Blinddarmentzündung beim Kind: So reagieren Sie richtig auf Bauchschmerzen und Übelkeit

Datum: 08. Februar 2019 • Autor: Kita.de Redaktion

  • Hat Ihr Kind eine akute Blinddarmentzündung, dann liegt eine Entzündung des sogenannten Wurmfortsatzes vor. Sie erkennen diese Entzündung daran, dass Ihr Kind Fieber und Schmerzen im Bauchraum, Übelkeit und/oder Appetitlosigkeit besitzt.
  • Um eine harmlose Magenverstimmung oder einen Magen-Darm-Infekt auszuschließen, können Sie einen Selbsttest durchführen: Drücken Sie einige Sekunden mit dem Finger auf die linke Bauchseite.
  • Sind Sie sich unsicher, ob Ihr Kind rechts oder links Bauchschmerzen hat, gehen Sie zum Arzt. Je schneller Ihr Kind mit einer Blinddarmentzündung behandelt wird, desto geringer ist die Gefahr von Komplikationen.

Klagt Ihr Kind über Bauchschmerzen sowie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, dann könnten diese Symptome Anzeichen einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) bei Ihrem Kind sein. Verschlimmern sich die Symptome durch Bewegungen und Erschütterungen, liegt der Verdacht auf eine solche Erkrankung beim Kind nahe.

Wie Sie die Vorstufe der Blinddarmentzündung, eine sogenannte Blinddarmreizung, erkennen und wie Sie sich richtig verhalten, erklären wir Ihnen in diesem Beitrag.

1. Blinddarmentzündung beim Kind: Das löst die Schmerzen im Unterbauch aus

Kind mit Schmerzen im Unterbauch

Der Los-Lass-Schmerz-Test kann dabei helfen, eine Blinddarmentzündung festzustellen: Der Test funktioniert, indem Sie den Finger auf den linken Unterbauch legen oder durch Anziehen und Ausstrecken des Knies.

Das Risiko, dass Ihr Kind eine Blinddarmentzündung bekommt, ist anatomisch bedingt. Da der Dünndarm seitlich den Dickdarm übergeht, bildet sich dort ein blindes Endstück: der Blinddarm. Am unteren Ende des Blinddarms befindet sich ein circa acht Zentimeter langer Wurmfortsatz, der Appendix.

Entgegen der weitläufigen Meinung entzündet sich also nicht der gesamte Blinddarm, sondern lediglich sein Fortsatz. Auch dafür liegt der Grund in der Anatomie des Körpers: Da der Wurmfortsatz des Blinddarms nur einen Eingang, nicht aber einen Ausgang besitzt, sammeln sich dadurch leicht Speisereste an. Das kann eine Entzündung auslösen.

Schuld an einer Appendizitis beim Kind können aber auch Darminfekte, ein Knick im Wurmfortsatz oder Kotsteine sein. Selbige bestehen aus massiv verdichtetem Kot, umgeben von Schleim und trockenem Darminhalt. Manchmal verursachen aber auch Krankheiten (z.B. Wurmbefall), Tumore oder Fremdkörper eine Appendizitis.

Risikogruppen: Meist wird eine Appendizitis bei Zehn- bis 15-jährigen Kindern diagnostiziert. Dabei sind Jungs öfter betroffen als Mädchen. Allerdings befällt nur etwa zehn Prozent der diagnostizierten Blinddarmentzündungen Kinder und Jugendliche. Jährlich kommt es laut PraxisVITA zu etwa 80.000 Fällen.

2. An diesen Symptomen erkennen Sie eine Blinddarmentzündung beim Kind

Betroffene leiden meist unter sehr starken, teils krampfartigen Bauchschmerzen. Diese starten um den Nabel herum und verlagern sich dann in den Unterbauch der rechten Seite. Beim Laufen oder Springen auf dem rechten Bein sowie beim Husten oder Niesen werden die Schmerzen stärker.

Die Bauchdecke ist sehr druckempfindlich und angespannt. Oft verspüren Patienten keinen Appetit und klagen über Übelkeit. Ebenfalls ein Anzeichen ist leichtes Fieber.

Schnell zum Arzt! Haben Sie das Gefühl, Ihr Kind könnte eine Blinddarmentzündung haben, suchen Sie umgehend einen Arzt auf. Um dem Arzt die Diagnose nicht zu erschweren, dürfen vor der Untersuchung keine Schmerzmittel gegeben werden. Erfolgt keine rechtzeitige Behandlung, droht ein sogenannter Blinddarmdurchbruch. Dabei können Stuhl sowie Bakterien in den Bauchraum gelangen und dort eine Bauchfellentzündung hervorrufen, was gefährlich sein kann. Mädchen könnten so sogar unfruchtbar werden.

