Waldorfkindergarten: Kindererziehung nach künstlerischen und praktischen Elementen

Das Waldorf Konzept beinhaltet die musikalische Förderung der Kinder.
  • Im Mittelpunkt der waldorfschen Kindergartenphilosophie stehen die individuelle und ganzheitliche Entwicklung der Kinder. Es wird auch besonders Wert auf die musikalische Erziehung der Kinder gelegt, sowie die Förderung der Kreativität.
  • Die Kosten für einen Waldorfkindergarten sind meist höher, als in anderen Einrichtungen. Waldorfkindergärten sind als freie Trägerschaft organisiert. Sie finanzieren sich zum einen durch staatliche Zuschüsse und zum anderen durch Mitgliedsbeiträge. Die Beitragsordnung ist an das Einkommen der Eltern gestaffelt.
  • Die Erzieher einer Waldorfkita haben eine ausgeprägte Vorbildfunktion. Die Kinder werden besonders in ihrer Selbstständigkeit gefördert. Sie können frei spielen, das heißt sie sollen ihrer eigenen Fantasie freien Lauf lassen können. Die Waldorfphilosophie geht davon aus, dass Kinder durch Nachahmung am besten ihre eigenen Lernfortschritte machen können.

Sobald der Nachwuchs aus dem Babyalter raus ist und das Kleinkindalter beginnt, suchen Eltern weitere Betreuungsmöglichkeiten für ihr Kind. In unserem Ratgeber zum Waldorfkindergarten geht es um die Kindererziehung nach künstlerischen und praktischen Elementen. Wir haben die Kernelemente der Waldorfphilosophie zusammengestellt, sodass dieser Ratgeber als Entscheidungshilfe für die Kinderbetreuung Ihres Kindes dienen kann. Neben Tipps für die Anmeldung in einer passenden Einrichtung ist dies auch ein Ratgeber für interessierte Eltern.

1. Was ist ein Waldorfkindergarten?

Das Konzept eines Waldorfkindergartens ist angelehnt an die anthroposophische Idee Rudolf Steiners. Demnach sollen sich die Kinder im freien Spiel entfalten, weil Kinder am besten durch Nachahmung lernen. Bei Waldorfkindergärten in Deutschland handelt es sich überwiegend um gemeinnützig eingetragene Vereine, die aus Elterninitiativen bestehen. Von der Kommune bekommt ein Waldorfkindergarten einen Zuschuss in Form von Geld- und Sachleistungen.

2. Welche Besonderheiten hat ein Waldorfkindergarten?

Waldorfkindergärten sind als freie Träger organisiert.

Musikalische Erziehung wird im Waldorfkindergarten gefördert.

Im Mittelpunkt des pädagogischen Konzeptes stehen die individuelle und ganzheitliche Entwicklung der Kinder. Es wird auch besonders Wert auf die musikalische Erziehung der Kinder gelegt, sowie die Förderung der Kreativität. Zum Konzept gehören regelmäßige Eurythmie-Einheiten (schöne Bewegung), wodurch die Kinder lernen auszudrücken, was durch Sprache nicht möglich ist. Da das Konzept eines Waldorfkindergartens darauf beruht, dass die Kinder am besten durch Nachahmung lernen, spielt das eigenständige Spielen und Handeln eine wichtige Rolle. Man geht davon aus, dass die Kinder auf diese Weise am besten ihre eigene Erfahrung machen können und fürs Leben lernen.
Waldorfkindergärten zeichnen sich durch einen festen Rhythmus aus. Der Tag folgt einem strukturierten Ablauf. Phasen des freien Spielens wechseln sich mit Phasen ab, in denen die Erzieher konkrete Anregungen liefern. Die Erzieher haben in einer Waldorf Kita eine starke Vorbildfunktion. Organisation und feste Tagesabläufe spielen eine große Rolle. Einzelne Wochentage folgen einem bestimmten Programm, wie beispielsweise Brotbacken oder ein besonderes Frühstück.
Durch das freie Spielen sollen die Kreativität und Individualität der Kinder gefördert werden. Die persönliche Entfaltung und Entwicklung eines jeden Kindes wird sehr ernst genommen, damit sich jedes Kindergartenkind nach seinem eigenen Rhythmus entwickeln kann.
Bei der Gestaltung des Alltags und der Dekoration im Kindergarten werden die Jahreszeiten berücksichtigt. Daran passen sich die Spielangebote für die Kinder an. Gespielt wird hauptsächlich mit Naturmaterialien, wie Holz, Wolle, Filz. Im Herbst kommen dann beispielsweise hauptsächlich Kastanien, Blätter und Eicheln zum Einsatz. Die Einbeziehung der Jahreszeiten soll den Kindern aktiv und bewusst den Wechsel der Jahreszeiten vor Augen führen. Es finden auch zu jeder Jahreszeit passende Feste statt.
Eine gesunde Ernährung gehört ebenfalls zum Konzept der Waldorfpädagogik. In die Herstellung bestimmter Lebensmittel werden die Kinder auch teilweise mit einbezogen.
Anders als in anderen Kindergärten sind die Eltern in einem Waldorfkindergarten stark eingebunden, insbesondere was die Finanzierung und Planung von Veranstaltungen betrifft.

3. Organisatorisches: Voraussetzungen für die Anmeldung in einem Waldorfkindergarten

Für die Aufnahme in einem Waldorfkindergarten ist ein Aufnahmegespräch erforderlich.

Anmeldung im Waldorfkindergarten.

