Kinder erziehen: Das sollten Eltern bei der Erziehung beachten

Erziehung-Ratgeber
  • Erziehung bedeutet, den Geist und Charakter eines Menschen zu bilden. Dabei wird Einfluss auf die Entwicklung und das Verhalten eines Kindes genommen.
  • Es gibt verschiedene Erziehungsstile, die alle unterschiedliche Merkmale haben. Ein Erziehungsstil ist immer mit einem Erziehungsziel verbunden.
  • Bei Problemen in der Erziehung können sich Eltern oder Familienangehörige Beratung und Tipps über die Kinder- und Jugendhilfe holen. Auch Erziehungsratgeber für Kindergartenkinder können hilfreich sein.

Die Geburt eines Kindes ist wohl einer der schönsten Momente im Leben eines Menschen. Die ersten Wochen oder Monate zuhause müssen Sich zunächst alle an die neue Familiensituation gewöhnen. Aber wann muss ich anfangen meine Kinder aktiv zu erziehen? Und welchen Erziehungsstil möchte ich eigentlich verfolgen? Gibt es einheitliche Regeln, die ich meinem Kind unbedingt vermitteln muss? Welche Erziehungsmaßnahmen sind bei Kindern besonders erfolgversprechend?

Diese und viele weitere Fragen brennen frisch gebackenen Müttern und Vätern unter den Nägeln. In unserem Ratgeber zur Kindererziehung erfahren Sie, was Erziehung ist und wann sie eigentlich beginnt. Außerdem erhalten Sie einen Einblick in verschiedenen Erziehungsstile. An praktischen Beispielen können Sie dabei lernen, wie Erziehung gut gelingen kann. Wenn Sie trotz allem Probleme mit Ihrem Kind haben, zeigen wir Ihnen, wo Sie umfassende Beratung erhalten.

1. Erziehung bedeutet Einfluss zu nehmen und Verantwortung zu übernehmen

Erziehung Wortherkunft

Kindererziehung ist keine leichte Aufgabe.

Der Begriff Erziehen leitete sich von dem althochdeutschen Wort irziohan(herausziehen) ab. Laut Pädagogik bedeutet Erziehung, dass jemand durch verschiedene Maßnahmen und Regeln den Charakter eines Menschen bildet. Dabei soll das Verhalten des Kindes so gesteuert werden, dass dieses in der Zukunft ein eigenständiges und gutes Leben führen kann.

In den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten unterlag der Begriff und dessen konkrete Bedeutung einer stetigen Entwicklung. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war Erziehung sehr religiös geprägt. Ziel der Erziehung war es in erster Linie, einen gläubigen Menschen zu formen.

Erziehung im Grundgesetz

Die Erziehungspflicht und das Erziehungsrecht sind auch gesetzlich geregelt. In Art. 6 Abs. 2 des Grundgesetzes heißt es: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“.

Aber auch Eigenschaften wie aufgeklärt und gebildet spielten ab dem 17. Jahrhundert eine große Rolle. Heutzutage wird Erziehung als Lernprozess gesehen, der zwischen dem Erziehenden und dem Zu-Erziehenden stattfindet. Moderne Ziele sind dabei Ehrlichkeit, Selbstvertrauen und Verantwortungsgefühl.

Da das Wort Erziehung mittlerweile jedoch in der Gesellschaft eine schlechtes Image hat, sprechen Experten häufig von Sozialisation, bei der auch die Selbsterziehung eine große Rolle spielt. Zudem wird der Begriff häufig vermieden, weil er zu unscharf ist und es keine einheitliche inhaltliche Bestimmung gibt.

2. Erziehung beginnt von Geburt an

Erziehungsratgeber Baby

Bildung und Erziehung in der Kindheit prägen das ganze Leben.

Viele Eltern stellen sich die Frage, wann Erziehung nun eigentlich anfangen sollte. Die Antwort darauf ist denkbar einfach: von Beginn an. Natürlich ist es zunächst einmal wichtig, dass Sie die Bedürfnisse Ihres Kindes erfüllen. Das ist auch deshalb wichtig, damit die Kinder ihr Urvertrauen behalten und wissen, dass sie sich immer auf Sie verlassen können.

Allerdings sollte es von Anfang an Grenzen geben. Selbst Säuglingen und Kleinkindern muss klargemacht werden, dass auch andere Menschen Bedürfnisse haben, die gestillt werden müssen. Beipielhaft wäre hierfür das gemeinsame Essen. Wenn das Baby gefüttert werden muss, müssen auch alle anderen Familienmitglieder die Zeit und die Ruhe zum Essen bekommen. Selbst wenn das Kind schreit, sollten die Eltern keineswegs nachgeben.

