Kind hört nicht: Tipps für die Erziehung in der Trotzphase

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  • Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Ihr Kind ab und zu einen Wutanfall bekommt und nicht hören will. Das ist ganz normal und deutet keineswegs auf eine schlechte Erziehung hin.
  • Die unterschiedlichen Erziehungsstile bringen natürlich auch verschiedene Wertvorstellungen mit sich. Gewalt darf jedoch keine Lösung darstellen.
  • Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Sie auf Trotzreaktionen reagieren können. Um diese Situationen zu vermeiden, sollten Sie die nachfolgenden Tipps ausprobieren.

Ab einem bestimmten Alter fangen Kinder an, ihre Grenzen auszutesten. Sie ignorieren, worum man sie bittet und nutzen jede Gelegenheit, um sich gegen Anweisungen aufzulehnen. Aber was können Eltern tun, wenn ihr Kind nicht hören will? Welche Konsequenzen und Erziehungsmaßnahmen helfen weiter?

Wir erklären Ihnen in unserem Ratgeber, was Sie tun können, wenn Ihr Kind in der Trotzphase nicht hören will. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie Ihre Anweisungen umformulieren können, damit die Worte bei Ihrem Kind Gehör finden. Außerdem klären wir Sie darüber auf, welchen Einfluss der Erziehungsstil hat.

1. Über die Kindererziehung lässt sich streiten

Erziehungsziele von Eltern

Beim Thema Erziehung scheiden sich die Geister.

„Mein Kind hört nicht“ ist ein häufiger Satz, den Eltern in verzweifelten Situationen von sich geben. Die Erziehung eines Kindes ist keine leichte Aufgabe. Die meisten Eltern stoßen irgendwann einmal an ihre Grenzen und wissen nicht mehr weiter. Häufig gibt es kein Richtig oder Falsch, da die Situationen immer individuell betrachtet werden müssen.

Wenn Sie keinen Ausweg mehr kennen, können Sie sich natürlich auch Hilfe holen. Erster Ansprechpartner kann in diesem Fall das Jugendamt sein. Hier können Sie Ihren Wohnort eingeben, woraufhin Ihnen das zuständige Jugendamt angezeigt wird. Eine weitere Möglichkeit ist eine sozialpädagogische Familienhilfe.

Die Trotzphase beim Kleinkind

Die Trotzphase bzw. Autonomiephase gehört zur normalen Entwicklung des Kindes. Sie beginnt etwa ab dem zweiten Lebensjahr und kann bis zum sechsten Lebensjahr andauern.

Grundsätzlich gibt es erst einmal verschiedene Erziehungsstile. Je nachdem, welchen Erziehungsstil die Eltern verfolgen, kann sich auch die Grundhaltung der Familie grundlegend unterscheiden. Das liegt vor allem daran, dass ein Erziehungsstil bestimmte Wertvorstellungen mit sich bringt. Während Eltern ihrem Kind bei der Laissez-Faire-Erziehung gar keine Regeln geben, gegen die das Kind verstoßen könnte, ist der autoritäre Erziehungsstil vor allem durch Strenge gekennzeichnet.
Daher ist es schwierig, allgemeingültige Regeln aufzustellen, wie Sie reagieren sollen, wenn ihr Kind frech ist und nicht hören will. In den folgenden Kapiteln haben wir einige Tipps für Sie zusammengestellt, die Ihnen ein Gefühl dafür geben sollen, welche Möglichkeiten der Kommunikation möglich sind.

Erziehung sollte grundsätzlich gewaltfrei erfolgen!

2. Der Ton macht die Musik

Kind hört nicht zu

Anschreien gilt als eine Art der Gewaltausübung.

„Je lauter, desto besser“ ist bei der Kindererziehung definitiv fehl am Platz. Wenn Sie Ihr durch das gesamte Haus anschreien, wird es sich nicht direkt angesprochen fühlen. Gehen Sie daher zu Ihrem Kind hin und versuchen Sie ruhig und in normaler Lautstärke zu erklären, was gerade das Problem ist. Die Unterhaltung auf Augenhöhe zeigt Ihrem Kind, dass Sie sich gerade nur mit ihm beschäftigen.

Aber nicht nur die Lautstärke ist von Bedeutung. Formulieren Sie Ihre Sätze klar und präzise. Aussagen, die bei Ihrem Kind als Fragen ankommen, werden gerne überhört und nicht ernst genommen. Versuchen Sie daher die Stimme von oben nach unten zu führen. Formulieren Sie Ihre Sätze zusätzlich immer positiv.

