Familienrecht: Was Eltern allgemein beim Recht für Familien beachten sollten

Familienrecht-Ratgeber
  • Das Familienrecht ist im Grundgesetz festgehalten. Detaillierte Regelungen zu den verschiedenen Bereichen des umfassenden Rechtsgebiets finden Sie im Vierten Buch des Bürgerlichen Gesetzbuchs (des BGB).
  • Die Gesetze, die am häufigsten zur Anwendung kommen, betreffen den Unterhaltsbereich sowie die Vorschriften über Ehe und Scheidung.
  • Familiengerichte werden häufig dann angerufen, wenn sich die Eltern nicht über Fragen bezüglich Ihres Kindes einigen können oder es um ein Scheidungsverfahren geht.

Das Familienrecht in Deutschland umfasst zahlreiche rechtliche Regelungen in sämtlichen familiären Angelegenheiten. Doch welche Fälle sind im Einzelnen davon erfasst? Gibt es Möglichkeiten der außergerichtlichen Einigung und wann geht es vor das Familiengericht?

In unserem Ratgeber geben wir Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Bereiche des Familienrechts. Sie erfahren, wo Sie einen Rechtsanwalt für Familienrecht finden und ob es sich lohnt, einen Anwalt zu engagieren.

1. Der Umfang des Familienrechts

Familienrecht Definition

Das Familienrecht gliedert sich in viele Bereiche.

Das Familienrecht ist im BGB (dem Bürgerlichen Gesetzbuch) geregelt. Die Gesetze sind im Vierten Buch des BGB, welches die Paragraphen 1297 bis 1921 umfasst, festgehalten. Zusätzlich stehen sowohl die Familie sowie die Ehe als auch die Kinder unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes (Art. 6 GG).
Konkret umfasst das Buch des Familienrechts die folgenden Bereiche:

  • Eherecht (dazu zählt selbstverständlich auch das Lebenspartnerschaftsrecht)
  • Scheidungsrecht
  • Unterhaltsrecht
  • Verwandtschafts- und Abstammungsrecht
  • Vormundschafts- und Betreuungsrecht

Die Bereiche, die für die meisten Menschen von besonderem Interesse sind, sind das Unterhalts-, das Sorgerecht sowie die Vereinbarungen zu Ehe und Scheidung.

1.1. Familienrecht und Unterhalt

Das Unterhaltsrecht selbst ist wiederum in verschiedene Rechtsgebiete aufgeteilt. Im Wesentlichen gliedert sich dieser Bereich in die folgenden Kategorien:

  • Kindesunterhalt (im Falle des Zusammenlebens beider Eltern wird der Unterhalt automatisch durch beide Elternteile erfüllt)
  • Trennungsunterhalt (in der Zeit, in der das Scheidungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist)
  • nachehelicher Unterhalt (nach Abschluss einer rechtskräftigen Scheidung)
  • Betreuungsunterhalt (in der Regel wird diese besondere Unterstützung während der ersten drei Lebensjahre des Kindes an den betreuenden Elternteil gezahlt)
  • Elternunterhalt (wenn die Eltern sich selbst nicht versorgen können)
Familienrecht Wiki

Die Regelung des Kindesunterhalts zählt zum wichtigsten Inhalt des Familienrechts.

Von besonderer Bedeutung ist der Unterhalt für Kinder. Dieser ist allen anderen Unterhaltsformen gegenüber vorrangig. Dabei werden seitens der Familiengerichte strenge Maßstäbe angelegt, um den Mindestunterhalt von Kindern sicherzustellen.

Der Unterhaltsanspruch selbst richtet sich nach dem eigenen Einkommen. Je höher das Einkommen ausfällt, desto mehr Geld steht auch für den Kindesunterhalt oder aber auch für andere Unterhaltsformen zur Verfügung. Jedoch ist es so, dass der Selbstbehalt, also das Einkommen, was dem Unterhaltspflichtigen verbleibt, steigt, wenn insgesamt mehr Geld zu verteilen ist.

Wie hoch der Mindestunterhalt ausfällt und welche Selbstbehaltssätze 2017 und 2018 gelten, können Sie in der Düsseldorfer Tabelle nachlesen. Die Rechtsprechung orientiert sich bei Ihren Berechnungen stets an der Maßgabe der Leitsätze des Oberlandesgerichts Düsseldorf.

