Handlungsorientierter Unterricht: Definition, Methoden und Anwendungsbeispiele

handlungsorientierter unterricht in der schule
Was zeichnet handlungsorientierten Unterricht aus?

Im Wesentlichen setzt die Unterrichtsform darauf, dass die Schüler durch aktives Handeln lernen. Im Gegensatz zum klassischen Frontalunterricht kommen hier Rollenspiele, Gruppenarbeiten und Projekte zum Einsatz.

Wie läuft handlungsorientierter Unterricht ab?

Im Prinzip entwickeln die Schüler schrittweise selbst eine Lösung für eine bestimmte Aufgabe. Dabei werden sie zwar unterstützt, sind jedoch in weiten Teilen des Lösungswegs auf sich allein gestellt.

Welche Vor- und Nachteile bringt diese Art des Unterrichtens mit sich?

Wie fast jedes Konzept hat auch die Handlungsorientierung positive sowie negative Seiten.
Besonders negativ ins Gewicht fällt der hohe Zeitaufwand, während positiv zu bemerken ist, dass Kinder lernen, selbstständig Lösungen zu entwickeln.

Handlungsorientierter Unterricht setzt auf eine ganzheitliche Beziehung zu den Schülern und Schülerinnen. Im Fokus der Methoden steht dabei ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern.

In unserem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie dies im Detail aussehen kann und inwieweit sich daraus Vorteile sowie Nachteile ergeben.

1. Handlungsorientierter Unterricht – Lernen durch Handeln

kinder experimentieren gemeinsam mit ihrem lehrer in der klasse

Im Rahmen des handlungsorientierten Unterrichts steht der Lehrer nicht im Mittelpunkt.

Beim klassischen Schulunterricht geht es darum, Fakten möglichst schnell und effizient zu vermitteln. Dies zeigt sich insbesondere dann, wenn frontal unterrichtet wird. Im Gegensatz dazu setzt handlungsorientiertes Lernen auf das Prinzip, dass Schüler mehr Wissen erlangen, wenn sie selbst etwas dafür tun.

Nach der Definition des handlungsorientierten Unterrichts liegt die Aufgabe des Lehrers darin, eine Lernumgebung zu schaffen, die die Schüler dazu anregt, selbst zu denken und entsprechend zu handeln.

Die auch als schüleraktiver Unterricht bezeichnete Art des Lehrens verfolgt das Ziel, Kinder zum eigenständigen Handeln zu ermuntern.
Dabei orientieren sich die Methoden stets daran, dass etwas Gelesenes oder Gehörtes schnell in Vergessenheit gerät, etwas praktisches Erlebtes deutlich länger im Gedächtnis bleibt, jedoch erst etwas selbst Getanes dauerhaft gespeichert wird.

Ein kurzes Erklär-Video über handlungsorientiertes Lernen sehen Sie hier:

2. Ganzheitlicher Unterricht beginnt schon in der Grundschule

Je nach Schule profitieren bereits die Kleinsten von den Vorteilen des handlungsorientierten Unterrichts. In konkreten Experimenten lassen sich bestimmte Details deutlich besser vermitteln.

Vielfach findet der Projektunterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern statt, die sich für Versuche und Vorführungen bestens anbieten. Sowohl im Sachunterricht in der Grundschule als auch in Chemie, Physik oder Biologie auf der weiterführenden Schule gibt es unzählige Ideen, um Kinder zum Handeln zu animieren.
Auch die Fächer Geschichte, Sozialkunde, Sozialwissenschaften, Wirtschaft und Politik bieten sich dafür an, handlungsorientiert zu lehren und zu lernen.

Deutlich schwieriger wird es hingegen in Deutsch, Englisch oder Mathematik. Sicherlich gibt es auch hier an der einen oder anderen Stelle Spielraum dafür, handlungsorientiert zu unterrichten.
Jedoch liegen die Vorteile des Frontalunterrichts besonders am Anfang eines neuen Themas auf der Hand, da ansonsten sehr viel Zeit zur Vermittlung einfachster Grundlagen nötig wäre.

Tipp: Handlungsorientierter Unterricht muss längst nicht immer in Reinform stattfinden. Beziehen Sie die Schüler jedoch immer dann aktiv in den Unterricht ein, wenn sich dies für das jeweilige Thema anbietet.

3. Lernen in Stufen – handlungsorientierter Unterricht setzt auf eine klare Reihenfolge

gruppenarbeit in der schule

Gruppenarbeiten eignen sich nicht nur für den Kunstunterricht.

