Entwicklungsgespräch in der Kita: Alles was Sie zu dem Elterngespräch wissen sollten

Fallbeispiel
  • Gehen Sie unvoreingenommen in ein Entwicklungsgespräch hinein.
  • Das Ziel eines Entwicklungsgesprächs in der Kita sollte darin bestehen, dass sowohl Eltern als auch Erzieher oder Erzieherin ihre jeweiligen Beobachtungen miteinander teilen.
  • Ein detailliertes Portfolio hilft Ihnen, pädagogische Rückschlüsse aus Ihren Beobachtungen zu ziehen.

Die Zeit im Kindergarten ist sehr intensiv und die Entwicklung der Kinder schreitet rasch voran. Kein Wunder also, dass von Zeit zu Zeit Entwicklungsgespräche in der Kita geführt werden.

Aber was ist ein Entwicklungsgespräch eigentlich? Muss jede Erzieherin und jeder Erzieher ein solches führen? Und in welchen Abständen macht es Sinn, die Beobachtungen weiterzugeben?

In unserem Ratgeber zu diesem Thema erfahren Sie, was Sie über das besondere Elterngespräch wissen müssen und wie ein solches ablaufen könnte.


1. Das Entwicklungsgespräch in der Kita – eine kurze Abgrenzung

Sprechblasen

In einem Entwicklungsgespräch geht es um den Austausch zwischen ErzieherInnen und Eltern.

Im Gegensatz zu vielen anderen Gesprächen, die teils zwischen Tür und Angel stattfinden oder aber gezielt ein Problem ansprechen, bestehen die Ziele des Entwicklungsgesprächs in der Kita darin, sich über die Entwicklung des Kindes auszutauschen.

Dabei geht es nicht um einen Monolog, sondern um einen Dialog mit den Eltern. Letztlich ist es für die Entwicklung des Kindes besonders wichtig, dass Eltern und Erzieher bzw. Erzieherin sich in den Eckpunkten der Erziehung einig sind, um dem Kind eine gewisse Kontinuität zu vermitteln.

Organisatorische Absprachen oder sonstige Beiträge passen nicht zu einem Entwicklungsgespräch. Auch kleinere Gespräche, die beim Abholen oder Hinbringen der Kinder in die Kita stattfinden, ersetzen ein individuelles Entwicklungsgespräch nicht.

Tipp: Bei organisatorischen Angelegenheiten oder solchen, die mehrere Kinder betreffen, lohnt es sich, einen separaten Elternabend zu veranstalten.

2. Ein Entwicklungsgespräch ist nicht zwangsläufig ein Problemgespräch

Eltern besprechen Themen mit Erzieherin

Sprechen Sie in einem Entwicklungsgespräch auch positive Veränderungen an.

Viele Eltern gehen mit der Erwartung in ein Entwicklungsgespräch, dass es Schwierigkeiten mit ihrem Kind gibt. Um dieser Einstellung vorzubeugen, versuchen Sie bereits in der Einladung deutlich zu machen, dass ein Entwicklungsgespräch für jedes Kind stattfindet.
Zwar können Sie selbstverständlich auch Probleme ansprechen und das Verhalten der Familie hinterfragen, jedoch sollte dies nicht der Hauptgrund des Besuchs im Kindergarten sein.

Ein entscheidendes Kriterium für ein gutes Gespräch besteht in der ausreichenden Vorbereitung eines Leitfadens. Halten Sie als Erzieher oder Erzieherin Ihre Beobachtungen bezüglich des Kindes im Rahmen eines Beobachtungsbogens fest, um sich selbst vor einem vorschnellen Urteil zu schützen. So lassen sich auf entspannte Art und Weise die einzelnen Entwicklungsstufen dokumentieren.
Zudem können Sie anhand des erstellten Portfolios sehr genau auf Fragen und Themen der Eltern eingehen und diese beantworten.

Besonders wichtig ist, dass Sie den Eltern in einem Gespräch klarmachen, dass der aktuelle Entwicklungsstand lediglich eine Momentaufnahme ist, die sich bereits kurze Zeit später wieder ändern kann.

Tipp: Halten Sie die Eltern bei Lernschwierigkeiten oder sonstigen angesprochenen Problemen über Verbesserungen im Verhalten auf dem Laufenden. So zeigen Sie Interesse und müssen nicht nach kurzer Zeit bereits ein erneutes Entwicklungsgespräch in der Kita führen.