Aber spätestens sobald die Kleinen anfangen zu krabbeln und zu laufen, ist es enorm wichtig, Grenzen aufzuzeigen. Natürlich ist es schön, wenn sie die Welt entdecken möchten. Allerdings sollten Eltern von Anfang an deutlich machen, was erlaubt und was verboten ist. Diese Grundreglen müssen auch unbedingt während der Trotzphase durchgezogen werden.

Achtung: Gefahrenquellen wie Steckdosen oder Putzmittel sollten dennoch stets gesichert werden.

Sollte Ihr Kind trotz klarer Regeln gegen diese verstoßen, empfiehlt es sich, konsequent zu sein. Ratsam ist in diesen Fällen jedoch eine Erziehung ohne auszurasten. Da sich Kleinkinder Regeln noch nicht so gut merken können, ist es notwendig, diese immer und immer wieder zu wiederholen.

Natürlich sollten Eltern Ihren Kindern nicht alles verbieten, sondern auch Freiräume gewähren. Ratsam sind wenige, aber dafür wichtige Regeln, die unter allen Umständen eingehalten werden müssen.

3. Die verschiedenen Erziehungsstile

Ratgeber Erziehung Kleinkind

Es gibt verschiedene Erzeihungsmethoden bei Kindern

Es gibt nicht nur einen Weg, Kinder richtig zu erziehen. Denn nicht jeder hat die gleichen Wertvorstellungen. Eltern geben Ihren Kindern weiter, was auch für Sie wichtig ist. So kommt es auch zustande, dass es viele verschiedene Stile der Kindererziehung gibt. Der Stil zeigt sich vorrangig über Belohnung und Bestrafung. Eine Mutter oder ein Vater übt dabei Macht über das Kind aus, indem sie entscheiden, Aufgaben zuteilen und Grenzen setzen.

Oftmals wird ein Erziehungsstil unreflektiert ausgeübt. Er basiert auf Intuition und eventuellen Kenntnissen über die Wirksamkeit von verschiedenen Methoden.

Früher wurden die Stile in drei Kategorien aufgeteilt:

  • Autoritär
  • Antiautoritär
  • Laissez-Faire

Heutzutage gibt es jedoch viele weitere Stile, die wir Ihnen nun in einem groben Überblick vorstellen möchten:

Erziehungsstil Merkmale
Autoritär Strenge Erziehung; viele Regeln und Befehle; Belohnung und Bestrafung; Kind wird von den Eltern gelenkt; Bedürfnisse und Wünsche der Kinder spielen kaum eine Rolle
Antiautoritär Gegenpol zum autoritären Erziehungsstil; Methode ohne Zwänge; Selbstentfaltung des Kindes steht im Vodergrund; wenige, aber klare Regeln; viel Spielraum
Autokratisch Steigerung des autoritären Erziehungsstils; strenge Regeln, keine Kompromisse; Kind hat kein Mitbestimmungsrecht; oft Drohungen und Bestrafungen
Permissiv Eine Art antiautoritären Stils; das Kind muss selbst Verantwortung übernehmen und aktiv werden; Eltern halten sich eher zurück
Negierend Im Prinzip findet keine Erziehung statt; es gibt keine Regeln und keine Vorgaben; Eltern sind passiv und emotionslos; Entwicklung des Kindes passiert zufällig
Demokratisch Das Kind hat ein Mitbestimmungsrecht; wichtige Entscheidungen werden zusammen getroffen; das Kind erhält Vorschläge; Eigeninitiative und Selbstständigkeit werden gefördert; Eltern strahlen Wärme aus und fungieren als sicherer Hafen
Egalitär Eltern und Kinder sind gleichberechtigt; Die Meinung des Kindes zählt genauso wie die Meinung der Eltern; keine hierarchische Struktur; Selbstständigkeit und Eigenaktivität werden gefördert
Laissez-Faire Passiver Erziehungsstil; es gibt kaum Regeln oder Orientierung; im Extremfall Vernachlässigung der Kinder

Jeder dieser Erziehungsstile weist natürlich Vor- und Nachteile auf. Selbstverständlich ist es nicht gut, zu viele Regeln und Grenzen aufzuzeigen, wie beispielsweise beim autokratischen Erziehungsstil. Auf der anderen Seite fühlen sich Kinder vielleicht verloren, wenn Eltern ihnen keine Maßstäbe geben oder Orientierung bieten wie es bei der antiautoritären Erziehung der Fall ist.

