Entdeckendes Lernen: Erklärung und Beispiele zum Konzept des explorativen Lernens

entdeckendes lernen
Seit wann gibt es das Entdeckende Lernen?

Im Prinzip lässt sich Entdeckendes Lernen bereits bis ins antike Griechenland zurückverfolgen. Die moderne Definition entstand allerdings in den 1960er Jahren.

Wie lässt sich Entdeckendes Lernen in der Praxis umsetzen?

Besonders gut eignet sich die Methode, um logische Zusammenhänge zu verdeutlichen. Wie dies aussehen könnte, sehen Sie hier.

Hat Entdeckendes Lernen nur Vor- oder auch Nachteile?

Wie fast jedes pädagogische Konzept hat auch dieses nicht nur positive Seiten. Dennoch hilft der Ansatz im Unterricht dabei, dass Kinder ein sehr viel tieferes Verständnis für bestimmte Zusammenhänge entwickeln.

Entdeckendes Lernen bezeichnet eine Methode der Pädagogik, bei der Kinder weitestgehend selbstständig lernen.

Im Gegensatz zum klassischen Unterricht hilft exploratives Lernen im Kindergarten oder der Grundschule dabei, Wissen mit eigenen Erfahrungen zu verknüpfen.

In unserem Artikel stellen wir Ihnen Beispiele vor, wie Entdeckendes Lernen ablaufen könnte und zeigen, inwieweit Kleinkinder und Schüler von der Methode profitieren können.

1. Entdeckendes Lernen – eine seit langem bewährte Methode

kleiner junge liegt mit einer lupe in der hand im gras

Kinder sind von Natur aus wissbegierig.

Große Bekanntheit erlangte der Bereich des Entdeckenden Lernens durch den US-amerikanischen Psychologen Jerome Bruner. Anfang der 1960er Jahre beeinflusste er damit maßgeblich die pädagogische Richtung.

Auch wenn Pädagogen in der Folge sehr viel mehr Wert auf Selbstentdeckendes Lernen legten, so ist die Methodik keineswegs neu. Aufzeichnungen über Entdeckendes oder Exploratives Lernen finden sich bereits im griechischen Altertum.

Das Ziel ist dabei stets darauf ausgerichtet, das Lernen zu lernen. Kinder sollen daher Phänomene zunächst selbst entdecken, bevor im Anschluss gemeinsam darüber gesprochen wird, inwieweit sich etwas erklären lässt.

Tipp: Besonders gut eignet sich Entdeckendes Lernen im Sachunterricht oder der Mathematik.

2. Die Welt aktiv erkunden

kinder lernen aktiv

Mit Bauklötzen lassen sich viele Zusammenhänge erklären.

Fast alle Kinder im Kindergarten oder der Grundschule sind von Natur aus neugierig und bereit dazu, alles zu hinterfragen und möglichst viele Dinge herauszufinden. Klassisch bemerkbar macht sich dies bei den Warum-Fragen. Jede beantwortete Frage wird um ein weiteres Warum? ergänzt und treibt so manchen Elternteil schnell zum Wahnsinn.

Allerdings ist der Ansatz dahinter besonders wichtig, da Kinder bereit sind, sich weiterzubilden. Sie möchten möglichst alles erfahren und wissen, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt.

Entdeckendes Lernen nutzt diese natürlich gegebene Neugier, um die Welt Schritt für Schritt zu erklären und ein wenig verständlicher zu machen.
Jedes lernende Kind entwickelt durch bewusst konstruierte Situationen den Wunsch danach, Antworten auf sich automatisch stellende Fragen zu finden.

Der große Vorteil des Entdeckenden Lernens liegt vor allem darin, dass Kinder selbst etwas herausfinden. Wird ihnen hingegen pauschal etwas vorgegeben, so prägt sich dies wesentlich schlechter im Gedächtnis ein, das nicht auf eigenen Erfahrungen beruht.

Auch wenn Lehrer in der Schule oder Erzieher im Kindergarten Kinder aktiv durch bestimmte Aufgaben führen, so liegt die eigentliche Entdeckung dennoch bei den Kindern.