Tipp: Im Rahmen von zu hohen gezahlten Unterhaltsleistungen an ein Kind, besteht unter gewissen Voraussetzungen ein familienrechtlicher Ausgleichsanspruch. Damit soll ein zu stark belasteter Elternteil entschädigt werden.

Neben dem Anspruch auf Kindesunterhalt stehen Ihnen im Falle einer Trennung weitere Ansprüche zu. Dies können Trennungsunterhaltsansprüche, Ansprüche auf nachehelichen Unterhalt oder aber Ansprüche gem. § 1615 l BGB sein, wenn Sie ein gemeinsames Kind betreuen.

1.2. Der Unterhaltsanspruch im Falle einer Trennung

Familienrecht Zusammenfassung

Das Familienrecht betrifft Ehe, Scheidung und vieles mehr.

Trennen sich Eltern oder aber verheiratete Paare, finden die Gesetze des Familienrechts Anwendung. Bei der Auseinandersetzung kommt es auf verschiedenen Faktoren an. Im Rahmen einer Ehe ist entscheidend, ob Sie und Ihr Partner in einer Zugewinngemeinschaft gelebt haben oder ob Sie eine Gütertrennung vereinbart haben.

Von einer Zugewinngemeinschaft ist immer dann auszugehen, wenn Sie keine besonderen Regelungen bei Ihrer Eheschließung beachtet haben. Kommt es zu einer Scheidung, erhalten beide Ehepartner jeweils die Hälfte des während der Ehe dazugewonnenen Vermögens. Sind Sie damit aus verschiedenen Gründen nicht einverstanden, steht es Ihnen frei, während der Ehe oder aber im Vorhinein einen entsprechenden Ehevertrag abzuschließen.

Beachten Sie allerdings, dass dieser vor einem Notar zu schließen ist und dass beide Ehepartner dem Vertragsinhalt zustimmen müssen. Zusätzlich darf ein Ehepartner nicht unverhältnismäßig belastet werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass ein Familiengericht den gesamten Vertrag als nichtig ansieht. Das Ergebnis wäre, dass Sie so gestellt werden, als wenn Sie den Ehevertrag niemals abgeschlossen hätten.

Bei einer Scheidung das richtige Gericht finden:

Örtlich zuständig ist in der Regel das Gericht, in dessen Bezirk beide Ehegatten wohnen. Wohnen Sie bereits getrennt, ist der Wohnort desjenigen maßgeblich, der den Scheidungsantrag nicht einreicht. Haben Sie gemeinsame Kinder, ist das Familiengericht zuständig, in dessen Bezirk der Partner mit den Kindern lebt.

Ein guter Anwalt für Familienrecht kann Ihnen dabei helfen, Ihre Ansprüche vor Gericht durchzusetzen. Sind Sie sich jedoch einig und bestehen nur kleinere Differenzen, können Sie im Falle einer Scheidung auch einen gemeinsamen Anwalt nehmen. Auch wenn dieser offiziell nur einen der beiden Ehepartner vertritt, so ist es üblich, dass Sie sämtliche Gespräche gemeinsam erledigen. Dies bietet sich an, falls Sie die Kosten eines weiteren Anwalts einsparen möchten.

Versorgen Sie nach der Trennung von Ihrem ehemaligen Lebensgefährten Ihr Kind alleine, steht Ihnen ein Anspruch auf Betreuungsunterhalt gem. § 1615 l BGB zu. Dieser Anspruch bildet einen Ausgleich dafür, dass Sie in der ersten Phase des Lebens Ihres Kindes nur schwer oder gar nicht arbeiten gehen können. In der Regel endet dieser Anspruch, sobald Ihr Kind drei Jahre alt wird. In Ausnahmefällen besteht jedoch auch über diese Zeitspanne hinaus ein Unterhaltsanspruch.

1.3. Betreuung, Vormundschaft und Sorgerecht im Familienrecht

Familienrecht Zusammenfassung

Zögern Sie bei Problemen nicht, sich Hilfe zu suchen.

Das Familienrecht Deutschlands umfasst nahezu jeden Bereich, der familiär von Bedeutung sein könnte. Viele Probleme treten bei einer Trennung auf, wenn es um das Sorgerecht für ein gemeinsames Kind geht. Da das Sorgerecht grundsätzlich beiden Eltern gemeinsam zusteht, ändert auch eine Trennung oder Scheidung zunächst nichts daran.

