Einschlafbegleitung: 4 Tipps für mehr Geborgenheit

   
von Nadine Karaschewski - letzte Aktualisierung:
einschlafbegleitung

Es ist ein Reizthema, bei dem die unterschiedlichen Meinungen nicht weiter auseinanderliegen könnten und das Familien zuweilen an den Rand der Belastungsgrenze bringt: Die Rede ist vom lieben Nachwuchs und dem Einschlafen.

Ansätze gibt es viele: Während gerade von Seiten der älteren Generation häufig die Empfehlung kommt, das Kind einfach schreien zu lassen, geht der Trend heutzutage eher in Richtung bedürfnis- und bindungsorientierte Einschlafbegleitung für Kind und Baby. Wir von kita.de verraten Ihnen, was es damit auf sich hat und warum gezielte Schlaftrainings hingegen mehr Schaden als Nutzen anrichten.

1. Was bedeutet Einschlafbegleitung und wie wichtig ist sie?

Warum wollen Babys und Kinder nicht alleine schlafen?

Das hat bei Babys vor allem evolutionäre Gründe. Nach der Geburt ist der Nachwuchs zum Überleben auf den Schutz eines Erwachsenen angewiesen. Im Kleinkindalter kann das alleine Einschlafen durch die Angst vor der Dunkelheit oder möglichen Monstern erschwert werden. Die Nähe eines Elternteils beim Einschlafen vermittelt in jeder Altersstufe Sicherheit und Geborgenheit.

Einschlafbegleitung für Baby oder Kind heißt, dass ein Elternteil solange im Kinderzimmer bzw. am Kinder- oder Familienbett bleibt, bis der Nachwuchs eingeschlafen ist. Ein wichtiger Bestandteil einer entspannten Einschlafbegleitung abends sind feste, verlässliche Rituale, die dem Kind Sicherheit vermitteln. Dazu zählen beispielsweise

  • Zähne putzen und Schlafanzug anziehen
  • eine Geschichte vorlesen oder ein Hörspiel hören
  • Gute-Nacht-Lied singen
  • kuscheln, streicheln, Händchen halten
  • Stillen bei Bedarf

Positiver Effekt der Einschlafbegleitung für Baby und Kind ist, dass der Nachwuchs viel Nähe und Geborgenheit erfährt, wodurch er ein tieferes Urvertrauen entwickeln kann. Dieses Urvertrauen trägt laut einer Studie des Schweizer Kinderarztes Remo H. Largo wiederum dazu bei, dass Kinder schneller lernen, sich auch ohne die direkte Nähe eines Elternteils sicher zu fühlen. 

Wichtig: Die Dauer der Einschlafbegleitung ist von Kind zu Kind unterschiedlich und kann von ein paar Minuten bis zu einer Stunde und mehr reichen. Um die Dauer zu verkürzen, sollten die abendlichen Aktivitäten nicht zu aufregend sein, denn ein aufgedrehtes Kind schläft erst recht schwer ein. Ein warmes Bad am Abend kann der Müdigkeit beispielsweise zuträglich sein. So sollten entsprechende beruhigende Badezusätze oder ätherische Öle in keiner Kinder Apotheke fehlen.

2. Warum gezieltes Schlaftraining keine Alternative ist

mutter liest kindern vor

Beim Vorlesen können Kinder abends bei der Einschlafbegleitung zur Ruhe kommen.

Im Netz finden sich zahlreiche Anbieter sogenannter Schlaftrainings oder Schlaflernprogramme für Kinder, von denen sich verzweifelte und übermüdete Eltern wahre Wunder erhoffen.

Viele davon basieren allerdings auf der sogenannten Ferber-Methode (nach dem US-Schlafforscher und Kinderarzt Richard Ferber), bei der es darum geht, das Kind zu einer festen Zeit alleine ins Bett zu legen und auf Schreien und Weinen nicht zu reagieren.

