Wenn das Baby schielt: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Baby auf Mutters Arm schielt
Das Baby schielt innerhalb der ersten Wochen und Monate – muss ich mir Sorgen machen?

Noch nicht – die meisten Babys schielen in diesem frühen Stadium, da sie das Fokussieren erst lernen müssen.

Gibt es Anzeichen, die den Arztbesuch erfordern, wenn das Baby schielt?

Ja, bestimmte Risikomerkmale wie Augenprobleme der Eltern, das Zuhalten eines Auges oder starkes Schielen sollten möglichst rasch untersucht werden.

Sind die Ursachen für das Schielen gefährlich für das Baby?

Das hängt davon ab, was genau das Schielen hervorruft – einige Ursachen sind durchaus ernster Natur, deshalb sollten Sie schnell zum Augenarzt gehen.

Es ist nicht unüblich, dass ein Baby schielt – oft gibt sich das von allein wieder. Bei bestimmten Anzeichen und ab einem gewissen Alter sollten Sie aber einen Augenarzt aufsuchen, um die Ursachen abklären zu lassen. Wie Sie das Schielen (Strabismus) erkennen, welche Ursachen es haben kann und wie es behandelt wird, erfahren Sie hier.

1. Viele Babys schielen zunächst

liegendes Baby schielt

Wenn Ihr Baby in den ersten Wochen nach der Geburt schielt, ist das im Normalfall noch kein Grund zur Beunruhigung.

Es ist relativ normal, dass ein Baby manchmal schielt, wenn die Geburt erst wenige Wochen oder Monate zurückliegt. Die Entwicklung der Augenmuskulatur verläuft nur langsam, denn der Babykörper hat gleichzeitig viele andere wichtige Dinge zu leisten. Die Sicht ist noch verschwommen und klärt sich erst im Laufe der Zeit: Babys fokussieren ab dem zweiten oder dritten Lebensmonat. Und auch dann muss das parallele Geradeausschauen beider Augen noch nicht sofort reibungslos funktionieren.

2. Bei diesen Anzeichen sollten Sie den Augenarzt aufsuchen

Ist das Schielen innerhalb der Lebensmonate drei bis sechs bei Ihrem Kind sehr auffällig, können Sie es bereits von einem Augenarzt untersuchen lassen. Das gilt vor allem, wenn auch andere Mitglieder der Familie schielen oder geschielt haben. Weitere Alarmzeichen können sein, dass sich das Baby häufig ein Auge zuhält oder besonders lichtempfindlich ist. Greift es dann auch noch an Gegenständen vorbei, sollten Sie möglichst ohne Zeitverzug das Schielen behandeln lassen. Von einem weiteren Punkt, an dem Sie Schielen erkennen können, erfahren Sie in diesem Video:

3. Verschiedene Arten zu Schielen haben unterschiedliche Ursachen

In manchen Fällen ist es nicht weiter schlimm, dass das Baby schielt: Das Schielen hört von allein auf, wenn das Kind zu fokussieren lernt, oder lässt sich durch einfache Behandlungen korrigieren. In anderen Fällen allerdings liegen die Ursachen in anderen Erkrankungen, und diese können ernster Natur sein. Auch deshalb ist es wichtig, dass Sie möglichst frühzeitig einen Augenarzt aufsuchen, wenn Ihr Baby schielt.
Je früher Sie das Schielen behandeln lassen, desto größer sind die Chancen, dass es keine langfristigen Auswirkungen haben wird.

3.1. Frühkindliches Schielen nach innen oder nach außen kann mehrere Ursachen haben

blauaeugiges Baby schielt in die Kamera

Wenn Ihr Baby schielt, kann das ganz verschiedene Ursachen haben – harmlose ebenso wie gefährliche.

Schielt Ihr Baby nach innen oder nach außen, manchmal auch nur mit einem Auge, kann das zum Beispiel an einer Hyperopie, also einer Weitsichtigkeit, aber auch an einer Kurzsichtigkeit liegen. Speziell wenn beide Augen unterschiedlich stark betroffen sind, tritt das einseitige Schielen auf. Weitere mögliche Ursachen sind eine Frühgeburt oder auch Vererbung.

Beim sogenannten Begleitschielen, bei dem ein Auge fokussiert und das andere sich immer versetzt an ihm ausrichtet, liegt eine Störung der Augensteuerung durch das Gehirn vor: Das Sehzentrum kann falsch verschaltet sein, oder es liegt eine Trübung des Auges vor.