Viele Menschen glauben, dass das Sorgerecht automatisch auf denjenigen übergeht, bei dem das gemeinsame Kind lebt. Dem ist jedoch nicht so. Geht es um wichtige Entscheidungen bezüglich des Kindes, beispielsweise um einen Umzug oder eine geplante Operation, müssen beide Elternteile gemeinsam eine Entscheidung für Ihr Kind treffen.

Kommt es nicht einvernehmlich zu einer solchen Entscheidung, so besteht die Möglichkeit, das Familiengericht einzuschalten. Dies sollte allerdings möglichst der letzte Ausweg sein. Zusätzlich können Sie eine Beratung für Familienrecht bei den Jugendämtern Ihrer Stadt oder Gemeinde in Anspruch nehmen. Meist lassen sich mithilfe einer neutralen Partei Kompromisse aushandeln, mit denen beide Elternteile leben können.

Im Bereich der Vormundschaft sind die örtlichen Jugendämter ebenfalls der erste Ansprechpartner. Gibt es Schwierigkeiten zu Hause, können sich Hilfesuchende stets an die Mitarbeiter der Behörde wenden, um eine Rechtsauskunft zu erhalten.

Alternativ stehen Ihnen Kanzleien für Familienrecht mit Rat und Tat zur Seite. Allerdings sollten Sie sich vor der Inanspruchnahme eines Anwalts über die Kosten im Klaren sein. Eine Versicherung für Familienrecht gibt es indes nicht. Möchten Sie, dass Ihre Versicherung für Rechtsschutz das Familienrecht mit abdeckt, so werden Sie einige Sonderbausteine vereinbaren müssen. Beachten Sie jedoch, dass eine solche Versicherung nicht günstig ist und Sie diese nicht erst kurz vor einer anstehenden Scheidung abschließen können.

2. Nicht immer lässt sich der Gang zum Familiengericht vermeiden

Gesellschaftsrecht

Das Familiengericht zählt zu den Zivilgerichten.

In einigen Fällen im Familienrecht ist es unmöglich, nicht vor Gericht zu gehen. Der wichtigste Fall betrifft die Scheidung, die zwingend vor dem Familiengericht stattfindet. Geht es hingegen um andere Probleme, ist es zwar nicht grundsätzlich erforderlich, vor Gericht zu gehen, rein praktisch bleibt Ihnen jedoch kein anderer Ausweg, um Ihr Recht durchzusetzen.

Häufig kommt dies in den Bereichen des Sorge-, des Umgangs- oder des Unterhaltsrechts vor. Planen Sie beispielsweise, das alleinige Sorgerecht zu beantragen, ist die Zustimmung des anderen Elternteils nötig. Weigert sich Ihr Expartner oder Ihre Expartnerin, so bleibt Ihnen nur der Gang zum Gericht.

Besonders bei einer so wichtigen Entscheidung wie dem Sorgerecht ist es unsere Empfehlung, einen Anwalt für Familienrecht zu kontaktieren. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Sie Ihr Anliegen vielleicht nur aus dem Grund nicht durchsetzen können, dass Ihnen der rechtliche Background fehlt, um entsprechend des Gesetzes zu argumentieren.
Wie Sie bei der Anwaltssuche im Familienrecht vorgehen, sollten Sie allerdings selbst entscheiden.

Tipp: Rechtsanwälte, die häufig in diesem Bereich arbeiten und eine Zusatzqualifikation vorweisen können, nennen sich Fachanwalt für Familienrecht.

Bei der Suche nach einem geeigneten Rechtsanwalt sollten Sie neben der Qualifizierung auch darauf achten, dass Sie ein gutes Gefühl haben. Es bringt nur wenig, wenn ein Anwalt fachlich kompetent ist, Sie sich aber bei Fragen nur äußerst ungern mit ihm auseinandersetzen. In einem Erstgespräch ist es die Pflicht Ihres Rechtsbeistands, Sie über die auf Sie zukommenden Kosten zu informieren. Geschieht dies nicht, fragen Sie konkret nach.

Wenn Sie sich mit anderen Müttern, Vätern oder frisch Getrennten austauschen möchten, nutzen Sie ein Familienrecht-Forum. Sie werden schnell feststellen, dass Sie mit Ihren Problemen nicht alleine sind.

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