Alleingeburt: Was spricht für und gegen eine DIY-Geburt?

   
von Dana S. - letzte Aktualisierung:
alleingeburt
Was ist eine Alleingeburt?

Bei einer Alleingeburt handelt es sich wie bei einer Hausgeburt um eine außerklinische Entbindung. Während bei einer Hausgeburt jedoch mindestens eine Hebamme anwesend ist, bringt eine Frau ihr Kind bei einer Alleingeburt ganz ohne Hebammen und Ärzte zur Welt.

Was sind die Beweggründe für eine Alleingeburt?

Frauen, die sich eine Alleingeburt wünschen, haben oftmals sehr negative Erfahrungen mit dem Ablauf und der Vorgehensweise in einer Klinik gemacht. Sie sehnen sich daher danach, ihr Kind in ihrem eigenen Tempo in einer angenehmen Atmosphäre zur Welt zu bringen.

Wie gefährlich sind Geburten in Eigenregie?

Auch wenn viele Frauen von positiven Erfahrungen berichten, ist eine Alleingeburt mit vielen Risiken sowohl für die Mutter als auch für das Kind verbunden. Denn auch bei einem normalen Schwangerschaftsverlauf kann es zu unerwarteten Komplikationen kommen, die Mutter und/oder Kind das Leben kosten können.

Das Thema Alleingeburt ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen weiteren Ländern der Welt sehr umstritten. Die Befürworter begründen ihre Meinung vor allem mit der Möglichkeit nach mehr Selbstbestimmung bei der eigenen Geburt.

Was eine Alleingeburt ist, welche Faktoren bei der Entscheidung eine Rolle spielen und mit welchen Vor- und Nachteilen eine Alleingeburt verbunden ist, erfahren Sie in diesem Artikel. Zudem geben wir Ihnen Tipps, inwiefern eine Alleingeburt empfehlenswert ist und in welchen Fällen sie ein zu großes Risiko darstellt.


1. Eine Alleingeburt findet ohne Hebammen und Arzt statt

frau kurz vor der geburt ihres babys in einem krankenhaus

Die Geburt in einer Klinik ist oftmals mit viel Stress und Hektik verbunden.

Laut einer Statistik kommen 95% der Kinder in Deutschland in einem Krankenhaus oder in einer Klinik zur Welt. In den letzten Jahren gibt es jedoch auch einen kleinen Trend zu außerklinischen Geburten. Besonders beliebt sind die Entbindung in einem Geburtshaus und die Hausgeburt.

Bei beiden Varianten sind zwar keine Ärzte, aber wenigstens Hebammen zugegen, die die Frauen während der Geburt und bei der anschließenden Nachsorge unterstützen können. Anders sieht es hingegen bei einer Alleingeburt aus. Diese findet völlig ohne medizinisches Fachpersonal statt. Die Schwangeren bringen ihr Baby allein oder mit ihrem Partner zur Welt.

Wenn Sie Ihr Kind allein zur Welt bringen möchten, können Sie auch selbst entscheiden, an welchem Ort die Entbindung stattfinden soll. Der ausgesuchte Platz sollte für Sie einen Wohlfühlort darstellen. Während die meisten Frauen zu Hause im Wohnzimmer gebären, entscheiden sich wiederum andere für eine Geburt im Garten, am Strand oder im Wald.

Tipp: Sprechen Sie vorab mit einer Hebamme, die nach der Geburt zu Ihnen kommt und die Wundversorgung übernimmt und erste Untersuchungen durchführt. Auf diese Weise ist die Erstversorgung gesichert.

Hebammentipps zu den verschiedenen Geburtsarten und -orten finden Sie in diesem Video:

2. Im Vordergrund steht der Wunsch nach einer Entbindung in intimer Atmosphäre

schwangere frau mit ihrem partner in einer wohlfuehlatmosphaere

In den eigenen vier Wänden können Frauen oftmals am besten Ruhe und Entspannung finden.

Die Gründe dafür, dass sich eine Frau bewusst dafür entscheidet, ihr Kind allein zur Welt zu bringen, können sehr unterschiedlich sein. In den meisten Fällen steht jedoch der Wunsch nach einer selbstbestimmten Geburt im Fokus. Auch die intime Atmosphäre spielt eine wichtige Rolle.

Wiederum andere Frauen haben so schlechte Erfahrungen mit einer Krankenhausgeburt gemacht, dass sie ihr nächstes Kind lieber ohne medizinische Eingriffe und den Einsatz von technischen Hilfsmitteln zur Welt bringen möchten. Auf diese Weise können sie sich auf sich selbst und ihre individuellen Bedürfnisse konzentrieren.

Die wohl bekannteste Frau, die sich für Alleingeburten ausspricht und auch solche schon hinter sich hat, ist die deutsche Ärztin Sarah Schmid. Sie ist mittlerweile achtfache Mutter, wobei sie sieben der acht Kinder ganz allein auf die Welt gebracht hat. Lediglich ihr erstes Kind kam per Hausgeburt zur Welt.

