sogar von strafrechtlicher Bedeutung sei, ist dies tatsächlich nur in Ausnahmesituation der Fall.

Strafen sind nach dem Gesetz nur dann nicht erlaubt, wenn sie die Rechte des Kindes nicht verletzen.
Etwas deutlicher wird dies vielleicht, wenn wir uns zwei Beispiele von erlaubtem bzw. verbotenem Hausarrest ansehen:

Die Grenzen der Erziehung:
Laut § 1631 Abs. 2 BGB haben Kinder ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Dies betrifft jedoch nicht nur körperliche Gesundheit, sondern auch das Verbot psychischer Gewalt.
  • Peter kommt mit 16 Jahren zu spät nach Hause, weil er vergessen hat, auf die Uhr zu schauen. Natürlich denkt er, dass dies jedem einmal passieren kann, womit er auch Recht mit hat.
    Leider ändert dies nichts daran, dass seine Eltern ihm im Anschluss für das nächste Wochenende Stubenarrest verpassen.
    Auch wenn dies vielleicht nicht ganz die richtige Konsequenz sein mag, so ist dies aus rein rechtlicher Sicht nicht zu beanstanden.
  • Emilie hat es hingegen noch etwas schwerer mit ihren Eltern. Mit Ihren 16 Jahren übernachtet sie unerlaubt bei ihrem Freund, was die Eltern gar nicht freut.
    Bis dahin ist dies sicherlich verständlich. Allerdings schicken die Eltern Emilie nun auf ihr Zimmer, stellen ihr Wasser zur Verfügung und schließen die Tür ab.
    Wird der Gang zu Toilette verwehrt oder darf sich ein Kind (über längere Zeit) nicht mehr frei in der Wohnung bzw. innerhalb des Hauses bewegen, drohen ernste rechtliche Konsequenzen.
    Bei Gewalt an Kindern sowie Misshandlungen seelischer Art sind die örtlichen Jugendämter die richtigen Ansprechpartner.
Auch wenn Hausarrest im üblichen Rahmen nicht verboten, sondern zulässig ist, so stellt sich dennoch die Frage, wie sinnvoll Hausarrest ist.

2. Hausarrest bei Kindern – eine meist wenig sinnvolle Lösung

Sicherlich stellt es bei Kindern und Jugendlichen ein Erziehungsmittel dar, das Haus für eine Weile nicht verlassen zu dürfen. Freunde sind in dieser Lebensphase oftmals extrem wichtig und deutlich wichtiger als Schule, Hausaufgaben oder aber allgemeine zu Hause geltende Regeln.

Das pauschale Einsperren ist jedoch meist ein Zeichen der Hilflosigkeit. Auf diese Weise verkompliziert sich die häusliche Situation häufig noch weiter.
Die Fronten verhärten sich und das eigentlich im Raum stehende Fehlverhalten verliert an Bedeutung.

Vielmehr geht es um den Hausarrest an sich und die vermeintliche Ungerechtigkeit hinter dieser Strafe. Sicherlich entgegnen einige Eltern an dieser Stelle entnervt, dass sie bereits alles versucht haben und doch nichts richtig funktioniert.

Hausarrest ist zwar nicht schön, jedoch recht einfach umzusetzen, sofern es sich nicht um Ausnahmerebellen handelt, denen die Regeln der eigenen Eltern ohnehin egal sind.

Kinder sind genau wie Erwachsene Menschen, die Rechte und Pflichten haben. Zwar vergessen Kinder oftmals ihre Pflichten, Erwachsene neigen jedoch dazu, Kinder allzu leicht abzustempeln und ihnen nicht auf Augenhöhe zu begegnen.

Je älter Kinder jedoch werden, desto wichtiger wird es, gemeinsame Regeln auszuarbeiten, an die sich alle Familienmitglieder zu halten haben.

Tipp: Verschwenden Sie keine unsinnige Energie, indem Sie Ihren Kindern Hausarrest aufbrummen, da es im Anschluss kaum mehr um das eigentliche Fehlverhalten gehen wird, sondern vielmehr darum, die empfundene Ungerechtigkeit in irgendeiner Form zurückzuzahlen.

3. Alternativen zum Hausarrest

Strafen haben immer den bitteren Beigeschmack, dass sie nur eingesetzt werden, wenn auf andere Art keine Lösung gefunden werden kann.
Dies gilt sowohl bei Hausarrest als auch bei einem pauschalem Fernseh- oder Computerverbot.

Stattdessen bietet es sich an, den Fokus konkret auf das Geschehen zu legen. Fragen Sie aktiv nach, warum Ihr Kind gegen eine bestimmte Regel verstoßen hat.

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Hausarrest löst meist keine Probleme.

Manchmal genügt eine einfache Frage, um die Situation komplett zu entschärfen. Vielleicht stellt sich dabei heraus, dass alle Freunde Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes eine halbe Stunde länger wegbleiben dürfen und es daher immer wieder zu Reibereien kommt.
Möchten Sie an dieser Stelle tatsächlich den Hausfrieden aufs Spiel setzen, nur um zu beweisen, dass Sie zu Hause die Macht haben?

Im Idealfall haben Ihre Kinder ohnehin Respekt vor Ihnen und dies auch ohne unnötige Härte.
Versuchen Sie daher stets, konkret auf die jeweilige Situation zu reagieren und die Konsequenz an dieser auszurichten.

Auf diese Weise zeigen Sie Ihrem Kind, dass es Ihnen nicht darum geht, zu zeigen, dass Sie der oder die Stärkere in der Situation sind, sondern dass es Ihnen vielmehr ein Anliegen ist, dass Ihr Kind das Unrecht einsieht und zukünftig zu vermeidet.

In den nächsten Abschnitten stellen wir Ihnen mögliche Konsequenzen für ein Fehlverhalten Ihres Kindes kurz vor.

3.1. Ihr Kind stiehlt

Hat Ihr Kind hat etwas gestohlen, so besteht die Strafe darin, dass Diebesgut zurückzubringen und sich persönlich zu entschuldigen.

Dies sollte unabhängig von einer möglichen strafrechtlichen Konsequenz erfolgen.

3.2. Das unaufgeräumte Zimmer

Räumt Ihr Kind das Zimmer nicht auf, sollten Sie keinen Hausarrest verhängen. Planen Sie, die Oma zu besuchen, worauf sich Ihr Kind freut, es weigert sich allerdings, das Zimmer vorher aufzuräumen, wird dies zur Bedingung.

Solange das Zimmer nicht aufgeräumt ist, findet kein Besuch statt. Dies könnte natürlich auch für das Treffen mit Freunden oder aber den geliebten Sport im Verein gelten.

3.3. Das verschüttete Getränk

In diesem Beispiel verschüttet Ihr Kind beim gemeinsamen Essen ein Getränk.
Dies kann natürlich jedem passieren und ist auch nicht schlimm.

Weigert sich Ihr Kind allerdings, die Sauerei aufzuwischen, so erhält es kein neues Getränk.
In diesem Beispiel soll es natürlich nicht um den Entzug von Wasser gehen, sondern lediglich um den Entzug eines besonderen Getränks.

4. Kinder brauchen keine Strafen, sondern Grenzen

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