Ganztagsbetreuung: Das sollten Sie darüber wissen

Ganztagsbetreuung-Ratgeber
  • Die Ganztagsbetreuung ist ein sehr umstrittenes Thema, für viele Eltern jedoch zwingend erforderlich.
  • Große Probleme bereitet der Übergang von der Kita zur Grundschule, da lediglich für 40 % aller Kinder ein Platz in der Tagesbetreuung verfügbar ist.
  • Die Kosten für die Ganztagsbetreuung im Kindergarten unterscheiden sich bundesweit erheblich voneinander.

Ganztagsbetreuung gehört für viele Kinder in Deutschland zum Alltag. Ohne Einrichtungen, in denen die Kinder den Tag über betreut würden, ist eine Teil- oder gar eine Vollzeittätigkeit kaum vorstellbar.

Aber wie sieht es eigentlich konkret in der Ganztagsbetreuung aus? Welche Vor- und Nachteile sind damit verbunden?

In unserem Ratgeber informieren wir Sie über die Betreuung in der Kita. Sie erfahren, was die Ganztagsbetreuung kostet und was am Nachmittag für Ihre Kinder auf dem Programm steht. Zusätzlich widmen wir uns dem Problem des Übergangs zur Schule.

1. Die Ganztagsbetreuung spaltet die Gesellschaft

Vorteile der Ganztagsbetreuung

Es gibt sehr unterschiedliche Meinungen zum Thema Ganztagsbetreuung.

Ein Teil der Bevölkerung ist dringend auf Plätze in der Tagesbetreuung angewiesen. Andere verteufeln die Unterbringung und führen an, dass dies negative Auswirkungen auf die weitere Entwicklung hätte.

Sicherlich stellt sich die Frage, ob sich die Kinderbetreuung bei sehr kleinen Kindern bereits auf den Vor- und den Nachmittag erstrecken sollte, andererseits bleibt vielen Berufstätigen gar keine andere Wahl als Ihr Kind betreuen zu lassen.

Nach Einführung des Anspruchs auf einen Betreuungsplatz ist es wesentlich mehr Eltern möglich, früher wieder arbeiten zu gehen. Sie haben die Gelegenheit, Ihr Kind ganztags betreuen zu lassen, ohne sich um ein Kindermädchen kümmern zu müssen.

Nehmen sich Eltern keine Zeit für Ihr Kind, ist dies sicherlich nicht einfach in der Zukunft. Es fehlt an einer festen Bindung. Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn Kinder zwar ganztags betreut werden, anschließend aber nicht für sich alleine sind, sondern liebevoll in der Familie empfangen werden.

2. Der Tagesablauf der Ganztagsbetreuung im Kindergarten

Betriebskindergarten

Nicht jede Minute im Kindergarten ist durch ein Programm gefüllt.

Für viele Kinder beginnt der Tag ab dem ersten, zweiten oder dritten Lebensjahr in einer Kindertageseinrichtung. Kurz nach dem Aufstehen geht es los und bis zum späten Nachmittag ist es die Aufgabe der Erzieher, die Kinderbetreuung zu gewährleisten.

Frühstück und Mittagessen finden in der Kita statt. Lediglich das Abendessen erfolgt zu Hause. Aber ist das wirklich schlecht? In der Kita sorgt die Kindergärtnerin für eine Betreuung. Es gibt nur wenige Eltern die eine ähnliche oder sogar bessere Betreuung bewerkstelligen als im Kindergarten.

Neben dem Kontakt zu anderen Kindern gibt es zahlreiche Gruppenaktivitäten, Bewegungsspiele oder Sprachförderprogramme, um Kinder zu fordern und zu fördern.

Meist geht es mit einem kurzen Gesprächskreis los, in welchem alle Kinder ihre Gedanken teilen können. Häufig folgt im Anschluss ein gemeinsames Frühstück, bei dem alle Kinder mithelfen müssen. Sie lernen, sich in der Gemeinschaft zurechtzufinden.

Die Zeit bis zum Mittagessen ist durch Projekte, Spiele oder Bastelarbeiten meist ziemlich ausgefüllt. Da einige Kinder mittags aus der Kita abgeholt werden, wird es in den Nachmittagsstunden etwas ruhiger. Die Kinder werden nicht permanent gefordert. Oftmals entstehen in dieser Zeit Lücken, in den die Kinder dem freien Spiel überlassen werden.

Besonders die Zeiten, in denen es etwas ruhiger wird, fordern die Kreativität der Kinder heraus. Es liegt an ihnen, sich eigene Spiele zu überlegen oder sich eine andere Aufgabe zu suchen.

Kurze Zeiten, in denen Kindern langweilig ist, sind nicht automatisch schlecht. In diesen Phasen können die Kinder intensiv überlegen, welche Bereiche sie selbst interessieren, ohne dass diese vorgegeben werden.

