Fieberkrampf beim Kind: Symptome, Maßnahmen und Behandlung

kind mit fieberkrampf im krankenhaus
  • Ein Fieberkrampf kann bei einer schnell ansteigenden Körpertemperatur auftreten. Während einfache Fieberkrämpfe harmlos sind und nur wenige Minuten andauern, müssen bei komplizierten Fieberkrämpfen krampflösende Medikamente eingesetzt werden.
  • Fieberkrämpfe treten auf, wenn die Körpertemperatur eines Kindes bei einer Infektion sehr rasch ansteigt. Genetische Faktoren können die Anfälligkeit für Fieberkrämpfe erhöhen.
  • Ein Fieberkrampf tritt beim Kind nur selten im Schlaf auf und dauert in der Regel nur etwa zwei bis drei Minuten. Dennoch sollten Sie den Rettungsdienst rufen. Im Krankenhaus werden daraufhin schwere Erkrankungen ausgeschlossen.

Fieberkrämpfe sind für die meisten Eltern ein furchtbarer Anblick. Der gesamte Körper zuckt, die Augen drehen sich nach oben und manche Kinder verlieren sogar das Bewusstsein. Viele Mütter und Väter befürchten, dass der Anfall tödlich enden kann. Aber auch wenn ein Fieberkrampf bei einem Baby oder Kleinkind fürchterlich aussieht, ist er in der Regel völlig harmlos.

Um Ihnen die Angst vor einem Fieberkrampf  beim Kind zu nehmen, möchten wir Ihnen gerne erklären, worum es sich bei einem solchen Anfall handelt und welche Ursache dahintersteckt. Zudem zeigen wir Ihnen, wie Sie in einem solchen Fall reagieren sollten.


1. Ein Fieberkrampf sieht aus wie ein epileptischer Krampfanfall

Baby schneidet Grimassen

Auch Grimassen können eine Begleiterscheinung des Fieberkrampfs sein.

Das Kind zuckt, die Augen drehen sich nach oben, die Haut verfärbt sich blau – die meisten Eltern bekommen einen großen Schreck, wenn ihr Kind einen Fieberkrampf erleidet. Auch wenn diese Symptome sehr bedrohlich wirken, ist ein Fieberkrampf beim Kind in den meisten Fällen harmlos und bleibt ohne gesundheitliche Folgen.

Fieberkrämpfe sind die häufigste Form von epileptischen Krampfanfällen. Häufig tritt ein Fieberkrampf in Verbindung mit einer Erkrankung und bei einer Körpertemperatur von über 38°C auf. Von Fieberkrämpfen sind nur Kleinkinder betroffen, da das kindliche Gehirn noch sehr anfällig für Krampfanfälle ist. Das Gehirn reagiert auf den Temperaturanstieg mit einem Anfall, obwohl keine entsprechende Erkrankung vorliegt.

Laut Angaben des Informationszentrums Epilepsie der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie e.V. erleiden etwa 3% aller Kinder unter sieben Jahren einen Fieberkrampf. Besonders häufig treten sie im Alter von ein bis drei Jahren auf.

Grundsätzlich unterscheiden Ärzte zwischen:

  • einfachen Fieberkrämpfen und
  • komplizierten Fieberkrämpfen
Machen Fieberkrämpfe schlau?

Die Psychologin Meike Pälmke hat für ihre Doktorarbeit die Entwicklung der intellektuellen und schulische Leistungen von Kindern untersucht, die im Kleinkindalter unter Fieberkrämpfen litten. Dabei kam heraus, dass Fieberkrampf-Kinder statistisch gesehen wesentlich häufiger das Gymnasium besuchen als Kinder ohne Fieberkrampf-Vorgeschichte.

Ein einfacher Fieberkrampf dauert in der Regel nur wenige Minuten. Um als unkompliziert zu gelten, darf er außerdem in den nächsten 24 Stunden nicht noch einmal auftreten.

Als kompliziert gelten Fieberkrämpfe dann, wenn sie länger als 15 Minuten andauern und als fokaler Anfall verlaufen. In der Regel wiederholt sich ein Anfall innerhalb von 24 Stunden. Auch wenn ein Fieberkrampf bei Kindern in einem Alter unter sechs Monaten oder über fünf Jahren auftritt, wird dieser automatisch als kompliziert eingestuft.

An diesen Symptomen können Sie einen Fieberkrampf am Kind erkennen:

  • Verlust des Bewusstseins
  • Verdrehung der Augen/starrer Blick
  • Verlangsamung der Atmung
  • Haut verfärbt sich blau
  • Verkrampfung der Muskulatur (Arme und Beine zucken)

Die Symptome verschwinden nach ein paar Minuten von selbst. Es kommt jedoch sehr häufig vor, dass das Kind nach einem Anfall sehr schlaff und verschlafen ist. Dies vergeht jedoch nach einiger Zeit.

70% der Fieberkrämpfe verlaufen einfach und sind völlig harmlos.

Was ein Fieberkrampf bei einem Kind ist und wie er abläuft, sehen Sie auch in diesem Video:

2. Fieberkrämpfe entstehen aufgrund einer genetischen Veranlagung

DNA

Wissenschaftler nehmen an, dass das Risiko, einen Fieberkrampf zu erleiden, genetisch bedingt ist.