Sarah Schmid geriet vor allem dadurch in die Schlagzeilen, dass sie ihre Zwillinge allein zu Hause im Wohnzimmer geboren hat. Denn bei Zwillingsgeburten sind die Gefahren und Risiken deutlich größer als bei normalen Geburten. Die approbierte Ärztin teilt ihre Erlebnisse auf ihrem YouTube-Kanal und hat bereits ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben.

3. Eine Alleingeburt ist mit vielen Gefahren und Risiken verbunden

Erhöhtes Risiko bereits bei Hausgeburten
Durch eine groß angelegte Studie in Großbritannien konnten Wissenschaftler belegen, dass eine Hausgeburt wesentlich risikoreicher ist als eine Entbindung im Krankenhaus. 45% der erstgebärenden Studienteilnehmerinnen mussten aufgrund von Komplikationen in eine Klinik verlegt werden.

Frauen, die sich für eine Alleingeburt entscheiden, empfinden den Gedanken an eine Geburt im Krankenhaus oftmals als sehr beängstigend. Das medizinische Personal gibt den werdenden Müttern nur wenig Zeit, sodass der Druck immer größer wird. Wenn die Plazenta nicht rasch nachkommt, wird bereits nach kürzester Zeit eine Ausschabung vorgenommen.

Der Vorteil einer Alleingeburt liegt also darin, dass die Geburt im individuellen Tempo ablaufen kann, ohne dass die Ärzte und Hebammen Druck machen, dass alles besonders schnell gehen muss. Zudem kann sich die werdende Mutter den Ort der Entbindung frei aussuchen, sodass sie völlig selbstbestimmt ist.

Um eine Alleingeburt durchzustehen, ist allerdings viel Urvertrauen notwendig. Die Frauen müssen sich sehr genau kennen und sich solch eine Situation zutrauen. Denn eine Geburt in Eigenregie ist auch mit vielen Risiken verbunden. Nicht wenige Babys sind nach einer Alleingeburt verstorben, weil sie medizinische Hilfe benötigt hätten, um zu überleben.

Häufig vorkommende Komplikationen sind beispielsweise ein Nabelschnurvorfall, ein Geburtsstillstand oder nachgeburtliche Blutungen. Für all diese Vorfälle ist der Einsatz von Notfallmedikamenten oder das Eingreifen eines Arztes notwendig. Im Zweifel kann bei Komplikationen im Krankenhaus ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, um das Leben der Mutter und das des Kindes zu retten.

4. Fazit: Inwiefern ist eine Alleingeburt empfehlenswert?

frau waegt vor- und nachteile ab

Wägen Sie die Vorteile und Risiken vor Ihrer Entscheidung gründlich gegeneinander ab.

Auch wenn Alleingeburten mittlerweile einen kleinen Trend darstellen, sollten Sie nie vergessen, dass sie sehr risikoreich sind und es stets unerwartet zu Komplikationen kommen kann. Aus diesem Grund ist eher von dieser Entbindungsmöglichkeit abzuraten. Möchten Sie Ihr Kind möglichst selbstbestimmt und zu Hause zur Welt bringen, ist eine Hausgeburt deutlich sicherer. Auch die Entbindung in einem Geburtshaus sollte in Erwägung gezogen werden.

Jede Familie muss natürlich ganz allein für sich entscheiden, wie das eigene Baby zur Welt kommen soll. Allerdings macht es Sinn, eine Alleingeburt so zu planen, dass bei eventuell auftretenden Problemen medizinisches Personal zu erreichen ist. Insgesamt sind viel Fachwissen und Vorbereitung nötig.

Wichtig ist außerdem, dass Sie die Alleingeburt aus Überzeugung wählen und Sie keine Zweifel haben. Sorgen und Ängste können sich negativ auf den Geburtsprozess auswirken, sodass es leichter zu Komplikationen kommen kann.

Achtung: Bemerken Sie bereits in der Schwangerschaft Unregelmäßigkeiten oder kommt es zu Komplikationen, sollten Sie das Risiko auf keinen Fall eingehen. Gleiches gilt, wenn Sie Zwillinge erwarten.

Empfehlenswerte Bücher zum Thema Alleingeburt

Bestseller Nr. 1
Alleingeburt - Schwangerschaft und Geburt in Eigenregie
  • Schmid, Sarah (Autor)
  • 244 Seiten - 07.08.2014 (Veröffentlichungsdatum) - edition riedenburg (Herausgeber)
Bestseller Nr. 2
Die geplante Alleingeburt: Alles was man über Schwangerschaft und Hausgeburt wissen sollte
  • Evensen, Anita (Autor)
  • 285 Seiten - 07.02.2018 (Veröffentlichungsdatum) - CreateSpace Independent Publishing Platform (Herausgeber)
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