Geschwisterstreit: Tipps für Eltern zum Umgang mit streitenden Kindern

geschwisterstreit
  • Kinder streiten in erster Linie, um die Aufmerksamkeit der Eltern zu gewinnen. Streit ist in den meisten Fällen jedoch entwicklungsfördernd, da Kinder lernen, eigene Bedürfnisse durchzusetzen.
  • Nicht immer ist es notwendig, dass Eltern bei einem Streit unter Geschwistern eingreifen. Sie können jedoch helfend zur Seite stehen, um eine Lösung für den Konflikt zu finden.
  • Stellen Sie Familienregeln auf, die den Umgang miteinander festlegen. Stärken Sie außerdem das Selbstbewusstsein Ihrer Kinder, damit diese nicht ständig auf der Suche nach Aufmerksamkeit sind.

Geschwister zu haben kann wundervoll sein. Es ist immer jemand da, der einem zuhört und mit dem man spielen kann. Aber in jeder Familie kommt es hin und wieder zu Streitigkeiten unter den Geschwistern. Aber warum gibt es ständig Konflikte? Und wie können Eltern damit umgehen?

In unserem Ratgeber möchten wir Ihnen gerne erklären, warum Geschwister streiten und warum diese Konflikte sehr wichtig für die Entwicklung der Kinder sind. Außerdem bekommen Sie eine Anleitung, wie Sie mit der Situation umgehen können. Zuletzt geben wir Ihnen Tipps, wie Sie Geschwisterstreit so gut es geht vermeiden können.

1. Durch Streit lernt ein Kind, seine Bedürfnisse zu formulieren

Geschwisterstreit wird geschlichtet

Durch Streitigkeiten lernen Kinder, sich für ihr Verhalten zu entschuldigen.

Die meisten Eltern können ein Lied davon singen – Geschrei, Türen knallen, Kinder weinen. Geschwisterstreit kommt in jeder Familie vor und kann mitunter zu einem echten Dauerthema werden. Auch wenn die Erziehung noch so gut ist, lassen sich diese Konflikte nicht gänzlich vermeiden.

Und das ist auch gut so. Denn ein Geschwisterstreit ist für die persönliche Entwicklung von großer Bedeutung. Er fördert die soziale Interaktion und die Konfliktlösekompetenzen. Kinder lernen außerdem, sich selbst und ihre Bedürfnisse zu positionieren und sie entsprechend durchzusetzen. Andererseits sind sie auch öfter gezwungen, nachzugeben oder einen Kompromiss zu finden.

Zusätzlich lernen die Kinder, wie man sich aufrichtig entschuldigt und daraufhin wieder versöhnen kann. All dies sind wichtige Fähigkeiten, die im weiteren Leben sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich enorm wichtig sind.

So lange der Streit also nicht ausartet und sich die Geschwister schnell wieder vertragen, sollten Sie sich als Eltern keine Sorgen machen.

2. Geschwister streiten aus verschiedenen Gründen

Junge ist eifersüchtig auf Schwester

Eifersucht kommt unter Geschwistern sehr häufig vor.

Manchmal geht es um das heißgeliebte Spielzeug, in anderen Fällen darum, wer die letzten Gummibärchen essen darf – die Streitthemen der Kinder können sehr unterschiedlich sein.

Dass ein Streit überhaupt erst aufkommt, hat zumeist folgende Gründe:

  • Aufmerksamkeit und das Bedürfnis nach Liebe
  • Eifersucht
  • Rivalität
  • Langeweile

Die Bereiche Aufmerksamkeit und Liebe spielen in der Entstehung von Streitigkeiten eine sehr große Rolle. Wenn Kinder streiten und dabei laut werden, können sie sich durch ihr Verhalten sicher sein, dass ihre Eltern im Nu in der Tür stehen und dazu alles stehen und liegen lassen, um sich um sie zu kümmern.

Aber auch die Eifersucht unter Geschwistern kann der Auslöser für einen Streit sein. Dies kommt besonders häufig vor, wenn Kinder zuerst nur mit ihren Eltern unter einem Dach leben und nach ein paar Jahren noch eine kleine Schwester oder ein kleiner Bruder hinzukommt. Ein Baby fordert sehr viel Aufmerksamkeit, sodass sich die älteren Geschwister oft vernachlässigt und ungeliebt fühlen.

Eine gewisse Rivalität unter Geschwistern ist völlig normal. Je geringer der Altersunterschied ist, desto stärker ist sie ausgeprägt. Verstärkt wird diese außerdem, wenn Eltern dazu neigen, ihre Kinder allzu oft miteinander zu vergleichen. Dadurch können sie das Gefühl bekommen, dass sie weniger wert sind. Um dies zu vermeiden, sollten Sie unbedingt die Stärken des einzelnen Kindes anerkennen und loben.

Bei Kleinkindern ist auch häufig Langeweile daran schuld, dass ein Streit entsteht. Sie können sich noch nicht so gut mit sich selbst beschäftigen, sodass sie die soziale Interaktion suchen, die häufig im Streit endet. Sorgen Sie also dafür, dass Ihre Kinder möglichst viele Einzelaktivitäten haben.

3. Tipps, wie Eltern einen Streit ihrer Kinder schlichten können

Wie bereits erwähnt, ist Streit unvermeidbar und gehört zum Alltag in jeder Familie. Grundsätzlich sollten Sie sich als Eltern zunächst einmal aus den Streitigkeiten der Kinder heraushalten. Da es zumeist um Ihre Aufmerksamkeit geht, würden Sie Ihre Kinder lediglich bestärken, wenn Sie sich sofort einmischen.