Indem Sie öfter Lob aussprechen statt zu schimpfen, bekommen Kinder ein besseres Verständnis dafür, welches Verhalten welche Folgen hat. So lohnt es sich für Ihr Kind auch, wenn es etwas macht, das ihren Erwartungen entspricht. Unerwünschtes Verhalten sollten Sie hingegen korrigieren oder ignorieren.

Tipp: Führen Sie ein Belohnungssystem ein. Für ein vorbildliches Verhalten können Sie beispielsweise Sterne verteilen. Bei einer bestimmten Anzahl an gesammelten Sternen können Sie zum Beispiel etwas Schönes zusammen unternehmen.

Aber Achtung: Sterne sollten Sie nicht für Pflichtaufgaben wie die Hausaufgaben vergeben.

Beispiel:

„Musst du dein Zimmer eigentlich immer so unordentlich hinterlassen?“

Besser:

„Deinen Schreibtisch hast du ja schon super aufgeräumt. Lass uns aber auch noch das Spielzeug vom Boden räumen.“

3. Erwartungen statt Drohungen aussprechen

Kind lügt Mutter an

Erklären Sie Ihre Erwartungen auf Augenhöhe.

Drohungen stellen immer negativ formulierte Sätze dar. Dadurch wird dem Kind die Macht und Überlegenheit der Eltern demonstriert. Dies stellt jedoch keine geeignete Basis dar, wenn wir etwas Bestimmtes von unseren Kindern erwarten. Hinzu kommt, dass die Drohungen in den meisten Fällen wenig glaubhaft sind, sodass Ihr Kind wahrscheinlich auf stur stellt.

Besser geeignet sind daher positiv formulierte Erwartungen. Nur wenn Ihr Kind genau weiß, was Sie von ihm erwarten, kann es Ihre Erwartungen auch erfüllen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Sie sich dabei auf Augenhöhe des Kindes begeben und nicht von oben herab Anweisungen erteilen.

Beispiel:

„Wenn du dich jetzt nicht endlich fertig machst, fahre ich ohne dich zur Arbeit.“

Besser:

„Ich möchte, dass du dich jetzt für den Kindergarten fertig machst. Du möchtest doch nicht zu spät kommen.“

4. Freiwilliges Handeln suggerieren

Elternführerschein für Kindererziehung

Geben Sie Ihrem Kind stets verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten.

Kinder möchten in der Trotzphase keine Vorschriften erteilt bekommen. Der Drang nach Autonomie und Selbstständigkeit ist in dieser Zeit besonders groß. Sie möchten selbst entscheiden, sich alleine anziehen oder eigene Entscheidungen treffen. Sie versuchen Ihren Willen daher so oft wie möglich durchzusetzen.

Auch wenn Eltern dieses Verhalten oftmals als Widerstand ansehen, ist es dennoch für die Entwicklung enorm wichtig. Da sie jedoch noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung stehen, sind sie häufig überfordert, wenn es nicht nach ihrer Nase geht. Das Handlungsziel kann noch nicht verändert oder verworfen werden.

Nehmen Sie Ihr Kind daher unbedingt ernst. Verschaffen Sie Ihrem Kind Handlungsfreiräume, sodass es das Gefühl bekommt, selbst entscheiden zu können. Wichtig ist natürlich, dass die Möglichkeiten immer noch auf ihren Entscheidungen basieren.

Beispiel:

„Iss jetzt deinen Teller auf.“

Besser:

„Ich habe uns was Leckeres gekocht. Möchtest du zuerst den Blumenkohl oder die Paprika probieren?“

5. Bedanken Sie sich im Voraus

Kind hört nicht wenn es Händewaschen soll

Durch das Bedanken im Voraus steigt die Verpflichtung, dem Wunsch nachzukommen.

„Bitte“ und „Danke“ zu sagen, gehört definitiv zum guten Benehmen. Kinder müssen lernen, andere zu grüßen, sich zu bedanken und auch zu entschuldigen. Am besten funktioniert das, wenn die Eltern ihnen diese höflichen Umgangsformen vorleben. Kinder sollten jedoch auch verstehen, warum diese Höflichkeiten wichtig sind. Erklären Sie dies am besten an konkreten Beispielen.