3.2. Lähmungsschielen kann plötzlich auftreten

Das sogenannte Lähmungsschielen kommt zustande, wenn bestimmte Nervenbahnen gelähmt werden und so die Muskeln an Auge und Sehnerv nicht mehr richtig arbeiten können. Das kann etwa an einer Entzündung liegen, aber auch an schweren Erkrankungen, zu deren möglichen Symptomen Schielen ebenfalls zählt und die so schnell wie möglich ausgeschlossen werden sollten, etwa

  • Netzhautablösung
  • Grauer Star
  • Grüner Star
  • Aneurysma
  • Tumor
  • Bluthochdruck
  • Diabetes

Tritt das Schielen plötzlich auf, suchen Sie am besten unverzüglich den Augenarzt auf!

3.3. Verstecktes Schielen ist schwer zu entdecken

Augenpartie eines mueden Babys

Das versteckte Schielen wird vor allem bei Müdigkeit sichtbar.

Das versteckte oder latente Schielen (Heterophorie) wird so genannt, weil es meist nicht sichtbar ist: Schielende Augen sind nur bei Erschöpfung sichtbar, bei Erwachsenen aber auch unter Alkoholeinfluss. Verstecktes Schielen entsteht, wenn der Zug der Augenmuskulatur zwischen den beiden Augen unterschiedlich ist.

Im Normalfall gleicht das Gehirn dies aus, und die Linsen sind parallel zueinander ausgerichtet. Man schätzt, dass verstecktes Schielen etwa 70 Prozent aller Menschen betrifft. In den meisten Fällen finden die Betroffenen es nie heraus, haben aber auch keine Beschwerden.

4. Das sind die möglichen Folgen, wenn das Baby schielt

Wenn das Baby schielt, bekommt es anders als bei der parallelen Ausrichtung der Augen zwei verschiedene Bilder übermittelt. Das Gehirn unterdrückt daher die Eindrücke von einem der beiden Augen, damit das Kind klar sehen kann und keine Doppelbilder wahrnimmt. Das bedeutet für das schielende Auge allerdings, dass seine Fähigkeiten verkümmern: Es entwickelt sich eine Sehschwäche in Form einer Fehlsichtigkeit. Diese lässt sich nicht mehr so leicht beheben.

Tipp: Lassen Sie zur Sicherheit auch Kinder ohne sichtbare Sehschwäche im dritten oder vierten Lebensjahr augenärztlich untersuchen!

5. Die Behandlung richtet sich nach Art und Ausprägung des Schielens

Junge mit Brille spielt mit Baukloetzen

Wenn Ihr Baby schielt, sollte es möglichst frühzeitig eine Brille angepasst bekommen, um Spätfolgen vorzubeugen.

Wenn Ihr Baby schielt, weil es an einer Krankheit leidet, richtet sich die Behandlung gegen die Grunderkrankung, da nach der Heilung das Schielen als Symptom verschwindet. Sonst ist in den meisten Fällen das erste Mittel der Wahl die Brille: Mit ihr kann eine Fehlsichtigkeit ausgeglichen und der Schielwinkel minimiert werden. Ist ein Auge deutlich dominanter als das andere, klebt der Augenarzt es vorübergehend ab, damit das andere aktiv werden muss.

Bei starkem Schielen, dass sich auch mit der Brille nicht ausgleichen lässt, kommt eine Operation der Augenmuskeln in Betracht. Sie verbessert die Fehlstellung der Augen und verkleinert den Schielwinkel bedeutend. Der Arzt gibt Ihnen Informationen zum Ablauf und berät Sie darüber, wann die Operation angebracht wäre. Üblicherweise führt man sie zwischen dem zweiten und dem sechsten Lebensjahr durch. So kann das Schielen bei Kleinkindern behoben und ihre Chance auf räumliches Sehen erhöht werden.

Tipp: Falls das versteckte Schielen überhaupt eine Behandlung erfordert, reicht die Brille im Normalfall aus.

6. Ratgeber für Augenübungen für Kinder

Kinder brauchen keine Brille: Mit effektiven und spielerischen Übungen zurück zur natürlichen Sehkraft
  • 176 Seiten - 20.09.2012 (Veröffentlichungsdatum) - Nymphenburger (Herausgeber)
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