Eherecht in Deutschland: Das sollten Eheleute über das neue Eherecht und Ehegesetz wissen

Eherecht-Ratgeber
  • Seit dem 01. Oktober 2017 können auch gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland die Ehe miteinander eingehen.
  • Ohne Ehevertrag gehen Sie bei einer Heirat in Deutschland eine Zugewinngemeinschaft ein. Gemäß des Eherechts wird Ihr beider Vermögen bei einer Scheidung untereinander geteilt.
  • Ehepartner können sich bei Geschäften des täglichen Lebens gegenseitig verpflichten. Dies gilt jedoch nicht bei Verfügungen über einen Großteil des Vermögens.

Wer sich in Deutschland zur Eheschließung entscheidet, wird mit zahlreichen Regelungen konfrontiert. Im Familienrecht, welches im vierten Buch des BGB (des Bürgerlichen Gesetzbuchs) geregelt ist, ist das Eherecht eines der zentralen Themen. In unserem Ratgeber widmen wir uns der Frage, wie das Eherecht funktioniert.

Wir informieren Sie über die Voraussetzungen zur Eheschließung und über die Möglichkeiten einer Rechtsberatung. Leben Sie bereits längere Zeit in einer Partnerschaft, ändert sich auf den ersten Blick nicht viel. Doch was bedeutet das Eherecht der Zugewinngemeinschaft und unter welchen Bedingungen können Sie einen Ehevertrag mit Ihrem Partner abschließen?

Da Eherecht und Scheidung untrennbar miteinander verbunden sind, erhalten Sie auch einen kurzen Überblick über das Scheidungsrecht.

1. Neuheiten des Eherechts

Neues Eherecht – Deutschland ist spät dran

Gleichgeschlechtliche Paare können in den Niederlanden seit 2001, in Südafrika seit 2006, in Norwegen seit 2009 und selbst in Kolumbien seit 2016 heiraten.

In Artikel 6 des deutschen Grundgesetzes heißt es, dass Ehe und Familie den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung genießen. Bis September 2017 war dieses Privileg jedoch allein heterosexuellen Partnern vorbehalten.

Nach einer Entscheidung des Bundestags, in welcher die Mitglieder aller Parteien allein nach ihrem Gewissen entscheiden sollten, wurde das Eherecht für Homosexuelle in Deutschland eingeführt. Aus einer bisherigen Lebenspartnerschaft oder nichtehelichen Lebensgemeinschaft kann nun die Ehe werden. Durch diese Entscheidung sind Homosexuelle heterosexuellen Paaren auch in diesem Bereich gleichgestellt.

Wer seine bestehende Lebenspartnerschaft nun in eine Ehe umwandeln möchte, muss jedoch aktiv werden. Es erfolgt keine automatische Umstellung.

2. Die Regelungen des Eherechts im BGB

Eherecht und Ehevertrag

Seit kurzem dürfen auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten.

Eine Hochzeit ist etwas Romantisches und für viele der schönste Tag im Leben. Doch rein rechtlich betrachtet handelt es sich bei der Ehe lediglich um eine vertragliche Vereinbarung. In dieser verpflichten sich beide Ehepartner, füreinander einzustehen.

Abgesehen von der Steuerklasse ändert sich für viele Paare zunächst nicht viel. Schließen Sie keinen Ehevertrag ab, sieht das Eherecht die Zugewinngemeinschaft untereinander vor. Dies ist in der Regel erst bei einer Scheidung von Relevanz.

Im Einzelnen umfasst das Eherecht die folgenden Bereiche:

  • Voraussetzungen zur Eheschließung (Volljährigkeit, keine Mehrehe, keine Verwandtschaft in gerader Linie)
  • das Güterrecht (im Eherecht kann Gütertrennung vereinbart werden oder aber eine Gütergemeinschaft; wird ein Ehevertrag im Eherecht mit Gütertrennung geschlossen, erfolgt bei einer Ehescheidung kein Zugewinnausgleich)
  • Unterhaltsansprüche (es finden sich zahlreiche Vorschriften zur Trennung im Eherecht; im Falle einer Scheidung entstehen im Eherecht Pflichten, den anderen Partner abzusichern)

Auch wenn das Eherecht der katholischen Kirche eine erneute Heirat ohne triftigen Grund untersagt, ist dies in Deutschland problemlos möglich. Es zählt lediglich die Ehe, die Sie vor einem Standesamt schließen. Ob Sie kirchlich heiraten oder nicht, ist Ihnen selbst überlassen.