3.1. Nicht die Rolle des Schiedsrichters einnehmen

Geschwisterstreit Schwestern Gewalt

Schreiten Sie bei einem Streit unbedingt ein, wenn dieser zu einer körperlichen Auseinandersetzung wird.

In einigen Situationen ist es jedoch vonnöten, dass Sie helfend eingreifen und die Streitigkeiten schlichten. Dies gilt vor allem dann, wenn der Konflikt in Gewalt ausartet. Aber auch wenn Sie merken, dass Ihre Kinder keinen Kompromiss finden, kann es hilfreich sein, einzuschreiten.

Allerdings sollten unter gar keinen Umständen die Rolle des Schiedsrichters einnehmen. Denn zumeist kommen Sie erst hinzu, wenn der Streit bereits in vollem Gange ist. Zu diesem Zeitpunkt können Sie nicht einschätzen, was dem Streit vorausging und wer die Verantwortung dafür trägt.

Beziehen Sie also keine Positionen, indem Sie sich auf die Seite des einen oder des anderen Kindes stellen.

3.2. Verständnis zeigen

Vielmehr sollten Sie in dieser Situation Verständnis für die jeweiligen Bedürfnisse zeigen. Machen Sie Ihren Kindern deutlich, dass es ganz normal ist, dass Menschen verschiedene Sichtweisen haben, die ernst genommen werden müssen.

Regen Sie die Kinder dazu an, den Streit aus ihrer persönlichen Sicht zu schildern. Warum ist der Streit entstanden? Wie fühle ich mich dabei? Was finde ich ungerecht? So geben Sie Ihren Kindern die Möglichkeit, über Ihr eigenes Verhalten und das des anderen nachzudenken.

3.3. Die Streithähne im Zweifelsfall voneinander trennen

In manchen Situationen sind die Wut und die Aggressivität so groß, dass aus der verbalen eine körperliche Auseinandersetzung wird. In diesem Fall macht es keinen Sinn, über das Problem zu sprechen.

Trennen Sie die Kinder zunächst voneinander, indem Sie sie in verschiedene Räume bitten. Dort können sie sich in Ruhe abreagieren und über ihr Verhalten nachdenken.

Tipp: Manchmal hilft es auch, beide Kinder gleichzeitig in den Arm zu nehmen und tröstende Worte zu sprechen.

3.4. Die Kinder anleiten, eine Lösung zu finden

Konflikte als Stressursache

In der TK-Stressstudie von 2016 geben 24% der Befragten an, dass sie sich durch Konflikte mit Nahestehenden gestresst fühlen. Indem wir diese lösen, können wir uns also einiges an Stress im Alltag ersparen.

Wenn die Kinder sich wieder beruhigt haben, sollten Sie sie dazu anregen, eine Lösung für den Konflikt zu finden. Dies ist bei Kindern ab etwa vier Jahren möglich. Fungieren Sie in diesem Moment am besten als Moderator, der das gesamte Gespräch leitet.

Jedes Kind darf nun Wünsche äußern, wie der Streit am besten beendet werden kann. Falls niemanden etwas einfallen sollte, können Sie verschiedene Lösungsansätze anbieten. Erklären Sie in diesem Zuge, dass es nicht immer möglich ist, das zu bekommen, was man sich wünscht. Vielmehr sollten Kompromisse gefunden werden, mit denen beide Parteien leben können.

Weitere Tipps zum Umgang mit einem Geschwisterstreit finden Sie in folgendem Video:

4. Klare Familienregeln können Streit und Konflikte vermindern

Familie formuliert Regeln

Setzen Sie sich als Familie zusammen, um gemeinsam Regeln für das Miteinander aufzustellen.

Natürlich kann nicht jeder Streit vermieden werden. Dies ist auch gar nicht notwendig. Als Eltern sollten Sie jedoch stets ein Vorbild für Ihre Kinder sein. Das bedeutet, dass Sie Ihren Kindern vorleben, wie Sie selbst mit Konflikten umgehen.

Damit der Konflikt nicht ausartet, bietet es sich an, Familienregeln aufzustellen, die in allen Situationen gelten.

Diese könnten beispielsweise so aussehen:

  • 1. Wir sind immer füreinander da.
  • 2. Wir respektieren uns gegenseitig.
  • 3. Jeder hat das gleiche Recht.
  • 4. Wir hören anderen zu und lassen sie ausreden.
  • 5. Wir lösen Konflikte gewaltfrei.

Diese Regeln sind natürlich nicht allgemeingültig. Die Zusammenstellung kann jedoch als Anregung dienen, wie Sie das tägliche Miteinander harmonisch gestalten können. Jede Familie sollte individuell schauen, welche Normen und Werte ihnen besonders wichtig sind.

Das gemeinsame Aufstellen von Familienregeln schweißt die Familienmitglieder zusammen. Jeder kann sich miteinbringen und seine Bedürfnisse deutlich machen.

Um Rivalitäten und Eifersucht zu verringern, sollten Sie darauf achten, dass Ihre Kinder ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln und sich somit nicht benachteiligt fühlen. Sprechen Sie daher regelmäßig die individuellen Stärken des einzelnen Kindes an. Loben Sie sie und geben Sie ihnen das Gefühl, wertvoll und unersetzlich zu sein.

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