Dyslalie bei Kindern: Überblick und Behandlung von Artikulationsstörungen

Kind übt sprechen
  • Als Dyslalie bezeichnen Mediziner eine Vielzahl unterschiedlicher Aussprache- und Artikulationsstörungen.
  • Lispeln zählt zu den bekanntesten Sprachstörungen bei Kindern und Erwachsenen.
  • Bei einer Dyslalie liegen entweder phonetische oder phonologische Störungen bei Kindern vor. Seltener ist ein Zusammenfallen beider Faktoren.

Die Sprachentwicklung von Kindern verläuft sehr unterschiedlich. Besonders in den ersten Lebensjahren ist die Sprache von einer Vielzahl falscher Laute gespickt.
Verbessert sich die Aussprache jedoch nicht, kann diese auf eine Dyslalie hinweisen.

In unserem Ratgeber erklären wir, wann von Sprachstörungen oder Artikulationsstörungen gesprochen wird und welche Ursachen eine fehlerhafte Aussprache haben kann. Zudem erfahren Sie, ob und inwieweit eine Sprachtherapie Kindern bei einer Dyslalie helfen kann.


1. Dyslalie – ein Begriff mit vielen Ausprägungen

Kind übt mit Mutter richtig zu sprechen

Manchen Kindern bereitet Sprache größere Probleme.

Um sprechen zu lernen, müssen sich Kinder ausprobieren. Bei den ersten Sprechversuchen kommt es daher auch zu zahlreichen Fehlern, die im Laufe der Zeit allmählich verschwinden.

Im Hinblick auf die Sprachentwicklung gibt es deutliche Unterschiede, sodass die Diagnose für eine Dyslalie in der Praxis manchmal sehr schwerfällt.

Grundsätzlich können folgende Formen der Dyslalie unterschieden werden:

  • phonologische Störungen: Bei dieser Form der Störung fällt es Kindern schwer, die für die Sprache notwendigen Laute zu bilden.
  • phonetische Störungen: Problematisch ist bei dieser Art der Sprachstörungen nicht die Bildung selbst, sondern die korrekte Verwendung innerhalb eines Wortes.

Bei einigen Kindern gibt es sowohl phonetische als auch phonologische Probleme, sodass die Sprache insgesamt meist sehr undeutlich wird und kaum mehr verständlich ist.

Eine kindgerechte Erklärung einer Form der Dyslalie sehen Sie in diesem YouTube-Video:

2. Ursachen einer Dyslalie – so können Aussprachestörungen entstehen

Die Gründe für die verschiedenen Formen der Artikulationsstörungen sind vielfältig. Bei einigen Kindern ist es ein mangelndes Hörvermögen, dass es Ihnen schwer macht, feine Unterschiede zwischen einzelnen Lauten herauszuhören und dementsprechend nachzusprechen. Andere Kinder haben eine zu schwache Lippen- sowie Zungenmuskulatur, sodass es insbesondere bei herausfordernderen Lauten wie P oder B zu Schwierigkeiten kommt.

Jedoch gibt es auch genetische Faktoren, die es Kindern erschweren, korrekt zu sprechen. Hier finden Sie die gängigsten Ursachen auf einen Blick:

Kind macht einen Hörtest

Die Hörfähigkeit lässt sich mit einem einfachen Test beurteilen.

  • Hörprobleme (Wahrnehmungsstörungen)
  • Verarbeitungsstörungen im Gehirn
  • schwache Mundmuskulatur
  • Koordinationsschwierigkeiten von Zunge und Lippen
  • genetische Faktoren (insbesondere Fehlbildungen des Kiefers)
  • familiäre Ursachen (unsaubere Aussprache der Eltern, eigene Sprachstörungen)
  • in der Muttersprache nicht verwendete Laute

Zusätzlich kann die bereits erworbene Sprachfähigkeit durch eine spätere Hirnschädigung verlorengehen. Dies bezeichnen Mediziner als Aphasie. Sind mehrere Bereiche betroffen, spricht man auch von einer Dysarthrophonie.

3. Formen der Dyslalie – so machen sich die Sprachstörungen bemerkbar

Je nach Dyslalie besteht das Problem darin, wie Laute gebildet werden. Um diese Schwierigkeit zu umgehen, werden Wortebestandteile ersetzt oder schlicht weggelassen.

Generell erfolgt eine Einteilung in folgende Schweregrade einer Dyslalie:

Zwei Kinder beim Sprachtraining

Viele Sprachstörungen lassen sich mit Training lösen.