Generell müssen Eltern individuell entscheiden, welches Modell am besten zu ihnen und ihrem Lebensstil passt. Allerdings klappt Erziehung in der Familie wesentlich besser, wenn verschiedene Modelle miteinander kombiniert werden. Daher sollte die Erziehung im besten Falle situationsbedingt erfolgen. Durch die Flexibilität können Konflikte häufig vermieden werden. Gleichzeitig lernen die Kinder, dass es zwar Regeln gibt, sie aber in bestimmten Situationen ein Mitbestimmungsrecht haben und ernst genommen werden.

Denn jeder Erziehungsstil ist sehr eng mit Erziehungszielen verbunden. Wenn Sie Ihren Kindern beispielsweise mehr Freiraum lassen, können sie sich besser entfalten und selbstständig werden.

4. Erziehungstipps für Eltern

Erziehungsmaßnahmen bei Kindern

Erziehungstipps können sehr hilfreich sein.

Viele Eltern stoßen bei der Kindererziehung hin und wieder mal an ihre Grenzen. Gerade junge Eltern sind manchmal mit Situationen überfordert. Das ist völlig normal und zeigt, dass es gar nicht so leicht ist, Kinder zu erziehen. Dabei fallen auch mal Sätze oder Worte, die nicht unbedingt so gemeint sind. Daher sind die meisten Familien schon froh, wenn ein Tag ruhig und ohne Streitigkeiten verläuft.

Die Erziehung von 2-Jährigen sieht natürlich in der Praxis anders aus als bei 5-Jährigen. Ein Kind im Alter von zwei Jahren kann den Sinn von Regeln meist noch nicht erkennen. Daher ist es wichtig, dass Sie besonders konsequent sind und Maßnahmen nicht zur Diskussion stellen. Einem 5-jährigen Kind können Sie hingegen erklären, warum bestimmte Dinge verboten sind.

Es gibt jedoch einige Regeln, die den Alltag erleichtern und damit das Familienleben so harmonisch wie möglich machen. Die Grenzen und Regeln sorgen zudem für Sicherheit bei Ihren Kindern.

  • Situationen erklären und Interesse zeigen
  • Liebe, Zuneigung und Körperkontakt
  • Feste Rituale
  • Klarheit bei der Grenzenziehung
  • Zeit für Sport, Spiel, Lernen und Entspannung
  • Klare Rollenverteilung
  • Vertrauen schenken

Bei einer zweisprachigen Erziehung sollten Sie zudem unbedingt darauf achten, dass die zweite Sprache für Ihr Kind eine Bedeutung hat. Das bedeutet, dass sie entweder von vielen und/oder sehr nahen Personen in der Umgebung gesprochen werden sollte. Die Zweitsprache sollte mindestens von einem der beiden Elternteile gut beherrscht werden.

5. Erziehungsberatung erhalten Eltern über die Kinder- und Jugendhilfe

Erziehungsratgeber Kleinkind

Hilfe bei der Kindererziehung erhalten Eltern bei der Kinder- und Jugendhilfe.

Ein Erziehungsratgeber wie dieser kann natürlich nicht alle Erziehungsfragen bei Kleinkindern beantworten. Wenn Sie also noch weitere Fragen rund um die Kindererziehung haben, hilft in manchen Fällen bereits ein Erziehungs-Buch weiter. Dort erhalten Sie viele Erziehungstipps, wie Sie mit unterschiedlichen Situationen pädagogisch wertvoll umgehen können.

Erziehungsberatung bekommen Eltern oder alleinerziehende Elternteile zudem über die Kinder- und Jugendhilfe. Diese Familienberatungsstellen geben Ratschläge und Hilfestellungen, wenn Erziehungsprobleme bei Kleinkindern oder älteren Kindern auftreten. Sie unterstützen die Eltern und arbeiten zumeist eng mit Kindertagesstätten und Schulen zusammen.

Die häufigsten Gründe für Erziehungsberatung sind:

  • Entwicklungsauffälligkeiten
  • Belastungen durch familiäre Konflikte
  • Probleme in der Schule oder Ausbildung
  • Verminderte Erziehungskompetenz der Eltern
  • Gefährdung des Kindeswohls

Eine weitere Möglichkeit ist es, online Erziehungsberatung zu erhalten. Diese virtuellen Beratungsstellen, zum Beispiel der Fachverband für Erziehungs-, Familien- und Jugendberatung, haben den Vorteil, dass auch Familien Ratschläge bekommen, die nicht mobil sind. Häufig wird diese Art der Kommunikation auch genutzt, wenn sich die Ratsuchenden schämen und Hemmungen haben, direkten Kontakt herzustellen. Jede Beratung erfolgt anonym und kostenlos!

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