Wie bereits erwähnt treten Fieberkrämpfe nur bei Kindern und nicht bei Erwachsenen auf. In den meisten Fällen leidet das Kind an einem bakteriellen oder viralen Infekt, wenn Fieberkrämpfe auftreten. Aber auch nach einer Impfung kann es zu diesem krampfartigen Anfall kommen.

Dass es zum Krampf kommt, liegt nicht am Fieber selbst, sondern an dem raschen Anstieg der Körpertemperatur. In einigen Entwicklungsphase können die Nervenzellen im kindlichen Gehirn empfindlich reagieren. Es kommt zu ungeplanten und spontanen Entladungen, sodass die Krampfschwelle schnell überschritten werden kann.

In einigen Familien treten die Fieberkrämpfe gehäuft auf. Daraus lässt sich schließen, dass das Auftreten zu einem Teil erblich bedingt ist. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass es in der Regel keine bleibenden Schäden gibt.

Merke: Die meisten Kinder bekommen nur einmal im Leben einen Fieberkrampf. Besteht eine erbliche Vorbelastung, kann es jedoch zu einem Rückfall kommen.

3. Bei einem Fieberkrampf schnell handeln

Mutter hält ihr Baby während eines Fieberkrampfs

Nehmen Sie Ihr Kind während eines Fieberkrampfs auf den Arm.

Das Wichtigste vorweg: Bewahren Sie bei einem Fieberkrampf unbedingt die Ruhe. Atmen Sie tief durch und denken Sie daran, dass ein solcher Krampfanfall nicht gefährlich ist und keine negativen Folgen mit sich bringt.

Kommt es bei Babys oder Kleinkindern zu einem Fieberkrampf, sollten Sie auf die Uhr schauen, um festzustellen, wie lange der Anfall anhält.
Beachten Sie außerdem folgendes:

  • Geben Sie Ihrem Baby während des Fieberkrampfs nichts zu essen oder zu trinken.
  • Lockern Sie die Kleidung Ihres Kindes, um die Atmung zu erleichtern.
  • Schütteln Sie Ihr Kind nicht.
  • Achten Sie darauf, dass sich Ihr Kind während der Zuckungen nicht verletzt. Halten Sie es am besten am Arm oder legen Sie es auf den Boden.
  • Lagern Sie Ihr Kind nach dem Anfall seitlich, damit keine Erstickungsgefahr besteht.
  • Versuchen Sie das Fieber zu senken, indem Sie Wadenwickel anlegen oder entsprechende Medikamente verabreichen.

Handelt es sich um den ersten Fieberkrampf, sollten Sie zudem unbedingt den Rettungsdienst unter der Nummer 112 rufen. Um weitere Untersuchungen vornehmen zu können, wird das Kind in den meisten Fällen ins Krankenhaus gebracht.

Hatte Ihr Kind bereits einen oder mehrere Anfälle, macht es Sinn, sich eine Rektiole anzuschaffen, mit der die entsprechenden Medikamente zur Unterbrechung des Anfalls verabreicht werden können. Eine weitere Behandlung ist in den meisten Fällen nicht notwendig.

Die meisten Fieberkrämpfe treten nicht im Schlaf, sondern am Nachmittag oder Abend auf. Dennoch können Sie Ihr Kind bei bestehendem Fieber zur Sicherheit nachts in Ihrem Schlafzimmer schlafen lassen.

4. Andere Ursachen durch Untersuchungen ausschließen lassen

kleines Mädchen mit EEG-Elektroden am Kopf

Um weitere Erkrankungen auszuschließen, sind in einigen Fällen EEG-Untersuchungen notwendig.

Viele Eltern befürchten, dass ein Fieberkrampf bei einem Kind ein Hinweis auf eine bestehende Epilepsie ist. Dies ist nicht der Fall. Fieberkrämpfe und Epilepsie sind etwas grundsätzlich Verschiedenes. Nur drei bis fünf Prozent der Kinder, die mit wiederholten Fieberkrämpfen zu kämpfen haben, bekommen im Laufe ihres Lebens Epilepsie.

Um die entsprechenden Leitlinien einzuhalten, werden verschiedene Untersuchungen vorgenommen, um die Ursache des Anfalls ausfinden zu machen. Zunächst werden die Eltern befragt, wie der Fieberkrampf abgelaufen ist und wie lange er gedauert hat.

Bei einfachen Fieberkrämpfen sind in der Regel keinen weiteren Tests nötig. Bei komplizierten Fieberkrämpfen sind eventuell Blutabnahmen, Liquoranalysen oder EEG-Untersuchungen notwendig. Handelt es sich um einen komplizierten Fieberkrampf, müssen die Kinder zumeist über Nacht im Krankenhaus bleiben.

Leider ist es nicht möglich, einem Fieberkrampf vorzubeugen. Allerdings sollten Sie in den Stunden danach regelmäßig Fieber messen, um einen plötzlichen Temperaturanstieg mittels Wadenwickel oder Medikamenten aufzuhalten.

5. Empfehlung der Redaktion: Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Kindern beherrschen

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