Frontalunterricht: Vor- und Nachteile der lehrerzentrierten Unterrichtsmethode

frontalunterricht im fach mathematik
Wie ist Frontalunterricht definiert?

Im Mittelpunkt des Frontalunterrichts steht die Lehrkraft, die den Unterricht steuert. Es existieren jedoch unterschiedliche Möglichkeiten, den lehrerzentrierten Unterricht zu gestalten.

Gibt es Vorteile des Konzepts des Frontalunterrichts gegenüber alternativen Lehrmethoden?

Es existieren durchaus einige Vorteile, jedoch bringt diese Art des Unterrichts auch Nachteile mit sich. Die wichtigsten Punkte haben wir für Sie an dieser Stelle zusammengefasst.

Muss ich mich für oder gegen den Frontalunterricht entscheiden?

Als Lehrer oder Lehrerin haben Sie stets die Wahl, die Vorzüge verschiedener Lehrmethoden zu nutzen. In einigen Fächern ist es deutlich leichter, den Unterricht frontal zu gestalten.
Zudem entscheidet die Persönlichkeit maßgeblich darüber, ob Frontalunterricht erfolgreich sein kann oder ob eine andere Methode mehr Sinn ergibt.

Der Frontalunterricht ist den meisten Erwachsenen auch aus ihrer Kindheit bekannt. Gruppenarbeit und alternative Unterrichtsformen, die sich durch Projekte oder individuelle Lernmöglichkeiten auszeichnen, kamen in der Vergangenheit nur selten zum Einsatz.

Aber ist Frontalunterricht tatsächlich so schlecht, wie er teilweise dargestellt wird?
In unserem Artikel beschäftigen wir uns mit der klassischen Unterrichtsvariante und zeigen, in welchen Fällen es durchaus sinnvoll sein kann, in dieser Form zu unterrichten.

1. Frontalunterricht – der Lehrer dominiert das Geschehen

ein lehrer macht frontalunterricht in der schule

Bei Frontalunterricht steht der Lehrer stets im Mittelpunkt.

Entsprechend der Definition handelt es sich beim Frontalunterricht um eine Unterrichtsform, in welcher der Lehrer direkt vor dem Klasse steht und vorgibt, was gelernt werden soll und wie dies abzulaufen hat.

Lehrerzentrierter Unterricht ist allerdings in den letzten Jahren zunehmend in Verruf geraten, da es unzählige weitere Unterrichtsmethoden gibt, die den althergebrachten Frontalunterricht ersetzen.

Sinnvoll ist dies jedoch keineswegs uneingeschränkt. Beim Frontalunterricht sitzen die Schüler und Schülerinnen vor dem Lehrer, während dieser einen Vortrag hält.
Dabei kann es durchaus vorkommen, dass der Lehrer bzw. die Lehrerin einzelne Schüler am Unterricht beteiligt.
Die Gesprächsführung verbleibt jedoch stets bei der Lehrkraft.

Schülergespräche sind also durchaus ein Teil des Frontalunterrichts und keiner anderen Kategorie zuzuordnen.
Der reine Vortragscharakter kann dabei durch die Schülerbeteiligung oder aber auch durch das Einbinden von Tafelbildern aufgelockert werden.

Im Kern bekommen jedoch alle Schüler die gleichen Unterrichtsinhalte vermittelt und werden nicht entsprechend ihrer individuellen Stärken oder Schwächen gefördert.

Tipp: Reiner Frontalunterricht ohne jegliche Unterbrechung kann für Schüler schnell ermüdend wirken, sodass die Konzentration langsam aber sicher immer weiter leidet.

2. Formen des Frontalunterrichts – lehrerzentrierter Unterricht läuft nicht immer gleich ab

ein lehrer unterrichtet mathematik vor der klasse

Einige Fächer eignen sich deutlich besser, um frontal zu unterrichten.

Frontalunterricht ist nicht gleich Frontalunterricht. Neben der hauptsächlich aus früheren Zeiten bekannten Variante, in denen der Lehrer einen Wortanteil von nahezu 100 % hat, kommen zahlreiche andere Unterrichtsmethoden zum Einsatz, die die Beteiligung von Schülern ermöglichen, ohne grundsätzlich von der Variante des Frontalunterrichts abweichen zu müssen.
Dies sind beispielsweise

  • das Lehrgespräch: In diesem gibt die jeweilige Lehrkraft den Schülern lediglich Denkanstöße, sodass die Schüler sich die Lösung eines Problems mehr oder weniger selbst erarbeiten müssen.
    Das Prozedere fördert die Selbstständigkeit, nimmt dem Lehrer jedoch nicht die Möglichkeit, jederzeit ins Geschehen eingreifen zu können und bestimmte Hinweise vorzugeben.
  • der fragend-entwickelnde Unterricht: Im Gegensatz zum Lehrgespräch gibt der Lehrer jeweils nur einem Schüler kurzfristig das Wort, um eine Frage zu beantworten. Das Gesamtgeschehen bestimmt rein der Lehrer.
  • das sokratische Gespräch: Mit Hilfe von Fragen sollen Kinder bei dieser Form des Frontalunterrichts lernen, selbst zu einer Lösung zu gelangen. Die Lösung gibt der Lehrer jedoch letztlich vor. Im Prinzip ergibt sich diese allerdings bereits aus den vorher beantworteten Zwischenfragen.