Die Kosten für einen Waldorfkindergartenplatz sind meist höher, als in anderen Einrichtungen. Waldorfkindergärten sind als freie Trägerschaft organisiert. Sie finanzieren sich zum Einen durch staatliche Zuschüsse und zum Anderen durch Mitgliedsbeiträge. Die Beitragsordnung ist an das Einkommen der Eltern gestaffelt.
Die Anmeldung eines Kindes in einem Waldorfkindergarten erfolgt über ein Anmeldeformular, was viele Einrichtungen bereits auf ihrer Internetseite zum Download anbieten. Dort tragen die Eltern zunächst allgemeine Angaben zum Kind ein, wie Name und Alter. Im Anmeldebogen werden Eltern bereits gefragt, warum sie ihr Kind in einem Waldorfkindergarten anmelden möchten. Sobald das Anmeldeformular abgeschickt ist, setzt sich der Kindergarten mit den Eltern in Verbindung und lädt sie zu einem Aufnahmegespräch ein. Bei diesem Aufnahmegespräch wird über die Entwicklung des Kindes gesprochen und es werden die Details des Kindergartenalltags besprochen.

3.1 Aufnahmekriterien für den Waldorfkindergarten

In Waldorfkindergärten wird Wert auf eine ausgewogene Gruppenzusammensetzung gelegt.

Aufnahmekriterien für den Waldorfkindergarten.

Zu den entscheidenden Aufnahmekriterien zählen das Engagement der Eltern, also wie sie sich selbst in den Kindergartenalltag einbringen können, sowie das Interesse der Eltern für die Waldorfpädagogik.
Da es für die Anmeldung bestimmte Stichtage gibt, sollten sich interessierte Eltern vorab informieren, damit sie diese nicht verpassen. Eine frühzeitige Anmeldung ist oft sinnvoll, da die Plätze begrenzt sind. In einem Waldorfkindergarten wird auf eine ausgewogene Gruppenzusammensetzung (Altersstruktur- und Geschlechterverhältnis) geachtet.
Nach der schriftlichen Anmeldung und dem Aufnahmegespräch mit den Eltern entscheidet letztendlich das pädagogische Kollegium, ob ein Kind in die Kita aufgenommen wird. Nachdem dann zuletzt die Höhe der Beiträge festgelegt worden sind, kommt es zum Vertragsabschluss und das Kind kann seinen ersten Tag in der Kita beginnen.
Viele Einrichtungen sind mit einer Webseite im Internet vertreten. Dort können Sie sich bereits im Vorfeld informieren, ob es einen Waldorfkindergarten in Ihrer Nähe gibt. Haben Sie einen passenden Kindergarten gefunden, sollten Sie nachfragen, ob und wann Informationsabende angeboten werden. So können Sie sich bereits einen guten Einblick in den Ablauf des Kita-Alltages verschaffen.
Wenn Sie Ihr Kind im Anschluss an den Kindergarten, weiterhin im Rahmen der Waldorfpädagogik unterrichtet sehen wollen, können Sie Ihr Kind auch auf eine Waldorfschule schicken. Die Schüler durchlaufen die 12 Schuljahre ohne Sitzenbleiben. Neben den sachbezogenen Unterrichtsgebieten nimmt auch die künstlerische Ausbildung der Kinder einen großen Raum ein.

4. Vor- und Nachteile von Waldorfkindergärten:

Es gibt Befürworter und Kritiker von Waldorfkindergärten.

Vor- und Nachteile eines Waldorfkindergartens.

Jede Familie hat andere Erwartungen an das, was ein Kindergarten leisten soll. Ob ein Waldorfkindergarten letztendlich für das eigene Kind die richtige Wahl ist, hängt von den eigenen Werten und Ansprüchen ab.
Familien, die großen Wert auf die kreative und musikalische Entwicklung ihres Kinder legen, werden sich von dem Konzept eines Waldorfkindergartens angesprochen fühlen. Genauso, wie Familien, für die Naturverbundenheit eine große Rolle spielt. Denn in einer Waldorfkita bestehen die Spielsachen zum großen Teil aus Naturmaterialien, wie Holz, Kork, Wolle oder Filz. Als ein weiterer Vorteil ist ein behütetes Umfeld mit festen Strukturen und Abläufen zu nennen. Außerdem werden die Kinder besonders in ihrer Selbstständigkeit gefördert. Sie können frei spielen und sollen durch Nachahmung ihre eigenen Lernfortschritte machen.
Genauso wie es große Befürworter für das Waldorf Konzept gibt, so gibt es auch einige Kritiker. Diese empfinden das Konzept oft als dogmatisch und starr und bemängeln, dass alles, was von der anthroposophischen Philosophie abweicht, argwöhnisch betrachtet werde. Ihnen missfällt der strenge Ablauf, weil sie ihn als zu monoton empfinden. Als unzeitgemäß wird das Fehlen von mechanischen Spielzeugen oder Computern in den Einrichtungen gesehen. Einige Eltern stören sich auch an der ausgeprägten Vorbildfunktion der Erzieher und Erzieherinnen. Für viele sind auch die höheren Kosten und das geforderte Engagement der Eltern nicht mit ihrem Alltag vereinbar.

  • Kinder werden kreativ und musikalisch gefördert
  • Behütetes Umfeld mit festen Strukturen und Abläufen
  • Die Selbstständigkeit wird durch freies Spielen gefördert
  • Hohe Naturverbundenheit
  • Spielsachen aus Naturmaterielien
  • Zu dogmatische Pädagogik
  • Zu starre Abläufe und monotoner Tagesablauf
  • Hohe Erwartungen an die Eltern
  • Hoher finanzieller Beitrag
  • Keine mechanischen Spielzeugen oder Computern
  • Ausgeprägte Vorbildfunktion der Erzieher wird als störend empfunden
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