Affektkrämpfe bei Kindern: Wenn das Kind unkontrolliert weint und schreit

kind steht kurz vor affektkrampf
  • Respiratorische Affektkrämpfe treten bei Kindern zumeist im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren auf. Durch die übersteigerte Reaktion auf Emotionen reagiert der Körper mit einer Ohnmacht.
  • In der Regel sind solche Affektkrämpfe harmlos. Um sicherzugehen, sollten Sie jedoch schwerwiegende Erkrankungen wie Epilepsie ausschließen lassen.
  • Kommt es bei Ihrem Kind zu einem Schreianfall, sollten Sie ruhig bleiben und für die Sicherheit Ihres Kindes sorgen.

Wenn Kinder wütend sind und ihren Willen bekommen möchten, fangen sie zumeist an zu weinen und zu schreien. Sie hoffen, dass ihre Eltern durch dieses Verhalten nachgeben und sie bekommen, was sie wollen. Manche Kinder steigern sich so sehr in die Wut hinein, dass sie zu atmen aufhören und bewusstlos werden. Diese sogenannten Affektkrämpfe treten vor allem bei Babys und Kleinkindern auf. Wir erklären Ihnen, wie diese Anfälle zustande kommen und geben Ihnen Tipps, wie Sie am besten mit Affektkrämpfen bei Kindern umgehen können.

1. Affektkrämpfe treten infolge von Wut oder Schmerzen auf

wütendes kleines Mädchen

Wut ist die häufigste Ursache für das Auftreten eines Affektkrampfes.

Respiratorische Affektkrämpfe, auch Schrei- oder Wutkrämpfe genannt, treten bei Kindern in einem Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren auf. Umgangssprachlich wird dieses Phänomen auch als Wegschreien bezeichnet.

Affektkrämpfe zählen zu den häufigsten nicht-epileptischen Anfallsformen, die bei Säuglingen und Kleinkindern auftreten. In Deutschland sind etwa 5% der Kinder betroffen. Während diese Affektkrämpfe bei manchen Babys nur vereinzelt auftreten, kommt es bei den meisten anderen Kindern häufiger zu einem Anfall. Anders als bei einem Fieberkrampf gibt es keine körperliche Ursache.

Ausgangspunkt eines Affektkrampfes ist in aller Regel ein emotional belastendes Ereignis. Das Kind reagiert übersteigert auf diese Reaktion, sodass sich die Stimmritze verschließt. Auf diese Weise kann kein Sauerstoff mehr in die Lungen eindringen, was dazu führt, dass das Kind blau anläuft oder erblasst und daraufhin das Bewusstsein verliert.

Folgende Symptome sind für einen Affektkrampf typisch:

  • Blau anlaufen
  • Blässe
  • Aussetzen der Atmung
  • Blutdruckabfall, Verlangsamung des Herzschlags
  • Versteifung des Körpers
  • Bewusstlosigkeit
  • leichte Zuckungen

Für Eltern ist ein solcher Vorfall extrem schockierend. Das gilt vor allem dann, wenn es das erste Mal zu einem Affektkrampf bei ihrem Kind kommt. In der Ohnmacht entspannt sich der Körper jedoch, sodass das Kind rasch wieder aufwacht und in der Regel putzmunter ist.

Es sind keine Todesfälle infolge dieser Anfälle bekannt. Affektkrämpfe ziehen auch keine neurologischen Folgeschäden mit sich.

Worum es sich bei Affektkrämpfen handelt, sehen Sie auch in diesem Video:

2. Schwerwiegende Krankheiten bei einem Arzt ausschließen lassen

Kind mit EEG-Elektroden

Durch ein Hirnstrombild kann eine Epilepsie ausgeschlossen werden.

Affektkrämpfe treten ab dem ersten Lebensjahr häufig dann auf, wenn Emotionen wie Wut, Zorn oder Erschrecken überhandnehmen. Auch wenn die Wutkrämpfe medizinisch betrachtet keine Krankheiten darstellen, sollten Sie den Kinderarzt aufsuchen, wenn der Krampf zum ersten Mal bei Ihrem Kind auftritt.

Um eine gesicherte Diagnose stellen zu können, sind verschiedene Untersuchungen notwendig. Zunächst wird der Arzt fragen, wann und wie es zu einem solchen Affektkrampf gekommen ist. In einer anschließenden medizinischen Untersuchung geht es vor allem darum, andere Krankheiten auszuschließen. Der Arzt veranlasst in der Regel eine EEG und ein EKG, um sicherzugehen, dass es sich nicht um Epilepsie oder eine Herzerkrankung handelt.