Die unterschiedlichen Lernszenarien im Rahmen der Handlungsorientierung haben immer den gleichen Kern.
Im Wesentlichen setzt sich der Unterricht aus den folgenden drei Phasen zusammen:

  • Eine bestimmte Situation wird seitens der Lehrkraft vorgegeben.
  • Das Ziel der Schüler besteht nun darin, die konkrete Situation zu lösen.
  • Anschließend geht es darum, aus dem Einzelfall auf eine Gesetzmäßigkeit zu schließen.

Dabei wird bewusst in Kauf genommen, dass Kinder nicht das gesamte Spektrum erfassen, sondern lediglich einen kleinen Ausschnitt kennenlernen.

Im Gegensatz zu anderen Lernmethoden soll jedoch erreicht werden, dass die gewonnenen Erkenntnisse dauerhaft im Gedächtnis bleiben und nicht nur vorübergehend ein höherer Wissenstand erreicht wird.

Wichtig ist an dieser Stelle vor allem, dass sich der Lehrer bzw. die Lehrerin stets zurückhalten und den Schülern nur Denkanstöße geben, jedoch weitestgehend offen für die Ergebnisse sind.
So können die Kinder in der Schule auch eigenen Ideen nachgehen und auf diese Weise herausfinden, welche Interessensgebiete ihnen eher liegen.

Klare und strikte Lehrpläne umzusetzen ist daher bei der Durchführung handlungsorientierten Unterrichts kaum möglich.

4. Handlungsorientierter Unterricht in der Praxis

projektarbeit in der oberstufe

Umfassende Projekte benötigen viel Zeit.

Oftmals gestaltet sich die Anfangsphase im Rahmen des handlungsorientierten Unterrichts etwas chaotisch. Viele Kinder müssen sich erst einmal daran gewöhnen, mehr oder weniger allein gelassen zu werden.

Es existiert zwar in aller Regel jede Menge Material, welches die Schüler auf den richtigen Weg führt. Dieses ist jedoch keineswegs so ausgestaltet, dass bereits klar erkennbar ist, in welche Richtung das ganze Projekt führen soll.

Ist diese eher unübersichtliche Anfangszeit jedoch überwunden, kommen die Kinder dem gewünschten Ergebnis häufig schrittweise immer näher.
Überraschungen sind dabei allerdings keineswegs ausgeschlossen, sodass Lehrkräfte stets spontan reagieren sollten, sofern etwas einmal ein wenig anders läuft als geplant.

Ein umfassendes Beispiel, wie handlungsorientierter Unterricht im Fach Sozialwissenschaften ablaufen könnte, sehen Sie an dieser Stelle.

5. Die Vor- und Nachteile handlungsorientierten Unterrichts

Auch wenn handlungsorientierter Unterricht durchaus ein paar positive Seiten hat, so stößt die Methodik in einigen Bereichen an ihre Grenzen.

Im Folgenden finden Sie daher eine Übersicht mit den wichtigsten Vor- sowie Nachteilen:

  • Aktives Handeln führt zu mehr Eigenmotivation
  • Durch eigenständiges Agieren bleibt die Lösung besser im Gedächtnis
  • Schüler verstehen, dass sie selbst zu einem effektiven Lernprozess beitragen müssen
  • Engagement wird zwar gefordert, jedoch auch entsprechend belohnt
  • Die Kinder werden selbstständiger und sind somit auf anstehende berufliche Herausforderungen gut vorbereitet
  • Das Entwickeln von allgemeinen Lösungen hat einen wichtigen Platz im Rahmen der Handlungsorientierung
  • Handlungsorientierter Unterricht erfordert eine umfassende Vorbereitung
  • Der Zeitaufwand ist vergleichsweise hoch
  • Nicht alle Kinder fühlen sich bei der Arbeit in Gruppen wohl, auch wenn Teamfähigkeit grundsätzlich ein positiver Aspekt ist
  • Nicht alle Kinder in der Schule sind wissbegierig und freuen sich darauf, etwas selbst zu machen
  • In einigen Fächern sind die Möglichkeiten der Handlungsorientierung stark eingeschränkt
  • Das Abfragen von Leistungen wird schwieriger, wenn es weniger um die reine Wissensvermittlung geht

6. Weiterführende Literatur zur schüleraktiven Unterrichtsgestaltung

Methoden schnell zur Hand: 66 schüler- und handlungsorientierte Methoden
  • 215 Seiten - 01.01.2009 (Veröffentlichungsdatum) - Kallmeyer (Herausgeber)
Unterricht durchführen: Handlungsorientierte Didaktik, Teil II (Beltz Pädagogik)
  • 381 Seiten - 22.07.2008 (Veröffentlichungsdatum) - Beltz (Herausgeber)
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