Besonders wichtig ist es dabei allerdings, dass Lehrer und Erzieher so wenig wie möglich vorgeben. Erfolgt eine unmittelbare Erklärung, so entspricht dies nicht mehr dem Ansatz des Entdeckenden Lernens und die Kinder sind in der Folge nicht gezwungen, sich selbst Gedanken über die Lösung des Problems zu machen.

Achtung: Auch wenn sich mit der Methode des Entdeckenden Lernens sehr gute Erfolge erzielen lassen, so liegt ein großes Problem darin, dass der Prozess sehr zeitaufwendig ist.
Entdeckendes Lernen kann daher nicht permanent, sondern lediglich ergänzend eingesetzt werden.

3. Entdeckendes Lernen in der Praxis

Der Kerzenversuch:

Wie Entdeckendes Lernen im Physikunterricht ablaufen könnte, sehen Sie in diesem ausführlichen Beispiel.

Auch wenn es theoretisch durchaus nachvollziehbar ist, wie Entdeckendes Lernen ablaufen könnte, so stellt sich logischerweise die Frage, wie sich dies im Kindergarten oder der Grundschule einbauen lässt.

Besonders im Bereich der Mathematik gibt es zahlreiche Beispiele, um Kindern Zahlen, Größen und Zusammenhänge zu vermitteln.

Legen Sie bei kleinen Kindern beispielsweise verschieden große Murmeln auf einen Stapel und stellen Sie drei Gefäße bereit, die die Kinder füllen sollen.
Stellen Sie dazu verschiedene Aufgaben. Zum einen können Sie versuchen, so viele Murmeln wie möglich in ein Gefäß zu füllen. Alternativ sollen alle Murmeln untergebracht werden. Lassen sich Zwischenräume nutzen?
Kinder sollen dabei ihre eigne Lösungsstrategie entwickeln.

Sind die Kleinen bereits etwas älter, versuchen Sie es doch einmal mit dem Einschätzen von Geschwindigkeiten. Wie lässt sich wohl herausfinden, ob ein Fahrradfahrer, ein PKW oder auch ein Zug schneller sind?

Ein Beispiel, bei dem die drei Phasen des Entdeckenden Lernens (die Konfrontation, die Exploration sowie die Präsentation) kurz erklärt werden, sehen Sie in diesem YouTube-Video:

4. Vor- und Nachteile des Entdeckenden Lernens auf einen Blick

In der folgenden kurzen Übersicht finden Sie die wichtigsten Vor- und Nachteile des Konzepts des Entdeckenden Lernens im Überblick:

  • eigenständiges Lernen fördert den Wissensdurst
  • Entwicklung eines tieferen Verständnisses für Zusammenhänge
  • Kinder lernen, ihre Zeit besser einzuteilen
  • soziale Interaktion bei der Arbeit in Gruppen (Teamfähigkeit)
  • die Methode bietet sich nicht bei jedem Thema an
  • ist sehr zeitintensiv, sodass sich verhältnismäßig wenig Unterrichtsstoff vermitteln lässt
  • der Einstieg gestaltet sich teils schwierig, wenn das Ziel unklar ist und die Kinder nicht wissen, was eigentlich bei der offenen Aufgabe gewünscht ist
  • nicht jedes Kind arbeitet gut im Team mit (starke Schüler übernehmen die Führung)

Wie Sie anhand dieser kurzen Auflistung erkennen können, eignet sich das Konzept daher nicht in jedem Fall, bietet allerdings generell eine gute Möglichkeit, um Kindern wichtige Zusammenhänge näherzubringen und diese dauerhaft abzuspeichern.

5. Weiterführende Literatur zum Entdeckenden Lernen 

Entdeckendes Lernen: Ein Unterrichtsprinzip
  • Sabine Liebig
  • Herausgeber: Schneider Verlag Hohengehren
  • Auflage Nr. 1 (20.08.2012)
  • Taschenbuch: 131 Seiten
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