Frontalunterricht muss jedoch nicht in Reinform stattfinden, sondern kann durch Projektunterricht, Partnerarbeit oder weitere neue Unterrichtsmethoden ergänzt werden.
Auf diese Weise lassen sich die Vorteile unterschiedlicher Konzepte miteinander verbinden.

Tipp: Besonders gut eignet sich Frontalunterricht für den sog. Anfangsunterricht. Auf diese Weise lässt sich ein Thema einführen, ohne dass bereits an dieser Stelle zu viel Zeit verloren geht.

3. Vor- sowie Nachteile des Frontalunterrichts im Überblick

Frontalunterricht wird in der modernen Pädagogik eher negativ gesehen. Dennoch ist die Kritik, die teils berechtigt ist, längst nicht an jeder Stelle und in jedem Fach angebracht.

In der folgenden Gegenüberstellung finden Sie die wichtigsten Vor- und Nachteile des Frontalunterrichts:

  • auf diese Weise lassen sich sehr viele Informationen in vergleichsweise kurzer Zeit vermitteln
  • Meinungen lassen sich sehr gut vermitteln (die Sicht des Lehrers entscheidet jedoch)
  • manche Lehrer und Lehrerinnen sind gut in der Lage, den Unterricht selbst durch Wortwitze oder deutliche Stimmungsunterschiede interessant zu gestalten
  • der Frontalunterricht erfordert keine umfangreiche Vorbereitung, sondern kommt in aller Regel ohne viele Hilfsmittel aus
  • die Kontrolle über die zu erreichenden Ziele lässt sich leichter gewährleisten
  • für den Lehrer ist es leichter, die Kontrolle über alle Schüler zu behalten
  • die Aufnahmefähigkeit und Motivation der Schüler leidet, sobald der Redeanteil des Lehrers zu hoch ist bzw. der Unterricht monoton wird
  • Schüler haben weniger Gelegenheit, sich selbst eine eigene Meinung zu bilden
  • Kinder sind durch eine zu dichte Informationsflut teils überfordert
  • theoretische Inhalte werden vermittelt, die Praxis wird jedoch vernachlässigt
  • einige Lehrer haben einer sehr monotone Stimme, sodass Frontalunterricht eine denkbar schlechte Idee ist
  • Sozialformen spielen kaum eine Rolle (die Kommunikation der Schüler untereinander ist stark eingeschränkt)

Einige Informationen zu den Vor- und Nachteilen finden Sie auch noch einmal in diesem YouTube-Video:

4. Alternative Unterrichtsformen

Selbstverständlich muss kein Lehrer auf Frontalunterricht zurückgreifen. Offener Unterricht oder Projektarbeiten, bei denen individuelles Lernen im Vordergrund steht, sind in vielen Schulen keine Seltenheit.

Bei aller Vielfalt an unterschiedlichen Möglichkeiten, den Unterricht zu gestalten, darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Schüler in einer Arbeit gewisse Grundkompetenzen beherrschen sollten.

So eignen sich Projekte sowie Gruppenarbeiten zwar durchaus für einige Fächer und um bestimmte Sachverhalte zu demonstrieren. Insbesondere im Bereich der Fremdsprachen oder auch im mathematischen Bereich wird es schwer, komplett ohne Frontalunterricht auszukommen.

Dennoch verzichten einige Schulen, wie beispielsweise die Demokratische Schule oder auch die Waldorfschule, komplett auf Frontalunterricht.
In aller Regel erweist sich diese drastische Herangehensweise jedoch als wenig durchdacht und schlichtweg als Abgrenzung gegenüber dem Unterricht an Regelschulen.

Laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung sollte Frontalunterricht der Vergangenheit angehören, da es nicht möglich sei, allen Schülern einer Klasse durch diese Form des Unterrichts gerecht zu werden.
Fraglich ist allerdings, inwieweit die alternativen Modelle den unterschiedlichen Möglichkeiten des Frontalunterrichts tatsächlich überlegen sind.

5. Ratgeber zum sinnvollen Integrieren des Frontalunterrichts

Frontalunterricht - neu entdeckt: Integration in offene Unterrichtsformen
  • Herbert Gudjons
  • Herausgeber: UTB GmbH
  • Auflage Nr. 3 (14.09.2011)
  • Taschenbuch: 280 Seiten
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (33 Bewertungen, Durchschnitt: 4,50 von 5)
Loading...

Wir freuen uns auf Ihren Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Verwandte Beiträge