Kinder im Auto – Sicherheit geht vor

  • In Deutschland besteht Kindersitzpflicht für alle Kinder unter 12 Jahren oder unter 150 cm Körpergröße
  • Je nach Gewicht, Alter und Größe des Kindes empfehlen die Hersteller unterschiedliche Modelle.
  • Nach einem Unfall muss der Kindersitz unbedingt durch einen Gutachter geprüft und ggf. ausgetauscht werden.

Wie man Kinder sicher im Auto transportiert, ist bereits kurz nach der Geburt des Babys ein sehr relevantes Thema. Welcher Platz im Auto ist der sicherste? In welcher Position müssen die Babyschalen und Kindersitze angebracht werden, um das Neugeborene bzw. Kind optimal zu schützen? Welche Rolle spielt der eingebaute Airbag?

Unser Ratgeber klärt sie über die allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen bei der Autofahrt mit Kindern auf und gibt Tipps, auf was sie beim Kauf eines Kindersitzes achten müssen.

1. Von der Autowiege zur Sitzerhöhung: Gewicht und Größe des Kindes sind entscheidend

Allgemein gilt: Bei jeder Beförderung von Kindern, die unter 12 Jahre alt oder kleiner als 150cm sind, besteht eine Kindersitzpflicht. Diese beiden Normen gelten jeweils für sich, d. h., wenn Ihr Kind bereits mit 10 Jahren über 150 cm ist, darf es ohne Kindersitz auch auf dem Rücksitz mitfahren. Ist Ihr Kind jedoch auch mit 13 Jahren noch kleiner als 150 cm, muss weiterhin ein Kindersitz verwendet werden. Eine wichtige Rolle bei der Wahl des geeigneten Autositzes spielt, neben Alter und Größe, das Gewicht des Kindes. Das Straßenverkehrsamt bietet auf seine Seite einen ersten Überblick der fünf Gewichtsgruppen:

  • Gruppe 0: von der Geburt bis 10 kg
  • Gruppe 0+: von der Geburt bis 13 kg
  • Gruppe I: 9-18 kg
  • Gruppe II: 15-25 kg
  • Gruppe III: 22-36 kg
Kindersitz mit Isofix-System

Wenn Sie beim Kauf eines mögliches Kindersitzes besonders sicher gehen wollen, sollten Sie sich für einen Artikel mit Isofix-System entscheiden.

Dieser Auflistung folgen auch die Herstellerseiten. Desweiteren sollte beim Kauf auf die Fixierungsmöglichkeiren des Sitzes im Auto geachtet werden: Das Isofix-System gilt als sicherste Option, da die Schale nicht nur mit dem Gurt gehalten, sondern fest mit der Rücksitzbank des Autos verbunden wird. Die Stiftung Warentest rät, auf das Prüfsiegel ECE-R44 mit der aktuellen Nummer 03/04 zu achten, um sowohl eine gesundheitsschädliche Schadstoffbelastung der Polster auszuschließen als auch die Einhaltung der ergonomischen und sicherheitsrelevanten Normen zu gewährleisten.

Achtung: Babyschalen können auch auf dem Beifahrersitz entgegen der Fahrtrichtung montiert werden. Ist in der Seitentür des Beifahrersitzes jedoch ein Airbag vorhanden, der nicht abgeschaltet werden kann, darf sie dort jedoch auf keinen Fall angebracht sein! 

Neben den Empfehlungen der Stiftung Warentest, können Sie auch die Auflistung des ADAC berücksichtigen. Achten Sie beim Kauf auch auf den garantierten Frontal- und Seitenaufprallschutz, damit Ihr Baby auch bei einem seitlichen Auffahrunfall gesichert ist.

Generell ist von Käufen aus zweiter Hand dringend abzuraten. Zwar mag der Preis Ihnen entgegenkommen und der Kindersitz auf den ersten Blick unbeschadet sein, jedoch können bereits kleinste Gebrauchsspuren auf Abnutzungschäden und Mängel hinweisen. Die Sicherheit Ihres Kindes geht in jedem Fall vor!

1.1. Isofix-System: Sie können Ihr Auto nachrüsten

Besonders bei älteren Fahrzeugmodellen fehlt oftmals das Bindeglied zwischen Karosserie und Kindersitz. Nachrüstungen können in überwiegenden Fällen vorgenommen werden, jedoch gibt es unterschiedliche Varianten des Isofix-Systems: Top Teather, Stützfuß und Low Teather. Wenn Ihr Kindersitz als Top Teather hergestellt wurde und Ihrem Auto diese spezifische Ausstattung fehlt, ist eine Nachrüstung leider nicht möglich. Auskünfte über die Nachrüstungsoptionen können Sie beim Fahrzeugshersteller oder in der Autowerkstatt Ihres Vertrauens erfragen. Falls Sie einen Audi, Volkswagen oder Ford fahren, können Sie sich selbst ein Nachrüstungsset im Internet kaufen und den Einbau vornehmen. Der Preis für ein solches Set liegt zwischen 70 und 100 Euro. Eine Werkstatt sollte allerdings die korrekte Installation überprüfen.