3. Der Ablauf eines Entwicklungsgesprächs in der Kita

Fragebogen ausfüllen

Mit Hilfe von Notizen können Sie Ihre Beobachtungen besser darstellen.

Beginnen Sie ein Gespräch mit den Eltern eines Kindes mit einem positiven Einstieg. So lässt sich schnell das Eis brechen und auch schwierige Themen können leichter angegangen werden.

Nach einer kurzen Begrüßung und ein wenig Smalltalk sollte das Kind im Zentrum stehen. Wie sieht der aktuelle Stand aus? Ist eine Entwicklung in verschiedenen Bereichen erkennbar? Gibt es Nachholbedarf? Ist das Kind besonders weit? Auf all diese Fragen erwarten die meisten Eltern eine möglichst exakte Antwort, sodass Sie sich gut darauf vorbereiten sollten.
Anhand eines Entwicklungsbogens können Sie nicht nur ihre Beobachtungen aufschreiben, sondern auch Ihre Schlussfolgerungen eintragen.

Teilen Sie Ihr Wissen mit den Eltern und zeigen Sie offen, welche Notizen Sie sich gemacht haben, um das Entwicklungsgespräch vorzubereiten. Es ist schließlich kein Geheimnis, wie sich das einzelne Kind schlägt.
Selbstverständlich werden sie als Erzieherin oder Erzieher den größeren Redeanteil haben, dies bedeutet jedoch nicht, dass Sie einen Monolog halten sollten. Vielmehr geht es um den Austausch untereinander.

Nachdem Sie Ihre Checkliste abgearbeitet haben, geben Sie den Eltern die Gelegenheit, Fragen zu stellen.
Vergessen Sie nicht, sich möglichst freundlich voneinander zu verabschieden, um weiterhin Gesprächsbereitschaft zu signalisieren. Auch wenn Ihnen dies in einigen Fällen durchaus schwerfallen mag, so ist es dennoch die beste Alternative.

Tipp: Versuchen Sie, die Eltern zu animieren, eigene Beobachtungen anzustellen. Auch wenn die meisten Eltern ihre Kinder jeden Tag sehen, bedeutet dies noch lange nicht, dass sie genau wissen, wie sich ihr Kind in einer konkreten Situation verhält.

4. Wichtige Fragen und Antworten -FAQs

Hammer Gericht

Das Führen eines Entwicklungsgesprächs ist gesetzlich vorgeschrieben.

Wie sollte eine Einladung zu einem Entwicklungsgespräch in der Kita aussehen?

Sprechen Sie am besten beide Elternteile an und bitten um ein Entwicklungsgespräch. Weisen Sie darauf hin, dass Sie selbst viele Beobachtungen machen konnten, die Sie den Eltern gerne mitteilen würden.
Noch ein kurzer Terminvorschlag mit einer ungefähren Zeitangabe für die Dauer des Gesprächs sowie ihre Unterschrift und schon ist die Einladungskarte fertig.
Vergessen Sie nicht, darauf hinzuweisen, dass die Eltern den Termin bestätigen.

Muss ich bei einem Entwicklungsgespräch Protokoll führen?

Generell besteht keine Pflicht, ein Entwicklungsgespräch zu protokollieren. Je nach Kita-Leitung müssen Sie als ErzieherIn jedoch einen kurzen Bericht einreichen.
In jedem Fall macht es Sinn, sich kurze Notizen zu den einzelnen Themen zu machen, um diese bei einem nächsten Gespräch noch auf dem Schirm zu haben.

Wie oft sollte ein Entwicklungsgespräch in der Kita stattfinden?

In der Regel findet ein Entwicklungsgespräch in der Kita etwa ein- bis zweimal pro Jahr statt. Dieses Intervall entlastet Sie als ErzieherIn, bietet Eltern allerdings auch die Möglichkeit, in regelmäßigen Abständen über die Entwicklung ihres Kindes informiert zu werden.
Vorab ist es sinnvoll, ein erstes Entwicklungsgespräch nach der Phase der Eingewöhnung einzuplanen.

Besteht eine gesetzliche Pflicht, ein Entwicklungsgespräch durchzuführen?

Dies ist eine Angelegenheit der Länder. Innerhalb Deutschlands ist jedoch klar geregelt, dass ein solches Entwicklungsgespräch mindestens einmal jährlich stattzufinden hat. Für NRW ergibt sich dies beispielsweise aus § 9 des Gesetzes zur frühen Bildung und Förderung von Kindern.

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