3. Blinddarmentzündung beim Kind: So stellt Ihr Kinderarzt die Diagnose

Obgleich eine Blinddarmentzündung beim Kind auf den ersten Blick leicht festzustellen sein müsste, ist das in der Praxis nicht der Fall. Um die Entzündung zu diagnostizieren, gibt es nämlich zwei Herausforderungen:

  • Nur bei rund der Hälfte der Betroffenen treten die typischen Symptome auch auf. Eine Blinddarmentzündung beim Kind kann beispielsweise mit oder ohne Fieber verlaufen.
  • Gerade jüngere Patienten können Schmerzen häufig nicht genau lokalisieren. Sie beschreiben die Beschwerden nur wage und können nicht sagen, wo sie auftreten.
Durch Abtasten, Fieber messen und einen Ultraschall kommt der Arzt zur Diagnose
Arzt untersucht durch Abtasten den Blinddarm

Der Kinderarzt tastet zunächst den Bauch ab. Kommt er zu keiner eindeutigen Diagnose, untersucht er weiter.

Weil gerade jüngere Kinder Ihre Schmerzen nicht genau lokalisieren können und „nur“ Bauchschmerzen haben, wird der Arzt nicht nur den Bauch Ihres Kindes abtasten. Zusätzlich wird er den Brustkorb und Bauch abhören, sowie in den Hals schauen. Dabei beobachtet er Ihr Kind genau und schätzt seine Beeinträchtigung ein.

Weil Erschütterungen bei einer Blinddarmentzündung die Schmerzen verschlimmern, wird Ihr Kind wohl kurz springen müssen.

Weiterhin wird die Temperatur unter den Achseln und im Po gemessen, ein Unterschied ist ebenfalls typisch für eine Entzündung. Das Blut wird auf eine Erhöhung der Leukozyten getestet. Auch ein Abtasten des Enddarms trägt zur Diagnose bei. Mit einer Sonographie (Ultraschalluntersuchung) kann der Arzt den Fortschritt der Erkrankung feststellen. Dabei orientiert er sich an der bereits angesammelten Flüssigkeitsmenge im Bauchraum. Handelt es sich um eine chronische Entzündung, kann mit Kontrastmittel auch ein Röntgenbild angefertigt werden.

4. Zwei Therapieformen sind möglich: Die Einnahme von Antibiotika oder eine Operation

Je nachdem, wie die Untersuchungen ausfallen, wird über die Therapie entschieden. In der Regel gibt es zwei verschiedene Formen der Therapie: die konservative Therapie oder eine OP.

4.1. Bei der konservativen Therapie sind die Blutwerte engmaschig zu kontrollieren

Blinddarmreizung erkennen. Der Selbsttest

Um eine Blinddarmreizung bei Ihrem Kind zu erkennen, können Sie den sogenannten Los-Lass-Schmerz mithilfe eines Tests provozieren. Die Schmerzen entstehen nicht etwa beim Drücken auf den Bauch, sondern beim Entlasten des linken (!) Unterbauchs. Der Test funktioniert, indem Sie 15-30 Sekunden mit dem Finger auf die linke Bauchseite drücken und dann loslassen. Verspürt Ihr Kind nun rechts Schmerzen, deutet dies auf eine Blinddarmentzündung hin. Eine weitere Möglichkeit ist das Anziehen und Ausstrecken des Knies.

Bei der konservativen Therapie erhalten die Patienten Antibiotika und müssen das Bett hüten. Das ist allerdings nur bei einer unkomplizierten Entzündung möglich, also wenn Ihr Kind eine Blinddarmreizung hat. Falls sich der behandelnde Arzt für diese Therapie entscheidet, wird das Blut in regelmäßigen Abständen auf Entzündungswerte untersucht. Werden die Werte nicht besser oder erhöhen sich sogar, wird eine Operation immer wahrscheinlicher.

4.2. Kommt es zu einer Operation, ist diese minimal-invasiv oder via Schnitt möglich

Bei der Operation wiederum gibt es zwei Möglichkeiten, eine minimal-invasive OP mittels Endoskopie und die herkömmliche OP, bei der rechts unter dem Nabel ein Schnitt gemacht wird. Beide Verfahren werden unter Vollnarkose durchgeführt.

Die Entscheidung über die zu verwendende Methode trifft der operierende Arzt.

Der Vorteil der minimal-invasiven Methode besteht darin, dass der Patient das Krankenhaus meist früher verlassen kann. Dafür dauert der Eingriff an sich etwas länger. Wird während der OP eine weitreichende Entzündung festgestellt, kann der Operateur jederzeit zur herkömmlichen Methode wechseln.

Wie bei jeder Operation besteht auch hier die Gefahr einer allgemeinen Infektion, unter Umständen kann sich im Bauchraum Eiter ansammeln. Darmschlingen können sich verkleben, was der Narbenbildung geschuldet ist. In einem solchen Fall kann eine Folgeoperation nötig werden.

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