Gelbsucht: ansteckend oder nicht? So entsteht sie beim Baby

Babygelbsucht Licht
  • Die Baby-Gelbsucht ist nicht ansteckend und entwicklungsbedingt. Sie entsteht durch den Abbau von roten Blutkörperchen und das Abfallprodukt Bilirubin.
  • Hepatitis-Viren können eine Gelbsucht beim Kind auslösen. Gegen Hepatitis B gibt es eine Impfung.
  • Die für die Gelbsucht typische Gelbfärbung von Augen und Haut kann über 8 Wochen dauern. Die Dauer hängt von den Bilirubin-Werten ab.

Die Annahme, dass Gelbsucht ansteckend sein könnte, ist falsch. Baby-Gelbsucht ist weit verbreitet und meist weder besorgniserregend noch gefährlich. Worauf Sie achten müssen, wenn Ihr Baby eine Gelbsucht hat und was die Baby-Gelbsucht von der viralen Gelbsucht beim Kind unterscheidet, erklären wir Ihnen in diesem Ratgeber. Auch auf die Frage „was tun bei Gelbsucht?“ und „wie lange bleiben die gelben Augen?“, liefern wir Ihnen praxisnahe Informationen und Tipps für Ihren Alltag als Eltern.

1. Baby-Gelbsucht ist nicht ansteckend

Tipp: Sie erkennen die Gelbsucht bei Ihrem Baby in den ersten Tagen nach der Geburt an den Augen. Augäpfel und Haut verfärben sich leicht gelblich. Davon sind circa 80 Prozent der zu früh geborenen Kinder betroffen und 60 Prozent der Babys, die gesund und „pünktlich“ zur Welt gekommen sind. Bei der Gelbsucht, die Ihr Baby nach der Geburt hat, ist die Rede von einer Neugeborenengelbsucht, einer sogenannten „Neugeborenenikterus“.

Gelbsucht Grenzwert

Erhöhte Bilirubinwerte beim Neugeborenen sind ganz normal. Unter 14 mg/dl, dürfen Sie mit Ihrem Baby die Geburtsstation verlassen.

Im Vergleich zu einer viralen Gelbsucht (Hepatitis) ist die Baby-Gelbsucht meist harmlos. Gelbsucht entsteht bei Ihrem Baby deswegen: Babys haben von Geburt an eine hohe Anzahl roter Blutkörperchen. Beim Zerfall der überflüssigen Blutkörperchen wird das Abfallprodukt Bilirubin freigesetzt. Da dieser Gallenfarbstoff von der Leber nicht schnell genug verarbeitet werden kann, setzt er sich in den Augäpfeln und der Haut ab. Die Folge: Augäpfel und Haut verfärben sich gelblich. Meistens ist der Spuk nach zehn bis 14 Tagen vorbei und die Verfärbung bildet sich zurück. Heutzutage werden Sie mit Ihrem Baby auch bei einer leichten Gelbsucht aus dem Krankenhaus entlassen. Darüber müssen Sie sich keine Sorgen machen, denn die Baby-Gelbsucht bildet sich in der Regel selbst wieder zurück.

Achtung: Wird die Gelbfärbung intensiver oder bleibt länger als 14 Tage in den Augen oder auf der Haut Ihres Babys sichtbar, sollten Sie unbedingt einen Arzt zu Rate ziehen. Am Wochenende kann Ihnen die Notfallambulanz weiterhelfen. Ist Ihr Baby mit Gelbsucht apathisch, muss erbrechen, krampft oder zeigt andere Auffälligkeiten, muss in jedem Fall sofort ärztlicher Rat eingeholt werden.

2. Die Ursachen: Darum ist der Bilirubin-Wert erhöht

Dass der Bilirubin-Wert beim Baby erhöht ist, ist entwicklungsbedingt und ganz normal. Im Bauch der Mutter hat das Baby mehr rote Blutkörperchen, als es nach der Geburt braucht. Doch auch folgende Ursachen können eine nicht-ansteckende Gelbsucht beim Baby ebenfalls bedingen:

  • Eine Unverträglichkeit der Blutgruppen von Baby und Mutter kann einen erhöhten Abbau von roten Blutkörperchen bedingen. Auch kann die Muttermilch verhindern, dass Bilirubin abgebaut wird.
  • Eine angeborene Blutarmut oder eine Stoffwechselerkrankung können Auslöser einer Gelbsucht beim Baby sein.
  • Frühchen und Kinder, die Medikamente zu sich nehmen, haben ein erhöhtes Risiko, an einer Gelbsucht zu erkranken.

3. Die Symptome: Die Gelbfärbung von Augen und Haut verrät die Gelbsucht

Eine Gelbfärbung der Augen Ihres Babys sowie ein gelblicher Schimmer auf der Haut Ihres Babys, zeigen an: Ihr Baby hat vermutlich eine Neugeborenengelbsucht. Hat Ihr Baby zudem wenig Appetit, ist schläfrig und nur wenig aktiv, dann deuten alle Symptome auf eine leichte Form der Gelbsucht hin. Die Symptome reichen von Apathie bis Teilnahmslosigkeit und verminderten Reflexen wie zum Beispiel beim Greif-, Schluck- oder Saugreflex. Ein durchgestreckter Rücken, erhöhte Muskelspannung, Krampfanfälle und Atemnot hingegen weisen auf eine schwere Form der Gelbsucht hin. Schrilles Schreien, Trinkunlust sowie das sogenannte „Sonnenuntergansphänomen“ sind weitere Symptome. Bei Letzterem verschwindet die Hornhaut des Auges unter dem Unterlid.