  • isolierte Dyslalie: Es kommt zum Stammeln bei einem Laut oder einer Konsonantenverbindung.
  • partielle Dyslalie: Kinder haben Schwierigkeiten mit 2 bis 3 Lauten bzw. Konsonantenverbindungen.
  • multiple Dyslalie: Die multiple Dyslalie zeichnet sich durch gravierende Sprachprobleme aus. Bei 3 bis 5 betroffenen Lauten fällt es fremden Menschen oftmals bereits schwer, die Sprache als solche zu erkennen.
  • universelle Dyslalie: Die schwerste Form der Sprachstörung führt zu massiven Einschränkungen und ist sehr leicht erkennbar. Fast alle Kinder leiden bei dieser Art der Dyslalie unter phonologischen und phonetischen Störungen.

Teils erfolgt zusätzlich eine Unterscheidung der leichten Formen der Dyslalie:

  • Bei der inkonstanten Dyslalie kommt es hin und wieder zu einer Lautfalschbildung. Diese tritt jedoch nicht immer auf, sodass die Sprache im Allgemeinen sehr gut zu verstehen ist.
  • Ähnlich ist es bei der inkonsequenten Dyslalie. Hier erfolgt ein Ersetzen eines Lauts durch verschiedene andere Laute. So wird ein K beispielsweise durch ein T ersetzt und kurze Zeit später in einem anderen Wort durch ein G.

Achtung: Beim Stottern handelt es sich um eine Störung des Redeflusses. Es bestehen jedoch keine Lautbildungsprobleme.
Daher fällt das Stottern nicht unter den Bereich der Dyslalie. Vielmehr ist die Form der Sprachproblematik eine reine Sprechstörung.

Mehr Infos zu weiteren Störungsbildern der kindlichen Sprache, erhalten Sie hier.

4. Sprachtherapie und Logopädie als Lösung

Kind in einer Sprachtherapie

Kinder gewinnen Vertrauen in Ihre Sprechfähigkeit.

Die gesamte Sprachentwicklung sollte vor der Einschulung abgeschlossen sein. Generell gilt an dieser Stelle, dass eine gezielte Therapie so früh wie möglich ansetzen sollte, damit Kinder sich nicht zu lange an eine falsche oder unsaubere Aussprache gewöhnen.

Im Rahmen der Logopädie kommen vielfach Spiele zum Einsatz, sodass auch kleine Kinder Spaß daran bekommen, Laute zu bilden und Zungen- oder Lippenbewegungen nachzuahmen.

Je nach Art der Dyslalie ist eine längere Therapiephase notwendig, während bei kleineren Schwierigkeiten bereits einfache Übungen zum Erfolg führen können.

Sollten Sie sprachliche Auffälligkeiten in jedweder Richtung bei Ihrem Kind feststellen, kontaktieren Sie einen Sprachtherapeuten oder Logopäden. Auch Ihr Kinderarzt kann Ihr Kind nach einem kurzen Check-up weiterüberweisen.

Generell gilt bei allen Formen der sprachlichen Auffälligkeiten, dass Übung zum Erfolg führt. Ermuntern Sie Ihre Kinder daher, möglichst viel zu sprechen. Achten Sie jedoch darauf, Kinder nicht zu überfordern. Im schlimmsten Fall führt dies zu einer Verweigerungshaltung, die eine Verschlechterung der Sprachqualität zur Folge hat.

Tipp: Zögern Sie nicht, einen Therapeuten zu kontaktieren. Die meisten Artikulationsstörungen lassen sich mit ein wenig Geduld sowie einer gezielten Anleitung in den Griff bekommen.

5. Für den schnellen Erfolg: Sprachübungen und Spiele für Kinder

Mundmotorik-Training, Silben- und Reimspiele: Materialsammlung: Puste- und Ansaugübungen, Lippen- und Zungengeschichte, Silben- und Reimspiele
  • Sonja Thoenes
  • Herausgeber: BVK Buch Verlag Kempen GmbH
  • Auflage Nr. 4 (16.04.2015)
  • Broschüre: 64 Seiten

Mach die Klappe auf - Mundmotorik: Bildkarten zur Sprachförderung
  • Ariane Willikonsky
  • Herausgeber: FON-Fachverlag
  • Karten: 35 Seiten

Mundmotorik-Training rund ums Jahr: Materialsammlung Puste- und Ansaugübungen - Lippen- und Zungenspiele
  • Sonja Thoenes
  • Herausgeber: BVK Buch Verlag Kempen GmbH
  • Auflage Nr. 8 (11.02.2015)
  • Broschüre: 64 Seiten

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