2.1. Die Geschichte des Eherechts

Das Ehegesetz in Deutschland hat sich nicht nur durch die jüngsten Ereignisse der Einführung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare verändert. Lange Jahre prägten vor allem christliche Ideale das Eherecht in Deutschlands Geschichte.

Grundlegende Einschnitte erfolgten durch das Nationalsozialistische Regime 1933. Im späteren Verlauf der Historie kam es erst im Jahr 1976 zu einer umfassenden Reform. Vor allem die Rechte der Frauen wurden durch dieses Gesetz gestärkt.

Während eine Scheidung in früheren Zeiten noch undenkbar war, zählen wir heute laut Angaben des Statischen Bundesamts jedes Jahr etwa 163.000 Scheidungen.

2.2. Das Sorgerecht während und nach der Ehe

Für viele Paare gehören Kinder zu einer Ehe dazu. Wird ein Kind in der Ehe geboren, haben beide Elternteile das gemeinsame Sorgerecht. Dies gilt unabhängig davon, ob der Ehemann tatsächlich auch der Vater des Kindes ist.

Wichtige Entscheidungen müssen die Eltern somit stets gemeinsam treffen. An dieser Regelung ändert sich auch dann nichts, wenn die Ehe geschieden wird. Grundsätzlich bleibt das gemeinsame Sorgerecht bestehen. Dies gilt unabhängig davon, bei welchem Elternteil das Kind lebt.

3. Einen Anwalt für Eherecht finden

Eherecht Namen

Einen Fachanwalt für Familienrecht suchen

Wenn Sie Kontakt zu einem Rechtsanwalt aufnehmen möchten, können Sie dies online oder auf telefonischem Wege tun. Einige Kanzleien bieten ihre Dienste in Bezug auf Eherecht und Scheidung deutschlandweit an. Beachten Sie jedoch stets, dass Sie im Rahmen eines Scheidungsverfahrens persönlich vor Gericht erscheinen müssen.

Eine andere Alternative bietet der Anwalt vor Ort. Dort haben Sie einen direkten Ansprechpartner bei allen Fragen zu Eherecht, Unterhalt und vielen weiteren Themen. Eine Erstberatung ist allerdings mit nicht unerheblichen Kosten verbunden.

Sind Sie sich noch nicht sicher, ob Sie für Ihr Anliegen einen Anwalt benötigen, können Sie auch auf die telefonische Rechtsberatung einiger Portale zurückgreifen. In der Regel erfolgt eine minutengenaue Abrechnung. Ob dies für Sie günstiger ist, hängt sehr vom Einzelfall ab. Bei umfangreichen Fragen ist dies nicht die beste Wahl.

Um für den Fall einer Scheidung nicht mit Kosten belastet zu werden, ist es möglich, eine spezielle Rechtsschutzversicherung im Eherecht abzuschließen. Die Police ist allerdings relativ hoch, sodass Sie sich diesen Schritt genau überlegen sollten.

4. Wichtige Fragen und Antworten – FAQs

Gibt es Unterschiede des Eherechts in Österreich und der Schweiz?

Sowohl das Eherecht in der Schweiz als auch das österreichische Recht unterscheiden sich vom deutschen Familienrecht. Es gibt jedoch in weiten Teilen vergleichbare Regelungen. Im Falle einer grenzüberschreitenden Hochzeit vereinbaren Sie am besten im Rahmen eines Ehevertrags, welches Recht Anwendung finden soll.

Welche Auswirkungen hat die Eheschließung auf das Erbrecht?

Der Ehepartner erbt mindestens zu einem Viertel. Dies ist der sog. Pflichtteil. Über ein Testament können Sie den Partner selbstverständlich auch als Alleinerben einsetzen. Den Pflichtteil können Sie hingegen nicht ausschließen.

Wann kommt es zur Aufhebung der Ehe?

Dies ist nur äußerst selten der Fall. Beispiele sind eine unzulässige Mehrehe, die Unmündigkeit eines der beiden Verlobten oder aber der Fall arglistiger Täuschung.

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