3. Für die Ganztagsbetreuung in der Schule fehlen Plätze

Kinder fördern

Die Plätze in der Nachmittagsbetreuung sind begrenzt.

Wer sein Kind im Kindergarten ganztags betreuen lässt, bekommt schnell ein Problem, wenn es um die Kinderbetreuung in der Grundschule geht. Während es inzwischen zahlreiche Plätze in den meisten Kindertageseinrichtungen gibt, fällt der Bereich der Tagesbetreuung in der Grundschule eher schwach aus.

Derzeit lernen laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung etwa 40 % aller Schüler ganztags. Demgegenüber wünschen sich jedoch 72 % aller Eltern eine Ganztagsbetreuung für ihre Kinder.

In der ersten Klasse ist es noch unmöglich, dem Kind den Schlüssel in die Hand zu geben und erst ein paar Stunden später nach Hause zu kommen. Nachdem die meisten Mütter und Väter jedoch schrittweise wieder einem Vollzeit oder Teilzeitjob nachgehen, ist die Betreuung in den Nachmittagsstunden unbedingt erforderlich.

Gemäß der Studie werden dafür jedoch etwa 21 Milliarden Euro an Geldern benötigt.

Wer nicht auf die Ganztagsbetreuung zählen kann, muss entweder wieder kürzertreten oder aber eine Tagesmutter beschäftigen. Beides ist für viele Eltern keine wirkliche Option, da die Möglichkeiten mit großen finanziellen Einbußen einhergehen.

Im Gegensatz zum Kindergarten findet die Betreuung in der Schule lediglich nachmittags statt. Teilweise gibt es lediglich eine passive Betreuung in der Form, dass jemand da ist, während die Kinder Hausaufgaben machen können oder Spiele spielen.

In anderen Einrichtungen wird sehr viel Wert auf die Nachmittagsbetreuung gelegt. Hier erhalten besonders leistungsschwache Schüler eine Art Nachhilfe, indem ihnen bei den Hausaufgaben geholfen wird. Kinder aus Familien, die eher bildungsfern sind, profitieren von diesem Angebot und behalten den Anschluss in der Schule.

4. Die Kosten für die Ganztagsbetreuung sind überschaubar

Kinderfrau

Innerhalb Deutschlands gibt es große Preisunterschiede bei der Ganztagsbetreuung.

In den wenigsten Fällen scheitert die Betreuung an den Kosten. Diese sind im Verhältnis zum Zeitaufwand eher gering. Je nach Bundesland, Region oder Kommune gibt es jedoch sehr große Unterschiede.

Teils ist die Kinderbetreuung, abgesehen von den Verpflegungskosten, komplett kostenlos. In manchen Städten müssen Sie hingegen 300 bis 400 Euro pro Monat oder manchmal sogar noch mehr zahlen. Im Schnitt werden die Kinder dann jedoch auch zwischen 45 und 50 Stunden in der Woche betreut.
Einer Ganztagsbeschäftigung steht damit nichts mehr im Wege.

Beginnen Sie während der Elternzeit mit einer Teilzeittätigkeit, schauen Sie sich die Tarife der örtlichen Kitas genau an. Teils gibt es sehr hohe Unterschiede zwischen einer Betreuung über sieben oder neun Stunden täglich.

Generell richten sich Gebühren nach

  • Ihrem Einkommen
  • der Dauer der Betreuungszeit
  • sowie den Verpflegungskosten (Sie können auch selbst für das Essen sorgen.)

Tipp: Für die Ganztagsbetreuung in der Schule fallen in der Regel keine Zusatzkosten an. Diese werden komplett übernommen.

5. Es gibt gute Gründe für und wider die Tagesbetreuung

Wer sich etwas näher mit der Ganztagsbetreuung auseinandersetzt, wird schnell feststellen, dass es nicht nur Schwarz oder Weiß gibt. Es sprechen zahlreiche Faktoren für, jedoch auch einige gegen die umfassende Betreuung der Kinder.

Die folgende Gegenüberstellung soll Ihnen dabei helfen, die Vor- und Nachteile im Blick zu behalten, wenn Sie noch unschlüssig sind, ob dies für Sie infrage kommt.

  • bietet Eltern die Möglichkeit, arbeiten zu gehen
  • es wird für ein ordentliches Mittagessen gesorgt
  • Hilfe bei den Hausaufgaben (in der Schule)
  • oft sinnvolle Freizeitgestaltung
  • Förderung leistungsschwacher Kinder
  • ein großer Teil der Erziehung erfolgt nicht durch die Eltern
  • die sehr lange Zeitspanne, die Kinder in der Kita bzw. der Schule verbringen, wirkt teils belastend
  • weniger Zeit für eigene Hobbies und eine kreative Freizeitgestaltung (Sportvereine, Musikschulen etc.)
  • Kinder haben kaum Freunde außerhalb der Schule oder der Kita
  • schwierig für Kinder mit Anpassungsproblemen
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