Auch Sie können diese Höflichkeiten nutzen, wenn Ihr Kind bockig ist und Aufgaben nicht erledigen möchte. Statt sich erst nach der erledigten Aufgabe zu bedanken, kann dies auch im Vorhinein geschehen. Durch das kleine Wort „Danke“ fühlen sich die Kinder eher verpflichtet, die Anweisung zu befolgen. Sie möchten dem Wunsch ihrer Eltern dann häufig auch nachkommen.

Beispiel:

„Wasch deine Hände, bevor du zum Essen kommst.“

Besser:

„Wasch bitte deine Hände, bevor du zum Essen kommst. Danke.“

6. Eine Überdosis Aufmerksamkeit vermeiden

Kinder verlangen nach unglaublich viel Aufmerksamkeit. Diese benötigen sie auch, um sich entwickeln zu können. Jedoch nur in Maßen. Wenn Sie Ihrem Kind übermäßig viel Aufmerksamkeit schenken, bekommt es den Eindruck, alles drehe sich nur um seine Bedürfnisse. Im Kindergarten oder in der Schule kann dieser Umstand zu einem echten Problem werden.

So müssen Kinder lernen, dass auch andere Menschen Bedürfnisse haben, die berücksichtigt werden müssen. Das Gleiche gilt zudem auch für übertriebenes Mitleid. Stolpert Ihr Kind beispielsweise beim Laufen und zieht sich einen Kratzer zu, dürfen Sie Mitgefühl aber kein Mitleid zeigen. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass solche Verletzungen normal sind und zum Alltag dazugehören.

7. Künstliche Bestrafungen unterlassen

konsequent sein Mutter

Bestrafungen machen nur im Kontext Sinn.

Viele Eltern fragen sich, inwieweit sie ihr Kind bestrafen sollen, wenn das Kind aggressiv ist oder nicht zuhört. Früher war es üblich, Strafen wie Fernsehverbot oder Hausarrest zu erteilen. Diese Erziehungsmaßnahmen sind jedoch längst überholt.

Außer, dass sie die Macht der Eltern gegenüber dem Kind demonstrieren, sind sie völlig sinnlos. Das Problem daran ist, dass Kinder den Zusammenhang zwischen ihrem Verhalten und der erhaltenen Strafe nicht erkennen können. Außerdem bekommt der Inhalt der Strafe eine besonders große Bedeutung, sodass der nächste Streit vorprogrammiert ist.

Daher ist es wesentlich sinnvoller, Konsequenzen statt zusammenhangslose Strafen einzuführen. Wirft Ihr Kind beispielsweise aus Wut ein Spielzeug weg, darf es nun den ganzen Tag nicht mehr damit spielen. So lernt Ihr Kind, dass ein Verhalten unmittelbare Konsequenzen mit sich bringt.

Achten Sie jedoch, darauf, dass Ihr Kind nicht nur negative, sondern auch positive Konsequenzen erfährt!

Klare Worte sind außerdem wichtig, wenn Ihr Kind haut oder tritt. Machen Sie Ihrem Kind sofort deutlich, dass diese Reaktion absolut unerwünscht ist.

8. Die Ruhe bewahren

Kindererziehung und Ausgeglichen sein

Mit Hilfe von Entspannungsübungen können Sie Stress abbauen.

Kinder in der Trotzphase können ganz schön anstrengend sein. Wenn Ihr Kind zwischendurch bockig ist, schreit und sich womöglich mitten im Supermarkt auf den Boden wirft, ist Abwarten angesagt. Lassen Sie Ihrem Kind ein wenig Freiraum und nehmen Sie etwas Abstand. Wenn Ihr Kind sich etwas beruhigt hat, können Sie es ruhig in den Arm nehmen und trösten.

Um diese Situationen zu vermeiden, können Sie jedoch auch etwas vorplanen. Planen Sie mehr Zeit ein, damit am Ende nicht alle in Stress geraten. Zudem kann es helfen, einige Unternehmen zu vermeiden, die von vorneherein mehr Stress als Freude bereiten. Diese Vermeidung darf jedoch nicht zur Regel werden.

Um Wutanfällen vorzubeugen, sollten Sie außerdem Rituale einführen. Diese geben den Kindern Sicherheit und Geborgenheit. Dazu zählen auch feste Regeln. Diese müssen ohne Ausnahmen gelten. So kommt Ihr Kind viel seltener auf die Idee, diese Grenzen auszutesten.

Tipp: Gegen Stress helfen außerdem geistige und körperliche Übungen wie Yoga oder Autogenes Training. Sie tragen zur Entspannung bei und schenken neue Kraft!

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