Eine Therapie ist in der Regel nicht notwendig. Bei etwa 50 % der Kinder verschwinden diese Affektkrämpfe spätestens bis zum vierten Lebensjahr. Im Alter von acht Jahren leiden nur noch knapp 17 % der betroffenen Kinder unter den Krämpfen. Die Kinder lernen, besser mit ihren Emotionen umzugehen, sodass sie sich in diesen Situationen nicht mehr so stark in das Gefühl hineinsteigern.

Tipp: Treten die Affektkrämpfe aufgrund eines Eisenmangels auf, kann die Gabe von eisenhaltigen Medikamenten Linderung verschaffen.

3. Ruhig und gelassen mit einem Wutanfall umgehen

Psychogener Krampfanfall

Bei einem psychogenen Krampfanfall handelt es sich um einen Krampfanfall, der nicht auf organischen, sondern auf emotionalen Ursachen beruht. Die Symptome ähneln jedoch denen eines epileptischen Krampfanfalls.

Wenn Ihnen bereits bekannt ist, dass Ihr Kind unter Affektkrämpfen leidet, sollten Sie dies allen Betreuungspersonen mitteilen, bei denen sich ihr Kind gelegentlich aufhält. Erklären Sie, dass die Anfälle nicht gefährlich sind und von selbst wieder vorübergehen.

Auch wenn die Situation schockierend ist, sollten Sie es unbedingt vermeiden, in Panik zu geraten. Bleiben Sie möglichst ruhig, wenden Sie sich Ihrem Kind zu und nehmen Sie es, wenn nötig, auf den Arm. Diese Gelassenheit wirkt sich auch positiv auf die Reaktion ihres Kindes aus.

Die Krampfanfälle treten bei Kindern wesentlich seltener auf, wenn sich die Eltern ruhig verhalten und gleich darauf zu Tagesordnung übergehen. Die Affektkrämpfe sollten Sie auf keinen Fall als Druckmittel gelten lassen.

Tipp: Um eine Ohnmacht zu vermeiden, kann es helfen, laut in die Hände zu klatschen, dem Kind ins Gesicht zu pusten oder eine kalte Kompresse auf die Stirn zu legen.

Sorgen Sie außerdem dafür, dass Ihr Kind nicht auf harte oder spitze Gegenstände fallen kann, wenn es bewusstlos wird. Legen Sie Ihr Kind in die stabile Seitenlage und verzichten Sie unbedingt auf eine Beatmung. Benötigen Sie Hilfe im Umgang mit diesen Situationen, können Sie natürlich jederzeit ihren Kinderarzt um Unterstützung bitten.

Achtung: Sie dürfen Ihr Kind auf gar keinen Fall schütteln, während es ein Affektkrampf hat oder bewusstlos ist. Dadurch können irreparable Hirnschäden entstehen.

4. FAQs – Häufige Fragen und Antworten

dna

Wissenschaftler vermuten, dass auch genetische Ursachen eine Rolle spielen.

Muss ich einen Notarzt rufen, wenn mein Kind unter einem Affektkrampf leidet?

Tritt der Affektkrampf zum ersten Mal auf, sollten den Notarzt rufen oder einen Kinderarzt aufsuchen, um andere Ursachen auszuschließen. Hat ihr Baby zum wiederholten Mal einen hysterischen Schreianfall, sollten Sie hingegen auf das Rufen eines Notarztes verzichten. Denn auch wenn ein Affektkrampf für viele Eltern sehr schockierend ist, ist er in der Regel völlig harmlos. Bis der Notarzt bei Ihnen eingetroffen ist, geht es Ihrem Kind wieder blendend.

Sind Affektkrämpfe genetisch bedingt?

Die Ursachen für Affektkrämpfe sind noch weitestgehend unbekannt. Die Wut- und Schreikrämpfe treten jedoch gehäuft bei Jungen auf, die temperamentvoll, lebhaft und willensstark sind.

Da die Anfälle in einigen Familien gehäuft auftreten, gehen Wissenschaftler davon aus, dass das Auftreten auch zu einem großen Teil erblich bedingt ist. Eine Studie zu diesem Thema finden Sie hier.

Wie kann ich einem Anfall vorbeugen?

Im Grunde genommen können Sie einen Affektkrampf bei Ihrem Kind nicht verhindern. Wichtig ist, dass Sie aus Angst vor einem erneuten Anfall nicht dazu übergehen, Ihrem Kind jeden Wunsch zu erfüllen und in jeglicher Situation nachzugeben.

Sie können jedoch darauf achten, Situationen zu vermeiden, in denen die Anfälle gehäuft auftreten. Reagieren Sie außerdem entspannt und versuchen Sie Ihr Kind mit anderen Dingen abzulenken.

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