Problematisch und zu recht umstritten ist an der Erziehung mit „Ferbern“ jedoch, dass das Kind darauf konditioniert wird, dass seine Eltern nicht kommen, wenn es nach ihnen ruft. Sie erreichen damit zwar ihr Ziel, dass das Kind irgendwann aufhört, nach Ihnen zu rufen, doch die Angst und das Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit verschwindet dadurch natürlich nicht.

Ein solches Schlaftraining kann sogar schwerwiegende Folgen für die kindliche Entwicklung haben: Die Rede ist von Bindungsstörungen, emotionalen Probleme, vermehrte Anhänglichkeit bis hin zu langfristigen Traumatisierungen.

Deshalb gilt: Gezieltes Schlaftraining nach der Ferber-Methode sollte niemals eine Lösung sein. Lassen Sie sich lieber vom Kinderarzt Ihres Vertrauens beraten und Tipps zur Einschlafbegleitung geben, um die Schlafprobleme auf sanftem Wege in den Griff zu bekommen. 

3. Einschlafbegleitung beenden: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

mutter und sohn beim einschlafritual

Wie lange ist Einschlafbegleitung normal? Lassen Sie sich von Außenstehenden nicht verunsichern – normal ist, was sich für Ihre Familie richtig anfühlt.

Viele Eltern fragen sich natürlich, bis zu welchem Alter, also wie lange die Einschlafbegleitung durchgeführt werden muss und ab wann der Nachwuchs alleine schlafen kann.

Ganz pauschal lässt sich diese Frage leider nicht beantworten, denn jedes Kind hat ganz individuelle Bedürfnisse. Den richtigen Zeitpunkt zum Einschlafbegleitung beenden muss also jede Familie für sich selbst finden. Ratsam ist es, die Rituale Stück für Stück etwas kürzer zu gestalten.

Zum Zeitpunkt der Einschlafbegleitung sollte Baby, Kleinkind oder ein bereits älteres Kind zudem bereits müde sein. Um Probleme beim Einschlafen am Abend zu verhindern, kann in Erwägung gezogen werden, den Mittagsschlaf ausfallen zu lassen.

Tipp: Lassen Sie sich von Außenstehenden auf keinen Fall unter Druck setzen, auch wenn Oma, Schwiegermutter oder Tagesmutter zur Einschlafbegleitung andere Ansichten haben. Absolut nicht empfehlenswert ist es, von heute auf morgen die Einschlafbegleitung abgewöhnen zu wollen – Kinder brauchen Zeit, um sich an Veränderungen anzupassen.

4. Keine Geduld für Einschlafbegleitung: Was nun?

kind will nicht einschlafen

Hellwach und putzmunter: Je länger die Einschlafbegleitung dauert, desto mehr kann sie zur Geduldsprobe für die Eltern werden.

Keine Frage, Einschlafbegleitung ist zeitintensiv und aufwändig – nicht jeder Erwachsene bringt die Geduld dafür auf. Das ist kein Grund sich zu schämen, denn nicht nur die Bedürfnisse Ihres Kindes, auch Ihre eigenen sind von Bedeutung

In diesem Fall ist es für alle Beteiligten das Beste, wenn die Einschlafbegleitung für das Kind so wenig Zeit wie nötig in Anspruch nimmt. Wie zuvor bereits beschrieben, kann es hilfreich sein, die abendlichen Rituale Stück für Stück kürzer zu halten (ohne die Einschlafbegleitung gänzlich abzugewöhnen) und dafür zu sorgen, dass das Kind sich den Tag über ausreichend ausgepowert hat.

Mit Kuschelzeit über den Tag verteilt können Sie zudem dafür sorgen, dass das Bedürfnis nach Nähe zum Abend hin bereits ausreichend befriedigt ist. In der Partnerschaft kann es zum Ausgleich beitragen, sich untereinander mit der Einschlafbegleitung abzuwechseln. Es spricht auch nicht dagegen, wenn Sie Ihr Kind beim Einschlafen begleiten, neben dem Bett sitzen und dabei etwas „Me-Time“ einbauen (To-do-Liste schreiben, soziale Medien checken, Buch lesen, etc.)

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