Erlebnispädagogik: Was hinter dem Konzept der sogenannten Abenteuerpädagogik steckt

Erlebnispädagogik-Ratgeber
  • Als Begründer der Erlebnispädagogik gilt der deutsche Pädagoge Kurt Hahn. Ziel der Pädagogik ist es, die eigene Persönlichkeit durch Abenteuer in freier Natur zu entwickeln.
  • Die Angebote sind vor allem im außerschulischen Bereich sehr vielfältig. Sie können in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Arbeit mit Behinderten oder als Teamtraining für Betriebe Anwendung finden.
  • Die Erlebnispädagogik ist mit vielen Vorteilen verbunden. So werden soziale Kompetenzen gefördert und das Selbstwertgefühl gestärkt.

Viele Kinder und Jugendliche verbringen heutzutage den Großteil des Tages vor dem Fernseher oder der Spielkonsole. Um eigene Erfahrungen machen zu können, ist jedoch der Kontakt mit der Natur wie beispielsweise dem Wald enorm wichtig. Das Ziel der Erlebnispädagogik ist es, durch Natursportarten und Vertrauensspiele Erfahrungen in der Gruppe zu sammeln und damit Lernprozesse zu fördern.

In unserem Ratgeber bekommen Sie einen umfassenden Einblick in das Konzept der Erlebnispädagogik. Wir erklären Ihnen, worum es bei diesem Konzept geht und wer der wichtigste Vertreter ist. Außerdem geben wir Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Angebote. Zuletzt stellen wir die Vor- und Nachteile der Abenteuer- und Erlebnispädagogik heraus.

1. Erlebnispädagogik bedeutet Persönlichkeit entwickeln

Outdoor

In der Natur lernen Teilnehmer die eigenen Grenzen kennen.

Die Erlebnispädagogik ist ein Fachgebiet der Pädagogik. Eine klare Definition zu finden, ist sehr schwer. Im Vordergrund steht die Entwicklung der Persönlichkeit in der und durch die Natur. Durch die Erlebnisse lernen sich die Teilnehmer selbst besser kennen und können gleichzeitig ihre sozialen Kompetenzen fördern. Zudem ist es das Ziel, ein Gespür dafür zu entwickeln, wo die eigenen Grenzen liegen.

Die Erlebnispädagogik hat sich im Kontext der Schule entwickelt. Einer der wichtigsten Vertreter war Jean-Jacques Rousseaus, der in seinem Buch “Emile oder über die Erziehung” wichtige Grundlagen dieser Pädagogik geschaffen hat. Kurt Hahn, ein deutscher Erlebnispädagoge, gilt jedoch als Urvater der Abenteuer- und Erlebnispädagogik.

Kurt Hahn beklagte seinerzeit den Mangel an:

  • menschlicher Anteilnahme
  • Sorgsamkeit
  • der körperlichen Taugsamkeit
  • Initiative und Spontaneität

So gründete er 1941 eine Kurzschule, in der das Konzept der Erlebnistherapie umgesetzt wurde. Jugendliche sollten in der Natur die Mangelerscheinungen, die in der Gesellschaft vorherrschten, überwinden. Dazu kamen die vier folgenden Elemente zum Einsatz:

  • Körperliches Training
  • Expeditionen
  • Projekte
  • Dienst am Nächsten

Im Laufe der Zeit wurde dieses Konzept um ein fünftes Element erweitert: die Selbstzucht. Damit war der Verzicht auf Alkohol und Nikotin gemeint.

Die Erlebnispädagogik stellt das natürliche Bedürfnis des Kindes nach Bewegung, Spiel und Spannung in den Vordergrund. Daher hielt die Erlebnispädagogik zunächst auch hauptsächlich Einzug in der Schule. Heute haben sich die Angebote vor allem auf den außerschulischen Bereich ausgeweitet.

Ziele der Erlebnispädagogik sind:

  • Lernprozesse durch besondere Erlebnisse und Abenteuer in Gang setzen
  • Fähigkeiten erkennen und Selbstvertrauen entwickeln
  • Leben in der Natur erleben
  • Persönlichkeit und Eigeninitiative entwickeln
  • eigene Grenzen kennenlernen
  • Teamgeist entwickeln

2. Abenteuer im Hochseilgarten erleben

Praxis

Beim Klettern müssen sich die Teilnehmer aufeinander verlassen können.

Heutzutage gibt es viele verschiedene Programme und Freizeitaktivitäten, die Erlebnisse im Rahmen der Abenteuer- und Erlebnispädagogik anbieten. Das Training und die Spiele sind sowohl für Erwachsene als auch für Kinder auf Klassenfahrten geeignet. Diese Ausflüge können natürlich auch mit behinderten Menschen stattfinden.

Bei einem Ausflug in den Wald ist es wichtig, dass die Abenteuer und Spiele im Team stattfinden. So können die Teilnehmer Kooperationsfähigkeit und Teamgeist entwickeln. In schwierigen Situationen muss das Team an seine Grenzen gehen und eine kreative Lösung finden. Dabei müssen die Teammitglieder Rücksicht auf das schwächste Glied der Gruppe nehmen.

Der Hochseilgarten ist eine gute Möglichkeit, um den Teilnehmern Herausforderungen zu stellen, die eventuell auf den ersten Blick unüberwindbar erscheinen. Bei vielfältigen Hindernissen müssen sich die Teammitglieder aufeinander verlassen können und gleichzeitig Verantwortung übernehmen.

In der Erlebnispädagogik lautet der Grundsatz “Erziehung ohne Erzieher”. Das bedeutet, dass dieser lediglich für die Gestaltung, Beobachtung und Reflexion zuständig ist.

Ein wichtiger Teil der Erlebnispädagogik ist außerdem die Reflexion. Dazu sollen sich die Teammitglieder über die Aufgaben und Erfahrungen austauschen. Erlebte Konflikte und Handlungsmuster können dabei auf den Alltag übertragen werden. Auch der Übungsleiter ist dafür verantwortlich, dass die Erfahrungen umfassend reflektiert werden.

3. Vor- und Nachteile der Erlebnispädagogik

Bild vom Kind

Durch das Agieren in der Gruppe werden soziale Kompetenzen gefördert.

Das entwickelte Konzept hat natürlich, wie andere Methoden auch, sowohl Anhänger als auch Kritiker. Generell überwiegen jedoch die Vorteile, da Kinder, Jugendliche und Erwachsene durch die angebotenen Ereignisse eigene Erfahrungen sammeln können und dabei Freude erleben.

Wichtig ist vor allem die Abgrenzung zu normalen Fun-Sportarten. Obwohl das Erlebnis, die Entdeckung und das Abenteuer im Vordergrund stehen, sind die Aktivitäten dennoch immer mit einer pädagogischen Zielsetzung verknüpft. Dieser Punkt führt häufig zu Kritik an diesem Konzept, da die pädagogische Ausprägung in manchen Fällen zu gering ausfällt.

Im Folgenden haben wir noch einmal alle wichtigen Vor- und Nachteile der Erlebnispädagogik für Sie aufgelistet:

    • das Lernfeld ist die freie Natur
    • herausfordernde Aktivitäten motivieren und fördern die Kreativität
    • soziale Kompetenzen und Empathie werden gefördert
    • Steigerung des Selbstwertgefühls durch Erfolge
  • Kommunikations- und Kooperationsfähigkeiten werden ausgebildet
  • Erlebnisse sind mit hohem Aufwand und Kosten verbunden
  • pädagogische Maßnahmen haben nicht immer einen Effekt auf den Alltag
  • bei unzureichender Reflexion stehen eher Fun und Action im Vordergrund
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