Reggio-Pädagogik: So werden Kinder in der Gemeinschaft erzogen

Reggiopädagogik-Ratgeber
  • Die Reggio-Pädagogik zeichnet sich durch ein sehr positives Kinderbild aus.
  • Im Fokus des Konzepts steht die freie und individuelle Entfaltung der Persönlichkeit ohne die Einmischung von außen.
  • Die Praxis kennzeichnet sich durch viele unterschiedliche Experimente und Projekte. Musikalität und Kreativität stehen dabei im Vordergrund.

In unserem Ratgeber beschäftigen wir uns mit der Reggio-Pädagogik. Was verbirgt sich hinter dem Begriff? Welches sind die pädagogischen Methoden und wie ist das Konzept entstanden? Sie erfahren, was einen Reggio-Kindergarten ausmacht und warum es Kritik an der Reggio-Pädagogik gibt.

1. Die Entstehung der Reggio-Pädagogik

Reggio-Pädagogik-Zusammenfassung der Stadt Reggio Emilia

In der italienischen Stadt Reggio Emilia wird Reggio-Pädagogik gelebt.

Die ersten Reggio-Kitas entstanden bereits kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Dabei bezieht sich Art und Weise auf die Fröbel-Pädagogik, die noch deutlich früher, bereits Anfang des 19. Jahrhunderts, entwickelt wurde.

Ausgangsort der neueren Reggio-Pädagogik war die italienische Stadt Reggio Emilia. Unter dem Einfluss des von Loris Malaguzzi wurden die Ziele der Reggio-Pädagogik in den 1970er Jahren weiterentwickelt.
Der Lehrer hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern sehr viele Freiheiten zu lassen, um sich selbst zu finden.

Zwar wurde die italienische Stadt bereits in den 1980er Jahren vielfach von ausländischen Erziehern besucht, dass die Reformpädagogik letztlich Berühmtheit erlangte und heute in weiten Teilen der Welt bekannt ist, verdankt Sie jedoch dem Newsweek Magazine.

Pat Wingert erklärte die von Malaguzzi entwickelten pädagogischen Handlungskonzepte in einem Artikel aus dem Jahre 1991 als bestes Entwicklungskonzept für die frühe Kindheit.

2. Das Kind steht im Zentrum

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Jedes Kind trifft seine eigenen Entscheidungen.

Im Wesentlichen zeichnet sich die Kindererziehung im Sinne von Reggio dadurch aus, dass es keine Kindererziehung gibt. Kinder sollen sich selbst so entwickeln, wie Sie es wollen. Sie sollen nicht nach starren Regeln lernen oder bestimmte Spiele spielen.

Weder Eltern noch Erzieher sollen ein Kind in eine bestimmte Richtung drängen. Dabei liegt die Überlegung zugrunde, dass jedes Kind wissbegierig ist und etwas lernen möchte. Das Bild vom Kind ist extrem positiv geprägt.

Die positiven Eigenschaften, die jedes Kind mitbringt, sollen gestärkt und gefördert werden. Daher existieren in einem reinen Reggio-Kindergarten keine klaren Kindergarten-Konzepte, denn jedes Kind hat andere Ideen und Vorstellungen, die es gerne umsetzen möchte.

Der Erzieher steht dabei am Rand und beobachtet das Verhalten. Bei Fragen und Anregungen, die von den Kindern selbst kommen, stehen die Erzieher hilfreich zur Seite.

Achtung: Die meisten Kindergarten-Konzepte lehnen eine reine Reggio-Pädagogik ab. Es gibt deutschlandweit nur wenige Kitas, die die Reggio-Pädagogik anwenden.

3. Freies Lernen mit Hilfe

Erzieher mit besonderer Aufgabe:

Im Gegensatz zu vielen anderen pädagogischen Ansätzen, sieht sich der Erzieher in der Reggio-Pädagogik als Begleiter, der auf Augenhöhe agiert.