4. Die Behandlung: Ab einem Bilirubin-Wert von 15 Milliliter pro Deziliter wird Ihr Baby behandelt

Die Faustregel heißt: Bis zu einem Bilirubin-Grenzwert von 14 Millilitern pro Deziliter (mg/dl) ist keine Behandlung der Gelbsucht nötig.

Bilirubin-Wert Behandlung nötig?
bis 14 mg/dl keine Behandlung nötig
zwischen 15 und 20 Behandlung: Lichttherapie
über 20 schwere Form der Gelbsucht, ggf. Behandlung durch Blutaustausch erforderlich

Um Spätfolgen abzuwenden, bekommt Ihr Baby mit dem Wert 15, dem Wert 16, dem Wert 17, dem Wert 18 und dem Wert 19 eine Lichttherapie. Ihr Baby kommt dafür nackt in einen warmen Brutkasten. Dort trifft blaues Licht aus einer speziellen Lampe auf Ihr Baby und hilft dabei, Bilirubin schneller abzubauen und auszuscheiden. Wichtig ist bei der Lichttherapie zweierlei: Ihr Baby trägt eine Augenbinde zum Schutz der Augen und muss viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Was Sie tun können? Häufiges Stillen unterstützt die Behandlung nachhaltig.

Tipp: Hat Ihr Baby eine Gelbsucht, die unterhalb dem gefährlichen Grenzwert liegt, hilft es, viel Zeit draußen und im Tageslicht zu verbringen – allerdings natürlich nicht in der prallen Mittagshitze und unter direkter Sonneneinstrahlung!

Die Lichttherapie ist die einfachste Form der Behandlung einer Gelbsucht. Ansteckend ist die Krankheit für Sie übrigens nicht. Wenn jedoch eine schwerere Form der Baby-Gelbsucht vorliegt (die mitunter auch durch eine Unverträglichkeit bedingt ist), kann ein Blutaustausch nötig werden.

4.1. Unbehandelt und unerkannt drohen Taubheit, Krämpfe und andere Spätfolgen

Als „Kernikterus“ wird die schwere Form der Gelbsucht bezeichnet, die ohne Lichttherapie oder Maßnahmen wie etwa einem Blutaustausch zu diesen irreversiblen, schwerwiegenden Folgen führen kann:

  • Taubheit
  • Veränderungen an Knochen und Gelenken
  • Krampfanfälle
  • geminderte Intelligenz
  • Bewegungsstörungen

5. Die Gelbsucht bei Kindern und Erwachsenen ist eine Erkrankung des Blutes, der Leber und der Galle

Während die Gelbsucht bei Ihrem Baby ein vergleichsweise normaler Entwicklungsprozess ist, lässt die Gelbsucht bei Kindern und Erwachsenen auf eine Erkrankung des Blutes, der Leber oder Galle schließen. In den allermeisten Fällen greifen die Viren die Leber an. Ähnlich wie bei der Baby-Gelbsucht ist auch bei Kindern und Erwachsenen an sich nicht keine Gelbsucht ansteckend, allerdings können Hepatitis-Viren übertragen werden – und so zur Erkrankung führen.

5.1. Hepatitis-A-Viren werden per Kontakt- und Schmierinfektion übertragen

Sechsfachimpfung

Die Impfung gegen Hepatitis B ist Teil einer Sechsfachimpfung.

Meist infizieren sich Betroffene über verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel mit dem Hepatitis-A-Virus. Auch der Hepatitis-E-Virus wird fäkal-oral übertragen. Träger des Virus können diesen weiterverbreiten, ohne krank zu sein. Die ersten Beschwerden treten oft erst 15 Tage nach der Infektion auf, wenn nicht gar noch später. Ist Hepatitis A erst einmal überstanden, ist der Erkrankte ein Leben lang immun gegen das Virus. Andere Formen der Hepatitis-Viruserkrankung – Hepatitis C, B und D – werden in der Regel über Körperflüssigkeiten übertragen.

5.2. Die Viruserkrankung bei Kindern und Erwachsenen wird symptomatisch behandelt

Kinder-Gelbsucht vorbeugen

Die erste Impfung gegen Hepatitis B erfolgt nach der neunten Lebenswoche, die zweite Impfung nach dem dritten Monat, die dritte nach dem vierten Monat und die letzte bekommt Ihr Kind zwischen dem 11. und dem 14. Lebensmonat.

Gegen Hepatitis A kann nur symptomatisch vorgegangen werden. Gegen Fieber oder Übelkeit gibt es Medikamente. Tatsache ist, dass Betroffene mit viraler Gelbsucht ansteckend sind. Sie sollten nur leichte Kost zu sich nehmen und sich körperlich schonen. Sie können die Leber durch fettarme und kohlenhydratreiche Speisen entlasten.

Um das Risiko einer Infektion für Dritte zu minimieren, muss verstärkt auf Hygiene geachtet werden, ein separates WC ist von Vorteil. Im Allgemeinen heilt die Hepatitis A gut aus, ohne Gefahr zu einer chronischen Hepatitis zu werden. Allerdings können bis zur vollständigen Genesung bis zu drei Monate vergehen.

Hepatitis A ist meldepflichtig. Ihr Arzt informiert das zuständige Gesundheitsamt. Auch alle Verdachtsfälle einer möglichen Infektion sind namentlich dem Gesundheitsamt zu übermitteln. Dieses leitet die Daten weiter. Das Robert Koch Institut wertet sie statistisch aus.

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