2. So befestigen Sie den Sitz richtig

Der beste Kindersitz nützt dann nichts, wenn er fehlerhaft im Auto montiert wird. Sind die Autogurte falsch durch den Sitz geführt oder nicht fest genug gespannt, kann dies beim Kind in einer Unfallsituation zu schwerwiegenden bis tödlichen Verletzungen führen. Beachten Sie deshalb unbedingt die Monturanweisung des Herstellers bzw. lassen Sie den Sitz im Zweifelsfall durch geschultes Fachpersonal einbauen.

Die Babyschale wird im Allgemeinen entgegen der Fahrtrichtung befestigt, der Autokindersitz hingehen meistens in Fahrtrichtung. Wenn Sie die Schale auf der Rückbank einschnallen, achten Sie bitte auf die korrekte Führung des Diagonal- bzw. des Beckengurtes. Der Dreipunktgurt des Kindersitz sollte weder zu fest noch zu locker am Körper des Kindes anliegen. Als Orientierung dient hier die eigene Hand, die flach zwischen Gurt und Kind passen sollte. 

Wenn Sie mehr als ein Kind transportieren möchten, gilt es die Ausstattung des eigenen Autos zu begutachten. Die wenigsten Autos geben genug Raum für drei Kindersitze auf der Rückbank. Ein Sitzkissen sollte bei einem jungen Kind aus Platzgründen nicht verwendet werden, da bei einem Aufprall weder Rücken noch Kopf ausreichend geschützt sind. Alternativ kann der Beifahrersitz genutzt werden, wenn der Kindersitz dafür vorgesehen und kein Airbag vorhanden ist.

3. Versicherungsfall: Wer übernimmt die Kosten für einen neuen Kindersitz?

Grundsätzlich müssen Kindersitze nach einem Unfall zur Sicherheitsüberprüfung an den Hersteller gesandt werden, denn in einen beschädigten Sitz dürfen Sie Ihr Kind auf keinen Fall wieder hineinsetzen. Falls Sie und Ihre Kinder schuldlos in eine Unfallsituation geraten, zahlt in der Regel die Kfz-Versicherung des Unfallverursachers die Kosten der Neuanschaffung, wenn der Sitz sichtbare Beschädigungen aufweist. Auch wenn diese nicht vorhanden sind, muss der Sitzung zur Prüfung beim Hersteller eingereicht werden, der dann über den Zustand des Sitzes entscheidet. Dies gilt auch für Kindersitze, die während des Unfalls nicht benutzt wurden. Ob die Versicherung jedoch den Ersatz der leeren Kindersitze übernimmt, liegt im Ermessen der Versicherungsgutachter. Manchmal wird auch nur der Zeitwert der Sitze gezahlt. Sind sie selbst Unfallverursacher, greift in den meisten eine abgeschlossene Vollkaskoversicherung. Auf welche Leistungen und Tarifmerkmale Sie beim Abschluss einer Kfz-Versicherung achten sollten, erfahren Sie auf unabhängigen Vergleichsportalen wie bspw. www.autoversicherung-vergleich.info , die Ihnen die verschiedenen Versicherer vorstellen und die Vor- und Nachteile der jeweiligen Policen darlegen. Im Falle eines Diebstahles des Kindersitzes übernimmt die Kosten der Neuanschaffung Ihre Teilkasko, wenn eindeutige Einbruchsschäden vorhanden sind bzw. Raub vorliegt.

4. Weitere Tipps für die Wahl des Sitzes

Neben den Sicherheitstest, welche die Stiftung Warentest regelmäßig an Kindersitzen durchführt, sind auch andere Parameter für den Kauf interessant. Entscheiden Sie sich für ein Isofix-System, kann die Babyschale nach der Fahrt nicht einfach aus der Fixierung gelöst werden. Wenn Sie Ihr Baby häufig im Auto mitnehmen und die Babyschale danach als Trage verwenden möchten, ist das Isofix-System möglicherweise etwas unpraktisch. Zu lange sollte sich das Kind jedoch ohnehin nicht in der Babyschale aufhalten, da die leicht gedrungene Lagerung zu Haltungsschäden führen kann. Britax-Römer und Maxi-Cosi, die führenden Hersteller von Kindersitzen, bieten deswegen auch Babyschalen mit Liegeposition an. Haben Sie vor, mit Ihrem Kind viele längere Reisen zu unternehmen, empfiehlt es sich bei der Wahl der Sitze auf eine Flugzeugzulassung bzw. auf ein ausgewiesenes Travelsystem zu achten.

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