Selbstverständlich ist es nicht möglich, dass Kinder gänzlich ohne Aufgabe sind. Es ist auch nicht das Ziel Von Reggio Kindern im Kindergarten keinen Impuls zu geben. Vielmehr fehlen lediglich konkrete Lernprinzipien im Kindergarten.

Jedes Kind hat seine eigene Art und Weise, sich auszudrücken. Umso wichtiger ist es, nach Anschauung der Befürworter von Reggio, dieses Verhalten zu intensivieren. In einigen anderen Kitas wird alles, was von der Norm abweicht, ignoriert.

Auch in Reggio-Kitas existieren Regeln. Diese erarbeiten die Kinder sich jedoch gemeinschaftlich in der Gruppe. Die dahinterstehende Idee ist, dass Kinder selbst entwickelten Grundsätzen deutlich mehr Beachtung schenken als von oben aufgezwungenen Regeln.

Um sicherzustellen, dass Kinder auch die Möglichkeiten bekommen, etwas auszuprobieren, werden sehr viele Materialien benötigt. Jedes Kind soll sich schließlich bestimmte Bereiche ansehen können, die das eigene Interesse wecken.

Im Gegensatz zu sonstigen Einrichtungen sind dies jedoch keine klassischen Spielsachen oder Spiele, sondern Bastelmaterialien oder Bauklötze.

Die Eltern spielen in der Reggio-Pädagogik eine zentrale Rolle:
In der italienischen Stadt Reggio existiert eine über Jahre hinweg gewachsene Verbindung zwischen Eltern, Erziehern sowie den Bewohnern Stadt selbst. Kinder, die sich für das Backen interessieren, bekommen Unterricht beim örtlichen Bäcker. Der Schreiner hilft hingegen beim Bau eines Baumhauses.

Da die Kinder stets unter Beobachtung und Beaufsichtigung stehen, ist ein guter Austausch zwischen allen Beteiligten auch heute noch Pflicht. Nur so lässt sich das Konzept konsequent umsetzen.

4. Projekte und Experimente bestimmen den Alltag

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Häufig werden Experimente durchgeführt.

In der Reggio-Pädagogik ist die Raumgestaltung etwas anders. Es gibt nicht viele Möbel, dafür jedoch zahlreiche Möglichkeiten, einen Raum zu nutzen.

Musik, Tanzen und kreative Arbeiten stehen dabei stets im Fokus. Es liegt jedoch an den Kindern selbst, welchen Teil sie entdecken möchten.

Werden Experimente oder Projekte durchgeführt, bestimmen die Kinder, warum es sich handeln soll. Dabei ist es völlig egal, ob es um Frösche, einen Vulkan, die Entstehung der Welt oder die Verfärbung der Blätter im Herbst geht.

Jedes Bild, jede Arbeit sowie jedes Projekt werden genau dokumentiert. Die Erzieher knipsen Fotos und halten Ihre Eindrücke zur Entwicklung des einzelnen Kindes fest.

5. Die Vor- und Nachteile der Reggio-Pädagogik

In der Gesamtschau bringt Reggio Vor- und Nachteile mit sich. Daher haben wir Ihnen im Folgenden eine kurze Pro-Contra-Liste der Reggio-Pädagogik zusammengestellt:

  • viel Freiheit, um eigene Entscheidungen zu treffen
  • kein strukturierter Tagesablauf, um die Spontanität zu fördern
  • ängstliche Kinder haben klare Bezugspersonen und verlieren bei gemeinsamen Aktivitäten schneller ihre Angst
  • enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erziehern, um gemeinsame Ziele zu verfolgen
  • ohne Mithilfe von außen kaum umsetzbar
  • manche Kinder brauchen klare Strukturen, da sie ansonsten überfordert sind
  • häufig zu wenig Personal, um jedem Kind gerecht zu werden
  • Kinder lernen nichts kennen, was sie nicht sofort begeistert, sodass ein sehr eingeschränkter Blick auf die Welt entstehen kann
  • keine Beschäftigung mit den Schwächen der Kinder, da die Förderung der Stärken im Vordergrund steht
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